Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 41 (12.10.1924)
- Date
- 1924-10-12
- Page
- Seite 623 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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623 :/ Um die breite Flut der Kulturlosigkeit zu überwinden, die gerade unsere großen Städte mit einem ekelhaften Schlamm- Ostrom überzieht, müssen der deutsch-christliche und der deutschjüdische Geist Zusammenwirken. Gerade die große Stadt ist, jrotz aller oder auch wegen aller Verfallserscheinungen der Zivilisation dazu berufen, in erster Linie die Regeneration zu erzeugen. Man denke an die gleichen Leistungen der großen Städte zu Beginn des Mittelalters. * Deutschtum und Judentum sind Bundesgenossen im Kampf um eine neue Gemeinschastskultur, gegen Verflachung und Entseelung. Beiden muß man diesen Gedanken immer wieder einhämmern. Vertiefte seelische Geistigkeit wird auch das Teufelsevangelium der Raste wie einen Spuk verschwinden lasten! völkische §reiheitspartei gegen „Stahlhelm" Ein Rundschreiben der Bundesleitung. ' Das Deutsche Tageblatt^ des Herrn Wulle enthüllt in der Ausgabe vom 4. Oktober einen geheimgehalbenen Aufruf an alle Stahlhelmführer, in i>em angeordnet wird, daß folgendes Rundschreiben der Bunde slei tung in Magdeburg ihren Mitgliedern in ,,taktvoller"' Weife bekanntgegeben werde: An alle Stahlhe'lmfühver! Die Vorgänge bei Gelegenheit der Tagung -der Nationalsozialistischen Freihütspartei in Weimar und die im Anschluß daran veröffentlichten Ausrufe des Generals Ludendorst, in denen zum Austritt aus den nationalen Verbänden Stahlhelm, Wehrwolf, Jungdo und zum Eintritt in den nationalsozialistischen Frontringaufgefordevt wirdgeben der Bundesleitung Veranlassung, nochmals ausdrücklich zu betonen, daß eine Beteiligung von Stahlhelmsormationen an Veranstaltungen politischer Parteien künftig unbedingt unterbleiben muß. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß unsere Kameraden dem Vorsitzenden der Nationalsozia li stischeu Freiheitspartei auf Paraden Ehrenbezeigungen erweisen und ihm zujubeln, wahrend er gleichzeitig öffentlich dazu auffordert, unsere Organisationen zu zerschlage n. Die Bundesleitung bedauert es grundsätzlich, daß -der große Feldherr Lndendovff sich in die ParteipoMik begeben hat. Noch mehr bedauert sie es aber, daß durch das Vorgehen der Nationalsozialistischen Freiheitspavtei erneut Verwirrung;it n d 11 nordn u n g in den nationalen Kreisen herkvorgerusen wird. Die Bundesleitung erwartet von allen Führern, -daß sie ' nunmehr durchgreistn. Wer trotz Handschlages -und Eides von uns 'gehen will, soll gehen. Eine reinliche Scheidung ist bester als der ‘ jetzige Zustand. Nicht mit verlogenen Phrasen, sondern durch ungcheure Opfer, Selbst- und Manneszucht werden wir Deutschland befreien können, nicht durch monatliche Neubildung von irgend- ^welchen Verbänden mit den schönsten Namen, fonbern durch Festigung, Ausbau, Verbesserung der bestehenden Orgcvniiationen. Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, wird -getreu . seinen seit sechs Jahren verfolgten Richtlinien unbeirrt seinen - geraden Weg weiter verfolgen und wird auf überparteilicher und überkonfessioneller Grundlage auch i ferner alle die deutschen Männer unter seiner Fahne sammelndie f guten Willens sind und das Vaterland über die Partei stellen. Dieser Befehl ist in taktvoller, a?ber eindeutiger Weife sämtlichen Kameraden bekanntzugeben. Der „Stahlhelm"', Bund der Frontsoldaten. *-n: gez. Franz Seldte, Bundesvovsitzenider.^ '? Bem-erkenswerh ist, daß -das „Deutsche Tageblatt"' den Aufruf 'der Bundesleitung des „Stahlhelm"' mit der Bemerkung ver-; .sieht, die Lossagung von der völkischen Politik sei unter dem Gesichts-;Punkt eines Ludendorss-Wortes nicht zu bedauern: „Wir ^wollen nicht jeden Mann betrauern, der uns verläßt... Schwächlinge und Gift scheiden ja am besten gleich aus."'? In Nummer 3 des Mitteilungsblattes des Verbandes Nationaldentscher Juden ist eine Erklärung seines Hauptvorstandes erschieueu, in der unterstellt wird, datz der C.V. von der „Pflege deutscher Gesinnung" nur spreche, aber mit ihr nicht ernst mache. Diese Darstellung nennt der Verband „Ausdruck der Wahrheit". Wir glauben der Sache des deutschen Judentums zu dienen, wenn wir ans Don und Inhalt der Erklärung nicht eingehen. Hanptvorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Dr. I. B r o d n i tz. Huinöel wegen Gotteslästerung bestraft. Mildernde Umstände : geistige Unfähigkeit. Ter wiederholt vorbestrafte Georg Q u i n d e l aus Hannover starw wieder einmal vor den Schranken des Gerichts. In seinem Blatt „Der Sturm"' hatte er einen Artikel „Der Judengott Jahwe" veröffentlicht. Dieser Artikel strotzte von groben Gotteslästerungen. In der Verhandlung zeigte Quindel merkwürdige theologische Anschauung e n. Während es bisher bei allen, auch den Antisemiten, anerkannt war, daß der Grundglaubenssatz des Judentums der „Glaube an einen einig einzigen Gott" ist, erfand Quindel plötzlich zwei Götter, und zwar konstruierte er noch einen Jahwe II, dem er alle möglichen schlechten Eigenschaften andichtete. Er erklärte, man müsse Gott, den alle Welt verehrt, vor Verwechslungen mit diesem Jahwe II, der nur in gewissen jüdischen Kreisen verehrt würde, schützen. Das Sachverständigengutachten des Herrn Rabbiner Dr. Freund legte diese Beweisführung" Quindels in ihrer ganzen Schamlosigkeit bloß. Quindel hatte sich noch einen gewissen Prosesior Bischofs aus Leipzig verschrieben, dessen Sachverständigengutachten -durch keinerlei Sachkenntnis getrübt war. Soviel verstand er aber doch, daß er Quindel die Fähigkeit absprach, logisch und sachlich zu. denken. Das Gericht erachtete eine grobe Gotteslästerung für vorliegend und erkannte aus 150 Mark Geldstrafe an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen, indem es als mildernd ansah, daß Quindel wohl eine Menge Bücher gelesen hatte, aber nicht die geistigen F ä h i g k e i t e n besäße, sie zu verdauen und deshalb zu seinen abstrusen Ideen gekommen wäre. himme! und <kröe. Betrachtung zum W o ch e n a b s ch n i t t. Die ehrfurchtgebietenden Tage sind vorüber. Auch der Niedrigste und Geringste unter uns hat einen Hauch der Ewigkeit verspürt. Wir fühlten das Wehen be§ göttlichen Geistes in unserer Seele. Unser Auge sah den Himmel offen, unser Herz schwelgte in Seligkeit. Wir fühlten uns unserem Vater im Himmel nahe, wir standen ihm gleichsam von Angesicht zu Angesicht gegenüber. „Horchet aus, ihr Himmel, und ich will reden", das war die Losung dieser erhabenen Woche. Unser Blick war sehnsuchtsvoll zur Höhe gewandt, unser Wort schwang sich empor. Die Pforten der Barmherzigkeit waren geöffnet. Wir hielten innige, traute, hemmungslose Zwiesprache mit dem Göttlichen. Unerschöpflich sprudelte der Quell unseres Gebetes aus dem durch das Wunder der göttlichen Güte gesprengten Fels unseres Herzen. Mit lautem Lob und Preis, den Engeln gleich, gehoben durch das beseligende Gefühl wiedergewonnener Reinheit und Unschuld, schlossen wir den großen Tag. Siebenmal durch sieben Himmel schallte unser Jubelrns: „Der Ewige ist Gott." Aber der Himmel ist Gottes Himmel, und den Menschenkindern hat er die Erde gegeben. Wir schauten den himmlischen Glanz, wir sonnten uns cm den Strahlen der göttlichen Gnade. Doch nun gilt es zur Erde zurückzukehren, uns im Irdischen wieder zurechtzufinden. „Und es vernehme die Erde die Worte meines Mundes" ist nunmehr die Losung des durch Buhe und Sühne neugeborenen Menschen. Es gilt den Abglanz des Himmels zur Erde zu tragen, den Widerschein des Göttlichen im Irdischen zu verbreiten. Wir feiern ein Erntefest. Wir sammeln den Erdenertrag unserer himmlichen Saat. Gewandelt erscheint uns die Welt. Wir haben erkannt. Nicht ist es uns gegeben, Stolzes, Festes und Ragendes hienieden zu bauen. In schwanker, lustiger Hütte zu wohnen ist unser Teil, von Stürmen mnbraust, von den Elementen umtost, froh, wennnur gewöhnlichem Winde standhält der schlichte Bau. Im Schatten des Leides zu wohnen ist unser Los. Nicht ist überwiegender Sonnenschein dem Menschensohn verliehen. Und doch bannen wir den unreinen Gedanken aus unserer Seele, als ob wir nun widerstandslos dein Tode und dem Verhängnisse verfallen. In eigener bescheidener Hütte lebt ein jeder den ihm verliehenen Lebensteil. Er schmückt und ziert den go-ttgeschenkten Bau mit den Früchten seines Fleißes und seiner Kunst. Er teilt die Hütte mit seinen Lieben und steht im Geiste in der Mitte der frohen und einträchtigen Familie heilige Gaste weilen, die Geister der Ahnen seines Volkes. Aus der Erde vergißt er den Himmel nicht und blickt sehnsuchtsvoll empor zu den ewigen Sternen. So vereinigt sich im Leben des Juden Himmel und Erde. So leben wir gemäß dem Spruche: „Horchet aus, ihr Himmel, und ich will reden, und es vernehme die Erde die Worte meines Mundes." Ho ff mann.