Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 36 (4.9.1924)
- Date
- 1924-09-04
- Page
- Seite 533 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Anzelnumnltt 10 Golöpfennlg SerUn, 4. September 1924 UI. Jahrgang » Nr. Sb sürSeErkkun des Oudentums Verlag u. Schriftleitung: Central-Verein -eutscher Staatsbürger jüökschen Glaubens e.v. Gerlin SM bb, Linöenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 .% Telegrammadresse: »Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Ltndenstr. 7 Monatsabannemeni (eln vleriellShrliches gibt eS vorläufig nicht) 40 Golbpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Ännoncen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Kerle nach Rudolf Mostes Normalzeilenmefler Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmarl, die 90 mra breite Reklamezeile 4 Goldmark. Nach -er Dawes-Abstimmung, Das „jü-ische " Der Ehrgeiz der Deutschnationalen, die äußerste Rechte im deutschen Reichstag zu bilden, hat es verhindert, daß die Nationalsozialisten als Pendant zu den Kommunisten die Flügelmänner im Parlament sind. Die dreißig Wulle-Leute sitzen eingepfercht zwischen den Deutschnationalen und der Deutschen Volksparrei, und Wotan hat es gewollt, daß Ludendorff seinen Platz dicht neben einem Volksparteiler bekommen hat. Peinlich! Das konnte auf die Dauer nicht gut ablaufen. Und so geschah's. An dem Tage, an dem der Reichstag die Dawes-Gesetze annahm, kam es zu einem Zusammenstoß. Eben ist die Entscheidung gefallen, da sieht man Ludendorfs heftig gestikulieren, mit feuerrotem Kopf auf seine Nachbarn einreden, dann erhebt er sich und verläßt, sichtlich entrüstet, den Sitzungssaal. Im Hinausgehen ruft er dem volksparteilichen Admiral Brünighaus zu: „Es ist eine Schande für Deutschland, ich habe vor zehn Jahren Tannenberg gewonnen Sie haben heute hier das jüdische Tannenberg gemacht." Schlagfertig gibt der Admiral zurück: „Darüber wird die Geschichte entscheiden." . Das alles vollzieht sich in wenigen Minuten, und nicht viel dauerhafter ist die Resonanz, die der Wortwechsel im Parlament findet. Ludendorfs hat sich gezankt, hatte einem änderen der 466 eine Grobheit gesagt, — nun denn, Grobheiten haben iw dem hohen Hause keinen Seltenheitswert — und an diesen Tagen hat man andere Gedanken, als daß man sich um völkisches Geschrmpf kümmern könnte. Aber fast scheint es so, als war das Wort vom „jüdischen Tannenberg" Nicht eine Eingebung des Impulses, sondern ein wohllpräpariertes Schlagwort, ein Zitat auf Vorrat, das künftig in wahrhaft „nationalen" Kreisen die Run'de machen soll. Schon einige Tage vorher, als Ludendorfs sich in Ostpreußen als Held von Tannenberg feiern ließ, hatte er in seinen Kommersreden, die selbstverständlich nicht schlichte Eedenkworte waren, sondern parteipolitische Fanfaren, ganz ähnliche Wendungen gebraucht. Aber wie dem auch sei: der antisemitische Wortschatz ist um eine Perle reicher.? Für den, der sich nicht! in die Geheimnisse völkischer Denkart vertieft hat, ist es fürs erste nicht ganz verständlich, was damit.gemeint sei. Aber zweifellos entbehrt das neue Ludendörsf-Zitat nicht der inneren Logik. Denn so sind die Juden Nun einmal: erst.verschulden sie, daß der Krieg ausbricht, und danN, daß er zu früh abgebrochen wird und für Deutschland verloren geht, und schließlich verschulden sie auch noch, daß es statt eines frisch-fröhlichen Revanchekrieges einen friedlichen Wirtschastsausgleich gibt. Aber — beim Teut! — ich höre das Wort Wirtschaft, und das ist es gerade. Jüdischer Händlergeist hat völkisches Heldentum wieder einmal zu Fall 'gebracht. Der internatwnale jüdische Kapitalismus hat dem Tannenberg". Ludendorffschen Nationalsozialismus wieder einen Streich gespielt. . . Zwar ist es ein wenig merkwürdig, daß das „internationale" Judentum so ungerecht ist, seine Lieblingsnationen zu haben, daß es gerade immer die Deutschen versklaven und der Entente die Beute zutreiben will. Aber wenn man erst auf so abwegige Gedanken kommt, dann wird man womöglich auch noch die entscheidende Frage stellen, wer denn eigentlich die internationalen jüdischen Kapitalisten sind, die allenthalben ihre Hand im Spiele haben. Walther Rathenau hat einmal das Wort gesprochen von den dreihundert Männern, die das Schicksal der Welt lenken. Sondiert man diese obersten Dreihundert, so wird man herzlich wenig Juden darunter finden. Und die wenigen Juden, die man vielleicht dazu zählen muß, sind meistens alles andere als Vertreter der „internationalen Kapitalismus". Wo sind die allmächtigen jüdischen Multimillionäre und Milliardäre, deren wirtschaftliches Tun der Politik die Richtung gibt? Ist Henry Ford, der heute als der reichste Mann Amerikas gilt, ein Jude? Ist der alte Rockeseller ein Jude, dessen Standard Oil Company allenthalben, wo sie sich ausbreitet, politische Auseinandersetzungen im Gefolge hat? Er ist so wenig ein Jude wie die leitenden Männer seines größten' Konkurrenzunternehmens, des weltumspannenden englisch-holländischen Oeltrusts, der Rohal-Dutch-Shell-Co.-Gruppe. Und wo sind in Europa sonst die großen jüdischen Industrie- und Finanzkapitäne, die entscheidend die Politik, und womöglich in deutschfeindlichem Sinne beeinflussen? Die Führer der französischen Schwerindustrie, de Wendel im östlichen, Schneider im mittleren Frankreich, sind weder ihrem Glaubensbekenntnis noch ihrer Abstammung nach Juden, ebensowenig sind es die führenden Wirtschafts- Politiker der verarbeitenden Industrie: Loucheur, der Beherrscher der nordfranzösischen Elektrizitätsindustrie, so wenig wie sein Gegenstück, der Belgier F r a n c q u i. In der französischen Hochfinanz, von der unmittelbar die Fäden zum Quai d'Orsay lausen, spielen die erste Rolle die ganz und gar nicht jüdischen Brüder C a m b o n: Jules, der frühere Botschafter in Berlin und jetzige Präsident der Pariser Botschasterkonserenz, und der jüngst verstorbene Paul, der französische Botschafter in London, die beide ihr Altenteil rn der Verwaltung der aufstrebenden Banque de Paris et des Pays Bas gefunden haben, der großen französischen Petroleumbank, deren Wege über die Wiener Banque des Pays de l'Europe Centrale nach allen österreichischen Nachfolgestaaten laufen; der Beherrscherin der großen französischen Verkehrsgesellschasten, darunter auch der jungen französischen