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Central-Verein-Zeitung · 1924-08-28 · 35 (28.8.1924) · p. Seite 521

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
35 (28.8.1924)
Date
1924-08-28
Page
Seite 521 (sequence 5)
Language
German
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521 Jnquemada ließ es nicht zu. Sollen wir unser Recht jetzt Meder erkaufen? Für Geld erworbenes Recht ist Unrecht, ist Herabwürdigend und unsittlich. Wir haben unser Recht verdient, es Mt unserem Blute erkämpft. Wir haben heut das volle Recht als Würger und Menschen. Wir verlangen es an der Hand unseres Schrifttums, wegen unserer Mitarbeit an der Entwicklung der deutschen Kultur. Früher dachte man sich, der Sturm wird vorübergehen, Man huldigte dem Grundsatz: „Schweigen, nicht reden, nicht hören/ Uuch heute denken viele ähnlich. Ist dies richtig? Wir sollten schweigen, wenn man unsere Toten beschimpft, wenn man unsere Khrensriedhöfe entweiht, wenn man unsere Grabsteine besudelt?;Es wäre Feigheit und sittlicher Tiefstand. Wir schweigen nicht. Das Blut unserer Gefallenen schreit aus fremdem ,Lande. Auch jetzt beginnt wieder der Verleumdungsfeldzug gegen mns. Wir werden in Oberschkesien nicht schlafen, wir werden jedem Oberschlesier die Augen öffnen, die Wahlen in Oberschlefien müssen 'ein Wegweiser sein für ganz Deutschland. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Rechtsanivalt Dr. S u ft i ö (Gleiwitz) wies Zunächst darauf hin, daß die Reichs Lagswahl, die in Oberschlesien am 21. September stattsindet, der unmittelbare Anlaß zu dieser Kundgebung ist. Wir sind zu Ihnen gekommen, um Sie über die Lage der deutschen Juden in Ob erschlesi en zu unterrichten. Oberschlesien ist seit vielen Jahren heiß umstrittener Boden. Seit I a h r h u n d er t e n haben 0 b e r s ch l e s i s ch e Juden in Industrie und Wirtschaft, Handel und Gewerbe, Kultur undSozialPolitikmitgear beitet an der Hebung des Wohlstandes dieser Grenzmark. Als schon vor dem Kriege die Polensrage akut wurde, gab es für uns oberschlefische Juden keine andere Wahl als die für das deutsche Vaterland. Unsere Treue zum Reiche haben wir dadurch bewiesen, daß wir während des Krieges genau wie unsere christlichen Mitbürger ins Feld hinausgezogeu sind und unsere Pflicht dem Vaterlande gegenüber in vollstem Maße erfüllt haben. Dann kamen die Zeiten, in denen das ob erfchle fische Volk um sein Schicksal bangte, in denen wir eine 2 ^jährige Besatzung durch fremde Mächte mit all -ihren Leiden erdulden mußten. Auch in dieser Zeit des Abstimmungskampses haben die oderschlesischen Juden ein vollkornmen eindeutiges Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt, indem sie für die deutsche Sache offen eintraten und in den Reihen des Selbstschutzes mitkämpften. -Am A b st i m nt u n g § t a q e waren Tausende von außerhalb O b e r s ch l e s i e n s w 0 h n e n d e n j ü d i s ch e n Deutschen Zur Stelle, herbeigeeilt aus anderen Landesteilen und aus dem Ausland, um durch ihre Stimmabgabe mitzuwirken an der Erhaltung Oberschlesiens für das Deutschtum. Aber schon während der Besatzungszeit waren dunkle Gewalten am Werke, um Vorbereitungen dafür zu treffen, die antisemitische Hetze nach Oberschlesien hiueiuzutragen. Und als Anfang Juli 1922 die fremden Mächte abrückten, da setzte eine judenfeindliche Agitation von ungeheuerer Wucht eiu. Das nicht befriedigende Ergebnis der Abstimmung, diktiert von einem Machtspruch der Entente, und die allgemeine wirtschaftliche Notlage nebst anderen Dingen machten sich unverantwortliche Hetzer zunutze, um unser armes Oberschlesien in neue inner politische Kämpfe zu stürzen. Wir 0 b e r s ch l e s i s ch e n C. D. e r waren auf unserem P o st e n u n b boten d e m A n ft u r tu d i e S t i r n. Das oberschlesische Volt ist im Grunde auch nicht judenseindlich. Es hat jahrzchntelang im besten Einvernehmen mit -den jüdischen Mtblirgern gelebt, hat sie wegen ihrer Verdienste um Kultur und Wirtschaft geachtet und geschäht und ihre Tätigkeit fürs ^Deutschtum anerkannt. Es hat auch in der Mehrzahl kein W e r st ü n d n i s für „R a f s e f r a g e n", zumal der slawische Ein- >schlag in vielen Gegenden Oberschlesiens unverkennbar, aber gerade -bei diesem Teil der Bevölkerung zumeist die deutsche Gesinnung über ^jeden Zweifel erhaben ist. - 1 Unsere Aufgabe aber ist es, diesen gesunden.Sinn der o b e r s ch l e s i s ch e n Bevölkerung 3 ix stärke n, die guten Beziehungen mit den anderen Konfessionen zu pflegen, dort, wo durch Verhetzung, Verwirrung in. den Köpfen angerichtet ist, Aufklärung -zu schaffen und unbeirrt durch alle V e r l e u m dünge n m n d Lügen den Kamps für unsere Stellung als gleichberechtigte -deutsche Juden durchzufechten an der äußersten Südostecke des Deutschen Reiches. — .Der Wahlkampf wird diesmal besonders scharf sein. .Wir versprechen, unsere Pflicht zu tun und einen neuen Beweis zu (liefern dafür, daß wir treu stehen zu unserem Deutschtum und 'Judentum. (Starker Beifall.)? _ Justizrat Brodnitz betont in seinen Dankesworten, daß in .unserem heiligen Kampfe jederzeit Oberschlesier an der Spitze des Mentral-Vereins gestanden haben. Unser Eugen Fuchs ist sein iganzes Leben lang ein Oberschlesier aus vollem Herzen geblieben. Mnd wenn wir seinen Namen erwähnen, danken wir damit unseren (Freunden am besten. Dr. Braunschweiger spricht im Schlußwort der Berliner Geschäftsleitung den herzlichen Dank der Oberschlester für die glänzende Vorbereitung der Kundgebung aus. Das Bekenntnis für Oberschlefien ist letzten Endes nichts weiter als einBekenntnis für C. V. - Arbeit. Oberschlesien und C. V.- Arbeit. — Von. ihnen gilt.das.Wort des Dichters: Ich suche nichts als dich allein' Und deiner Liebe wert zu sein. Wie könntich dein vergessen. -- Ich weiß, was du mir bist, Sch—r. fröhliche Pfalz — Gott erhalt's! Ein Brief an die Schriftleitung. Es ist Ihr freundlicher Wunsch, daß ich für unsere „C. B.-Zeitung* ein Paar Zeilen über die Pfalz schreiben soll. Es fehlt mir sicherlich nicht an gutem Willen. Aber ich weiß nicht recht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll; es läßt sich so viel Schönes über dieses herrliche Ländchen am deutschen Rhein sagen und so viel Bitteres über seine Schicksale im Laufe der Geschichte bis in unsere Tage hinein. Eigentlich liegt die liebe kleine Pfalz fast unbekannt in der Schönheit ihrer Berge und Wälder, ihrer Weinberge und blühenden Fluren. Nur die Geschichtskundigen wissen von ihren Erlebnissen, von zerstörten Burgen und Schlössern, von Fürstengeschlechtern aus pfälzischem Geblüt, die deutschen und fremden Thronen ihre Herrscher gaben. Nur der Weinkenner weiß von dem edlen Tropfen, der auf Pfälzer Boden an den Hängen der Haardt heranwächst. Doch wer kennt sonst die Eigenheiten der „sonnigen Pfalz amNhein"? Wie wenige deutsche Wanderer suchen ihre liebliche Schönheit auf. Wie oft muß ich draußen erklären, wo die Pfalz liegt; wenn ich gar nicht mehr wußte, wie ich es machen sollte, habe ich gesagt: „Zwischen Mannheim und Saarbrücken", und viele haben dann so getan, als ob sie's nun wüßten. Und die Pfalz hat doch schon so viel ertragen müssen für ihr deutsches Vaterland! Wenn am Rhein die Völker auseinanderschlugen, dann leuchtete immer ihr Name weithin purpurrot von den Flammen brennender Burgen, rauchender Dörfer, zerstörter Schlösser oder auch nur von den Schmerzen und Tränen gequälter Menschen. Dann aber sank sie wieder Zurück in ihre traumverlorene Vergessenheit. Wir haben eine solche Zeit miterlebt. Als vor fast einem Jahre die separatistischen Gelüste am Rhein sich gerade in der Pfalz zusammenballten und in der „Autonomen Regierung der Pfalz" ihren Erfolg zu finden hofften, war das kleine Land in aller Munde. Die Welt horchte auf, als bekannt wurde, mit welchen Mitteln einige Schattengestalten dem pfälzischen Volke eine Negierung auszwingen wollten. Das waren harte, harte Monate, bis im Zusammenhalten aller Volkskreise diesem Spuk ein Ende bereitet war. Aber nun ist's vorbei, wohl für immer vorbei! Die Ausgewiesenen kehren zurück, die Gefüngnistore öffnen sich den endlich Befreiten. Bald wird alles Leid.vergessen sein. Es war viel Leid, aber es war erduldet für das deutsche Vaterland und für die pfälzische Heimat. Und wir alle haben daran teilgenommen; keine'Klasse, keine Schicht, keine Gemeinschaft, die sich ausgeschlossen hätte. Nur an der geschlossenen Front aller konnte der gefährliche Plan zerschellen. Soll es noch einmal gesagt werden, daß auch w i r Pfälzer Juden in Reih und Glied standen? Wagt einer daran zu zweifeln? Schon feit Jahrhunderten teilen wir die Geschicke dieses Landes mit allen anderen Pfälzern; schon so lange sitzen unsere Vorfahren in den pfälzischen Gauen. Vor Jahrhunderten war es, als ein Speherer Bischof inmitten finsterer Barbarei seine schirmende Hand über die Speyerer I u d e n g e m e i n d e aus streckte, eine Tat, die noch in unseren Tagen einen pfälzischen Dichter zur poetischen Verklärung begeisterte („Kyrie eleison", Roman in 2 Bünden, Verlag Hermann Kayser, Kaiserslautern). Die P f a l z i st a u ch für u n s P f ä l - zer Juden unsere Heimat in des Wortes heiligster Bedeutung. Dieses Gefühl hat auch von jeher unseren pfälzischen Landesverband so eng zusammen geschlossen und ihm seine besondere Note gegeben. Es ist nicht nur der Kampf um unser Judentum und unser Deutschtum! Es ist uns immer auch Herzenssache gewesen/von diesem lieben, schönen Ländchen mit seiner freiheitlichen Tradition die dunklen Mächte der Unduldsamkeit und Unterdrückung sernhalten zu helfen. Es ist uns nicht ganz gelungen. Die Strömungen der Zeit sind stärker, als der Erfolg unserer Arbeit! Aber wir sind weiter auf d e m P 0 st e n : für Judentum und Deutschtum, für unsere liebe Pfalz! — Liebe Schriftleitung, Sie sehen, es ist eigentlich gar nichts neues zu sagen — höchstens das eine, daß Sie Ihre Leser auffordern könnten, wenn sie ihr Weg in unsere Nähe führt, einmal hineinzuwandern in die sonnige Pfalz, durch die weiten Wiesentäler, die dunklen, prächtigen Wälder, über die burgengeschmückten, rebenumwachsenen Berge — sie werden sicherlich entzückt sein von der Lieblichkeit der Landschaft, von der Güte des Weins und von dem biederen Frohsinn der „Pfälzer". Ich glaube, diese legen samt und sonders keinen Wert darauf, anders als. in diesem friedlichen Zusammenhang in der Welt genannt zu werden, Mit freundlicher Begrüßung Ihr Dr. Kehr (Kaiserslautern),

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