Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1924-10-02 · 40 (2.10.1924) · p. Seite 614

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
40 (2.10.1924)
Date
1924-10-02
Page
Seite 614 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277464-2277503--01505-2280751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

614 Eine Rriegergeüenktafel in Köln. 231 gefallene Helden. Nun hat auch die Synagogengemeinde Köln ihre Ehren- und Herzenspflicht gegenüber ihren gefallenen Söhnen erfüllt. Im Dorraum der Synagoge Roonstraße berichtet im Schimmer strahlender Bronzeleuchter eine Gedenktafel von den 231 jüdischen Bürgern Kölns, die ihre Treue zum deutschen Vaterlande mit dem Tode besiegelt haben. Die E i n w e i h u n g s f e i e r l ich k e i t fand am Sonntag, den 21. September, statt. An dieser Feier nahmen die S p i tz e n der staatlichen und städtischen Behörde n und der Universität, der G e m e i n d e v o r sta nd , die Repräsentanz, das R a b b i n a t und die Vorsitzenden der jüdischen Vereine teil. Der R. j. F. war durch eine mit Orden und Ehrenzeichen geschmückte Abordnung vertreten. Der erste Vorsitzende der Gemeinde, Herr- Emil Blumenau, nahm die Enthüllung des Denkmals v-or. Seine Ausführungen, von hoher vaterländischer Begeisterung getragen, wiesen auf die allezeit bewiesene treudeutsche Gesinnung der deutschen Juden hin und gaben zugleich der schmerzvollen Enttäuschung über die in vielen Kreisen zutage getretene Verkennung Ausdruck. Der Regier u n g s p r ä s i d e n t, Gras Adel mann , fand aus Grund persönlichen Erlebens im eigenen Wirkungskreise warme Worte der Anerkennung für die gösallenen jüdischen Krieger und erhoffte ausdein steinernen Zeichen der Treue und im Gedenken des ge m einsamen Erlebens den Ausgleich .aller religiösen Gegensätze. B ü r g e r m e i st e r Werndorff brachte den Dank der Stadt Köln zum Ausdruck. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des R. j. F., Herr Landgerichtsrat Dr. Weinberg, sang das Hohelied treuer Kameradschaft und verknüpfte damit die Hoffnung, daß solche Opfer zu Ehren des deutschen Namens dazu beitragen möchten, auch den jüdischen Ehrenschild reinzuhalten und zu schützen. Herr Gemeinderabbiner Dr. Nosenthal sprach sodann das Schlußgebet. Im Anschluß an diesen Akt fand im überfüllten Ga ttes Hans e eine erhebende Gedenkfeier statt. Die Fahnendeputationen der jüdischen Studentenschaft und der vaterländischen Vereine Kölns, die vor der Lade AuMellung genommen hatten, gaben der Stunde ein besonderes Gepräge. Den Mittelpunkt der Feier, von Orgelspiel, Chorgesang sowie den prachtvollen kantoralen Vorträgen des ersten Kantors, Herrn Fleischmann, umrahmt, bildete die Festpredigt des Gemeinderabbiners, Herrn Dr. Kober. Ihr lag als Text Jesaias, Kap. 60, Vers 1 und 2 zugrunde. Der Rabbiner schilderte die Gefallenen und Opfer des Weltkrieges als leuchtende Zeugen .des Adels der Menschenfeele, rühmte sie als treue Künder der Einheit des deutschen Volkes im Leben und im Tode und zählte den altbewährten Heroismus und Opfersinu, den das Judentum lehre, zu den gewaltigen Kräften, die in den jüdischen Kämpfern lebendig gewesen seien. Die Namen der Gefallenen leuchteten uns noch in künftigen Geschlechtern, wenn das deutsche Volk sie als eine Mahnung zur Beseitigung des Hasses und der Zwietracht, zur Förderung innerer Geschlossenheit erkennen, die Gesamtheit sie als Mahnung zur Pflege des Menschheitsgedankens und der Nationalhumanität aussassen würde. Augenblicke tiefsten Ernstes waren es, als die Namen der Gefallenen verlesen wurden. Sie haben gekämpft für das Deutschtum, solange Leben in ihnen war, im Tode noch müssen sie uns Mitkämpfer sein in unserm Kampf für das Judentum. Uns mahnt der Gedenkstein, stets mit Entschlossenheit darüber zu wachen, daß ihr Andenken nicht beschmutzt werde, daß ihre Ehre blank bleibe wie ihr Schild, unter dem sie im Felde dahingesunken sind. Jg. „Kameraden". Nach längerer Pause ist wieder eine Zeitschrift des Deutschjüdischen Wanderbundes „Kam er aden" erschienen. Das erste Heft vom Juni 1924 trägt den Titel „Von Jugend und Staat". Nach den einleitenden Worten des Bundesleiters Jakob Kohn st amm soll es ein „Ausspracheheft" sein, m dem die einzelnen des Bundes, nicht der Bund selbst, zu Worte kommen. Allen Freunden der deutsch-jüdischen Jugendbewegung fei dieses Heft, das eine Reihe bemerkenswerter und sehr interessanter Artikel enthält, wärmstens empfohlen. Gleichzeitig ist von der Gruppe Köln a. Rh. der „Kameraden" ein „Singeblatt" herausgegeben worden. Es ist bemerkenswert, daß dieses erste Heft, das in netter äußerer Form erschienen ist, ausschließlich Kriegs- und Soldatenlieder enthält. Es ist zwar verständlich, daß diese alten Landsknechtslieder nicht wegen ihrer kriegerischen Tendenz, sondern wegen ihrer elementaren Wucht und ihres frohen Kraftbewußtseins ausgewählt wurden. Es wäre aber wünschenswert, daß in den folgenden Heften auch andere Gebiete aus dem reichen Schatze der deutschen Volkslieder herangezogen würden. Unter dem Namen „I u n g v o l k" gibt die Ortsgruppe Leipzig ein „Blatt für die Buben im Bund der Kameraden" heraus. Das erste Heft, das soeben erschienen ist, enthält neben einigen in frischer, jugendlicher Art geschriebenen Berichten über Heimnachmittage und Fahrten einen kleinen Abschnitt aus dem Buche „Lebenskunde" von Fr. W. Foerster über Selbstbeherrschung. ' Oskar v. Sydow: Berufung Josuas. Komponiert für eine Sin g st i m m e mit K l a v i e rb eg l e i t u n g von A r o >n Fried mann, Königlicher Musikdirektor, Oberkantor der I üd i sche n Ge m e i nde Be r l i n. Op. 70. Die ba ll ade nh aste Dichtung Oskar v. Sydows führt uns, anlehnend an die biblische Darstellung, das Ende Moses vor und die Berufung seines Lieblingsschülers Josua zum Führer des Volkes. Um diesen Inhalt hat Fried mann ein neunseitiges musikalisches Opus geschaffen. Friedmann ist Melodiker durch und durch, und das berührt um so angenehmer, als in der modernen Musikproduktion eine Verrenktheit und Verbogenheit londergleichen herrscht. In ruhigem ^/«-Takt nimmt das interessante Werk in As-dur seinen Anfang und schreitet stark modulierend vorwärts bis zu dem poco a poco crescendo, wo die Modulationen wie mit „Eisenkrast" aufeinanderprallen. Ein poco ritenuto beschließt den dramatischen Sah in As. (Mose ist gestorben.) Ein feierliches Des-moll verkündet das Geschehnis und die sich anschließende Trauer. 6es-mo11-Morde schlagen an unser Ohr, die sich ganz allmählich auflösen über Es-dur zur ursprünglichen Tonart nach As. (Josuas Berufung.) In starken Modulationen erhebt sich dre Musik zur Kraft des neuen Mannes und schreitet über ein reines C-dur hinweg mit Josua, dem Führer, siegreich zu Ende. Der Gesamteindruck des eigenartigen Werkes ist der: die Singstimme verlangt gründliches Studium und große stimmliche Hingabe des Sängers; der Klavierpart stellt infolge andauernv schwieriger Modulationen hohe Ansprüche an den Spieler. Nur wenn sich beide künstlerisch vereinigen, vermag das Werk eineil mächtigen I Eindruck zu hinterlassen. \ Oberkantor Hermann Zivi (Elberfeld). Alleinige Anzeiger.-Annahme Rudolf Messe, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Ausland* 5B erlitt SW 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Dresden | Düsseldorf / Erfurt j Frankfurt a. M. j Halle (Saale) / Hamburg J Hannover Köln o. Rh. | Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München j Nürnberg J Stuttgart / Amsterdam / Prag j Wien / Budapest j Warschau / Basel / Zürich. FRBIQN DIE DEUTSCHE UJERT-ZIGfiRETTE

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.