Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 35 (28.8.1924)
- Date
- 1924-08-28
- Page
- Seite 526 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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526 gememschaft lebenden Kreis ähnlicher Individuen repräsentiert wärd; der dauernd fortlebende Volkskörper". Die Trennung dieser zwei verschiedenen Begriffe und ihre klare Definition sind ein Verdienst des Verfassers; und er sieht von dem mindestens verfrühten Versuch ab, unsere dürftigen Kenntnisse über die Systemrassen in das Gebiet der Rassenhygiene einzubeziehen. So bildet das Büchlein ein geschlossenes Ganzes und führt nach einem geschichtlichen Ueberblick zu einer Darstellung der Vererbungsgesehe als notwendiger Voraussetzung für das Verständnis jeder rassenhhgienischen Forderung. Dabei ist es Siemens gelungen, den schwierigen Stoff in so vorzüglicher Weise aufs knappste darzustellen, daß die Erblichkeitslehre jedem Leser von einigem naturwissenschaftlichen Begriffsvermögen zugänglich wird. Auf dieser Grundlage zeigt Siemens die Gefahren auf, die der westeuropäischen Menschheit durch das rasche Aussterben ihrer führenden Schichten und damit ihrer tüchtigsten Erbstämme infolge ihrer Kinderarmut drohen; daß die deutschen Juden in dieser Hinsicht besonders gefährdet sind, ist ja durch die Teilhaberschen Untersuchungen erwiesen, die auch Siemens anführt. Da die Kinderarinut hauptsächlich durch wirtschaftliche Gründe bedingt ist, so ergeben sich zwingend die Forderungen der Rassenhygiene auf Schonung und Begünstigung der kinderreichen Familien durch entsprechende Regelung des Steuer- und Erbschaftswesens; so nämlich, daß das Ein- und Zweikindersystem keine wirtschaftlichen Vorteile mehr bietet, und damit die Hauptursache für die mangelhafte Vermehrung und das rasche Aussterben der Bildungsschichten beseitigt wird. Das kurze, inhaltsreiche und gut geschriebene Werk verdient das Interesse jedes Gebildeten, ganz besonders jedes deutschen Juden. Otto Feldman n. * Onkel Wolfs, der Kleinstädter. Lustspiel in einem Akt von A r t u u Schwe r.i ner. Phi lhar m.oni s cher Verlag, Berlin W 30. Dieser Lustspiel - Einakter wird schnell „zum eisernen Bestand" aller Dilettantenbühnen gehören. Schweriner erweist sich auch hier wieder als guter Beobachter, der es versteht, die verschiedenen Typen mit ihren Schwächen und Vorzügen lebenswahr zu zeichnen: Das besorgte^Elternpaar, das sich in einer posonscheu Kleinstadt durch -eisernen Fleiß ein Vermögen erworben — die Handlung spielt vor dem Kriege — und nun den glühenden Wunsch hat, ihre Tochter in die Großstadt zu verheiraten, den Sohn als Großstadtanwalt zu sehen und dann „den Lebensabend" in Berlin zu verbringen. Die Kinder selbst, deren Gedanken, den Wünschen -oer Eltern entgegen, aufs Land und in die Kleinstadt gerichtet find, weil sie erkannt haben: „Wir müssen zurück zur Natur. Die Juden im Lande und auf dem Lande müssen bestehen, wenn das Judentum erhalten werden soll." Der gute Onkel Wolfs, der seine echt jüdische Warmherzigkeit hinter bitterer Selbstironie zu verbergen sucht und doch durch seine Selbstlosigkeit den Kindern das „zurück aufs Land" ermöglicht. Onkel Wolffs Ausspruch: „Das Innere in einem Menschen kommt mir vor wie ein Warenhaus. Vor 25 Jahren habe ich die Abteilung Liebe einmal groß eröffnet. Ich habe aber gesehen, sie geht nicht; da habe ich Saisonausverkauf gemacht und die Abteilung geschlossen", wird sicher bald zum „geflügelten" Wort werden. Ern paar lustige Figuren: dreister Lehrling, polnisches Dienstmädchen, altjüngferliche Haushälterin müssen mithel-sen, dem Töchtercyen ihren jungen Landwirt zu gewinnen, und die Eltern von der Erkenntnis zu überzeugen, daß es nicht darauf ankommt, im Taumel der Großstadt zu leben, sondern daß gerade auf dem Lande die Ehe ein geistige Gemeinschaft sein kann. Mit Scherz und Satire deckt Schweriner die Schäden auf, welche die Flucht der deutschen Kleinstadtjuden in die Großstadt für die Gesamtheit bedeutet, um dann den Sohn fragen zu lassen: „Habt Ihr Eltern noch niemals daran gedacht, daß wir Juden in Deutschland in der Bodenständigkeit die beste Grundlage für unseren Emanzipatiouskampf besitzen? Sollen wir uns zu einer Großstadtgemeinschaft degradieren, die zu betriebsam und geschäftig ist, als daß sie mit der heimatlichen Scholle verwachsen sein kann?' Wir wünschen dem frischen kleinen Werk, das geeignet ist, Herzensfreude auszulösen und zu ernstem N a ch d e n k e n anzuregen, weite Verbreitung. Dr, M. Ed—* Antworten. A. M., Berlin. Uns ist bekannt, daß in antisemitischen Zeitungen gleichartende Notizen mit der Aeberschrift: „Tiefere Infam m e n h ä n g e", „Jüdischer Patriotismus" ufw. erschienen find, in denen mit folgenden „sensationellen Enthüllungen" aufgewartet wird: „Auf Briefbogen eiuer Berliner Aktiengesellschaft wird an jüdische Kaufleute ein Rundschreiben versandt, in dem dazu auf gefordert wird, „d e n Kampf der U. S. P. D. gegen die antisemitische Reaktion zu finanzieren". Der Versender dieses Rundschreibens, ein Herr mit jüdischem Namen, der unter der Aktiengesellschaft zeichnet, führt aus, baß er selbst „gewiß kein Sozialist sei" und daß „Kaufleute an sich keinen Grund hätten, eine Arbeiterpartei zu unterstützen, daß er aber trotzdem die Unterstützung der U. S, P. D. empfehle, weil „die jüdischen Verbände (Eentral- Verein, Frontbund, Zionisten)" bei der Bekämpfung des Antisemitismus versagt hätten und, wie es in der Anlage des Rundschreibens heißt, „der Kampf gegen die judenfeindliche Bewegung wirksam nur von einer politischen Partei geführt werden könne, welche jüdische Interessen als solche nicht vertritt". Es ist uns weiter nicht unbekannt, daß bas amtliche Wolffsche Telegraphen- Bureau noch am Tage des Erscheinens dieser in die antisemitischen Zeitungen lancierten gleichlautenden Notiz eine Erklärung bes. Verbandes national deutsch er Juden veröffentlichte, in der dieser sich auf das entschiedenste gegen den Inhalt des Rundschreibens verwahrt. Bei der völligen Bedeutungslosigkeit eines jugendlichen Wirrkopfes, haben wir es nicht für nötig gehalten, die nichtantifemitische Oefs'entlichkeit auf diese „sensationellen Enthüllungen" hinzuweisen. A. P., Berlin. Daß der Verfasser der Esperanto spräche, deren Anhänger dieser Tage in Wien den 1b. Universalkongreß gefeiert haben, Dr. Ludwig Lazarus Z a m e n h o f, in Bialystok 1859 geboren und in Warschau 1917 gestorben, Jude war, ist uns bekannt. Wir danken Ihnen für Ihre Mitteilung, daß in Wien, wo jetzt nochfeine Frau und Töchter leben, am Hotel H a m m e r a n d, wo er gewohnt hat, eine Gedenktafel errichtet worden ist. Nach Mainz. Besten Dank für die Uebersendung des in der Presse von christlichen Kameraden veröffentlichten Nachrufs für den Leutnant ü. L., Kommerzienrat Bernhard G o l d s ch m i d t in Mainz. Es heißt in dem Nachruf: „Der Heimgang Goldschmidts ruft bei Taufenden die Erinnerung wach an einen väterlichen und gerechten Vorgesetzten und 'treuesten Kameraden aus schwerer Zeit. Der gediegene Cyaraiter, seine optimistische Lebensauffassung, vor allem sein goldener Humor, vereint mit wahrer Herzensbildung, werden uns zeitlebens unvergeßlich fein. Durch eigene Opfer die Lage seiner Untergebenen zu erleichtern, ihre -Sorgen zu erforschen und zu lindern, rvar ihm Selbst» v e r st 8 n d l i ch k e i t. Mancher Kriegsbeschädigte verdankte ihm Arbeit und Brot, vielen Kriegsblinden war seine Herzensgüte das einzige Licht in ewiger Finsternis. Ehre dem Gedächtnis dieses aufrechten Mannes vornehmster Gesinnung." A. F., Danzig. Die verleumderische Behauptung der „D a n z i g e r Völkischen Zeitung", der Hannoversche Massenmörder Haarmann sei ein Jude, geht durch die gesamte völkische Presse. Wir wissen längst, daß den Judenhassern jedes Mittel recht ist, um Verhetzung in das deutsche Volk hineinzutragen. Aber wir hoffen, baß sich immer größere Teile der noch bei der letzten Reichstagswahl „gutgläubigem Völkischen von diesem schmutzigen Treiben abwenden werden. L. S., Bent (Tirol). Sie schreiben: „Bon Antisemitismus merkt man in Tirol gar nichts. Wir haben auf Hütten der verschiedensten Sektionen des Alpenvereins (auch Brandenburger Haus der Sektion Brandenburg) Gastfreundschaft genossen, ohne ein Hakenkreuz gesehen zu haben oder durch eine anti-semitische Aeußerung belästigt worden zu sein. Leute, die wirklich wandern und a u f d i e B e r g e st e i -g e n, geben s i ch d a m i t n i ch t a b; das bleibt -den alpinistifchen „Talwanzen" überlassen. A. M.» Frankfurt a. M. Hitler und Ludendorff werden gewiß ihre Freude an der Geschäftstüchtigkeit ihres Gesinnungsgenossen E. S ch u ch a r d t, Kohlen, Koks, Briketts, Holzvertrieb in Frankfurt a. M., Fürstenberger Straße 151, haben, der in Offertbriefen an Frankfurter Bürger als „völkischer Geschäftsmann" um Aufträge bittet, weil man ihn wegen Tragen seines Abzeichens boykottiere. Wir nehmen an, daß Herr Schuchardt irrtümlich eingehende Bestellungen jüdischer Kreise als mit seiner Ehre unvereinbar zurückweisen wird. Beispiellose Erfolge bei blassen und schwächlichen Kindern jeden |K£agB Alters. Schriften unverbindlich und frei durch Deutsche Milchwerke A-G., Zwingenberg (Hessen).