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Central-Verein-Zeitung · 1924-08-28 · 35 (28.8.1924) · p. Seite 524

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
35 (28.8.1924)
Date
1924-08-28
Page
Seite 524 (sequence 8)
Language
German
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524 Die Iuöen im Schwimmsport. Bon Universitäksschwimmlehver Walter Mang (Heidelberg). In Ergänzung des verdienstlichen Beitrages „Was Juden im Sport leisten" aus der Feder des bekannten Sportkenners Eugen WagenerJ möchte ich einige weitere Angaben dazu aus meinem Fach- und Forschungsgebiet des Schwimmwesens beisteuern. Doch muß ich gleich eingangs bemerken, daß ich dies keineswegs in eingehender Weise hier tue, wozu mir jetzt die Zeit sehlt, vielmehr nur ausführe, was ich gerade darüber in Erinnerung habe. In meinem weitverbreiteten Leipziger Lehrmeisterbändchen „Schwimmsport" habe ich im geschichtlichen Teil mehrfach auf d e n b e m e r k e n s w e r t e n ^Cnteil der Juden am internationalen S ch No i m m s P o r t h i n g e w i e s e n , der sich seither mit der erfreulichen Ausbreitung des neuzeitlichen SPortgedankens in diesen Kreisen noch entsprechend erhöht hat. Namentlich gilt dies wohl von den Vereinigten Staaten, die heilte dank ihrer reichlichen Geld- und Meuschenmittel, dazu vortrefflichen Frei- und Hallenbädern in zunehmender Zahl, freilich auch mehr darin leisten können als wir. Doch will ich in ich hier von der Nennung einzelner Namen von unverkennbar jüdischem Klange fernhalten, da dabei Jrrtümer immerhin leicht möglich, und nur allgemein Hinweisen, daß die dortigen starken jüdischen Jungmänner- und Jungfrauenverblinde, ein Gegenstück zu derselben allbekannten christlichen Jugendbewegung, schon vielfach ihre eigenen Schwimmhallen in entsprechend regem Betrieb haben. Bemerkenswert bleibt es, wie zum Beispiel bei den im „Amerika-mschen Schwimmjahrbuch 1921/22" gebrachten hübschen beiden Bildchen! der er so-lgr eichen Schwimmannschasten des Dinai Social Centre zu Chikago sowohl bei der zehnköpsigen Herrenmannschaft wie bei dem strammen Damenmeisterdutzend die jüdischen Gesichtszüge durch den typisch amerikanischen Sportrassenausdruck in diesem Völkerschmelztiegel schon ziemlich verwischt und umgeformt sind. Aehnliches gilt vorn Bilde fcier als Einzel- und Stastttenschwtmmeri>n bekamllgiewordeneu Helen Moses in Honolulu. Sicher haben auch der so stattlichen nordamevikanischen Nationalschwimm- Mannschaft zur Pariser Olympiade wieder Juden angehört. Ihr technischer Leiter für die Herrenmannschaft war Louis Bacharach aus Chikago, ein lebenslustiger, wohlbeleibter Mann von hohem Ansehen, Trainer der Weltmeister wie Weißmüller und Sybill Bauer, den ich Be'i der Tagung des Weltschwimmverbandes in Paris (die sich zur Frage der Wiederaufnahme Deutschlands sehr entgegenkommend äußerte) soeben persönlich kennenlevnte. Darb foiaff ich jüdische Lande svertret^r u. a. von U n g a t n, Oesterreich, B e lgi e n. Vom sonstigen Auslandsport wären wohl aus den meisten Schwimmsportlündern leicht einige führende, sicher israelitische Namensträger in England, Frankreich, Belgien, Holland usw. zu sammeln. Bei den Mittelmächten kommen zunächst Ungarn und Oesterreich in Betracht. So wies und weist vor allem der Wiener Schwimmsport, wie der Wiener Sport ja überhaupt (worüber für frühere Zeiten die Sonderbroschüre von Dr. Herschmann unterrichtet), einen starken jüdischen Anteil auf. Sowohl früher, vor der Arierabspaltung im Sport, die dort bezeichnend früh begonnen hat, wie noch mehr heute in den eigenen jüdischen Sportklubs, von denen die Hakoah ja, so im Fußball, längst Weltruf im In- und Ausland errungen hat, und auch im Schwimmen in Front steht. Erinnert sei auch kurz an die einstige sieggewohnte Damenwasserballelf der eingegangenen „Austria", die aus lauter Jüdinnen bestand, worin ihr nach 'dem Krieg bisher leider überhaupt noch keine Nachfolgerin erstanden ist. Um das Schwimmrettungswesen hat sich d-ort der rührige cand. med. Philipp Winter neuerdings recht erfolgreich verdient gemacht. Kaum minder stark ist - der jüdische Anteil im benachbarten jungen , tschechoslowakischen Freistaat, wo in Prag wie in der Provinz teilweise gleichfalls eigene Sportklubs, wie Hagibor in Prag und Makkabi in Brünn, an solchen HauPtmiLtelpunkten des nationalen Schwimmsportes, sowie im unfreiwillig hinzugekommenen Prehburg, wo jedoch der ungarische Anteil überwiegt, bestehen; sogar eine eigene Untergruppe im Landesschwimmverband besitzen die Juden« Um nun endlich auf unsere heimischen Verhältnisse wieder kurz zu sprechen zu kommen, so blieb beispielsweise die Hannoveranerin Grete Rosenberg, jahrelang die deu t sch e Me isterschwirnrnerin im Freistil, und war auch in anderen Lagen hervorragend. Ungeschlagen behielt sie ihren stolzen Titel, sogar noch vorbildlich in der Ehe als Frau Wildhagen, ehe sie jüngeren Kräften endlich das Feld überließ. Mit ihrer Klubgenossin HermrneStindt undzwei weiteren Sportgenofsinnen vertrat sie Deutschland siegreich auf den Stockholmer Olympischen Spielen, wie ja überhaupt die Damenriege des Hannoverschen Schwimmklubs von 1892 unter ihrer jüdischen Vor sitzenden Frau Frankenstein, die dem Schwimmsport einige tüchtige Söhne und eine Tochter geschenkt hat, lange führend dastand, Außer den l) „C. V.-Zeitung" Nr. 23 vom 12. Juni. Sportleuten beiderlei Geschlechts, hier nicht weiter aufzuzählen, verdienen auch noch einige Sportsührer Erwähnung, wie der Gelsenkirchener Trainer und Lehrbuchverfasser („Geheimnisse der Schwimmkunst") Ingenieur Julius Stern, der vornehmlich unserer Springkunst sowie der Müssenschwimm lehrweise neue Bahnen gewiesen hat. Ueberhaupt hat aus der israelitischen Lehrer- und Aerzteschaft das Schulschwimmwesen mehrfach rege Förderung erlebt in Tat und Schrift. Das weise Gebot des Tal m u d s an jeden gewissenhaften Vater, seinen Sohn auch schwimmen lernen 31t lassen, hat bei gebotener Gelegenheit ebensolche Befolgung gefunden wie die strengen, gesundheitlich wohlbegründeten mosaischen Wasch- und und Bauvorschriften. Für die Entwicklung der Schwimmkunst beim hebräischen Stamme bestand in der wasserarmen Heimat Palästina keine günstige Voraussetzung, abgesehen von den paar großen Landseen (zumal dem Toten Meer, worin man bekanntlich beim besten Willen nicht untergehen, doch auch nicht regelrecht schwimmen kann). Sonach bietet auch das Alte Testament wenig Ausbeute hierfür, abgesehen höchstens von jener sinnigen Jesajastelle, die immerhin dem englischen Bibliographen der Schwimmkunde Ralph Thomas („Swimming", London 1904) in ihrer gotischen und altenglischen Uebersetzung Anlaß zu interessanten Schlüssen Lot. Auch der Rothenburger Talmudforscher Professor Dr. Laible hat mir wertvolle Nachweise zur israelitischen Schwimmpslege, die sich u. a. zum Lernen eines Schwimmfasses bediente, liefern können. Zwar das Frauenschwimmen, wenigstens im Familienbad, scheint seit alten Tagen in orthodoxen Kreisen ebensolchen Bedenklichkeiten und Beschrünkungen zu begegnen wie in streng katholischen Glaubenskr-eisen und lediglich durch rituale Badgebote ersetzt, wogegen sich sonst das richtig beaufsichtigte Familienbad heute uneingeschränkter Beliebtheit auch in mosaischen Kreisen erfreut. Gerade i m B a d e w e s e n trifft die vom Polnischen Inden her dem ganzen Stamme gern nachgesagte Wasserscheu nicht zu. Zahlreiche jüdische Mitarbeiter hatte die Deutsche Gesellschaft für Volksbüder in den jetzt 25 Jahren ihres segensreichen Wirkens; vom unvergessenen Begründer Professor Lassar an, „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!", dem in New Pork der unermüdliche edle Dr. Simon Bar uch als „Vater der amerikanischen Brausebäder" kongenial gegenübersteht, bis zur letzten Berliner Hauptversammlung, wobei Männer wie Professor Dr. Strauß, Professor D a r m st ä d t e r, Kommerzienrat Knoblauch in den geschäftssührenden Ausschuß gewählt wurden. Im Jubiläumsheft dieser gemeinnützigen Gesellschaft ist das prächtige Mannheimer städtische Herschelbad mit drei Schwimmhallen als Musteranstalt gebührend gewürdigt, das seinen Namen der Halbmillionenstiftung des verstorbenen Stadtrates Bernhard H e r s ch e I dankt. Am Schluffe meiner, wie betont, nur flüchtigen Ueberflcht möchte ich noch meinem Verwundern und Bedauern Ausdruck geben, daß ich trotz mehrfacher Bemühung, für meine Fachbücherei aller Völker und Zeiten, worin u. a. türkische, indische, japanische, russische Schriften vorhanden sind, bisher keine einzige hebräische Druckschrift habe erlangen können, und wäre daher dankbar, wenigstens mal eine ausländische Zeitschrift, die vom Schwimmen oder Lebensretten handelt, als Ersatz aus dem werten Leserkreise für mein Deutsches Schwimmarchiv Heidelberg zu bekommen (natürlich auch sonstige einschlägige Angaben und Hinweise, wie Quellennachweis, Reiseberichte, Lebenserfahrungen, Beobachtungen, Nettungstaten, Bilder und Ansichtskarten, Bäderbau usw.). Gern würde ich den Text für ein in der hebräischen Weltsprache von einem israelitischen Sportverlag etwa geplantes Schwimmbuch liefern. Sportliches. Der Bundesgefchäftsführer des Reichsbundes Mischer Frontsoldaten, Ledermann, beteiligte sich an den Segelslügen in. der Rhön. Trotzdem Ledermann schwerkriegsbeschädigt ist und sechs Jahre lang nicht geflogen war, gelang es ihm, schöne Erfolge zu erzielen. Am ersten Flugtage hat er mit drei, glücklich. verlaufenen Flügen die meisten Flüge ausgeführt und sich die größte Gesamtflugzahl gesichert. Am letzten Tage sackte sein Flugzeug „Berlin" leider durch und wurde stark beschädigt. Glücklicherweise blieb Ledermann selbst unverletzt und konnte als schönen wohlverdienten Erfolg den zweiten Preis in Empfang nehmen. Wir wünschen dem bewährten Jagdflieger weiter viel Glück zu seinen Flügen. Unter dem Namen „Bereinigte Uebungsstätten jüdischer Sportverb ände (Vis)" haben sich der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, der Mische Turnverein Bar-Kochba, der jüdische Zoxklub Maecabi, der jüdische Turnverein Berlin 1906, die Deutschjüdische Jugendgemeinschast, Fechtklub Bar-Giora, Sport - V. I. St. (im K. I. V.), K. C. zu Berlin zusammengeschlossen, um eigene Sportplätze und Uebungsstätten in Berlin zu beschaffen. Mit diesem Ziele stellen sich die Verbände in den Dienst der behördlichen Bestrebungen, die dahin gehen, die sportliche Betätigung durch Schaffung der hierzu erforderlichen Einrichtungen zu fördern. Die - Geschäftsstelle der Vereinigung befindet sich in Berlin 0 2, Burgstraße 30, Zimmer 76. Der Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des Central-Vereins hat für das e r st e W e r b e - S p o r t f e st am 31. A u g u st einen Preis in Gestalt eines silbernen Pokals gestiftet. Das Fest findet bekanntlich zugunsten der Errichtung eines Sportplatzes für alle jüdischen Derbände statt.

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