Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 34 (21.8.1924)
- Date
- 1924-08-21
- Page
- Seite 510 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Die Giftspritze. Die „Deutsche Zeitung" brachte am 30. Juli unter der Ueberschrist „Die Giftspritze" eine ihrer gewohnten Wutausbrüche über das Judentum in Literatur und Theater. Selten ist ein Anlaß belangloser und sinnloser gewesen. Ein Sommertheater brachte von dem Autor Robert Misch, der genau so wie viele seiner christlichen und jüdischen Kollegen ohne besonderen Ruhm das Geschäft der Theaterunterhaltung betreibt, einen satirischen Schwank ,Mederleute" heraus. Dies gibt einem Herrn Alfred Mühr in jenem Blatt Gelegenheit, sich über die neumodischen Vergiftungsmethoden des Judentums am deutschen Volke zu entslammen. Dabei entgeht Herrn Mühr die kleine Tatsache, daß dies „allerneueste" Teufelswerk volle 20 Jahr alt ist und auch in der guten alten Zeit schon viele Male in Deutschland gespielt worden ist. — Aber man kann diesem kuriosen Theaterkritiker aus der Unwissenheit an -diesem wirklich nicht wichtigen Punkte keinen Vorwurf machen, wenn man sieht, wie es mit seiner Sachkenntnis und Urteilskraft sonst bestellt ist. Als Vertreter des Judentums, das das deutsche Volk durch Hohn und Spott vergiftet, führt dieser kritische Geist — Sternheim, Toller, Fulda an. Wer es fertig kriegt, den harmlosesten aller gefälligen Bühnenschriftsteller, Fulda, mit dem kalten und bösen Zyniker Sternheim und dem nur allzu verzehrendem Enthusiasmus eines Toller in einem Atem zu nennen, mit dem kann wirklich kein Mensch literarisch diskutieren. Dann zählt Herr Mühr eine Anzahl christlich-deutscher Schauspieler von Rang auf und erklärt, dies seien die eigentlich Leistenden am Theater und die jüdischen Theaterdirektoren ihre Ausbeuter. Man könnte natürlich eine recht erhebliche Gegenliste bedeutender Schauspieler jüdischer Abkunft aufmachen;. aber es wäre denkbar verfehlt, das widrige Prinzip der in keinerlei natürlichem Gefühl begründeten Rassenschnüffelei auf eines der wenigen Gebiete übertragen zu helfen, wo es bisher, Gott sei Dank, noch nicht eingewurzelt ist. Man mache also lieber einmal den Versuch, die großen deutschen Schauspieler zu fragen, ob fie in den Brahm, Reinhardt, Jeßner wirklich ihre Ausbeuter und nicht vielmehr ihre Entdecker- Erzieher, Förderer erblicken? Daß diese drei, und nicht die ungeheure Mehrzahl dev gleichzeitigen n i ch t jüdischen Theaterdirektoren, die wirklich schöpferischen Schauspielkräfte ihrer Generation sammeln und zum Siege führen konnten, sollte ja jedem Verständigen beweisen, daß jüdische Deutsche von künstlerischer Veranlagung Verständnis, Liebe, Opfermut und Talent für die Durchsetzung ausgesprochen deutscher Künstler aufzubringen vermögen. Aber es sei fern von uns, Herrn Mühr für einen Verständigen zu halten, der den Satz schreibt: „Alle großen Schauspieler find Germanen." Die Düse und die Sarah Bernhardt, Salvini und Coquelin bestätigen diese prachtvolle These!! Hernach kann man sich nicht mehr wundern, wenn Herr Mühr fortfährt: „Alle bedeutenden Dichter sind Deutsche." Aber zum Schluß passiert ihm dann doch noch ein ganz besonderes Malheur. Als Vertreter „junger völkischer Werte" im deutschen Schrifttum führt er die Dichter Hanns Johst, Hellmut Unger, Hans Franck, Karl Nötiger und Paul Gurk auf, Das kann man erstens eine etwas magere Ausbeute aus einer ganzen Generation nennen; was aber die beiden belangvollsten dieser sünjf betrifft, so braucht man nur eine poetische oder kritische Zeile von Hans Franck gelesen haben, um zu wissen, wie leidenschaftlich der sich die Inanspruchnahme für die sogenannte völkische Gesinnung verbitten würde. Was aber Paul Gurk angeht, so bin ich mit Herrn Mühr einig, daß dies ein wirklich bedeutender und wirklich deutscher Dichter ist. Nur eine kleine Tatsache besteht: Herr Mühr würde so wenig wie die ganze deutsche Oessentlichkeit von diesem deutschen Dichter Paul Gurk, der 40 Jahre lang ganz im Unbekannten schuf, etwas erfahren haben, wenn sein Name nicht ans Licht gebracht worden wäre durch einen Preisrichter der Kleist-Stiftung, der zufällig Jude war und mit dem Schreiber dieser Zeilen identisch ist. —< Ja, ja, Herr Mühr, so sieht es mit der ewigen Verständnislosigkeit der Juden für das künstlerische Deutschtum aus! Julius Bab. „Der jüdische Handwerker." Wiederaufbau auf ablen Gebieten! Ueberall strafft sich der Wille im schaffenden Menschen, -die letzten Reiste des Schuttes wegzuräumen, den die zerstörende Wirkung von zehn bangen Jahren aus uns geladen. Friedensgestaltung!! In den schweren Nöten der Inflation hatte der Zentralverbandjüdischer Handwerker D e u-tsich Lands das Erscheinen seiner Zeitschrift „Der jüdische Handwerker" aussetzen müssen. Durch lange Jalhre hin fanden die jüdischen Handwerker in unser-sm Blatte freudig gewährte Gastfreundschaft. Nun kann ,Der jüdische Handwerker" wieder erscheinen. In staMicher Ausmachung Uegt das AugusthefL -der Zeitschrift vor. Lebendig und -abwechslungsreich im Inhalt, scheint sie Widder der Mittelpunkt der jüdischen Handwerkerbewegung werden zu können, um die sich wirtschaftlich und geistig das deutsch-jüdische. Handwerk gruppiert. Wir wünschen dem neuen. Men Matte d asbeste Gedeihen! FantafieNermo(ken Kauft man am besten bell VHcdc KiiUI Lefpz/gens/n a.Dönhoffpfo/z Bekannt für gute Waten billige PreifeF > ji «iTilivi r 9.0 »» ' f» 11N2 “1131 Mohel Sungmann Bcrnfiurfl. streite ©fr. 14. Ttannn fifahl % finhn JJUlUU vllUjl vi VUI/II VvieiVWI Vf WVVU*- VMa» n» Aerztlich geprüft. Berlin SW 68» Markgrafenstraße 56 DSnhoff 4221 — 29 offerieren nur für Groß-Serliner Objekt« Wellige SalShWlhlkM für prima Wohn- und Geschäftshäuser. 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