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Central-Verein-Zeitung · 1924-10-23 · 43 (23.10.1924) · p. Seite 646

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
43 (23.10.1924)
Date
1924-10-23
Page
Seite 646 (sequence 2)
Language
German
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646 Die Lsgenöe mm MösschM SMfchswWKMS» Von D i m i t r i V u l a s ch o w. Vor nur liegt die Shtminer bet; „Königsberger ARgemeinen Zeitung^ tarnt, 13. September, die an Zweiter Stelle einen arssführlichen Ar trkel über Sowjet-Rußland enthält, in dem die alte Lüge ausgefrischt und neu begründet wird, daß der Bolschew i s - mu§ eine Schöpftrn g der Juden sei, der. erste Schritt zur Begründung ihrer Welthertstchaft, wie sie m den Protokollen der Weisen von Zion geplant und beschrieben wurden. Von verschiedenen Seiten wurde uns dieser Artikel zugefcmdt. Offenbar hat er auf jüdische Leser Eindruck gemacht. Wir erhalten neuerdings öfter derartige Zusendungen, woraus man schließen kann, daß in letzter Zeit die Propaganda der Legende vom Mischen Bolschewisrtrrrs erheblich in der Provinzpresfe Angenommen hat. Der Artikel des Königsberger Blattes ist für die antisemitische Kampfmethode besonders ch a r a kve r i st i f ch. Er gründet sich nämlich ans eine vor kurzem in Reval erschienene Broschüre von Axel d e V r i e s , aus der aber nur diejenigen Stellen zitiert werden, die eine ungünstige Deutung für die Iirden znlassen. Ter Verfasser rechnete bei der Abfassung seines Artikels wohl damit, daß ja doch niemand nach der Broschüre greisen werde. Wer es aber doch tut, der kann z. B. auf Seite 75 der Broschüre folgendes lesen: „Nur zu oft wird man in Westeuropa die Ansicht verlautbaren hören, daß die Juden den Kommunismus entdeckt hätten, daß der Kommunismus ein jüdisches Werkzeug sei, um Rußland in die Hände zu bekommen. Wer abe r n ä h er die Vorh ä ltnisse i n o tu 11' t 9 t u ß l a u d kennt, w i r d bald z> u IN S ch l u ß k o nt m e n nt ü s s e n, daß nur ein Mensch, dem di e j ü d i s ch e F rage, b e s o n d e r s u ater den heutige n V e r h ä l t n i s s e n in Nu ß l a n d, g a n z u n b e k a n n t i st , ü b e r h a tt p t zu ei n e r s o l ch e n Ansicht ko m m c n kon n i e. Von allen Atrti.sentitotr wird niemals in Betracht gezogen, daß die Kämpfe inueuhalb der jüdischen Rasse zum mindesten ebenso scharf find, wie sie unter den anderen 'Rassen und Völkern Europas verkommen. Besonders klar tritt nun dieser Kampf in der Sowjet- Union hervor. Nur ein Beispiel: N l s i n d i e s e m H e r b st viele Tausende von „9t eP" - Leuten aus Moskau ausg e w i e s e n w u r d e n, konnte s e st g e st e l l t w e r> d e n, daß f a st 9 0 P r o z e n t dieser Leut e Mä n n e r j ü d if chex 9i a f ] e w a x s n. . . . Der k o m m n n i st i s.ch e Orden hat d e n K a m p s g e g e n den j ü d i s ch e u Bourgeois tn i t de rselben Konsequenz gef ü h r t w i e gegen d e n christ - l i ch e n. Von diesem Gesichtspunkte a u § i ft e s also g a n z v e r f e h l t, v o n eine nt j ü disch e n P l a n d e r B e s i he r g o e i f u n g 9i it ßlands z u s p rechen. Es kommt aber noch ein anderer Umstand hinzu. Es ist Tatsache, daß die jüdische Nasse, wenn ihre Glieder einmal ihren alten Glauben abgelegt haben, in der Großstadt fast noch schneller dem Zerfstzungsprozeß unterworfen ist wie andere Völkerschaften. . . In Rußland sehen wir nun, daß durch die Politik der Sowjet-Regierung . . . eine gewaltige Bewegung in die jüdischen großen Artsiedelungsrayo ns gekammert ist. Dieser Umstand bedeutet für die jüdische Rasse in Nußland sicher eine große Gefahr, denn sowie die Angehörigen der jüdischen Nasse in die Großstädte kommen, werden sie einer erbitterten und schonungslosen Propaganda der kommunistischen Partei, die gegen jede Religion, aber vor allem die jüdische gerichtet ist, ausgesetzt. Besonders den Kamps gegen die jüdische Religion führt heute der kommunistische Orden nt i t den unglaublichsten M i t i e l n u n d mit einem Z y n i s m u s , der j e d e n M e n s ch e n, der für Ehrfurcht e m p f ä n g *> l t ch t ft, f ch a u bextt rn a ch t. Die Sotigetregierttng gibt heute ein besonderes W i tz b l a t t zum Kampfe gegen die Religion heraus, den sogenannten „Gott l o f c n" (Beloshuik). Dieser „Go t t - los e" k ä rix P f t vor allem gegen die jüdi s ch e Religion. Die Folge dieser Propaganda ist natürlich eine rasche Zersetzung der festen jüdischen Elaubenssormen. Wenn wir nun in Betracht ziehen, daß der jüdischen Rasse jetzt in der Sowjet-Union ein gewaltiger Impuls zum Zug in die Großstadt eingeimpst ist und daß der Zersetz ungspvozeß "ihrer Nasseangehörigen durch die bolschewistische Propaganda unheimliche Fortschritte macht, so kann man es verstehen, daß in jüdischen Kreisen dieser Frage eine eunste Beachtung geschenkt wird... Es ist ein unheimlicher Vernichtungs- Prozeß, der sich im Judentum in der heutigen Sowjet-Union bemerkbar macht . . Um die unheimliche Macht zu verstehen, bk die Kommunisten ausüben, verweist der Verfasser darauf, daß „die Führer der revolutionären Masse, die das alte Rußland zertrümmert haben, zum größten Teil aus den Reihen der russischen Ober« s ch i ch t selbst erwachsen sind". (Seite 9.) Er nennt die Sprößlinge hervorragende Geschlechter, die in der Revolution eine führende Rolle spielten, und verweist darauf, „daß schon im Dekabristen-Ausstand (1825) vom jungen Militär-Adel die Nationalisierung des Bodens verlangt wunde". (Seite 7.) „Die meisten Führer der kommunistischen Partei sind nicht aus dem Proletariat hervorgegangen, sondern die fähigsten tmerschrockensten Persönlichkeiten der russischen revolutionären Hoch-Intelligenz sind es, die das gewaltige Instrument der Vernichtung, den kommunistischen Orden, in ihren Händen haltert." Es ist mir völlig unbegreiflich, wie sich das Gesagte mit dem Zitat des genannten Blattes vereinigen läßt, daß „wohl an 90 Prozent der Führer der LoMMrrrt.istifchen Partei dem jüdischen Raffe nngehort". Man tum sich das mm aN D rn Este h l er oder als beabsichtigte 'TKrrschWKg des Lesers erMiren. Unter der russischen Oberschicht und -der ruWchen Intelligenz gab es doch nicht 90 Prozent Juden, das zu behaupten, ist noch keinem Menschen xemals eingefallen. Anfang War 1M4 laßen wir in den Ertlichen Berichten der koMMMÜstifchen Partei, daß sie unter 900 608 dm* geschriebenen Mitgliedern 45 008 Juden, also etwa 5 Prozent, zahlt. Wie kommen also 90 Prozent unter die F ü h rer? Es wird ferner behauptet, daß das Dreimümrer-KoMiiee, das seit dem Tode Lenins an der Spitze der KoMtnunifteuPartei steht, aus lauter Juden zusammengesetzt fei: Sinowjew, Kamenew, Stalin. Smowjew ist alleiDimgI Jude von Geburt. Aber Stalin ist Grusiner und heißt Dugaschwiki und hat mit Juden ebe n so we n i g etwas gemein, wie etwa feine Landsleute Zeretel'lr oder Tfchcherdze, die m der Revolution ebenfalls eine große Rolle spielten. Ter dritte der Gencmirvten, Kamenew, ist nicht der durch die Antisemiten so berühmt gewordene Rofeufekd, sondern d t r ehe m a l i g e z a r r f ch e O b e r ft l e u t n a rr f, ' der jetzt unter dem Oberbefehl Trotzkis Kommandant der roten Armee ist und ausdrücklich als deren Vertreter in das Komitee delegiert wurde. Es sind also zwei Nichtjrr-den und nur einer jüdischer „Rasse". Aber wer leugnet -denn, daß einzelne Juden im Bolschewismus eine große Rolle spielien? Der Verfasser der Broschüre lagt selber, daß die Führer aus den' s ä h i g st e n u n e r s ch r o ck e it st e n Persönlichkeiten d e s r u f s i s ch e n revolutionären Intelligenz sich rekrutieren. Darunter befand sich allerdings eine Anzahl Inden. Niemand hnt sich gründlicher bemüht, die jüdische Jugend in die Arme der Revolution zu treiben als die russische Regierung feit Alexander en, mit ihren Ausnahmegesetzen und Plackereien.., W o ch e n b e t r a ch t u n g. Schoudas erste Wort der Heiligen Schrift regt unser Nüchdenlen an. Es gibt einen Anfang, sagt es. Damit hebt es uns heraus aus dom mederdrückeniden und beängstigenden Bereiche der Kausalität und legt den Grundstein für das erhabene Reich der Freiheit und Sittlichkeit. Es gibt einen Anfang, so sprachen auch die ehirfurchtgeb'ieken'den Tage zu uns. Es ist nicht wahr, daß die böse Tat fortzeugend Böses muß gebären. So konnten wir mit Recht beten: Erneuere unsere Tage wie ehedem, d. h. nach der Deutung unserer Alten, daß wir rein und unschuldig werden, wie der erste Mensch es gewesen. Es gibt einen Anfang, so rief das Fest der Lebensfreude allen Bekümmerten und Leidtragenden zu. Ihr braucht euren Schwerz nicht als ewig drückende L a st und Fessel mit euch herumzuschleppen. Beginnet ein neues Leben in Freuden^ Es gibt einen Anfang-, so kündete uns auch das Fest der G e s e tz e sfreude. Ihr habt das ganze Jahr hindurch mit Eifer gelesen und geforscht in dem heiligen Buche der Offenbarung. Ihr habt in ihtn mit heißem Bemühen eitle Lösung gesucht für die Fülle der Rätsel im Himmel und aus Erden. In heikigem Entzücken habt ihr in festlicher Stimmung die Lesung 'des Buches vollendet. Glaubet nun aber ja nicht, ihr hÄtet den ewig sPrud-elndM Quell ausgeschöpft, ihr hattet die letzte Wahrhei-t und Weisheit gesunden. Ihr dürft alles bisher Gefundene in- Zweifel setzen. Stellt euch einmal vor, ihr wüßtet nichts und Hüttet noch gar nichts erreicht, und beginn e t mit f r i s ch e m M u t v o n n eu e m. Fanget noch einmal ganz von vorne an, vom Anfang, und in reichem Strome wird euch neue erhabene Weisheit fließen. — Es gibt einen Anfang, das war uns Juden ein Trost rat Laufe unserer vieltausendjährigen Geschichte. Wie oft hatten wir mrsere ganze Kraft rückhaltlos in den Dienst eines Landes gestellt, hatten durch Jahrhunderte hindurch geholfen, seine wirtschaftliche und geistige Kultur nt-iiauszübauen, seine Blüte zu fördern. Aber immer tü ieber ward Undank unser L o h n. Die Schl-angenhäupter des Neides und der Mißgunst erhoben sich grstsprühend gegen uns. Ro«he Gewalt vertrieb uns von dem Boden, den wir im Schweiße unseres Angesichtes uns zur Heimat gestaltet. Unsere Gotteshäuser, in denen wir für das Wohl des Landes gebetet, wurden zerstört, die Gräber unserer Lieben von gieriger Habsucht durchwühlt und entweiht. Wir verzweifelten nicht, wenn wir auch nichts als -den Wanderstab in die Ferne Mitnahmen. Es gibt einen neuen Anfang, so ries uns das heilige Buch ermutigend zu. und nach dem Vorbilde des Schöpfers schufen wir eine neue Welt aus dem Nichts. Scheint es nicht, als ob auch in unserem deutschen Vaterlande alles verloren wäre, worum wir uns seit Jahrhunderten bemüht? Jst's nicht so, als ob ein Lavastrom glühenden Hasses alle unsere Errungenschaften mit vernichtender Asche bedeckt hätte? Leben wir nicht wie in der Nähe eines Vulkans, der jeden Tag neues verderbliches Feuer zu speien droht? Und doch keine Furcht und keine Drohung wird die freudi-ge Hoffnung der g l a u b e n s st ä r k st e n Gemeinschaft der Welt zu unterdrücken vermögen. Es gik< erneu Anfang. Aus den Trümmern legen wir netten Grund.. Unermüdlich fügen wir in zäher Arbeit Ste>in aus Stein zu einem neuen Bau, zu einem Tempel der Freiheit und des Rechts, der offen stehen soll für alle, die dem gleichen Ziel, dem g l e i ch err h.o h e n Id e a 1 zustreben. Hoff m a rrn.

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