Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 43 (23.10.1924)
- Date
- 1924-10-23
- Page
- Seite 651 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich habe die Erklärung mit einigen Kürzungen hier wiederk gegeben. Wer sie vollständig lesen will, den verweise ich aus „Ter '.Handelsstand im Ausland", Monatsschrift für den _ deutschen Auj ige stellten im Ausl6n.de, Hamburg, April 1924. Einige der Steilen l '.sind von mir gesperrt, um den Parallelismus mit dein völkischen! Judenhaß unmittelbar hervortreten zu lassen. Was d r ü b e u die s Mativrsten (die lOOprozentigen Amerikaner) sind, das find bei l uns die „d euts chb tätigen" Völkischen. Was drüben s den D e u t s ch a m e r i k a n e r n von den A nt erik a u i s ch - j Völkischen widerfährt, widerfährt u n s von den D e u t \ ch - j völkische n. Wie die Deutschamerikaner sich auf die amerikanische Wersassung berufen, so wir auf die de::tsche. Wie die Ameritanisch-!Völkischen sich am Geiste des edleren Amerikanertums eines Linien ln und eines Washington vergreifen, so die Deutschchölkifchen am Geiste des Deutschtums. Wie sich die Deutschamerikaner zn einer Abwehr- und Berteidigungsgemeinschaft -zusammenschließen muhten, so wir deutsche Juden zur Abwchrgemeinschaft des Eentral-Vereins. Wenn jüdische Deutsche sich auf : Sie Prinzipien der Freiheit und Gleichheit berufen, so gitt das als .semitische Rafseneigentümlichkeit. Wenn aber die deutschen Stmnmosgenoffen von dem Evangelium der Freiheit und Gleichheit sprechen, dann, ja dann hat es mit Raffe nichts zu tun. — Es muß immer und •immer wiederholt werden: Wer, wie die Völkischen, die Abstammung zur Voraussetzung nationaler Gemeinschaft macht, stärkt alle jene Kräfte, die im Auslände am Werke find, das Diasporadeutsmtu'.u staatsbürgerlich und kulturell zu entrechten, G, Ds§ Märchen vom MZenfilM» Zugleich eine Antwort an Erich S ch l a ikj er. In der letzten Zeit tauchen hier und da kleine völkis ch e Filmgründungen aus, deren Aufbau unklar, deren Ziel verschwommen und deren Leiter alles andere als sachkundig sind. In einzelnen Fällen hat man mit der Fabrikation von tendenziösen Filmbildern begonnen, sich große Subventionen zahlen lassen und nachher etwas geliefert, was entweder filnrisch unbrauchbar oder aus Zeus Urgründen uuvorgeführt geblieben ist. Alles in allem zeigt sich hier nur wieder der große Nepp, der aus die geschäftliche Dummheit fanatischer Arier spekuliert, die, wie so manche Gründung aus anderen Gebieten zeigt, u n b e s e h e n den m e r k w ü rdigsten E l e m e n t e n ihr Geld h i n w e r f c n, wenn a u | b e m Briefbogen oder am F ir menf e nft e r d as Hakenkreuz angebracht ist. Gerade in die Zeit dieser Fiuauzieruugsversuche für völkische Filme füllt ein Artikel der ,,Kreuzzettung", der vorn jüdischen Ursprung des amerlkanischen Films spricht. Es wird darin auseinandergesetzb daß drüben über dem Ozean der Film genau so „verjndet" sei wie bei uns, und zunächst festgestellt, daß die Leiter verschiedener großer Konzerne sich vor: klein auf zu Trustgelvaltigeu entwickelt hätten. Das-ist etwas, worauf mau eigentlich stolz fein könnte, sind Beispiele, die man nur zur Nachahmung empfehlen kann, j Dann aber, in den letzten beiden Absätzendes Artikels, kommt der Pferdefuß zum Vorschein, Man bemerkt erst cn passant, daß ausgerechnet Herr Fox, der heute mit der größte Filmproduzent ist, ein Kino besessen habe, in dem unzüchtige Bilder gezeigt wurden. Ausgerechnet in den: Lande, wo ein Schauspieler oder eine Schauspielerin in demselben Augenblick unmöglich sind, wo sie auch nur in den Verdacht geraten-, in eine Liebesaffäre verwickelt zu sein, die bei uns — allerlei Prozeße der letzten Tage beweisen es — höchstens in Form vor: Gerichtsberichten die Oeffentlichkeit erregen. Daß die Helder: dieser Affäre hier bei uns fast durchweg Nichtjuden sind, sei beiläufig erwähnt. Die kaufmännische:: Leiter der Konzerne, und daran: handelt es sich, richten sich naturgemäß n:it der Produktion nach dem Geschumck der großen Masse sind beengt dr:rch eine Zensur, die in puncto Sittlichkeit soweit geht, daß ein Zensor eigens angestellt ist, der die Länge der Küsse und die Länge der Kleiderröcke bis auf den Millimeter genau nachmißt. Der Ehebruch ist für den amerikanischer: Film eine Unmöglichkeit. Das Böse muß ständig bestraft werden, das Gute hak unter allen Umständen zu siegen. 'Die Filme fließen über vor Sittlichkeit, sind in ihrer Weltanschauungstendenz beeinfflußt durch die Christian Science und nehmen mehr Rücksicht aus Ouäker u.no Methodisten als aus Evangelische und Katholische. Wie man da behaupten kann, daß die Filme von geschlechtlicher Schmutzerei und von verbrecherischen Handlungen starren, ist geradezu unerfindlich und zeigt die Unkenntnis des Gewährsmannes der „Kreuzzeitung" oder die böswillige, tendenziöse Absicht. Beispiele genug ließen sich anführeu. Herr Erich Schlaikjer, der Gewährsmann des antisemitischen Organs, nennt an erster Stelle Herrn Zu kor, der unteranderem die „Ze-hn Gebote" herstellte, die gerade jetzt in Deutschland Aufsehen erregen. An diesem Film ist übereinstimmend von der deutschen Presse, von der extremsten Rechten bis zur äußersten Lmken, die allzugroße Moralität bemängelt worden, die sogar so weit geht, daß die Mutter dem Sohn, mit der Bibel in der Hand, am Sonntag verbietet, das Grammophon spielen zu Lassen. Von dem im gleichen Artikel zitierten Fox wurde ein Filnr!„Mutter" herausgebracht, der besonders in den rechtsstehenden Zertungen als Hol>es Lied der Mutterliebe gepriesen wurde, und den amtliche deutsche Stellen für volksbildnerifch wertvoll erklärt haben. Und H i r a m A bra ut s ist n ichts anderes als der k a u f n: ä :::::* s ch e Direktor einer P r o d u k t i o n s g e m c i n sch a s t, die von Atary P ickfo r d, Douglas Fair b a :: k s und Griffith gebildet wurde, die alle — Herr Schlaikjer tan:: sogar die Geburtsscheine nachprüfen -•- u i ch t de n: I u de u t u u: z u z u z ä h! e n sind. Bon diesen: besagtem nachweislich garantiert echt christlichen Griffith stanunt dafür der größte deutsche Hetzfilu: „Ter apodalhp-tische Reiter", der den: Deutschtum in der Welt unendlichen Schaden zugesügt hat und der von der mnerikamschm Regierung finanziert wurde. Ein anderer d e u t s ch - ö sk e r r e i ch i s ch e r A r i e r , der Oberleutnant Erich v. S t r o h h e i ut, hat es _ vorgezogen, anstatt während des Krieges seine::: Vaterland zu dienen, drüben allerlei H e tz f i l m e zu. inszenieren und dafür zu sorgen, daß die preußischen Offiziere in diesen antideutschen Filmen lebensecht dargestellt wurden. Im übrigen gehört zur Herstellung von Filmen in erster Linie ÄAamtskriptschrei den, Regisseure und Darsteller. Wem: sich Herr Schlaikjer die Mühe gemacht hätte, -das maßgebende Jahrbuch, nämlich das Jahrbuch des „Film-Taily", New Uork, durchzusehen, dann hätte er seststellen können, daß e s m i t her „B erjudu u g" des F i I nt s d t ü Ben I a u g e r: i ch t s o w e i t her i st, wie er m e i n t, e b e n s o w e u i g wie das etw a für D e tt t j ch l a u d st i m m t. Im Vorstand der Ufa, den: führende!: deutschen Konzern, sitzen n e b e -n eine m Jude n drei E -h r i st e n. Die Vor s i tz e n - den der großen Verbünde der L i ch t s P i e l - th c aterbesitzer, de r Verleiher und d er F ab r ik a u t e tt b e f e it rt e n j i ch s v w o h l i n A ut e r t! a lute bet u n s zum Christentum. Von süsis in^ Frage kommenden Verbänden hat m:r einer einen jüdischen Geueralsekrekär. Die Deulig, Emelka und die Deiltsche Lichtbildgesellschaft, die Landlicht Akt.-Ges. und eine ganze Reihe anderer führender llnternohmen haben in ihrer Verwaltung nur evangelische oder k a t h o l i s ch e H e r r e u. Wären die Vorwürfe des Herrn Schlaikjer wirklich wahr, so loären sie nicht an die Adresse des Judentums zu richten. Aber alles, was in dem Artikel mit Schlagwvrten verkündet wird, kann durch kein einziges Beispiel bewieset: wer d e u. Genu u das Gegenteil ist richtig, wobei noch z u be r 11 cksich t i gen i st , daß augenblicklich sogar in Deutschland eine starke Bewegung gegen d i e E i n - f u h r des a m e r i k a n i s ch e n F i l n: s e : n g e l e i t e t ist, an bereu Spitze allerdings jüdische Herren stehen, loeil die christlichen Herren nicht den Mut finden, für die Interessen der d e n t s ch e n F i l w i n d u st r i e gegen das kapital st arte Amerika öffentlich cinzu treten. Ein deutscher Jude ist es gewesen, der den französischen Markt' für den deutschen Film geöffnet hat, loährend es einenr rein christlichen deutschen Konzern Vorbehalten war, sogar wahrend der Ruhrbesetzung französische Filme unter einem Deckmäntelchen in die Spiel- Pläne der deutschen Theater einzuführen. Die Angelegenheit hat damals sogar zu einer Anfrage bei den bayerischen Regierungsstellen geführt. Man hat sie vertuscht cu:§ Gründen, die hier nicht näher zu erörtern sind. Sollen wir Herrn Schlaikjer und der „Kreuzzeitung" nachiweifen, welche Verdienste gerade Juden um die Entwickl it tt g des t ech n ische n und kulturellen F i l m s habe n? Vergebliches Bemühen. Er würde trotzdem beweisen, daß es anders ist. Man bedauert, wenn man solche Artikel liest, nur eins — nämlich, daß Gutenberg nicht zu unseren Glaubensgenossen gehört hall Wäre es der Fall gewesen, würde ja die konsequente „Kreuzzeitung" es ablehnen, sich der Buchdruckerkunst zu bedienen. Wenn derartige Blätter, die die Volksgemeinschaften verhetzen, ohne andere. Positive Arbeit zu verrichten, nicht erschienen, so wäre das ein ebenso großes Glück wie die Erfindung dieser schwarzen Kunst. Vielleicht wäre Herr Schlaikjer dann ans Variete gegangen, wo er als Zauberkünstler sicherlich ausgezeichnete Erfolge errungen hätte. Er versteht es glänzend, die Dinge zu verdrehen und wenigstens für Augenblicke bei naiven Leuten die Jltufion zu erzeugen, als ob er wundervolle, überraschende Dinge erscheinen ließe. Sieht man näher hin, ist es bei seinem Artikel vom Film genau so wie bei der Bühne, es ist nichts dahinter, nichts Wahres und Reales. Aber darauf kommlls ihnr ja gar nicht an. Er schreibt seine Zeilen je nach der Tendenz des Blattes und nimmt sein Horwrar sogar in Scheinen, ohne erst tiefgehende Forschimgen darüber anzustellen, ob nicht bei der Herstelltmg irgendwo ein jüdischer Arbeiter mitgelvirtt hätte. A. R. Zeder lese und verbreite: Bruno Weil: Oie jüdische Internationale. Verlag für Politik Md Wirtschaft, Verlin SW48. preis 1,5© Mark.