Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 37 (13.9.1924)
- Date
- 1924-09-13
- Page
- Seite 550 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht zur lufual)me von Absrirnmeuden vorbereitete. mt> die gastliche i Ausnahme kam ohne Rücksicht auf Religion mW Stand allen Absiimmungsgäste.:: gleichtUähig zugute. .Selbst nicht judenfreundliche Sir rinnen, wie die eines uns bekannten Staatsanwaltes, erkannten im Gespräch an, daß mau aus d en vielen jübischen Phh - siognomicn in den Straßen der Stadt aus die - große Heimatsliebe der Juden schließen könne. Und unter den alten Männern und Frauen, die ihre Pflicht trotz körperlicher Gebrechlichkeit im Dienste der Heimat treu und freudig erfüllten, waren jüdische Kinder oberschlesischer Erde, welche sie teilweist seit Jahrzehnten nicht mehr betreten hatten. Die politischen Leidenschaften nmehteu auch vor den jüdischen Ober-; sckzLesiern daun nicht halt, wenn die Treue zum Deutschtum mit dem; Leben bezahlt werden muhte, und so ging der jugendliche Ober- ' sekuudaner H a a s e aus Rhbnik in den Tod; der Kaufmann Schneemann aus Mhslowitz wurde von Insurgenten überfallen und er- - mordet. Bei noch manch anderen Juden erfüllte sich dies grausame Geschick, welches auch den für die oberschlesische Hemmt wirkenden 1 Männern, wie Oberrabbiner Dr. Kopfstein und Samtätsrat Dr. Bloch, angedroht wurde, um sie zur Ausgabe ihrer Tätigkeit für die Heimat Kr veranlassen. Und unter den Braveif, die mit der Waffe hi der Hand für die Freiheit des deutschen Oborschlesierrs eintraten und fickn, vesanden sich auch Juden, unter ihnen der 2HjU)rige Herbert Cohn, der verschiedentlich schverer Lebensgefahr im Weltkriege entronnen war. So zeigt uns der oberschlesisthe Wstirnrunmgskannpf das ürpifche! Bild des deutsche'.: Juden, der nicht nur in guten Tagen zu seiner Heimat steht, imibcrn stets für sie eiutritt, sie zäh verteidigt und sein Leben für sie hingibt. Deutsche Juden lassen sich in ihrer Heimatsliebe von itteimn'oen übertroffen.; Die sittliche Zoröerung. Bon Pastor Siegfried Mahne (Gleiwitz). HL ist ein Zeichen der sittlichen Krankheit der Menschheit unserer Zeit, daß mwisziplin irrte Instinkte öffentlich sich ausleben dürfen mrd wie Parasiten die Volksgemeinschaft vergifte u. Sie zersetzen die Volksgemeinschaft in: kulturellen wie im politische!: Sinne, gleichviel ob sie tu Christen oder Juden wirksau: sind. Wenn rnan Religionen oder Rassen vergleichend beurteile:: will, muß man Paralleles vergleichen; nicht die gute Theorie der einen mit der schlechte!: Praxis der anderen, sondern ihre reinsten Ausprägungen oder die geistige Art der Masse in beiden. Charakteristisch stark ausgeprägte Unterschiede religiöser Bestimmtheit und rasseuhaster Art hindern nicht eine geschichtlich bezeugte, hohe religiöse Verwandtschaft (Jeremia und das Urchristentum!) und beiderseitigen sittlichen Idealismus. Anderseits kam: keine Religion oder Raffe hindern, daß die Massen ihrer Vertreter iit einer gewissen Dumpfheit und Triebhaftigkeit verbleiben und aller religiösen Verinnerlichkeit und sittlichen Erziehung spotten. Sind nun gar Religionen und Konfessionen innerhalb einer geschichtlich so gewordenen Volksgemeinschaft auseinander angewiesen, so ist es ebenso unklug wie frevelhaft, die natürliche Auseinandersetzung und Beeinflussung durch unsittliche M i L L e l w i e Machtkampf, s i n a n -; zieLle liebet Ci ft ung und Persönliche Begeiferung zu stören und zu verunreinigen. Die Idealisten in beide:: Lagern, die im Dienst des höheren Realismus des geschichtlichen Fortschrittes arbeiten, der von den in den Gossen sich Katzbalgenden inuner verkannt worden ist, können den Kampf mit diesen Mitteln nur mit Schmerz und Scham mitansehen, sich von Verbitterung frei selten und durch ihr besseres Beispiel für eine sittlich würdigere und gestmdcre Zeit wirken. Sie werden au: Lernen und Nehmen voneinander ihre Freude habe:: und sich jedes sittlichen Gesinnungsverwaudten, den sie auf der anderen Seite finden, ganz besonders freuen. Sie worden furchtlos gegen den Schmutz kämpfen.in aller Welt. Daß Jesn Christi Wirken in dieser schweren, einsamen Bahn ging, ist unzweifelhaft, Daß die großen Führer des deutschen Volles die Entwicklung in dieser Richtung bestimmten und die Atmosphäre so zu? reinigen suchten, sollte rnan sich immer wieder vor Augen halten und j das Verhalten des hochgesinnten Großen Kurfürsten von s Brandenburg, des scharfsichtigen Friedrich s des Großen, des > Schöpfers eines gerechter: Bürgertums, F r e i h e r r n v. Stein, | dazu der großen Erzieher der deutschen Menschheit Lessing,! Goethe u. a. in der .Judenfrage studieren. Was uns Christen und! Deutschen Menschen wie Spinoza oder R a t h e n a it oder Ford. j 2l v enarin 8 oder G. S i m m e t bedeuten, daß die deutsche Kultur! ohne das reingeistige Schaffen jüdischer Aestheiiker oder die wissenj fchaMche Forschung jüdischer Mediziner, ohne 'die philosophische j Mtfjtli jüdischer Gelehrter viel ärmer sein würde, müßte gerade vor: j germanisch-christlicher Seite anerkannt werden. (Mein fremdländisch! anmutender Name veranlaßt wich zu der Hinzufngung, daß ich samt meinen Vorfahren von „fremden: Muke" frei bin.) Natürlich gibt es I Nm 15* September \titxn \mt Dert 100* Geburtstag von MoritzLazarrrs; Das Andenken an diesen^ großen Gelehrten nnd Bortiimpfer unserer Ideale tragen wir im Herzen. Eine Sondernummer für diesen Tag, an Der die berufensten Federn ans dem deutschen Judentum gearbeitet haben, ist fertiggestellt. Oberfchlefien aber verlangt sein Recht; deshalb müssen wir die Herausgabe dieser Sondernummer für Moritz Lazarus um eine Woche zurüekstellen und find gewiß, daß wir damit im Sinne rmseres großen Meisters handeln. In seinem Geiste rümpfen unsere oberschlestfchen Freunde jetzt um Dentschtnm «rrd J«dent«m. Die Schriftleittmg. RasseinstinkLe und daraus sich ergeberwe Dr stanzen. Wo sie besorwers stark oder unheilvoll austreten, sind sie emzußchränken, und sind vor allen: zu veredeln und zu überwinden! Instinkte sind an sich nichts Sittliches. Mir scheinen Mischungen vorzuliegen gerade in der: höchsten und und in den niedrigsten Eigenschaften; das als materialistisch verschrieene Judentum wird teilweise vor: einem starken Idealismus getragen, in das idealistische Christentum ist der Ungeist des Mammonismus eingedrungeu. Die übergrerfende Aufgabe ist: aus ge» meinsamen sittlichen ::nd nationalen Noten Rett u u g s u ch e rr i m E i n i g e n d e u! Und das ist möglich. Dafür bürgt die Erfahrung ernster, sittlich turrchgebildeier Menschen in Kriegs- und Friedenserlebnissen! Sitt-' lich unreife Menschen machen freilich keine sittlich verpflichtenden Erfahrungen, sondern bleiben Knechte von Vorurteilen und öder: Tendenzen, Ich habe unter Juden und Chr i ften fe lbstlo feste/ opferwilli gsi e K ä mpse r für echtes Deutschtum, unter beiden das Gegenteil gefunden! Wir christlichen Führer ..können nur bitten, daß die Juden die sittlich minderwertigen, ihre Rasseeigen- Ahasten in: Geschäfts trieb imMeberrden Glieder ihres Stammes so zügeln, wie wir es zu tun versuchen in Ethisierung des christlichen Volkes. Daß das möglich ist, bezeugt, rwß n:ir christliche Geschäftsleute rnehr als einmal versichert habe::, sie könnten mit jüdischen Kaufleuten solidere Geschäfte eingehen als mit christlichen, derer: frühere Reellität unter den Versuchungen der Zeit erscWttert ist. Unnatürliche Arualganrierungen sind nicht möglich, aber Bundesgenosse lischest aller Guten und Besonnenen ist bitter nötig. Ehrfurcht vor aller Religion und vorder nationalen Notwendigkeit! Alle Einzelprobleme haben sich dem unterzuorduen. „Das einzige, was in der Welt nachwirkt, wenn der Sturm der Gegenwart verrauscht, ist die Forderung an das Gewissen; sie redet leise und sie wiederholt in der Stille der Nacht, was der Lärn: des Tages übertäubt; sie spricht nicht m eines Menschen Namen, sondern im Namen des Lebendige::. Sie bürgt für das Ziel, das Herz, das Gewissen, für den Weg/' So schrieb Walther Rathenau. War der Jilde oder Wahlchrist'? Jedenfalls einer der besten Deutsche,; der Jetztzeit. Eine zeitgemäße Erinnerung. T er Central-Verein zur oberfchlefische n Abstimmung. Man muß sich au die sparmu\:gsreicheit Marztage des Jahres 1921 zurückerinnern, da es darum ging, kostbarste deutsche Erde den: Vaterlaude zu erhalte::. Aus aller Welt strömten die Heimattreuen nach Oberfchlefien, um mit dem Stimmzettel sich ihre Heimat zu erhalten. Auch die zahlreichen j ü d i s ch e n Deutschen, denen Oberschlesien immer eine liebe Heiumt geblieben war, fehlte:: uichr in den Reihen der Heimkehreuden. Um die letzten Säumigen ausZurütteln, erließ der Hauptvorstand des Central- Verein s am 14. März den folgenden Aufruf: Die Entscheidungsstunde für Oberfchlefien naht. Mit einer heiligen Zuversicht erwarten sämtliche Deutsche Oberschlesiens ein*, schließlich der deutschen Juden, daß ein jeder außerhalb Oberschlesiens lebende Oberschlesier unbedingt an der Abstimmung teiluirnmt m:d durch seine Persönliche Stinrmabgabe mithilft, Oberschlesie::, dieses Herzstück Deutschlands, den: Vaterlande z:r erhalten. — Wir ersuchen daher, in allen Versammlungen unserer Ortsgruppen unsere Mitglieder darauf hinzuweise::, daß sie, sofern sie in Oberschlesien gebürtig sind, ohne Jedes Wenn und Ader sich zur Abstimmung zu begeben haben und daß sie werter in: Kreise ihrer Freunde und Bekannten für eine geschlossene Teilnahme an der Absti:n:nuug wirken muffen. i Wir erwarten von unseren Freunden, daß sie diese Angelegenheit mit dem Erlist und der Entschloffenheit betreiben werden, die sie im vaterländischen Interesse verdient. Centrak-Berem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.- W Justszrat Dr. I. Brodnitz, 1. Vorsitzender. Die deutschen Juden erfüllte:: wie überall, wohin das Vaterland sie rief, ihre Wicht.