Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- Seite 662 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschen zelgeik. Unmittelbar hinter dem letzten von mir zitierten Satz: „Es kennzeichnet die Deutschen, daß bei ihnen die Frage: „Was ist deutsch, niemals ausstirbt", stehen die Worte: „Kotzebue kannte seine Deutschen gewiß gut genug: »Wir sind erkannt', jubelten sie ihm zu. — aber auch Sand glaubte sie zu kennen. Jean Paul wußte, was er t a L, als er sich ergrimmt gegen Fichkes verlogene, aber patriotische Schmeicheleien und Uebertreibungen erklärte —, aber es ist wahrscheinlich, daß Goethe anders über die Deutschen dachte als Jean Paul, wenn er ihm auch in betreff Fichtes recht gab." Sie finden diese Stelle in: „Jenseits von Gut und Böse", 8. Hauptstück. Abschnitt 244. Wie weit aber Ihre Ausdeutung Nietzsches „himmelstürmender Sehnsucht in die Ferne wallender Gefühle und eiserner Willenskraft" danebenhaut, mögen Sie arv den folgenden Sätzen erkennen', die Nietzsche noch im selben Abschnitt gibt: „Will man die „deutsche Seele" ad ocolus demonstrieren, so sehe man nur in den deutschen Geschmack, in deutsche Künste und Sitten hinein: Welche bäuerische Gleichgültigkeit gegen Geschmack! Wie steht da das Edelste und Gemeinste nebeneinander! Der Deutsche schleppt an seiner Seele: er schleppt an allem, was er erlebt. Er verdaut seine Ereignisse schlecht, er wird nie damit „fertig"; die deutsche Tiefe ist oft nur schwer zögernde „Verdauung" ... Der Deutsche läßt sich gehen, blickt dazu mit treuen, blauen, leeren deutschen Augen -- und sofort verwechselt das Ausland ihn mit seinem Schlasrocke!" —‘ Wie wenig Sie zwischen erworbenen und deshalb auch veränderlichen Charaktereigenschaften und Rasseeigenschasten unterscheiden können, geht aus den letzten Zeilen Ihres Aufsatzes hervor: „Ist es völlig Zufall, daß die Juden in fast allen Staaten die Kaufleute find und nicht die Arbeiter und Landwirte? Auch hier wieder: Arterfcheinung der jüdischen Rasse, im kaufmännischen Leben Besonderes leisten." Nein, Zufall ist diese Berufserscheinung der Juden nicht, denn die Gründe liegen vor allem in den historischen Schicksalen. (Vgl. die Wkademierede von Döllinger: Die Juden in Europa.) Ob auch Rasseeigenschasten bei der kaufmännischen Berufsbegabung der Juden eine, wenn auch untergeordnete Rolle spielen, ist schwer, wenn überhaupt wissenschaftlich festzustellen. Jedenfalls sehen wir Juden in der einseitigen Berufsschichtung kein Raffenschrcksal. denn wir versuchen diese Bevufsschichtung heute — und nicht ohne Erfolg — zu verändern. Vor allem aber empfehle ich Ihnen, die folgende Stelle aus „Menchliches. Allzumenschliches" (Band II) zu beachten: „Alles Argumentieren aus dem Nationalcharakker ist so wenig verpflichtend für den, welcher an der Umfchasfung der lleberzeugungen, d. h. an der Kultur, arbeitet. Erwägt man z. B-, was alles schon deutsch gewesen ist, so wird man die theoretische Frage: Was ist deutsch? sofort durch die Gegenfrage verbessern: Was ist jetzt «deutsch? und jeder gute Deutsche wird sie praktisch gerade durch Ueberwindung seiner deutschen Eigenschaften lösen. Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedesmal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab; bleibt es stehen, verkümmert es, so schließt sich ein neuer Gürtel um seine Seele, die immer -härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Hat ein Volk also sehr viel Festes, so ist dies ein Beweis, -daß es versteinern will und ganz und gar Monument werden möchte, wie es von einem bestimmten Zeitpunkte an 'das Aegyptertum war. Der also, welcher den Deutschen wohl will, mag für seinen Teil zusehen, wie es immer auS dem, was deutsch ist, hinauswachse. Die Wendung znm Undeutschen ist deshalb immer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes gewesen." Doch genug. In Ihrem Aufsatz künden Sie, wie schon erwähnt. ein Buch an. das darlegen soll, wie Sie sich den Staat nach den „Acterfcheinungen der deutschen Rasse" denken. Ich erspare mir alles weitere bis zu dem glücklichen Augenblick, wo ich dieses Buch in Händen haben werde. Ich bin auf dieses Buch gespannt, schon um zu wissen, ob man dann aus Ihren hier besprochenen Aufsatz das Wort anwenden kann: Ex ungue Ieonem. Hochachtungsvoll Prof. Dr. Julius Gold stein. „Reine größere moralijHe Verkommenheit als im Iefuitisrnus". , EineBuchbesPrechung im völkischen' „Tannenber g". Die vstpreußische völkische Wochenschrift „Ta n n e n be r g", das „einzige Wichtblatt der uationals-ozialistischen Freiheitsbewegung Mpreußens sowie der Frontkämpfer und Jun-g-ma.nnenibeweMN'g" (Jungdeutscher Orden und Wchrwolf veröffentlichen darin ihre BevbandsmitteiLungen) ist seit kurzem mit einem Geleitwort Ludendorsss wieder erschienen. Die Nummer 30 vom 20. Oktober enthält eine Besprechung der Schmähschrift des völkischen Kämpen Alfred Miller, „Der Jesuitismus als Volks ge fahr", der sich als Spezialist im literarischen Vernichtungsseldzug-e gegen „Rom und Juda" immer stärker hervortut. Diese Besprechung ix>n Paul Bild n rt ist eine so unerhörte Herausforderung katholischer und jüdischer Deutscher, daß sie wörtlich und ohne Erläuterungen zur Kenntnis aller wahrhaft vaterlandsliebenden deutschen Volksgenossen hierher gesetzt sei. Mögen die vielen christlichen Leser dieser Blätter erkennen, wer die dem deutschen Volke so bitter nötige innere Geschlossenheit immer wieder Zerschlägt. ~~ - „Die Schrift ist in den verhängnisvollen Tagen des November 192-3 entstanden, und sie bringt auch Licht in die Ursachen jenes infamen Verrates, durch den Hitlers nationale Tat vernichtet ward. Es ist hier nämlich überzeugend nachgewiesen, daß der Jesuitismus als der Sturmtrupp der päpstlichen Weltherrschaft seinem ganzen Wesen, seiner durch uud durch verlogenen Moral und skrupellosen Heiligung des Zweites, sofern er nur dem Ultramontanismus Gewinn bringt, nach, eine Gesinnung schaffen' muß, wie sie die -Kahr, Lossow, ^Seißer offenbarten. Und alles ad majorem dei gloriaml Nie hat die Schein Heiligkeit und moralische Verkommenheit größere Triumphe gefeiert, als im Jesnitismus. Die Feindschaft gegen die Nation, die Verneinung der Persönlichkeit, wie sie in den Ordensregeln scharf 'betont ist, wiederum machen die Ansicht des Verfassers begreiflich, -daß auch der Jesuitismms nichts als eine „Spielart" des Judaismus ist. (Don uns seit gedruckt. Die Schristl.) Auch der Dentschbund betätigst sich in diesen: Sinne der Verquickung von Antisemitismus und Jesuitenseiudfchaft, obwohl er in einer programmatischen Erklärung sich dahin äußert, im Bunde fei' kein Unterschied oder Zwiespalt zwischen Katholiken und Evangelischen. Trotzdem rühmt der Altmeister Wanckel in einem Vorträge über die Tätigkeit in den ersten 15 Jahren Des DeuLschburDes (Nr. 8 der „Deutschbrmdblätter" 1924): „Auch die „Los-von-Rom-Bewegurig" fand Unterstützung der Bundesbrüder. Daneben unterstützte der Deutschbund auch Theodor Fritsch bei -der Herausgabe des „Hammer", die, wie es an derselben Stelle heißt: „wesentlich durch die Untersuchung und Werbetätigkeit der Bundesbrüder im Jahre 1902 ermöglicht wurde." Das ist wieder ein Beweis dafür, daß die antisemitische Bewegung trotz aller gegenteiligen Behauptungen in Feindschaft gegen den Katholizismus und das gesamte Christentum überhaupt ausartet, Mitglieder in Preußen. Mit Mckflcht auf die bevorstehenden Reichstags- und Landtagswahlen sind die Wahlen zum Landesverband jüdischer Gemeinden auf den L. Februar 1925 verschoben worden. Sorgt für rechtzeitige Eintragung in die Wählerlisten! Männer und Frauen sind wahlberechtigt.