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Central-Verein-Zeitung · 1924-08-28 · 35 (28.8.1924) · p. Seite 525

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
35 (28.8.1924)
Date
1924-08-28
Page
Seite 525 (sequence 9)
Language
German
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525 Neuere Romanliteratur Kyrie Eleison — Das nackte Leben — Genosse Levi — Brüderlichkeit. Unter dem Titel ,Kyrie Eleison" hat Max Joseph, Pseudonym unseres Wiener Gesandten, des bekannten AentrunMabigeoodnete^n Maximilian Pfeiffer, einen Roman von Juden und von Christen aus dem alten Speyer erscheinen lassen. Der Roman spielt in der Mitte des 14. Jahrhunderts und führt uns in die furchtbaren Zeiten des schwarzen Todes, der Judenverfolgungen und der Ausschreitungen der Flagellanten. Während in der Bürgerschaft selbst die Kämpfe zwischen den patrizifchen Geschlechtern und id-en Zünften geführt werden,' richtet sich die ganze Wut des Pöbels gegen die Judengemeinde, der Schuld an allein Uobel gegeben wird. Die törichten und fürchterlichen Vorwürfe, die seit Jahrhunderten gegen die Juden erhoben werden, finden wir bereits hier in der alten Reichsstadt Speyer wieder. Niedertracht und Gemeinheit eines verlumpten Scholaren verstehen es, diie niedersten Instinkte des Volkes aufzustacheln, und den Angriffen des entfesselten Volkes fällt das ganze Ghetto mit seiner gesamten Bewohnerschaft bis auf ganz geringe Ausnahmen zum Opfer. lieber den den Juden gehörigen Grund und Boden verfügt König Karl IV. zugunsten seiner Gläubiger und Günstlinge. Nicht die geringste moralische Hemmung gibt es in dieser Beziehung für den Herrscher, der doch ein gebildeter Mann gewesen ist. In Erwartung von Judenschlächtereien an anderen Orten verschenkt er schon im voraus das Grundvermögen der dortigen Juden für den Fall, daß ihnen „etwas zu stoßen" sollte. In die kulturhistorische Schilderung ist der Liebesroman des Deutsch-Ordensritters Heino von Ehrenberg mit Esther, der Tochter des weifen Jehuda den Kalonymos, verwoben. Die Dichtung ist ein bedeutendes Werk, und aus jeder Zeile des Romans spricht die Unbefangenheit und Gerechtigkeit des Verfassers. Bew-underuu-gsivürdig, ist feine Kenntnis der Zustände in der alten Reichsstadt Speyer und in der jüdischen Genreinde, sowie sein warmherziges Gefühl für die jüdische Religion und für das Euch finden und Wesen ihrer Betkenner. Die Lektüre dieser hochbedeutenden Dichtung kann aufs wärmste empfohlen werden. — F. v. Gagern führt uns mit seinem Roman „Das nackte Leben" in zum guten Feil recht unbekannte Gegenden Marokkos. Auch dieses Werk ist durch seine geographischen und kulturhistorischen Schilderungen durchaus interessant. Desto trauriger ist es, daß Gagern an verschiedenen Stellen seines Buches in häßliche und pe>iw liche antisemitische Aeußerungen verfällt. Ein österreichischer Adliger, der Welt reisender nach Afrika kommt, wird von einem wohlhabenden jüdischen Kaufmann gastfreundlich in sein Haus ausgenommen. Man bekommt zunächst den Eindruck, -daß dieser Jude ein durchaus'vornehmer und edler Charakter ist, und sein ganzes Verhalten dem Gaste gegenüber läßt einenanderen Schluß nicht ziehen. Plötzlich biegt aber der Verfasser das Wesen der Figur um und macht aus -dem vornehmen und gütigen Gastgeber einen Lumpen und Verräter. Psychologisch ist die Entwicklung nicht zu verstehen, und man muß leider annehmen, daß der Verfasser sich mehr von antisemitischen Motiven hat leiten lassen. Hierfür < spricht insbesondere die Tatsache, daß der Roman in dem Hinweis ausklingt, daß die Juden! aus ihren persönlichen Interessen den Weltkrieg entfesselt hätten. Also nicht die Einkreisungs- Politik d Eduards VII., nicht die Schüsse von Serajewo, nicht die österreichische Note waren die Ursachen des Weltkrieges, sondern die Juden. Es ist tief bedauerlich, daß ein Mann von der Begabung Friedrich v. Gagerns die Scheuklappen vor seinen Augen nicht entfernen und aus -dem eng umgrenzten Bezirke antisemitischer Sinnesart sich nicht loslösen kann. Handelt es sich bei dem Gagernfchen Werke trotz aller Ausstellungen, die gemacht werden mußten, immerhin um eine künstlerisch wertvolle Schöpfung, so ist „Genosse Levi", Roman von Fritz Ha Ib ad), eine geradezu w id e rw ü r t lg e D ch a nd s ch r is t, der man eigentlich schon zuvlel Ehre erweist, -wenn- «man ihren Namenbuch nur nennt. „Die Weisen von Zion" sind nach dem Empsinden dieses Pamphlebisten ein klasftsches Werk, -und seine Beurtei-lung der Juden und der Judenfrage stützt sich auf diese verlogene und erfundene Schrift als klassisches Fundament. Es ist ein Jammer, daß zur Herstellung eines derartigen schnmhlichen und nichts-würdigen Buches Papier und Druckerschwärze verschwendet wurden-. In eine ganz andere Atmosphäre kommen wir bei der Lektüre von Walter Bloems „Brüderlichkeit". Der Verfasser schildert das Schicksal eines jungen jüdischen Korpsburschen, dessen Vater hochangesehener Alter Herr des gleichen Korps ist. Trotzdem der Held des Buches ein glänzender Schläger, ein un-gewöhnlich tapferer Mann ist, macht man ihm lediglichwegen, seines Judentums die Stellung in der Verbindung unmöglich, und er geht zugrunde. Es ist hier nickst möglich, auf den reichen Inhalt des überaus anregend e n B u ch es n ä h e r einzu gehen. Wir müssen uns damit begnügen-, darauf hinzuweisen, daß d e r B e r f a s fe r eifrig b e st r e b t ist, ft r-e n g e O b j e f t -i vitn t w alte n z u lassen- und Licht und S chatten gerecht zu verteilen. Seine Schilderungen, ans dem Studenten leben sind außerordentlich interessant, und sie werden d-nrch die gegenwärtige Entwicklung der Verhältnisse an unseren Hochschulen von Tag zu Tag mehr bestätigt. Der Kampf, den der Central-Verein zu führen hat, nimmt leider an den Universitäten Immer schärfere Formen an. Auch hier gilt das Goethe-Wort: „Opfer fallen hier. Weder Lamm noch Stier, Aber Menschenopfer unerhört." Justizrat Heinrich K i r s ch n e r. Neue Hücher. Grrendzüge der Raflerrhhgiene zugleich Einführung in die Vererbungslehre. Von Dr. Hermann Werner Siemens. 2. Auflage. I. F. Lehmanns Verlag. München 1923. Nach der Definition des Verfassers ist Rassenhygiene „die Lehre von den Bedingungen der Erhaltung und der bestmöglichen Entwicklung der Rasse", wobei unter Rasse aber nicht die „System-Rasse, d. h. die naturwissenschaftlich-systematische Unterabteilung der Art", verstanden wird entsprechend dem üblichen Gebrauch der Anthropologie; gemeint ist vielmehr „Vitalrasse, d. h. die uberindividuelle Einheit dauernden Lebens, die durch einen miteinander in Zeugungs- Deutschlands Edelwasser Kaiser -®- friedrich Quelle Offenbach(Main) Bewährt gegen Sicht und Rheumatismus Blasen * Nieren-& Gallenleiden Alleinige Änzeigen-Annahme Rudolf Messe, Anz e ig en-Annahme für sämtl. 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