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Central-Verein-Zeitung · 1924-10-02 · 40 (2.10.1924) · p. Seite 613

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
40 (2.10.1924)
Date
1924-10-02
Page
Seite 613 (sequence 5)
Language
German
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613 Krankenschwestern un- Mittelstanö. Von Gustav Feld mann (Stuttgart). In dem Aufsatz „Krankenschwestern und Mittelstand" in Nr. 39 der „C V.-Zeitung" war vorzugsweise von den Beziehungen der Schwestern zu den Kranken die Rede; heute wenden wir uns den Schwestern selbst zu: Während des Krieges ist der Zustrom von Schülerinnen. in allen Vereinen fast vollkommen versiegt, m den ersten Nachkriegsjahren hat er überhaupt ganz ausgehört, weil die jungen Mädchen sich fast alle dem Handel und der Industrie zuwandten. Aber die Zeiten haben sich geändert, die Erwerbsmöglichkeiten für Frauen sind sehr schwer geworden, und der Pflegeberus dürfte in Kürze wieder seine volle Anziehungskraft ausüben. Nun muß man dafür sorgen, die Töchter des guten Mittelstandes diesem Beruf Zuzuführen. Schon die Einhaltung der oben genannten Grundsätze wird dazu beitragen, Kindern aus guter Familie den Eintritt in den Pflegeberuf zu erleichtern, weil sie sich unter solchen Umständen nicht als Angestellte der Familien, sondern als freiwillige Gemeindearbeiterinnen betrachten rönnen, und weil ihnen jedes Abhängigkeits- Verhältnis von dem Kranken erspart wird. Ob es richtig ist, wie seither die Ausbildung vollkommen unentgeltlich zu leisten und dafür eine dreijährige Dienstverpflichtung nach vollendeter Ausbildung zu verlangen, ist fraglich. Es hat sich im Lauf der Jahre gezeigt, daß einzelne Schülerinnen es mit dieser Verpflichtung doch gar zu leicht nehmen, und daß die Vereine nur schwer oder gar nicht in der Lage sind, die Einhaltung der Dienstverpflichtung zu erzwingen. Vielleicht wäre ein guter Auswegder, ein mäßiges Ansbildnngsentgelt zu verlangen, dieses Entgelt für besonders fleißige und fähige Schülerinnen stufenweise herabzusetzen und allen Schülerinnen nach Vollendung der Pflichtjahre die gezahlten Beträge Zurückzuerstatren. Weil aber manche Familien heute noch weniger wie früher irgendein Lehrgeld aufbringen können, müßte dem Vereinsvorstand das Recht Zustehen, in einzelnen Fällen voll jeder Zahlung abzusehen. Als einen geeigneten Weg, auch aus wohlhabenden Faunlien brauchbare Schülerinnen zu gewinnen, würde ich den ansehen, daß die Krankenhäuser junge Mädchen gegen Zahlung einer nicht zu gering bemessenen Entschädigung einen 6-Monats-Kurs in der Krankenpflege durchmachen lassen, der auf der einen Seite die notwendigste theoretische und praktische Unterweisung bietet, anderseits aber die Arbeit der Kursteilnehmerinnen als Helferin in Anspruch nimmt. Hierdurch wird dem ewigen Personalmangel einigermaßen abgeholfen, den jungen Mädchen wird eine wertvolle Beisteuer für die Ehe geleistet und gleichzeitig wird in geeigneten Personen die Liebe gut beruflichen Krankenpflege erweckt. Selbstverständlich ist Vorsorge zu treffen, daß man keine Pflegepfnscherinnen heranzieht, der Unterschied zwischen Kursistinnen und richtigen Pflegeschülerinnen darf nicht verwischt werden, man darf z. B. solche Helferinnen nicht mit dem Namen Schwester anreden lassen. * Mit der Gewinnung einer größeren Zahl von Schülerinnen ist es freilich nicht getan. ^Die Heranbildung guter Schwestern hangt in erster Linie von der Oberin ab, und wenn es schon den christlichen Vereinen mit ihrer großen Schwesternzahl schwer fällt, geeignete Persönlichkeiten für diesen Posten zu finden, so wird es in den kleinen jüdischen Vereinen zu einer fast unüberwindlichen Schwierigkeit. Und doch steht und fällt mit der Heranbildung geeigneter Oberschwestern das ganze jüdische Schwesternwesen. Eine gewisse Menge technisch gut ausgebildeter Pflegerinnen jüdischer Abstammung zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen, ist bei guten Vereinseinrichtungen ohne weiteres möglich, aber eine Schar wirklich opferfreudiger, feinfühliger, gebildeter Mädchen auf die Dauer beim Schwesternberuf zu erhalten, ist nur in solchen Vereinen durchführbar, wo die Oberirr ein großes Maß von Pflichtbewußtsein, Festigkeit und Tatkraft mit Herzensgüte, Freundlichkeit und wahrer Bildung vereinigt. Nur die Leitung der Schwesternschaften durch solche Persönlichkeiten kann den jungen Schwestern die religiös bestimmte, im Judentum wurzelnde und unserem Wesen angemessene Weltanschauung verschaffen, die in allen Lagen des Lebens die richtige Stütze verleiht. Man liest und hört jetzt allerorten, die Zeit des Materialismus sei vorbei; da gilt es zuerst, in den gemeindlichen Einrichtungen das Ideale zu pflegen und diejenigen von ihnen, welche wie der Schwesternberus von vornherein ein großes Maß von Entsagung und Selbstlosigkeit erfordern, mit dem Geist des Judentums zu durchtränken. Der Geist des Judentums ist aber nicht, wie unsere Gegner sagen, ein Geist des erstarrten Formelwesens, sondern er sucht Zweck und Sinn des Daseins in der sittlichen Lebensführung, unsere Vorfahren nannten das kid'dusch hascliem. Wenn das nicht eine Phrase bleiben soll, dann muß das ganze Zusammenleben der Schwestern von einem aufrichtigen, innerlich gefühlten und betätigten Judentum erfüllt sein. Wir haben diesen Geist noch nicht, wir haben eine übermäßige Betonung des technischen Könnens und eine weitverbreitete Unterschätzung des Gefühlslebens. Vielleicht können die heutigen Vereine diese Forderung überhaupt nicht erfüllen, doch heißt das nicht, daß sie unerfüllbar ist. Vielleicht muß man zu diesem Zweck erst eine Pflegerinnenschule schaffen, in der neben der selbstverständlichen Erlernung des Technischen' vom ersten Tag an die xeligiöse Beseelung der Pflegearbeit erstrebt wird. Viel kann hierzu ein guter Unterricht über das Wesen des Judentums beitragen; das Wichtigste aber ist die Erziehung der Schülerinnen in der häuslichen Gemeinschaft, die Hinlenkung ihrer Gedanken aus eine alle Menschen umfassende Liebe, die Erziehung zur Wahrhaftigkeit, zum Wohlwollen, zur Opferbereitschaft. Ahm verstehe wohl, daß hier keine Erziehung zur Frömmelei gemeint ist, sondern das gerade Gegenteil, die Erfüllung junger Seelen mit Selbstlosigkeit, Freundschaft, Arbeitsfreude und Nachsicht. Gelingt es, das durchzusetzen, dann kann man dem Pflegeberllf Kräfte zuführen, die ihm bisher fernblieben, dann kann man Hunderten unserer Töchter eine Tätigkeit verschaffen, die ihnen Freude, Genugtuung und dauernde Befriedigung gewährt. * Sehr schwierig ist heute die Frage der Altersversorgung. Sie wird erst dann befriedigend gelöst werden können, wenn gefestigte Währungsverhältnisse den Vereinen die Wiederansammlung eines Pensionsgrundstockes erlauben. Vis dahin muß auch die Versorgung der arbeitsunfähigen Schwestern aus den laufenden Einnahmen geleistet werden, wobei vertragliche Abmachungen mit Versicherungsgesellschaften eine gewisse Erleichterung bieten. Vielleicht ist es auch möglich, in Zukunft die Steuerleistung der Kultusgemeinden der Versorgung langgedienter Schwestern dienstbar zu machen. Olle Ramellen. T ,i e W a h x h eitslie b e des ,,F r i d e r i c u s". Ter „Fridericus' berichtete kürzlich folgenden Vorfall -aus Norderney: Im Jahre 1919 habe sich -ein jüdischer Badegast in 3t o r d e r n e y trotz der Warnungen eines Vadeaufsehers häufig zu weit hinallsgewagt und diesem Badeausscher auf seine gutgemeinten Warnungen hin mit groben Bemerkungen geantwortet. Als der Badegast -dann eines Tages vom hohen Seegang abgetrieben wurde, sei -er von dein Aufseher gerettet, dieser aber beim Nettungsverfuch -ertrunken. Weder der Gerettete noch sonst ein jüdischer Badegast habe sich danach um den Ertrunkenen bekümmert, oder sich an der Beerdigung, beteiligt. Für seine Familie habe eine Sammlung den lächerlichen Betrag von 5000 Papiermark ergeben. Dieser Bericht enthält, wie wir nach genauer Untersuchung des Tatbestandes feststellen können, nicht weniger -als vier Lügen: 1. der gerettete Badegast war kein Jude; 2. der jüdische Arzt Dr. Forchheimer ans Würzburg hat an dem Ertrunkenen zwei Stunden lang, leider ohne Erfolg, Wiederbelebungsversllche gemacht; 3. an der Beerdigung beteiligte sich eine große Anzahl jüdischer Badegäste; 4. die Sammlung für die Hinterbliebenen des heldenmütigen Retters ergab nicht 5000, sondern 15 000 Mark, unb dies waren im Jahre 1919, als fid) dieser Vorfall abspielte, etwa 5000 Goldmark. PLASTICA' Ges. gesch. Ein herrlich sitzender Büstenhalter mit modernem, schmalem Rücken und einem dehnbaren Verschluss, der jeder Bewegung bei Tanz und Sport nachgibt. MARKE Hervorragend mit einem modernen Hüfthalter von unvergleichlichem Sitz, der obiges Warenzeichen als Garantiestempel trägt. In allen massgebenden Geschäften erhältlich. 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