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Central-Verein-Zeitung · 1924-09-18 · 38 (18.9.1924) · p. Seite 574

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
38 (18.9.1924)
Date
1924-09-18
Page
Seite 574 (sequence 10)
Language
German
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571 Volkes stehende nationale Besonderheit hinZustellen; sie erklärt vielmehr, daß sie unerschüttert in Treue gegen das deutsche Vaterland ausharret, und es Äs eine unwandelbare Ausgabe ernennt, in> Er. füllung aller Bürgerpflichten für das Wohl und Gedeihen desselben m-it ganzer Kraft zu wirken." 0 w v. v ,.r . " 10 (Aus: „Au die deutichcn Juden.) Unser Deutschtum. Im Grunde genommen, sollten wir schweigen; sollten "wir schneeigen dürfen und die Heilung erwarten. Denn für uns als Juden existiert keine Frage als berechtigter Gegenstand eines Streites. Was man wieder einmal die Judenfrage nennt, ist lediglich eine deutsche Frage. Die Frage der Humanität ist »in diesem Falle, da wir das. Objekt derselben sind, da wir die Humanität zu erwarten und zu fordern haben, nicht die unserige, sondern die der ganzen deutschen Nation. Ueberall und immer ist die Frage der Humanität und der Gerechtigkeit wichtiger für den, der sie zu gewähren, als für den, der sie zu empfangen hat. Aber wir sind Deutsche, als Deutsche müssen wir reden. „...Die Sprache ist das unverkennbare Baud, welches alle Glieder einer Nation zu einer geistigen Gemeinschaft verknüpft: in der ersten menschlichen Gemeinschaft durch das Bedürfnis des gegenseitigen Verständnisses erzeugt, bewirkt sie fortdauernd die Möglichkeit dieses Verständnisses. Das Kind . . . empfängt mit der Sprache des Hauses die erste Besonderheit des menschlichen Lebens; in ihr erfreut es sich des menschlichen Ausdrucks und damit des Bewußtseins; in der Familiensprache entwickelt es die Fähigkeit zu denken . . . So ist, so weit dieselbe Sprache reicht, die Berührung der Sprachgenossen der Austausch der mannigfaltigen Ausbildung des innerlich Einen." Zu welcher Nationalität gehören wir? Wir sind Deutsche, nichts als Deutsche, wenn vom Begriff der Nationalität die Rede'ist, und wir gehören nur einer Nation au, der deutschen. Was also sind wir? Deutsche; wir sind es, wollen, können auch nichts anderes sein. Und nicht die Sprache allein macht uns zu Deutschen. Das Land, das wir bewohnen, der Staat, dem nur dienen, das Gesetz, dem wir gehorchen, die Wissenschaft, die uns belehrt, die Bildung, die uns erleuchtet, die Kunst, die uns erhebt, sie sind alle deutsch. Muttersprache und Vaterland sind deutsch, beide Erzeuger unseres Innern; hier standen unsere Wiegen, hier sind die Gräber derer, von denen wir stammen, in vielen Geschlechtern; unser Anfang also und unser Ende des Lebens ist hier. Nur unsere Abstammung keine deutsche, wir sind keine Germanen; wir sind Juden, also Semiten. Aber auch die anderen Teile der deutschen Nation sind von Abstammung keineswegs alle, und keineswegs reine Deutsche; nicht einmal sind alle Germanen. Also nur unsere Abstammung ist nicht deutsch; fast hätte ich gesagt, und auch die Religion. Aber das wäre ein logischer Fehler. Es gibt keine deutsche Religion; das Christentum, der Katholizismus, und der Protestantismus, sie sind ebenso französisch, englisch, italienisch usw. wie sie deutsch sind. Genau dasselbe gilt vom Judentum. . . . Das Judentum ist ganz in demselben Sinne deutsch, wie das Christentum deutsch ist. Jede Nationalität umfaßt heute mehrere Religionen, wie jede Religion mehrere Nationalitäten. Mit Recht weist Nümelin nach der in qualitativen Stufen aufsteigenden Bedeutung der Nationalität darauf hin, daß die Deutschen „ein Volk erst durch die neuesten Ereignisse geworden sind"; daß an diesem letzten, höchsten Bildungsakt des deutschen Volkes wir deutsche Juden in jedem Sinne und in vollstem Maße; bereits teilnehmen durften, ist für uns ein stolzes Bewußtsein, eine unvergleichliche Befriedigung. Im Felde haben wir nntgekämpst, in den Parlamenten mitberaten, derweil auch auf den kommunalen Ratsstühlen gesessen, in den Laboratorien mitgearbeitet, in den Krankenhäusern mitgeheilt und mitgepflegt, auf den Kathedern mitgelehrt. Aber auch an allen nationalen 'Werken des Friedens, an allen idealen Interessen des Volkes, nehmen wir längst und je länger je mehr eignen breiten und vollen Anteil. Was wir tun und was wir treiben, tun und treiben wir als Deutsche; und wenn wir, worauf man fot gern hinweist, auf dem Weltmarkt Vermögen erwerben, so ist dies eine Vermehrung des Nationalreichtums. Die Juden haben keine eigene Nationalität mehr; es gibt schlechterdings keinen- Juden mehr, der nur noch einen jüdischen Geist hat. Darum schöpfen sie notwendig aus allen Volisgeistern, deren Telle sie geworden sind, und wirken' ans dieselben zurück; auch in .ihren: ursprünglichsten und eigensten, in ihrer Religion selbst, sind sie wesentlich zugleich nach den Nationen, in denen sie leben, individualisierk. Philo hat griechisch, Maimonides arabisch, Spinoza lateinisch Mnnck und Dernburg. französisch, Mendelssohn denk sch geschrieben. (Aus der Schrift „Was heißt national?") Unsere Trägheit, unsere Ohnmacht. Unsere vornehmen und stolzen und hohen und 3u> gleicher Zeit trögen Juden geben die Frage zurück: Was kann man tun? Alan kann ja nichts macheil! Sie"möchten die Erfolge dessen, was man tut, garantiert, die Geschichte voraus geschrieben haben, wie das, was wir tun, au starr fenwird. Andere finden unnö tig, etwas zu tun: Es ist nur eine Krankheit, sie geht vorüber. Es sei eine Krankheit,, ich habe selbst gesagt, es ist eine Krankheit — inzwischen aber, leiden wi-r unter dieser Krankheit. Tausend Unschuldige leidenbereits darunter; leiden mindestens in ihrem Ge nulle unter der Last der Frage, unter der der Gnade, daß sie die guten Juden seien. Daß Handeln nicht mehr schaden kann,' als Nicht handeln geschadet hat, das scheint mir dock/ an den Tag gekommen. Der größte Schaden dessen, daß nichts von seitender Juden geschieht, ist, daß infolgedessen sporadisch unbesonnene Schritte geschehen, weil dem einzelnen, derb ausgesprochen, die Galle überläust. Wüßte er, daß der Kumuner seines Herzens eine Stelle findet, wo er gehört wird, er würde dann nicht zu jener ohnmächtigen, elenden Selbsthilfe des momentanen Ausbrausens greifen, er würde nun wissen, daß sein Schmerz -geborgen ist, mi'b daß um seine Heilung mindestens gesorgt w-ir-d. Statt dessen fühlt er sich verlassen, init> er tut, was mancher Kranke tut: In. der Herbheit feines Schmerzes greift er 31t dem, was ihm noch inehr schadet. (Aus der Schrift „Unser Standpunkt".) Einiges aus den Motiven, ein grundlegendes Werüber die jüdische Ethik ins Leben zu rufen. Schon seit einigen Jahren ist an verschiedenen Orten der Gedanke ausgesprochen worden, daß es notwendig sei, in moderner Sprache und Fassung eine Ethik des Judentums zu schassen. Das Bedürfnis einer solchen hat sich zunächst infolge der antisemitischen Bewegung geltend gemacht. Denn sowohl in friedlichen Gesprächen mit wohlwollenden christlichen Freunden, als beim Kampfe gegen, feindliche Hetzereien stellte sich häufig die Verlegenheit heraus, wie man die Zweifel oder die Anschuldigungen gegen die Sittenlehre der Juden bündig und nachdrücklich beseitigen solle. Das biblische und das rabbinische Schrifttum sind die Quelleil der sittlichen Ledensauschnttung der Juden. Allein ein beträchtlicher Teil dieser Quellen existiert nur in hebräischer Sprache. Aber auch, was in Uebersetzungen in deutscher oder anderen europäischen Sprachen vorhanden ist, bildet eine weitschichtige Literatur, welche fast nur den Gelehrten genau bekannt ist; auf dieselbe hinzuweisen, ist bei gebildeten, aber ungelehrten Juden und Nichtjuden vergeblich. Es bedarf einer umfassenden Forschung, um aus diesen geistigen Schätzen eine klare und feste Ansicht über den wirklichen sittlichen Lehrgehalt des Judentums zu gewinnen. In der Literatur der Juden aber, namentlich aus den letzten Jahrhunderten, fehlt es gänzlich an einem Werke, welches die Resultate solcher Forschung in bündiger und übersichtlicher Art züsammengestellt hätte. Selbst in hebräischer Sprache findet sich in ihrem Schrifttum der letzten Jahrhunderte schlechterdings kein Werk, init dessen Uebersetzuug die bezeichnete Lücke ausgefüllt werden könnte. So entbehren wir denn in dem heftig entbrannten Streit gegen die Juden, welcher sich bald zum Schein und bald in Wahrheit gegen die Lehre des Judentums wendet, der bereiten und scharfen Alleinig« Anze ig-en- An nähme Rudolf Blosse, Anzeige n- Annahme füc.sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau f Chemnitz j Dresden | Düsseldorf j Erfurt / Frankfurt a. M. / Halle (Saale) / Hamburg / Hannover Köln a. Rh. j Leipzig j Magdeburg / Mannheim j München j Nürnberg ) Stuttgart / Amsterdam / Prag ] Wien } Budapest ] Warschau j Barel | Zürich. wmm DIE DEUTSCHE UJERT-ZI6RRETTE 4:4 mm luMW

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