Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 36 (4.9.1924)
- Date
- 1924-09-04
- Page
- Seite 538 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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538 Die Stellung öer Iran im Judentum. Lorrstrnti» Br renn er läßt m. Verkäse Kiepenheuer. (Potsdam) ein. neues Buch erscheinen, das sich „L rede, L H e, Mann und Weib" betitelt. Durch die Freundlichkeit des Der» legers sind wir irr der Sage, folgende Ausführung^» aus de« Kapitel über die Stellung des Weibes im ZudeMnm noch wt dem Erscheinen des Buches hier zu veEentlichen. — Nachdem der Verfasser eine Schilderung der Stellung der Frau Lei fcm Griechen und Römern gegeben hat, zeichnete er die Stellung der Frmc im Mischen Altertum. Einzig und allein anders stand es bei den Juden, die ja in allere Hinsicht das ganze moderne Leben fcorgeteM haben, wie unser^ Christen» tmn — ich meine nicht die. christliche Relrgion, tch meine unser Leben, unsere Kultur, welche nicht anders als christlich genannt werden kann (vgl. Der Andenhatz und. die Juden S. 446 ff.) — wie unser christliches Leben Dieses Judentum mrchlebt, mit allem und jeglichem aus seinem Grunde stehend1). Einzig und allein bei. den. Juden war es anders; trotzdem die Juden auch Polygamie hatten (biszum babylonischen Exil), freilich m praxi nur bei den Fürsten und Vornehmen. Aber die Polygamie wurde auch hier aus den höheren Rücksichten mrs das Weib siegreich bis zur Spitze der Monogamie durchbrochen, es kam zur wirklichen Hauptsrau bei Nebenweibcrn, und es kam bei den Juden dazu, daß die Frau etwas war. In Hellas mußten die besten Weiber Hetären sein, und waren Hetären die einzigen Weiber, mit denen Männer nicht nur sinnlich verkehrten, und die als Individuen eine, ob auch beschrankte Geltung und zweifelhafte Bedeutung gewannen: in Judäa waren Weiber Prophetinnen, stand die „Mnigin-MuLter" in Glanz und Bedeutung, gab es eine Teborah und eine Judith. In Judäa gabes die Romantik der Liebe in der wunderbarsten Form der Wells Judäa hak das „Lied der Lieder" von der Liebe, wo-- gegen die schönste aller Liebesgeschichten, wogegen Tristan. imfc Isolde nicht, nur wegen des Unstttlichkeits-Aber dabei, sondern auch an Schönheit und Grobheit zurückfteht und verblaßt. Judäa hat uns (abgerechnet Kchelet 7, 27—29, was hier wegen seiner dem jüdischen Geist übrigens widersprechenden allgemein pessimistischen Tendenz nicht mitgerechn-et werden darf) kern einziges prinzipiell böses Wort gegen die Weiber überliefert; und ferner muß hervor gehoben werden, daß Judäa das ganze llrverhältnis zwischen Mann und Weib nach fernem Kern und seiner Tiefe kennt. Alles darüber zu Sagende, die ganze phtzfiologische und psychologische Wcchrheit ist bei der ersten Erwähnung dieses Urverhältnisses aus gesprochen 1. Mos. 2, lLss.: die Zusammengchörigk-eit von Mann und Weib, die Abhängigkeit des Weibes vom Mann, für den es nicht gut, daß er allein sei. Aber die W-Hängigkeit des Weibes vom Mann ist nichts die der Erniedrigung: „sie sollen sein Ein Fleisch, und sie soll ihm sein (nicht eine Sklavin, sondern) eine Helferin wie sein Gegenüber". (eser kenegdo), d. h. ihm gleich geltendst. Der Mann soll gut fein gegen das Weib, wie das Weib gut fein soll gegen den Mann; und freilich gehört zum Gutsein und zur Treue des Guiseins für das Weib, daß es in geWechtlicher Hinsicht nur den Einen Mann kenne. Was \n Griechenland anging mit der Ehe, wäre Judäa ein Greuel gewesen. *) Den von mtr vielfach ^cfonfett durchaus oNLenLulifHe» Charakter des Judentums Hut schon Hegel erkannt. „Wenn das Geistige im phörrrzischen Wolke noch LeschraE war, so zsrgt sich dagegen dieses Element Lei den Juden vollkommen gereinigt; Las reine Produkt .des Denkens, Las Sichöenken kommt Zum Bewichtfern, und bas Eerftigs entmiLelt sich in seiner extremen Bestimmtheit gegen die Natur, in welch-rr der Deist nicht frei wirb . :. Das Licht ist nunmehr Iehovah, das reme Eine. Dadurch geschieht dev Bruch zwischen Osten und Westen. . . Nur das Eine, der Geist, das Unsinnliche rst die Wahrheit; Lev Gedanke ist frei für sich, und Wahrhafte Mora- Mat und Rechtlichkeit kann -nunmehr auftreten, sowie Zum erstenmal hier eine geschichtliche Ansicht erscheinen darf." (Hegel, Werke, l837, BL. IX, S. 201 ff.) 2) ^lnd er soll dein Herr sein?" Das sieht gar nicht in der Dilles I. Mas. 3, 16, das steht nur in Luthers DibelüLerfetzung, Woes gar hsißtr „Und dein Wille soll deinem Manne unterworfen fein, und er soll dein Herr fein!" Das hat Luther nicht aus der Bibel so übersetzt, sondern aus Lern Leben. So Will es das Wrib in feiner Liebe-,- wo es spricht: Du. sollst mein Herr sein, du sollst rmr befehlen, und ichmerd-e dir gehorchen, ich m-ill, was Lu willst als Leine Untergebene; und so will es d rr Mann inferner Liebe und in fei neu Roheit. Aber eben dies Will die Bibel nicht, die das Weib als des Mairnes Helferin will ,,wisfein Gegenüber", und in der Bibel steht, wörtlich übersetzt, anderes -zu lesen als bei Luther: „Zum Weibe sprach er: ich werde viel machen deiner Schmerzen und Beschwerden deiner Schwangerschaft, mit Schmerz wirst du Kinder gebären, und zu deinem Manne worb Lein Verlangen (Lern Laufen) fein, und er wird dich beherrschen." Das heißt: Trotz deiner Schmerzen beim Gebären steht Lennoch Kein Verlangen nach dem Manne, der. 'dir diese Schmerzen schafft und noch obendrein dich beherrscht. Nichts also von einem- Imperativ, sondern, irr Form eines Fluches, die Tatsächlichkeit des Verhältnisses bedenteud aus» gesprochen <.« Der Talmud -meint: „Gott hat das Weib nicht aus des Mannes Kopf geschaffen — sie soll ihm nicht befehlen —, noch aus fernem FLßen — sie soll ihm nicht zur Sklavin dienen —, sondern aus feinen Sorte, Latz fie fernem Herze» nahe fei.* Bedeutsamer noch als die. vorhandene» Ansspreche sind die fehlenden. Im der gsnzen großen, so vielMHtrgrn und so» viele ZahrhrmLerte umfassenden talmudischen Literatur: Wird man nicht einem ernMen/ jener rohen Aussprüche Wer die Werber begegnen, durch welche Sie Mmtlnhe» übrige» Literaturen ssbessnders die mündlichen der SprrHwZrLer) geschändet sind. Keinem Juden wäre m Seit €4« gefommeis, sein Eheweib einem Freunde leihweise zu überlassen; unddie Juden waren wohl sokriegerisch wie die Griechen, aber wegen des Ehebruchs einer schönen Helena Hütten sie nimmer einen Trojanischen Krieg geführt, undbei ihnen wäre ganz unmöglich gewesen dies in. Griechenland Mögliche: daß die - endlich ihrem Buhlen ab gejagte schöne Helenain ihr altes Ehebett und in ihre Men Königinrechte wieder eingesetzt wurde, als wäre nichts geschehen. Den Juden hätte die schöne Helena nichts gegolten, wenn sie nicht auch die gute Helena gewesen wäre. Den Griechen galt so vorwiegend das Schönsein, die vorübergehende Erscheinung, wia den Juden die innerliche BesiändiKeit des- Gutfeins.- Ten Griechen galt das Weib in der Liebe- und in der' EM, soweit es denn überhaupt galt, nur durch sein Schönfein. Judäa feiert das Gutse-m, das GMgsem, die Barmherzigkeit und WohWtiAM, dm Liebe; an der Liebe Jahves M den Menschen, der Liebe der Merkfchert zu Jahve und der Liebe der Menschen untereinander haben wir dis zentrale- Idee des jüdischen. Volkes-, welche den Griechen, ganz fremd war. Die Griechen hatten einen Liebesgott, keinen Gott der Liebe: sie hatten- Götter, die gar keine Liebe Zu den Menschen trugen, ebensowenig gibt es eigentliche Liebe der Menschen Zu den Göttern, und die Griechen wissen nichts von der Liebe der Menschen untereinander, von der Liebe zu den Unglücklichen und vom Ideal der untereinander, sich liebenden Menschheit; sie hatten gar nicht die Idee der Mensch» heit, die zuerst die Juden, hatten^-.-. Judäa hat nicht allein das Lied der Liebe „Salomosst sonderrr auch das letzte Kapitel der Sprüche „Salomos" zürn Preise der Hausfrau str „Wem ein tugendsames Weib bescheret ist, die ist viel Mer, denn die köstlichsten Perlen. Ihres Mannes Herz Lars sich aus sie verlassen, und Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie tut ihm Liebes, undkein Leid sein Lebenlang. Sie gehet mit Wolle und Flachs um, undarbeitet gern mit ihren Händen. Sie ist wie ein Kausmannsschiss, das seine Nahrung von ferne bringt. Sie steht des Nachts auf, und gibst Futter ihrem Haust, und Esten ihren Dirnen. Sie denkt nach einem- Acker, und kaust ihn: und pflanzet einen Weinberg von den Früchten -ihrer Hände. Sie gürtet ihre Lenden fest, und stärket ihre Arme. Sie merR, wie ihr Handel Frommen bringt; ihre buchte verlöschet des Nachts nicht. Si-e streckt ihre Handnach dem Rocken; und ihre Finger fafen die Spindel. Sie breitet ihre Hände aus Zu den. Armen, und reicht ihre Hand dem Durstigen. Sie fürchtet ihres Hauses nicht vor dem Schnee, denn ihr ganzes Haus hat Miefache Kleider. Sie macht'ihr selbst Decken, weiße Seide und Purpur ist ihr Kleid. Ihr Mann ist berühmt m den Toren, wenn er sitzt bei den Weitesten des Landes. Sie macht einen Rock, Md verstaust ihn; einen Gürtel gibt sie dem Krämer. Ihr Schmuck ist, daß sie reinlich und fleißig ist; und wird hernach lachen. Sie tut ihren Mund auf mit Weisheit, und aus ihrer Junge ist holdselige Lehre. Sie schauet, wie es in ihrem Harrst Mgehet, und istet ihr Brot nicht mit. Faulheit. Ihre Söhne Lmmnerr auf, und preisen sie selig; ihr Mann lobt sie. Viele Töchter bringen Reichtum; du aber übeririM sie alle. Lieblich und schön sein ist nichts; ein Weib, das den Herrn fürchtet, soll man loben. Sie wird gerühmet werden von den Früchten ihrer Hände; und chre Werste werden sie loben m den Toren." tob im Buch Sir ach (c. 26) lesen wir: „Wohl dem, der ein tugendsames Weib hat, deß lebt er nmh einmal so lange. Ern häusliches Weib ist ihrem Manne eine Freude und macht ihm ein sein ruhiges Leben.- Sin tugendsames Weib ist eine edle. Gabe, und wird * dem gegeben, der Jahve fürchtet. Er sei reich oder arm, so ist es ihm ein Trost und macht ihn allezeit fröhlich. Es rst nichts Lstberes auf Erden denn ein Züchtiges Weib, und ist nichts WsWh-eres denn ein keusches Weib. Wie die Sonne, wenn sie cmMgangen ist, an dem hohen Himmel des Herrn eine Zierde ist, also ist ein tuMn-dstmes Weib eine Zierde in ihrem Hause. Ein schönes Weib, das fromm bleibt, ist wie eine, helle Lampe auf dem heiligen Leuchter. Ein Weib, das ein beständiges Gemüt hat, ist wie die goldenen SLulem auf den silbernen Stühlen^. st Karl Bücher, Die Fvcmenfrrgr im Miktokcckter, Tübingen 19W, Si 87, spricht davon, ^Loß Lre Nefo-rmation Las Weib irr ernev sitMchsW Ew.ieövigu.v§ nrrd EnLwÄrLigrnr-g vovfmrL, wie sie bw^icrierk-arrnr gedacht werL-err kann'", rrnL fährt öanrr fsrkr „Gewiß rvaren es alMdifchr GeLavksrr, L-enen Luther vtt Mnem „Lob eines sroiWNem Weibes" M frerer 'NeHsrtrsgMrg- MWd-ruE'E' Uehew hat. Aber Liefe GeLsEn ML feit Lev Reförmatimr im Lss -öerrMr DolksLewußtfein/LLergeMvsen. vvb sie Leherrfchen nochheute dis Vrrff<rfflMg von der Ehe Mh der sc^stle« SLEms des Weibes iw breiteM SWchtsm Der BevMesrrmg^ Dagegen, sieht Las MlL Les böfsrr Weibes urr§ Les Her^lerdES^ welches durch sie Lem Manne wiöerfährtr ,^ch wollte lieber bei Läwmr und Drachen wshnen, Lernr bei einem bofen Weibe-, Wenn sie bsfd wird, verstellt ff» Me Gebärde mrd Wird fö. fcherrMW wie sin Sack. Ihr- Mrnw nnG' M ihrevfchmnen, nnH MMr MM es ihm vorwirfft, fs tnk es ihm im. HerZen wchs. Blle Bosheit ißgering. Hegen der Werber Mkshsit; -es geMrhs Gr, was Lew GsMsfen MchrehL. Ei» warfchhaftss Weib ift emem Wille» -te» wie ei», ßrrrdigev Ws§ hirranf ernrM «Ute» Manns .. . Drei Dings sind fchreMch, rvrd L«s vierte U grsullch: VerrLLerei, Mrftuhr, wn.MrM.iMs Wr^oeWkeßs»;- Welche olle, arger sind, Sen» der Lad. Das ist aber S-as HerzeleU^ wen» ei» Weib Een Las andere erferkn»d fcharrdeb ffr bei fsdermcmm. Wemr einer ein bäfss Derb bet, fs rft eseben «rlsrin nngkerches Haar Dchfe», Sie Mbs«- ernanüer -kehe» fcßja. Wer sie krÄgk, dev Lässt «ine» Sksr-iü»^ (8tr.e.W,2^)