Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1924-10-23 · 43 (23.10.1924) · p. Seite 645

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
43 (23.10.1924)
Date
1924-10-23
Page
Seite 645 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277464-2277506--01539-2280788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Einzelnummer 10 Golöpfennlg Serlin, 22. Oktober 1-24 1H. Jahrgang Nr. 42 VlSUerfSrQeulsrllkmnd' undluoentum MonatSaLonnement 40 Goldpsrrmig fvemm^sLutnaillerüiis _ Stmttsdüryer iüöifdwn Vlauvens'Är Z^llltzsrrrsirrs Zeixung^ des Oudenxums Verlag und Schriftteiiung: Berlin 8^ 68, Lindcnstr. 18. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8584, 8585. Bankkonto : Dresdner Bank, Wechselstube G> Berlin SW 68, Lindenstv. 7 Alleinige Ameigenannahme: Annonce»-Expedition Rudolf Moffe. Berlin 8>V io, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Soldmark für die 7gespaltene ZeUe nach Rudolf Mostes Slormalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder de« Eentral-Berein« 0,40 Soldmark, die 90 mm breite Steklamezeile 4 Soldmark Reichstagswahlen! Der Reichstag ist ausgelöst. Am 7. Dezember finden neue Wahlen statt. Wieder wird der Central-Verein. deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu zeigen haben, daß seine Organisation sich bewährt, seine Mitglieder, daß sie ihm die Treue halten. Wir gehen frohen Mutes in den Wahlkampf. Die Erfahrungen zahlreicher Wahlkämpfe, zuletzt der Reichstagswahl am 4. Mai, lehrten uns, wir wir zu arbeiten haben; damals haben unsere Redner mit Erfolg aufklärend gewirkt, unsere Flugblätter und Schriften die Stimmung beeinflußt, die Gesinnung geläutert. Ueberall, wo man den Willen zur Arbeit hatte und Mut, Energie und Fleiß aufwandte, konnte die v ölkisch e Hetze wirksam bekämpft werden. Ohne unsere Arbeit wäre der Erfolg derVölkischen weit größer gewesen, und darum heißt es jetzt wieder arbeiten und immer wiederarbeitengegen dievölkischeLüge,magsievonvölkischeroder von deutschnationaler Seite kommen. Die Politischen Parteien können bei den außerordentlichen Aufgaben, die sie zu erfüllen haben, nicht auch noch die Einzelheiten der völkischen Verhetzung von Grund aus bearbeiten, wie es uns möglich ist und möglich sein muß. ' Wir sind bereit. Für Literatur und Flugschriften ist in reichlichem Maße gesorgt. In den nächsten Tagen wird ein grundlegendes Werk über „Die Weisen von Zion" zur Ausgabe gelangen, das für jeden normal denkenden Menschen diesen Wust von Lügen erledigen wird. Unser Freund Bruno W e i l hat im Verlag für Politik und Wirtschaft eine glänzende Schrift .über „Die jüdische Internationale" erscheinen lassen, die jeder deutsche Gebildete lesen müßte. Jetzt gilt es, diese Schriften zu verbreiten und in die Hände derer gelangen zu lassen, die den Inhalt kennenlernen wollen und geeignet sind, ihn weiter zu verbreiten. Das wird die Aufgabe unserer Organisationen im Lande sein. Sie werden auch dafür Sorge zu tragen haben, daß grobe Lügen, welche gegen die jüdischen Deutschen erhoben werden, mit dem nötigen Nachdruck Zurückweisung finden. Die Völkischen verhetzen die Masse, dessen müssen wir uns bewußt sein. In der gleichen Weise verfahren die Deutschnationalen. Halten wir, wo es nur möglich ist, Aufklärungsversammlungen ab, sorgen wir, daß die Völkischen in ihren eigenen Versammlungen Redner finden, die ihre Unwahrheiten niedrigerhängen, daß sie in Gegenversammlungen das zu hören bekommen, waS sie uns in ihren eigenen Versammlungen zu antworten durch rohe Gewalt verwehren, und wehren wir uns gegen diese feige Kampfesweise uns gegenüber, indem wir sie immer wieder bekanntgeben. Das deutsche Volk ist ritterlich genug, um Niederträchtiges als Niederträchtigkeit und Feigheit als Feigheit zu würdigen. Machen wir jeden einzelnen unserer Freunde mobil. Wir könnten einen ganz anderen Einfluß auf die Wahlen haben, wenn wir nicht nur Mann und Frau zur Wahl zu veranlassen, sondern auch politischen Sinn und politisches Verständnis in höchstem Maße in ihnen zu erwecken vermöchten. Dazu gehört, daß unsere Freunde unsere Schriften lesen und geistig verarbeiten, daß sie unsere Zeitung in nichtjüdischen Kreisen verbreiten Helsen, daß unermüdlich von Mund zu Mund gewarnt wird vor der Schmach und der Schande, die das deutsche Volk, die deutschen Juden durch die völkischen Agitatoren bedrohen. Die Wahlen kosten Geld, aber der Ausfall der Wahlen ist von größtem Einfluß auf das politische, moralische und wirtschaftliche Sein jedes einzelnen. Ein Sieg der Völkischen käme einer Entrechtung der deutschen Juden gleich, selbst wenn die im Gesetz verbürgte Gleichberechtigung nicht ausdrücklich aufgehoben würde. Deshalb müssen wir sofort einen W a h l s o n d s schaffen. Auch zum Preußischen Landtage werden wir am 7. Dezember zu wählen haben. Diese Wahlen sind ebenso wichtig wie die zum Reichstag. Denn sie haben über Verwaltung und Gesetzesanwendung im Lande zu be-, stimmen. Bisher war es stets die Verwaltung, die die Juden um ihre Rechte gebracht hat, die ihnen dieGesetzgebunggesicherthatte. Darum zum Schluß noch einmal: Wir müssen uns mit gedrucktem Material versehen; wir müssen alle Redner unterstützen, die sich gegen die Völkischen wenden; wir müssen den letzten Mann mobil machen und wir müssen einen Wahlschatz sammeln, damit der Ruf zur Wahl, der an das deutsche Volk erging, uns, vielleicht den bedrücktesten Teil seiner Staatsbürgerschaft, gerüstet findet. Seid e n e r g i sch und bedenkt, daß nur die Gesinnung, dieden Kampsnicht scheut und die den Sieg will, Aus - ' sicht auf Ersolg hat! Kraft zieht nicht nur Kraft an, -ordern Kraft strahlt auch Kraft aus! Ludwig Holländer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.