Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 36 (4.9.1924)
- Date
- 1924-09-04
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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534 Radlo-Jndustrre, Seren Verbindungen mit anderen internationalen Kapitalgruppen gar nicht'so weit außerhalb des Stinnesschen Herrschbereiches führen. Eine lindere internationale Kapitalverbindung, die aus der französischen Schwerindustrie in die deutsche führt, wird von zwei Türmen flankiert, deren Raflereinheit selbst vor den Augen Ludendorffs wird bestehen müssen. Der Aufkauf der „Alpine Montan", der größten österreichischen Bergwerksgesellschaft, durch Hugo Stinnes hat ihn in enge Beziehung gebracht zu der Nieder-österreichischen Escompte-Gesellschast in Wien, deren Leiter K r a s s n y im Verwaltungsrat der Alpinen sitzt. Die Escompte-Gesellschast steht aber in Interessengemeinschaft mit der _ Union Europsenne Industrielle et Financiere, einer Pariser Bank, die durch Franzosen im Verwaltnngsrat der Escompte-Gesellschast vertreten ist. An dieser Union Europöenne aber ist Schneider-Creuzot, der französische „Krupp" maßgebend beteiligt. Derartige internationale und zwar „rassereine" internationale Kapitalsverbindungen mit Firmen der Rüstungsindustrie, die doch eigentlich besonders national abgeschlossen sein müßte, haben übrigens bereits lange vor dem Kriege bestanden. Bekannt sind die Beziehungen von Krupp zu den Pilsener Skoda- Werken und den Petersburger P u t i l o w - Werken, also zu der führenden österreichischen und der führenden russischen Waffenfabrik. An den Putilow-Werken aber war wiederum Schneider-Creuzot beteiligt, so daß auch hier ein höchst merkwürdiger, nicht von Juden geschmiedeter Ring bestand. Aehnliche Verbindungen bestanden zwischen den großen englischen Rüstungsfirmen Armstrong und Vickers, der japanischen Panzerplattenfabrik Mutoran und der spanischen Werst Naval Construction Etablishments deFerrol. Au chunterdenleitenden Männern dieser Gruppe wird man vergeblich nach Juden fahnden. Daß die fast ganz „rassereine" l Rüstungsindustrie selbstverständlich, auch ohne besondere internationale Kapitalverflechtung, Aufträge für das Ausj land annahm, sei nur beiläufig bemerkt; manche Granate, die j im Weltkrieg einschlug, ist jedenfalls von den Landsleuten ' derer hergestellt worden, die sie traf.'';' Und wie steht es mit dem internationalen „jüdischen" Kapital in Deutschland? Man kennt die alten Ladenhüter, ' mit denen hier immer wieder von völkisch-antisemitischer Seite gearbeitet wird. Die paar Bankhäuser, die durch ver-! wandtschaftliche Beziehungen mit dem Ausland verbunden ' sind, wie Warburg in Hamburg, Speyer-Ellissen in Frankfurt,; sollen angeblich die eigentlichen Träger des jüdischen Welt-! Kapitalismus sein. Wie wäre es, wenn man sich aber einmal! die Männer ansieht, die heute in der deutschen Wirtschaft und ' der deutschen Wirtschaftspolitik wirklich dominieren? Wieviel i Juden sind unter den ganz großen Verdienern der Jnflationss zeit, wieviel unter den ganz großen Kriegsgewinnlern? Hugo; S t i n n e s, der mit seinen 572 Besitzungen und Beteiligungen; im Ausland den Prototyp des „internationalen" Kapitalisten ' inDeutschland darstellt, stammt aus altprotestantischer Familie, \ mütterlicherseits von Hugenotten. Dieser „hundertprozentige"! deutsche Mann aber ist es gewesen, der mit dem „rassereinen" ‘ französischen Marquis de Lubersac auf seinem Landsitz Heimburg in Niederheimbach am Rhein den ersten großen Sachlieserungsvertrag abschloß, einen Vertrag, der weit über das hinausging, was Rathenau in Wiesbaden mit Loucheur vereinbart hatte, und der für das Deutsche Reich so vorteilhaft war, daß — Stinnes allein 90 Millionen Mark dabei profitierte. Ebensowenig wie Hugo Stinnes ist sein großer Antipode Otto Wolfs in Köln, der Beherrscher von „Phönix", von „Rheinstahl", von „Van der Zypen". ein Jude, sondern er stammt aus einer alten katholischen Familie. Auch der holländische Kompagnon Otto Wolffs, Kr voller, der Amsterdamer „Stinnes", sicherlich einer der reichsten Männer Europas, ist kein Judn. Jüdischen „Einschlag" oder „Einfluß" wird man auch vergeblich im Stumm-Konzern finden, der es besonders eilig hatte, freilich unter starkem französischen Druck, die Majorität seiner besten Werke im Saargebiet an französische Kapitalgruppen zu verkaufen. Auch unter den oberschlesischen Magnaten, die heute in Warschau antichambrieren, wird man vergeblich nach Juden fahnden. Nein, es ist nichts mit dem „jüdischen internationalen" Kapitalismus. Möge hie und da auch innerhalb der großen Kapitalgruppen ein Jude sein, wie etwa Castiglioni, der Triester Rabbinersohn in der Stinnes-Gruppe — die „StzulenL des internationalen Kapitalismus — und das Kapital ist seiner Natur nach international :— sind heute keine Juden, Jüdische Namen mochte man unter den internationalen Wirtschaftsführern öfter finden zu einer Zeit, wo das Finanzkapital die Industrie beherrschte. Heute, wo namentlich in Deutschland die Industrie sich von dem Einfluß der Hochfinanz emanzipiert hat und vielfach die Banken nur noch „Nebenbetriebe" der Jndustriemagnaten sind, ist der „jüdische Einfluß" bei den internationalen Kapitaltransaktionen verschwindend gering. Nur die Industriellen und Mitläufer der Industrie, die sich besonders „national" gebärden, wie Herr Qua atz, der frühere Syndikus der Essener Handelskammer, einer der eifrigsten Bekämpfer des Dawes-Plans auch im Reichstag, dürften die „Blutprobe" schlecht bestehen. Wenn Herr Ludendorff seine Studien einmal nach dieser Richtung erweitern würde, so würde er zu den überraschendsten Ergebnissen kommen. Aber ein wahrer völkischer Mann soll sich nicht zu sehr in das Studium von Tatsachen vertiefen. Denn sonst merkt er womöglich auch noch, daß nicht nur Ludendorff und Graese, sondern auch Katz und Scholem gegen den Pakt von London gestimmt haben, und daß das Wort vom „jüdischen Tannenberg" ein elender, unwahrhaftiger Bluff ist. Dr. Richard Lewinsohn. „Deutsche EmsuerlmgS'Hememös". Theodor Fritsch zum D a w e s - G u t a ch t e n'. Um durch die Tat Zu beweisen, wie sehr er selbst die von ihm dert Juden 3 u r ß a ft gelegte Verschleierung ihrer Persönlichkeit durch Pseudonyme oder harmlose Firmennamen verabscheut, hat Herr Theodor Fritsch, Mitglied des Reichstags, da der „Hammers-Name anscheinend schon Zu berüchtigt schien, in Leipzig eine sogenannte „Deutsche Erneuerungs-Gemeinde"' gegründet; ihre wesentliche Aufgabe scheint darin zu bestehen, daß sie allen Schmutz und Klatsch, der in Deutschlands Grenzen und auch im Auslande über Juden, Judentum, Sozialismus und Bolschewismus vorhanden ist, ständig erneuert, um so das deutsche Volk aus den Gipfel ethischer und moralischer Vollkommenheit zu führen. Man kann Herrn Fritsch, der, übrigens auch unter dem Namen Fritz Thor, F. Roderich-Stoltheim und je nach Bedarf auch anders firmierend, über Talmud, Finanzwiffenschaft, Relativitätstheorie, Rassensorschung usw. mit derselben Sachkunde schreibt, die Anerkennung nicht versagen, daß er geschäftstüchtig die Konj u n k t u r a u s z u n u tz e n versteht. Als das Sachverständigengutachten noch im Mittelpunkte der politischen Erörterung stand, und als es noch möglich schien, durch Verleumdungen über seinen Inhalt und seine Urheber Einfluß aus die Entscheidung des deutschen Volkes zu gewinnen, erschien die „Deutsche Erneuerungs-Gemeirrde" mit zwei Flugblättern auf dem Plan. „Der Höhepunkt des Volksbetruges" und „die Herrender Erde" betitelt, wollen sie Nachweisen, daß das ganze Dawes-Gutachten jüdische Vorder - und Hintermänner habe, und daß es, einmal durchgeführt, Judas Weltherrschaft für alle Ewigkeit begründet. Mit der ihm eigenen Vielseitigkeit belegt Herr Fritsch bzw. sein Schreiber diese Behauptung mit Zitaten aus dem Talmud und aus „Den Weisen von Zion", zu denen er Herriot rechnet, den er genau so wie Dawes als Juden bezeichnet. Es ist Herrn Fritsch natürlich unbekannt, daß Herriot weder Jude, noch' jüdischer Abstammung ist, daß der Erzieher Herriots ein Abbe gewesen, daß sich aus dem Friedhofe von Saint-Pouange in' der Nähe von Trohes die Gräber von Herriots Verwandten und Vorfahren befinden. Und die Vermutung, daß Dawes Jude sei, ist wohl desselben Ursprungs, wie jene in den Witzbestand der Weltgeschichte übergegangene Behauptung Fritschs, Lord Rothermere, der bekannte englische Zeitungstrustbesitzer, heiße eigentlich „Rotes-Meer" und sei deshalb natürlich Jude. Also: Dawes gleich David. Wer kann da noch zweifeln, daß ein Mann, der David heißt, Jude sei? Denn Herr Fritsch, der so Mrn in die Ferne schweift, weiß natürlich auch nicht, daß er seit Beginn seiner Reichstagsabgeordnetenzeit oft denselben Raum mit einem Manne namens David geteilt hat, der nie mit Juden etwas zu tun hatte: dem ehemaligen Reichswimster Dr. Eduard David. Herr Theodor Fritsch mag „Aufklärung" zu bringen versuchen, unter welchem Namen er auch immer wolle. And sei es auch die Firma „Deutsche Erneuerungs-Gemeinde" er bleibt immer der Alte,