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Central-Verein-Zeitung · 1924-09-13 · 37 (13.9.1924) · p. Seite 549

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
37 (13.9.1924)
Date
1924-09-13
Page
Seite 549 (sequence 1)
Language
German
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"Sondernummer Obersctilesien« Gerlin, IS. September 1-24 Hl. Jahrgang ❖ Nr. 37 Einzelnummrr 10 Gol-pfennig VMler für iJealfcbJura und Judentum. vryan des &ntrßl-Vmi«s deutlcher etoatsdflruerjüdifctien ftlouftensTu Allgemeine Zeitung des Judentums Verlag u. Schrkstleitungr Lentral-Vere'm deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SW öS, Lindenstr.lS Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglaube« Berlin« Postscheckkonto: Berlin 39472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube Q, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monaksabonnemenf (ein v ierteljü brlicheS gibt eS vorläufig nicht) 40 (Soldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosfes Normalzerlenmefser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 9mm breite Reklamezeile 4 Goldmark. Unser öeutfthes lbberfchlesien. Z u m G e l e i t I Wenn ein Kind viele Schmerzen und Prüfungen durchkostet hat, fo umgibt es stets die liebende Fürsorge und Anhänglichkeit der Familie. Und wenn im großen Deutschen Reiche ein Land — und es sind leider mehrere — durch den ..Krieg im Frieden" Bitternis. Demütigung und Leiden hat aus sich nehmen müssen, so fliegt das deutsche Herz solchem Lande immerdar herzlich entgegen. Wie schlägt es in des Deutschen Seele an. wenn die Namen Posen, Oberschlesien, Danzig. Rhein, Richr und Saar erklingen. Und wie stolz sind wir aus die Zehn tau sende von Männern und Frauen in jenen schönen Gegenden des Vaterlandes, die sich ihr Deutschtum.nicht nehmen ließen, sondern stolz und srvh durch die Tat und oft durch die letzte Hingabe des Menschen erweisen konnten, daß ihnen Vaterland und Heimat nicht leere Begriffe, sondern mit Kraft und Stärke und Opfermut zu erlebende Taten sind. - Was hat unser Oberschlesien bis in die letzte Zeit auf sich nehmen müssen! Jahrelang hauste fremde Besatzung im Laude; jahrelang drohte der Feind im Osten, jahrelang dir bange Frage auf aller Lippen: Was wird aus uns werden? Werden wir von unserem alten Reiche hinweggerissen werden? Oder werden wir ihm in seinen Leidensjahren die Treue halten können? Und dann die Abstimmung! Ganz Oberschlesien in Fiebergefühlen. Und die heimatstreuen Oberschlesier im Reiche kamen. Zug über Zug passierte die schlesische Hauptstadt lind auch die jüdischen Deutschen kamen aus den entlegensten Winkeln des Reiches. Und sie alle wollten mit dem Gewichte ihrer Stimme, das Geschick meistern und Oberschlesien von der deutschen Heimat nicht wegreißen lassend Klügelnde Politik entschied anders.- Deutscher Boden und deutsche Menschen wurden dem Ostreiche zugewiesen, und Tausende und aber Tausende müssen im neuen Staate für ihr Deutschtum kämpfen und leben. . Unsere deutschen Juden sitzen lange in Oberschlesien. Ein inniger Ton friedlichen Zusammenlebens zwischen Juden und : Christen herrschte und erklang dort unten stets. Soll es jetzt -anders werden? Auch hier wie überall in der Heimat sind die Feinde inneren Friedens an der Arbeit, um Zw «Brächt zwischen 'denen zu säen, die. geeint durch -die unermeßlichen Opfer für die deutsche Sache, geeint durch die Blickrichtung nach Osten, Zusammenhalten sollten wie nur je. Deshalb ist es von Nutzen, einmal klarznftellen, wie es in Oberschlesien mit dein dentschen Judentum bestellt ist und wie Oberschlesier über ihre jüdischen Mitbürger denken. Und dem dienen die nachfolgenden Blätter. Mögen sie, die schlicht und einfach Tatsachen und Wahrheiten berichten, der deutschen Einigkeit dienlich sein.! Jnstizrnt Dr. I. B r o d tt i tz. Heimatstreu bis zum Letzten! . Von Stadtverordneter; Ernst Behrendt (Beuchen t. O.-Schl.) Die Abstimmungen in Deutschland haben den Beweis erbracht, daß der Wille des Individuums, seine Staatszugehörigkeit zu be- 'stimmen, unabhängig von irgendwelchen Voraussetzungen der rasseu- Lheoretischen Irrlehren ist. Wer rückblickend die Haltung der jüdischen Oberschlesier betrachtet, findet-diese Wahrnchmung bestätigt. -Juden waren an allen Stellen beteiligt, in denen Ab st i mmu n g s a rbe i t geleistet wu rde, gleichviel, ob i n d e r Zei L d e r V o r b e r e i t u n g, i m geistigen oder körperlichen Kamps. Nur widerstrebend wird man dir Einzelheiten ans Licht ziehen, da es uns nicht darauf ankommt, etwa den Anteil der Juden am Abstimmungs-kampf besonders hervorzuheben, es im Gegenteil damals der Wunsch aller Parteien war, sich im Burgfrieden nur ider Abstimmung zu widmen. In der Zeit der Vorbereitung waren e»-fcesonders tu den kleinsten Ortschaften die jüdischen Kleingewerbetreibenden, welche bei der Erörterung des Für und Wider das Verbleiben bei Deutschland mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln als Ziel erstrebten. Im „Deutschen Ausschuß", saßen als Vertreter der dort vereinigten Parteien und Gewerkschaften Sanitütsrat Dr. Bloch, Baumeister Grünseld,. Gewemchaftssekretär Behrendt, und in wichtigen Missionen weilte Sanitätsrat Dr. Bloch in Genf, Baumeister Grünseld in Rom, Rabbiner Dr. Brauns chw e i g e r im neutralen Auslände. Die Namen der im Bereiche der einzelnen Plebiszitkomrmssariate rmtarbeiienden jüdischen Männer .und Frauen lassen' sich auch nicht annähernd schätzend Besonders sei auf die wirkungsvolle Tätigkeit hingewiesen, die der vor einigen Tagen entschlafene Oberrabbiner Dr. Kopfstein im Friedenskomitee der Vertretung der religiösen Körperschaften ausgeübt hat. -Die durch die Besetzung hervorgevusenen Drangsale, namentlich die Bedrückungen durch die 'bvutalen Maßnahrnen der Franzosen, lasteten schwer auch aus der oberschlestfchen Audenschaft, von denen Scmitätsrat Dr Bloch, der besonders hervortrat, als Geisel tagelang ins Gefängnis gesperrt wurde. Als der Äbstimmungstag nahte, gab es keine jüdische Familie, die sich

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