Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 41 (12.10.1924)
- Date
- 1924-10-12
- Page
- Seite 625 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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625 ntitt anrechnen, wenn auch sie ihren Nationalstolz haben?! Im Gegensatz zu den anderen Völkern mit Nationalstolz, die auf Grund ihrer wirklichen oder vermeintlichen hervorragenden Eigenschaften Herrscherrechte und andere Rechte beanspruchen, haben die Inden ans ihrem Nuserwähltsein niemals Rechte, wohl aber schwere Pflichten hergeleitet. Und aus -eben demselben Buche, aus dem die Inden ihr Auserwähltsein erfahren haben, dem Buche, den: die Welt den Namen „das Buch" gegeben hat, haben sie auch gelernt, daß der F r e m d l i n g nicht geringeres Recht genießen d ü r f e, als sie selbst. Haben auch andere Nationen -sich 'dieses Gesetz zu eigen gemacht, führt nicht vielmehr ihr Nationaldüntel noch heute — oder heute wieder — dahin, zu verlangen, daß die kulturell mit ihnen verwachsenen jüdischen Volksgenossen minderen Rechts gestellt werden!? Das re stlo se Ausgeh en der Juden in der d e u t s ch e n B e v ö l k e r u n g. Die Forderung Brentanos (S. 16 des Heftes) scheint mir von Eschelbach er mißverstanden zu sein (S. 5 des Heftes). Diesem Satz geht bei Brentano der Satz voran: „Die zum Wiederaufbau des Deutschtums unerläßliche Einheit setzt eine solche Verschmelzung der deutschen Juden mit der übrigen deutschen Bevölkerung voraus, wie sie in den westlichen Ländern erfolgt ist." Da nun die Verschmelzung in den westlichen Ländern nicht zum Verschwinden der Judenheit geführt hat, so ist auch nicht wahrscheinlich, daß Brentano unter dem „restlosen Ausge'hen der Inden in der deutschen Bevölkerung" etwas anderes gemeint hat, als die Verschmelzung, w 'i e sie in den ioestlichen Ländern st a t t g e - funden hat. Ein Nusgehen der Juden, das ihrem Verschwinden gleichküme, wäre nicht nur im Interesse der Juden selbst, sondern auch im Interesse der Menschheit schädlich. „Es ist nicht daran zu denken," — sagt Brentano in dem Satz, der dem obm zitierten vorangeht — „daß die westlichen Völker zum Wiederausbau des Deutschtums die Hand reichen, solange man in diesem die Inkarnation von Gewalttätigkeiten gegen andere Völker erblickt". Der beste Maßstab der Neigung der Völker zur Gewalttätigkeit war aber zu allen Zeiten deren Verhalten gegen die Juden. Es liegt daher im Interesse der Menschheit, daß dieses feine Barometer der Gerechtigkeit den Völkern erhalten bleibe. Rombattantenverern gegen Veteranen. ' Völkisches H -e l d e n st ü ck aus S ch w i e b u s. Der Kombattantenverein in Schwiebus hat die chm an gehörenden sieben jüdi f chen M itglieder ausgeschlossen, weil sie sich erlaubt hatten-, am Berfassungstage an einem Umzuge des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" teilIunehmen. Unter den Ausgeschlossenen befindet sich -der 7 6 jäh ui g e Be 11 r a n A do l f 'S i l b e r st e -i n, Feldzugteil nehme r von 1870/71, Teilnehmer an Zwölf Schlachten, «der seinerzeit als Sergeant ausgefchieden ist. Der älteste der drei Söhne des Veteranen wurde im Weltkriege Offizier und Kompagnieführer. Ein drastisches 'Beispiel echt -völkischer „Pflege kameradschaftlichen Geistes und nationaler Betätigung". Völkische Zührer. Ein Blick in ihr Seelenleben. Die „Völkische Partei" hielt am vergangenen Sonntag in Walsr o d e in der Lüneburger Heide eine Reklametagung ab. Anwesend von -den Führern die immunen Reichstagsabgeordneten Luden dorff (General), H e n n i g (Major) und Weidenhöfer (Pächter). Blütenlese laut ,Malsroder Zeitung" (Amtliches Kreisblatt): Ludendorff: „Wir wollen kein Römisches Reich deutscher Nation ... Es ist eine zwar gewaltige, aber verwerfliche Idee, Deutschland der katholischen Religion zur Verfügung Zu stellen." Wes de n h ö -f e r: „Die fchwarzrotgoldene Fahne ist eine Schmach für unser Vaterland; man hätte gut daran getan, den Verräter Wilson, als er verendet war, in die neue Fahne einzuwickeln, mit sie damit auf ewig verschwinden zu lassen." Hennig: „Marx und Strescmann sind -bewußte Lumpen und Hochverräter, sie gehöre!: an den Gü-lgen und aufs Schafott . . . Die Deutschnationalen sind nur -eine Abart der Demokraten. Das deutsche Volk ist steuerlich überlastet. Es kann der Tag kommen, wo das empörte Volk sagt: .Nun i-st's Schluß,^schickt ihr fiwch einen Steuereinnehmer, dann schlagen wir ihm den ^chädel ein!'" Eins LLMms-§ am ösr Studentenzeit» Von N. L. w i e d e r e r Z ä h l t. Es war in Leipzig. L a Z a r u s besuchte einen jüngeren Kollegen von der ch r i ft i ich en Theologie. „Wer war denn der, dem ich -auf der Treppe begegnete?" „Ein unverschämter, Zudringlicher Kerl!" „Das wundert mich. Er sah nicht so aus." „Kommt in meine Bude und fragt, ob ich keine alten Kleider zu verkaufen habe. ,Neinh sage ich. Steht er -noch und meint lächelnd: »Denken Se nach . . . vielleicht findet sich doch -was . . .* »Marsch hinaus st schrei' ich, wütend über die Störung." „Warum so grob, lieber Freund? Wenn er ein Bettler gewesen wäre, hättest du ihn auch so augeschrien? Tu schweigst . . . Nicht wahr, du hättest ihm etwas gegeben?" „Na ja..." „Nun also! Du gibst, wenn einer bettelt. . . aber du verzeihst 'die Störung nicht dem H ä n d l e r. Ich meine, wer erwerben muß, darf auch handeln. Ich habeihn für einen Bettler' gehalten ... und bot ihn: ein Geldstück. Er hat mich beschämt: lJch -danke, mein Herr, ich bettle -nicht, ich handle. Hat der Herr vielleicht was zu verkaufen? Kleider, Silber, Gold?" — Das Geld hatte den Wert eines alten Kleidungsstückes, aber er nahm es nicht, er wollte lieber kaufen und 5 Prozent ehrlich daran verdienen." Der angehende Theologe lachte verlegen- und meinte: „Na ja, d u! Ich kenne dich! Du -wirst 'ihm deinen Taler doch aufgedrnngen haben." „Wirklich nicht, aber ich habe ihn zu mir bestellt: es wird schon eine alte Hose, altes- Schuhwerk!da sein, u-m einen Handel zu. schließen. Und auch du, jud/ nur heraus, was du entbehren kannst. Ich habe ihn zur Kasfeezeit zu mir bestellt und will noch ZU Adolf, Martin und Joses, lade siezmn Kaffee und sie sollen alte Sachen mitbringen." „Famos! Willst we große Messe bei dir halten!" — „Apropos: Messe. Hast du die Notiz gelesen, daß am 18. in Leipzig- 100 000 alte Röcke, ans ganz Deutschland Zusammengekauft, nach Warschau versandt wurden? Würden die armen polnischen Käuser nicht sonst zerrissene Kittel und rohe Pelze statt wohlgenähter wollener Röcke tragen? — Gewinnen sie nicht mit dem alten, aus kunstvollem Stoff erzeugten Kleid ein Abzeichen der Zivilisation? — Und fliegt nicht mit dem Kleid nach modernen! Schnitt auch etwas Ordnungssinn und Adrettheit, vom Streben, dem neuen Geist anzugehvren, dorthin? — Alles das wäre jedoch unmöglich, wenn es keine Händler mit alten Kleidern gäbe." „Hör? auf! Ich merke, du machst mich' noch indie „Alte-Kleider- Händler" verliebt!" — Und beide lachten herzlich. Kinder jeden Alters welche an Tuberkulose oder Skrofulöse leiden, machen bei Ramogenernährung in kurzer Zeit Fortschritte, welche mit anderer Nahrung nicht zu erzielen sind. FABIAN DIE DEUTSCHE UlERT-ZlöflRETTE . *.