Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 42 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- Seite 636 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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636 Eine eigentümliche Antwort. In Nr. 39 unseres Blattes .hatten wir Herrn M a h r a n n, den Führer des „Jungdeutschen Ordens", aufgesord-ert, die Beweise für Behauptungen die er gegen den C. V. erhoben hatte, zu bringen, und ihn in klarer, eindeutiger Weise der schweren Verleumdung beschuldigt. wenn er diese Beweise anzutreten sich weigern würde. Herr Mahraun geht unserer offenen Anfrage ans dem Wege und gibt im „Jungdeutfchen Orden" von: 3. Oktober folgende ausweichende Antwort: „Wir verbitten uns diese echt jüdische Methode, eine begonnene wrsienschastliche und sachliche Auseinandersetzung Zwischen Herrn Mahraun und der „G. B.-Zeitmrg" durch derartige Querfragen zu unterbrechen. Die „C. V.- Zeitnng" ist uns noch so vieL Antwort schuldig, Vas; wir ihr das Recht ab spr echen müssen, jetzt ihrerseits mit Fragen an nns heranZntommcn, bevor die von uns vorgetragene Diskussion Zn Ende geführt ist. Daraus sind nns die Herren Holländer PP. die Antwort schuldig geblieben. Sehr unjüdisch erscheint uns diesmal die jüdische Hast, womit mau in herausforderndem Tone ome Erklärung wünschst die gegebenenfalls als unerwünscht entgegeu-genoramen werden wird. Die weitere Aufrollung der Frage in der Tageszeitung „Ter Jungdeutsche" wird so und Zu der Zeit geschehen, wie es in unserem Programm steht. Schon in den nächsten Tagen erfolgt die Fortsetzung unserer Artikelserie „Die Kirchenväter und die Juden". Weshalb denn so drängen? Der „Jungdeutsche" hat auch noch etwas anderes zu tun, als sich fortlaufend mit Albernheiten des C. V. zu befassen." Uns scheint, daß nicht wir, sondern daß Herr Mahraun die „wissenschaftliche und sachliche Auseinandersetzung durch Querfragen unterbricht" und harren vorläufig weiter seiner Antwort. /lus öern öunkelsten Pommern. Von Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund). Rechtgläubige protestantische Professoren der Theologie, die dazu angestellt sind, an der Universität das Alte Testament zu lehren und gleichzeitig mit der politischen Reaktion sympathisieren, ja sie sogar mit geistigem Rüstzeug versehen wollen, befinden sich in einem fatalen Dilemma. Das Alte Testament müssen sie wohl oder übel verteidigen und verherrlichen, denn sie leben davon. Sie würden ihren eigenen Daseinsgrund verlieren, wenn sie in die Verunglimpfungen eines Fritsch, Delitzsch und anderer Vorkämpfer eines vom Alten Testament gereinigten neugermanischen Christentums oder Heidentums einstirnmen würden. Aber wie sollen sie damit den Haß und die Verachtung gegen das Judentum vereinigen, das das Alte Testament her vor gebracht hat und sich noch imurer dazu bekennt, einen Haß und eine Verachtung, von denen zu einem großen Teil ihre politischen Freunde und Zöglinge leben? Wie sie es anstellen, sich diesem Dilemma zu entwinden, mag man aus zwei Vorträgen des Professors D. O. Procksch in Greifswald, die er allem Anschein nach vor lutherischen Pastoren Pommerns gehalten und unter dem Titel: „Altes Testament und Judentum" veröffentlicht hat, lernen. Bereits vor einiger Zeit, erst in einer theologischen Zeitschrift, alsdann separat erschienen, aber uns erst heute ui die Hände fallend, erheischen sie eine Beleuchtung, weil ihre Gedankengänge typisch sind und uns die Gesinnungen weiter Kreise erst verständlich machen. Herr Procksch ist nämlich ein solcher Professor des Alten Testaments. In seiner Wissenschaft hat sein Raine einen guten Klang, u. a. hat er einen Kommentar über das erste Buch Mose geschrieben, der nicht ohne Vorzüge tjr. Ilm so betrübender ist es, ihn aus der anderen Seite von einer geradezu erschreckenden konfessionellen und politischen Befangenheit und Intoleranz zu finden. An Leuten wie ihm begreift man das vernichtende Urteil der Welt über gewisse geistige Führer des alten und des unveränderten neuen Deutschlands. Die dem bedrängten Gemüt des rechtgläubigen, aber antisemitischen hintervommerschen Pastors und seiner deutschnationalen.Herde dargereichte Formel ist trotz ihres theologischen Raffinements von unleugbarer Einfachheit: das Alte Testament, ist, wenn man es nur in der rechten Weise versteht, schön und gut, und muß ein deutsches Glaubensbuch bleiben (erster Vortrag), aber (zweiter Vortrag) das I u d e n t u m ist etwas ganz anderes. Es ist der vom Heiland verfluchte „ewige Jude", der Vampyr der Nationen, der, wohin er kommt, verhängnisvoll für das nationale Leben wirkt. Zu Heimatlosigkeit verdammst kann er zur Ruhe konunen nur am Kreuze Christi; eine andere Erlösung gibt es nicht für ihn. Aber so geschickt und einfach die Formel ist. so fehlt ihr zur Vollkommenheit doch noch ein Kleines: nämlich, daß sie richtig sei. So ist dem Herrn Professor z. B. Deutschtum, und erst recht Christentum gleichbedeutend mit L u t h e r t u m. Luther ist ihm „der" deutsche Prophet. Er ist mehr als ein anderer deutscher Mann die Schicksalsgestalt unserer Nation. Seinen Glauben muß sie neu in sich anfnehmen. wenn sie gesunden will. Wir erlauben uns, darauf aufmerksam zu machen, daß sich unter den sechzig Millionen Deutschen etwa zwanzig Millionen Katholiken befinden, die in Luther alles andere als einen Segen für das deutsche Volk sehen und nichtsdestoweniger die Anmaßung haben, gleichfalls als Deutsche zu gelten, daß sich ferner unter den übrigen vierzig eine erkleckliche Anzahl von Millionen zusammenbringen ließen, die nicht bloß von Luther, sondern überhaupt vorn Christentum nichts wissen wollen (von den erbäruckichen Juden natürlich zu schweigen), daß cs ferner noch rn andern Ländern, z. V. Amerika. Lutheraner gibst die wiederum keine D e u t s ch e n sein wollen, ja daß endlich bis zum sechzehnten Jahrhundert das ganze deutsche Volk katholisch war, es also. — o armes Vaterland! — bis dahin überhaupt keinen einzigen richtigen Deutschen gegeben hat. Es mag ja in Hinterpommern und verwandten Landschaften viele Leute geben, die kaum jemals einen Katholiken gesehen haben, aber was ich nicht kenne oder nicht kennen will, hat damit nicht aufgehört, da zu sein. Hiernach wird man sich vorstellen können, welches Zerrbild der gelehrte Redner von dem modernen Judentum entwirft. Es ist das typische Phantasiegemälde, das wir aus den landläufigen antisemitischen Deklamationen kennen. Der Talnnid. das Grundbuch des nachüiblischeu Judentums, ist eine Wüstenei, ein Irrgarten des menschlichen Geistes. Der ewige Jude ist Typus nicht einer Nation, sondern einer Familiengemeinschast. die überall und nirgends zu Hause ist. Er ist international wie das Geld, das seine Welt ist. In der Kunst des Geldhandels sind die Juden allezeit zur größten Meisterschaft gelangt. So war es schon im Römischen Reich (!) und im Mittelalter, und in der Neilzeit spricht der eine Name Rothschild die furchtbare internationale Macht des jüdischen Kapitalismus aus, der den Nationen der Erde wie ein Barnpyr das Blut aus dem Leibe saugst Auch der amerikanische Geldhandel ist jüdisch. Die Juden beherrschen in verhängnisvollster Weise die Presse. Sie sind auch die Hintermänner der internationalen Freimaurerloge. Die Früchte des jüdischen Menschheitsgedankens sehen wir in Freisinn und Sozialdernokratie zur vollen Reife gelangst und der katholische Menschheitsgedanke hat sich mit diesen Mächten vereinigst um die deutsche Nation zu entwaffnen und zu zerschlagen. Die nationale Politik muß danach handeln. Die Juden sind und bleiben Fremde im deutschen Vaterlande, solange sie sich nlcht dem Christentum unterwerfen. Sie haben daher keinen Rechtsanspruch aus nationale Rechtsgleichheit mit den Deutschen, denn Recht ist Macht, nationale Macht, die „wir" nur durch Ausscheiden des Judentums erhalten können. „Bei einer nationalen Politik müssen also jüdische Staatsmänner, jüdische Offiziere, jüdische Lehrer, jüdische Richter als unwillkommen bezeichnet werden, weil sie nicht Träger des nationalen Geistes sein können. Die tragische Lage des Judentums soll nicht verkannt werden. Aber die Nation darf doch nicht dadurch zugrunde geben, daß Lassales und Marxens jüdischer Sozialismus unser Volk zersetzt. Es bleibt auch hier dem Judentum ein Weg zur Rechtsgleichheit. wenn es sich dem nationalen Geiste unterwirft. Daß dies für das Judentum nur unter Vermittlung des Christentums geschehen kann, braucht nicht noch einmal ausgesprochen werden." Nichts gelernt und nichts vergessen! Diese Rede hätte genau so auf dein vereinigten preußischen Landtage von 1847. ja schon vor mehreren Jahrhunderten gehalten sein können, so alt und abgestanden sind ihre Schlagworte. Die Entwicklung des modernen Völkerlebens hat der Herr Professor offenbar gänzlich verschlafen und von modernem Staatsrecht versteht er rein gar nichts. Daß ihm der Talrnud ein Irrgarten isst in dem er sich nicht zurechtsindest glauben wir ihm gern. Er geht noch imrner mit der Fabel um, daß die Inden mit ihrem Geld die Welt beherrschen. Er hat also keine Ahnung, daß die reichsten Leute auf der Erde keine Juden und die Rothschilds gegen die christlichen amerikanischen Milliardäre, einen Henry Ford, einen Nocke feil er, Carnegie, Vanderbilt, Morgan nsw., beinahe arme Schlucker sind, daß die „nationale" deutsche Politik jetzt zu einem großen Teil in demütigen Bittgängen bei dem internationalen Kapital bestehen muß, er weiß nichts davon, daß 95 Prozent aller Juden der Welt bettelarm sind, und phantasiert von unserer Meisterschaft im Geldhandel, als ob alle Banken, Konzerne, Trusts, Syndikate (ob er wohl von diesen Dingen schon einmal gehört hat?) in jüdischen Händen seien. Wie gering der Anteil der Juden am Nationalvermögen ist, machen sich auch verständige Leute selten klar, weil sie immer nur die großen Schaufenster jüdischer Geschäfte in der Hauptstraße sehen. Ich habe einmal einem anderen Professor, der gleichfalls meinte, daß die Juden doch den meisten Reichtum besitzen, folgenden Vorschlag gemacht: Nehmen Sie sich einmal ein Auto und fahren Sie damit von Konstanz bis Königsberg. Lassen Sie es alle paar Minuten halten und fragen Sie mit weiter Gebärde nach allen Seiten: Wem gehört dies? Diese Felder, diese Wälder, diese Güter, diese Schlösser, diese Fabriken, diese Bergwerke, diese Schisse? Ich gehe jede Wette ein, daß Sie in hundert Fällen noch nicht ein Mal die Antwort erhalten werden: einem Juden. Ein paar dieser Magnaten könnten bequem die ganze deutsche Judenheit nuskaufen. Keine Ahnung hat ferner dieser Gelehrte in seiner Studierstube von der deutschen Presse, von dem außerordentlich geringen Einfluß der Juden in ihr und von der ungeheuren