Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 43 (23.10.1924)
- Date
- 1924-10-23
- Page
- Seite 650 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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650 Tsisschm unö Urteile» Die Bibel — Maffcrrssrscher — ^Jüdische" Hschschul-- Utjvcv — KMLurLeisLuug. nnb Naffenlregabmrg — Lehrreiche Perrallelen^ „Die Bibel ist heute ganz oder teilweise i in 713 Sprachen übersetzt, die von ungefähr sieben Zehntel der Bewohner der Erde gesprochen werden. Uebertragungen in chinesische Dialekte gibt es allein 32. In vielen Fällen wurde die betreffende Sprache bei diesem Anlaß erstmalig schriftlich fixiert und damit der Sprachwissenschaft und der geschichtlichen Forschung ein unschätzbarer Dienst' erwiesen. Zum Vergleich sei bemerkt, daß von den sonst verbreitetsten Büchern der Weltliteratur H o m c r in 30, Shakespeare in 35 und Bunyans Pi! gri m' s Progreß in etwa 80 Sprachen übersetzt ist/ (Kirchliches Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands 1923, Seite 289.) Nach Zeitungsberichten hat L u d e n d o r s f arn 18. September bei einer Protestkundgebung gegen das Londoner Abkommen öffentlich erklärt: „Die Völkischen wollten die Rassen unterschiede, die Gott t m H i m m e! geschaffen habe, nicht ausgleichen lassen, in dem festen Glauben, daß sie damit Gottes tiefes Gebot erfüllen/' Da wir in Deutschland nur Menschen kaukasischer Rasse (zu der auch die Juden gehören) haben, da die Unterrassen der kaukasischen Rasse, die nordische, alpine und mittelmeerländische, seit Jahrtausenden sich miteinander vermischt haben, so stehen wir vor einer entsetzlichen Katastrophe: Seit Jahrtausenden hat die europäische Menschheit die Rassenunterschiede gegen das nunmehr von Ludendorss erkannte göttliche Gebot ausgeglichen. Ja, selbst das slawifierte Preußentum, ist in seiner Rassenexistenz eine „Sünde wider das Blut". Und wie haben erst die preußischen Könige sich gegen dieses „tiefe Gebot Gottes" vergangen! Einen Mann magyarischer Herkunft, Radowitz, hat Friedrich Wilhelm IV. Zum preußischen Minister geinacht. Bismarck und Wilhelm I. haben die Rassenunterschiede ausgeglichen und damit gegen das „tiefe Gebot Gottes" gesündigt, als sie Snnson schließlich überredeten, 1879 die Stelle als Präsioent des Reichsgerichts in Leipzig zu übernehmen. Und wie tief gesunken war erst Kaiser Friedrickp als er am 18. März dem stammesfremden Sinrson den Schwarzen Adlerordeu verlieh: „i n a u f r i ch t i g e r Anerkennung der vo a h r h a f t patriotischen Gesinnung, mit welcher S i e vor; 1 eh er beu Einheitsbestrebungen unausgesetzt Ihre b e st e n Kr äste'widmete n". Im übrigen erinnert die Methode Ludendorsss,, sich bei i einer R a s s e nP o l i t i k aus Gott Zn berufen/ an die Aenßerung eines Mannes, dessen ehrwürdiger Name nur mit betonter Zurückhaltung in diesem Zusammenhang genannt fei, an die Aenßerung Moltres, der den Krieg als ein notwendiges Element der göttlichen Weltordnung. bezeichnete. Gegen diese Behauptung Moltkes hat der dänische Philosoph H ö f s d i n g die Worte geschriebendie auch für Ludendorffs neueste theologische Kühnheit zutreffen: „Sich vertraute Kenntnis d e r g ö Etlichen W e l t o r d n u n g z u l e g e n, ist ein E r b st ü ck , das von den deutschen Philosophen einer früheren Zeit jetzt auf die Generale über gegangen zu sein s ch e i n t." * * * Vor einiger Zeit brachte die „Deutsche Hochschulz e i t u n g" i n M ü u ch e n einen Auffatz: /Philosophie und Judentum an den Hochschulen Deutschlands." Bei der Auszählung jüdischer Vertreter der Philosophie wird konstatiert, daß Professor M esse r (Gießen) Jude sei, ob er gleich väterlicher- und mütterlicherseits von katholischen Vorfahren abstammt. Von Professor N i ck e r t (Heidelberg) wird behauptet, „er zähle zu den sichersten Stützen des Judentums". Der betreffende Verfasser hat wohl einmal davon läuten hören, daß Rickerts Vater ein Mitbegründer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus war. Professor Rickert selbst (er ist absolut rasserein) hat sich nie zur Judenfrage geäußert und steh't aller Politik fern. Aber: Die Sünden der Väter . . .! Auch mein Name, Goldstein, wird mit der bezeichnenden Glosse versehen, „dessen Wiege in Galizien gestanden haben soll". Da die geographische Herkunft eines Menschen nach völkischer Theorie ja über den sachlichen Wert seiner Arbeit und seines Charakters entscheidet, und da Galizien das Maximum an geographischer Verachtung für den Deutschvölkischen in sich schließt, so sollte ich mit dieser Glosse moralisch und wissenschaftlich gerichtet sein. Zum Glück aber kann rch väterlicher- und mütterlicherseits meine Vorfahren nahezu zwei Jahrhunderte in Deutschland Nachweisen, bin also, was geographische Herkunft anbetrisst, wesentlich besser gestellt als der deutschnationale Staatsprästdent Bazille, dessen Familie erst 50 Jahre in Deutschland wohnt. * * * Nach der durch Chamberlain populär gewordenen Rassenb-etrachtung ist die nordische Rasse der alpinen und der mittelmeerländischen Rasse an kulturschöpferischer Kraft und Leistung weit überlegen. Von Wertungen dieser Art, die bei uns in der Politik eine große Rolle spielen, hält sich die Anthropologie aus guten Gründen meistens fern. Wenn sie aber einmal versuchsweise den unsicheren Schluß von der K u l t u r l e i st u n g ans die Nassenbegabung zu läßt und ihn unparteiisch prüft. dann gibt sie nicht der nordischen. Rasse, sondern der alpinen und mittelmeerländische n Rasse die erste Stelle. Din beiden bedeut-endestn Werke der letzten Jahre, Kroeber ' s „Anthropology“ und Dixon' s „The Racial History o? Man“ (beide New $ort 1923), kommen beide, . unabhängig voneinander, 31t dem gleichen Ergebnis. So schreibt Kroeber (p. 505 und 506): „Der nlittelmeerländischen Rasse gebührt die Palme über alle anderen, weil sie am längsten die Führung in knlturschöpferischen Leistungen gehabt hat, weil sie den größten Teil des Baues der bestehenden Zivilisation errichtet hat. Zur rnittelrneerländischen Gruppe der kaukasischen Rasse gehörten die Aegypter, die Kreter und andere Anwohner des Aegeischen Meeres, die semitischen Babylonier, die Phönizier und Hebräer und ein großes Ko-ntin-gent in der Bevölkerung des klassischen Griechenlands und Italiens, ebenso wie die Begründer der mohammedanischen Kultur. Fügt man die nahe verwandten Hindus hinzu, dann zeigt sich klar, daß die brünetten Weißen die Führung haben. Den nüchstgrößten Anteil an der Kultur hat die^ alpin-armen aide breitschädelige Abart der kaukasischen Rasse. Sie umfaßte die Sumerer (weun sie nicht z'ur mittelmeerländischen Rasse zu Zählen sind), die Hetiter und wichtige Gruppen anderer Völker des westlichen Asiens, Griechenlands und Italiens. Hiermit verglichen, erscheint die nordische Gruppe der K Qitfa s i c r a I s unöcbc 111 e n b. Bis vor einem Jahrtausend hatte sie wohl Gärung und Unbeständigkeit in den Kukturprozes; gebracht, aber kaum ein einziges neues Kulturnmment, sicherlich kein neues Moment von Bedeutung und Dauer. Noch Jahrhunderte später blieb, das Zentrum der europäischen Kultur in dem mittelmeer län-di scheu Italien und in denn alpinen Frankreich. Erst nach 1500 konnten die nordischen Völker behaupten, daß das Kulturzentrum sich zu ihnen hinbewege. Tatsächlich aber stannnt das Meiste der nationalen und kulturellen Ueberlegenheit der nordischen Völker wesentlich aus den letzten zwei Jahrhunderten. Dagegen können die mittelmeerländische und die alpine Nasse darauf Hinweisen, daß sie wenigstens sechs Jahrtausende lang die Führung in den schöpferischen Kulturleistungen gehabt haben." Es hat sich vor kurzem, in A rn e rik a ein D e u t s ch - A ui c r t - k a n is ch er V n r g e rb un d gebildet. Er gibt eine Monatsschrift heraus, in der die Ziele des Bundes mit "folgenden Worten gekennzeichnet werden: „Der Deutsch-Amerikanische Bürgerbund wurde von einigen wenigen entschlossenen Männern in Chicago in der schwärzesten und schwersten Stunde gegründet, die je einem Volks- Leit beschieden werden kann, zu einer Zeit, wo das D e n t s ch t u m in Amerika m achtlos u n b zerrissen, 0 h n e Organi - s a t i 0 n und Führer den schlimmsten S ch m ä h u n g e n, Berfolg ung en, De m ü t i g u n g e n, körperlichen n n b seelis ch e n Dt ißhandlungen ausgesetzt w a r. Ihm gehören heute schon viel Tausende von Mitgliedern an. Was bezweckt den Bürgerbund? Der Deutsch-Amerikanische B ü r g e r b u n d i st e i n e S ch u tz - und T r u tz 0 r g a n i s a - t i 0 n des Deutschtums amerikanischer Staats- Zugehörigkeit, hat die Treue zu unserem Adoptivvaterland auf seine Fahne geschrieben, und steht bereit, das Höchste für die Förderung amerikanischer Wohlfahrt einzusetzen, und hält seine Mitglieder zur aufrichtigen und selbstlosen Ausübung ihrer Bürgerpflichten an. Aber nachdem die Erfahrungen der letzten Jahre uns gelehrt haben, daß Loyalität und nationale Pflichterfüllung uns nicht davor bewahrten, von a n glotz h i l e n Hetzern und n a t i v i st i s ch e n Pöbelhaufen begeifert und selbst von amtlichen Stellen als Bürger zw ei t er Klasse behandelt zu werden, müssen wir der Bereitwilligkeit zur Erfüllung unserer Bürgerpflichten den Entschluß hinzufügen, auch die Anerkennung und die Achtung vor unseren Bürgerrechten zu erzwingen. Dem Gei st e des Rassenhasses und der D e u t s ch e n h e tz e ist in Amerika der eines' finsteren Muckertums und eines anrnaßenden Fanatismus aus dem Fuße gefolgt. Keiner darf bei der Abwehr dieser frechen Attentate fehlen; aber während die Stimme des einzelnen ungehörr verhallt, wird der Protest einer Massenorganisation, wie des Bürgerbundes, nicht nur gehört, sondern auch befolgt werden müssen. Grausame Erfahrungen haben uns darüber belehrt, daß wir die Leitung der nationalen Geschicke wie die Verwaltung der engeren politischen Gebilde nicht länger in den Händen derer überlassen dürfen, die in Amerika nur die englische Tochter einer englischen Mutter sehen. Daher steht für den Deutschamerikaner die Notwendigkeit einer gründlichen und weitgehenden Beteiligung an der amerikanischen Politik außer Frage. Lernen muß der Deutschamerikaner von dem angelsächsischen chankee, daß der Weg zu politischer Macht nur über die politische Organisation führt. Um unserer Abstammung willen hat m an uns in den vergangenen Jahren mit Füßen getreten, uns, die wir die einzigen waren, die an dem wahrhaft amerikanischen Ideal fe st hielten. Fester und entschlossener stehen wir auf dem Boden der Unabhängigkeitserklärung, dem Evangelium der menschlichen Urrechte, der Freiheit und Gleichheit. Rückhaltloser denn je vertreten wir den Amerikanismus der Väter dieser Republik, damit aber auch die Forderung nach der Gleichberechtigung unseres Bürgertums. Erfolge werden wir nur erringen, wenn wir uns sammeln und geschlossen Vorgehen. Als einzelne sind wir ein Stäubchen, das jeder freche Natrvistenmund in die Luft zu blasen vermag."