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Central-Verein-Zeitung · 1924-08-14 · 33 (14.8.1924) · p. Seite 494

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
33 (14.8.1924)
Date
1924-08-14
Page
Seite 494 (sequence 6)
Language
German
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494 -- des auf G e d e t Tj it n b Verde r*b Miteinander VerbundenseinZ, als ein einig Volk von Br ü d e x n in solchen Noten und Gefahren, dann und nur dann wird es dem deutschen Volte gelingen, sich aus dem tiefen Falle wieder zu erheben zu einer Stellung in der Welt, wie sie einem so großen Kulturvolte zukommt, das ja rnit Recht einst das Volk der Denker und Dichter genannt ward, lind nur dann werden auch die Opfer nicht umsonst gebracht sein, die zahllosen und namenlosen Opfer, die ans dem Altar des Vaterlandes geblutet und verblutet. Und das ist das dritte, befi-cn Erinnerung uns heute mir ganz besonderer Trauer erfüllt. I a , w e n n wir i l) rer ged e u f c u , all derer, di e in Jugendblüte oder in der Ja h r e Vollkraft auf dem Felde der Ehre gef a l l e n s i n d. die frei u n d freu d i g i rt den Tod g e g a n g e n , die i h r Leben und ihre Leiber eingesetzt für das große G a n z e , in heilige nt E n t h n s i a s nt ns, i n P a t r i o t is ch c r A tt s lv a l l u n g , in h t r o t s cl) c m D tt l deru n d Opfer mute, dann blutet uns die Seele, dann ist uns zumute wie einst dem großen tragischen Propheten, Der ans den Trümmern Zions die ergreifendsten Klagelieder ansgeströmt unb jenes Wort geprägt hat, das ans jetzt wie ans der eigenen Seele gesprochen klingt: ruw *Tlptt Iw '2 „O wäre doch mein Haupt voll Wassers und mein Auge ein Tränenqnell, daß ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines Volkes!" Aber nicht bloß beweinen wollen wir sie, sondern auch Lew-irudern, trnd vor allem i h n e n n a ch e i f e r n in der S e l b st v e r - leugnung. Wenn sie ihr Bltrt hingegeben für das Ganze, sollten wir nicht fähig sein, an Gut zu opfern, was das Gemeinwohl, die Erhaltung und Befreiung des Ganzen fordert, ohne die ja auch der einzelne nichts vermag? Ein bekanntes Psalmwort lautet: „Weinend gehet der, der den Wurf des Samens trägt, aber heimkehrt er mit Jubel, trage üd seine Garben." Wir aber haben das Um gekehrte erlebt, wir haben hoff n u n g s f r o h e n Herzens blutige Saat in den Boden gestreut, aber mit Tränen unsere.Garben eingesammelt. Ja, es war eine traurige Ernte, die uns der Krieg gebracht hat, dem wir neben anderen auch so viele Menschenopfer dargebracht, deren wir heute in schmerzlicher Wehmut und Ergriffenheit gedenken, aber auch mit dem feierlichen Gelöbnis, nie zu vergessen, was sie uns int Leben und im Tode bedeutet haben und bedeuten können. Zu diesen drei Momenten, die uns als Deutsche mit Trauer erfüllen, tritt für Israel selber noch ein Besonderes hinzu. Denn wir deutschen Juden, die wir in keiner Weise hinter unseren Volksgenossen zurückgeblieben, wo es galt, dem Vaterlande im Glück wie in der Not zu dienen, zu helfen, zu opfern, empfinden Trauer darüber, daß der Krieg attch in dieser Hinsicht uns eine traurige Ernte gebracht, daß der 9t -a s s e n h a ß, der die vaterländische Gesinnung allein gepachtet zu haben glaubt und behauptet, während er in Wahrheit sie nur vorschützt, aber auch bloßstellt und entweiht, ft a 11 z tt s ch winden und zu v e r st u in - men gegenüber d e m, w a s auch wir im Kriege geleistet und erduldet haben, nur noch machtvoller und gefährlicher emporgelodert und nicht einmal vor der Majestät der Grabesruhe und des Heldentodes hakt gernacht, den doch so viele auch aus unserer Mitte gestorben sind! Wir verlangen wahrhaftig keinen besonderen Dank und keine besondere Anerkennung dafür, daß wir unsere Pflicht und Schuldigkeit getan, daß auch das heutige Juda bewiesen, daß noch Maktabäerblut in ihm fließt, daß auch Israels Söhne mit allen anderen Stämmen an Tapferkeit und Todesmut gewetteisert und sich vor dem Feinde ausgezeichnet haben, daß, wie aus zahlreichen anderen jüdischen Gemeinden, so auch aus unserer eigenen, wie ja schon diese in Trauerschmuck hier prangende Ehrentafel zu ewigem Gedächtnis bezeugt, so viele nicht bloß p f l i ch t g e m ä ß , sondern a u ch aus freien Stücken zu den Waffen -eilten und ihr Leben in die Schanze schlugen und dahingaben für ihre Brüder, im schönen Glauben an das Reich und seine Zukunft. Aber wir verlangen, daß inan auch die jüdischen Krieger, die als Helden gefallen sind, auch als Helden ehrt und respektiert! Wir trauern darob, daß es notwendig ist, das noch besonders hervorznheben. Aber auch diese Trauer und alles völkische Geschrei wird uns in unserer Liebe zum angestammten V a t e r l a n d e s o wenig beirren unb ctj ch it 11 c r rt lv i e z tt m a n gestammten Glauben. Unser Recht und unsere Ehre lassen wir durch nichts und niemand entasten, und werden sie geltend machen, wo undJwn wem immer sie berührt werden, an unser deutsches 'L t a a t s g e s ü h l und Staatsbürgertum lassen wir nicht rühren. Die Gleichheit vor dein Gesetze ist ein Ideal, für das zu streiten schon unsere eigene Religion uns so dringend ans^ Herz legt, wie für das Vaterland, wo es in Gefahr ist. Wie deutsch unsere Muttersprache, unser Denken und Sinnen, unsere Bildung und Erziehung, so bleibt Deutschland unsere Heimat und unser Volkstum, und ivir haben trotz allem und allem Vertrauen zu dem deutschen Volke, daß, wenn einmal die äußere Befriedung in der Völkerwelt eingetreten. wie sie jetzt von den leitenden Staatsmännern nach heißem Ringen und Bemühen im Verein mit unseren eigenen erstrebt wird, dann auch der innere Friede in unserem eigenen Lande wieder heimisch werden wird und wir das Gefühl haben können, daß auch ivir nicht umsonst unsere Liebsten dahingegeben in Not und Tod! Ansprache bei der militärischen Gedenkfeier am 3. August 1924 in Frankfurt a. d. O. Gehalten von Rabbiner Dr. S a l o m o n s k i Wir haben uns vor Gottes Angesicht gestellt, um unserer t toten Helden zu gedenken, derer, die hier bestattet sind, und der Millionen, die in fernen Landen ruhen. Wir wollen ihrer gedenken und ihnen danken. Das tun wir mit ernstem Sang und Trauerklang und herzlichem Wort, im Anblick von Deutschlands Wehr, die sich für unseren Schutz verbürgt hat. Nichts aber wird unserem Empfinden bei dieser Feier, unserem ganzen Gestimmtsein so gerecht, wie das kurze, opfernde Schweigen, dies Sinnbild einer nicht zu heilenden Wehmut. Wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, dann erhebt sich aus der Höhe eine zurückgedrängte andere Stimme, unhörbar und doch sehr vernehmlich, dann erwacht in uns ein Ton, hergetragen ans der Ferne, aber widerhallend in unserer Brust. Das ist das Wort Gottes, das heute an uns ergeht: „Siehe, Tage werden kommen, da sende ich einen Hunger in das Land, keinen Hunger nach Brot und keinen Durst nach Wasser, sondern zu hören Gottes Wort." Das Wort, das Gott uns sendet nach Jahren der Finsternis, der Verwüstung und des Unterganges, ist ein einziges, und es tautet: T r o st! Tarn nt lasset uns fürder nicht verzweifelt sein unb dem Unglück so nachhangen, daß wir schlecht werden und unsere ^eefen verlieren, daß im Vaterlande sich die Menschen gegenüberstehen, erbittert und hassend, wie der Feind gegen den Feind. Wohl ist mtsere Pracht farblos geworden, wohl ist unsere Macht gesunken. Deutschlands Welt ist kleiner geworden, einem herrlichen Frühling folgte unmittelbar der Herbst, Deutschland scheint ergraut und gealtert. Aber ein Trost blieb, der auch dem Alternden bleibt, den die harte Webt lieblos übersieht: Deutschlands Wert ist unzerstörbar, sein Innerstes blüht lebendig, seine Hoffnung wird sehr stark sein. Was der deutsche Dichter aus der Verbannung in die Heimat gerufen hat. soll uns Mut machen und trösten: „Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Land." (Heine.) Wenn der Geist der Pflichttreue und Hingabe unser Erbe wird, dann tritt keilt Tod zwischen unsere Helden und uns, dann trifft uns nicht der Hauch der Verwesung, ihr Blut und ihr Wille kreisen fort in unseren Adern und schaffen eine neue Zukunft. Dann erfüllt sich das Wort der Wahrheit des göttlichen Sängers, das des Vaterlandes Zukunft erhellen möge: „Wahrheit sproßt au-s der Erde hervor und Heil schaut vom Himmel nieder. Liebe und Wahrheit begegnen sich, Heil und Frieden küssen sich-". Em emEsmitischsr SSaat§iMWü!t. D e r O b e r st a a t s a n w a l t s ch r e i t e t ein. Der Staatsanwaltschaftsrat Dr. Speer in Breslau hatte sich; in einer Verhandlung wegen Verbreitung verleumderischer Flug-'' blätter (vgl. C. V.-Ztg. vom 28. März d. I.) in ausgesprochen antisemitischer Weise statt zum Ankläger zum Verteidiger der Angeklagten gemacht. Während der Vernehmung der Angeklagten u n t e r st ü tz t e er sie durch Hinweise auf d i e a n t i s e m i t i s ch e Litera-, tut und sein Plaidoy er wurde dann vollends eine Verteidigungsrede für die Angeklagten. Scharf wandte er sich gegen die von den Vertretern der Beteiligten gestellten Anträge unb begnügte sich damit,: trotz der schweren Beleidigung eine Strafe vom' 50 Goldmark zu beantragen: das Gericht ging im Urteil um das Achtfache über diesen Betrag hinaus. Ans eine Beschwerde, die int Dienstaussichtswege gegen Dr. Speer eingereicht wurde, hat der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Breslau folgenden Bescheid ergehen lassen: „Aus die von dem Herrn Generalstaatsanwalt, hier, über beit Staatsanwaltschaftsrat Dr. Speer in Sachen gegen Koslowski und! Genossen (27 I) 31/23 Breslau) eingereichte Beschwerdeschrist vom' 28. März 1924, die mir zur zuständigen weiteren Veranlassung zugefertigt worden ist. (Auftrag vom 2. April 1924 1. V. 1. 449/1.) Ich habe nach Prüfung des Sachverhalts des Staatsanwaltschaftsrats Dr. Speer ni einescharfe Mißbilligung überfeine dien st li che Betätigitng im besagten St rafproprozesse, seine Verkennung der Sach- und Prozeßlage, insbesondere seine unsachgemäße Antrag st ellung zum Strastnaße ausgesprochen. Wegen des politischen Verhaltens Dr. Speers in Oppeln ist bereits vom Herrn Oberstaatsanwalt in Oppeln seinerzeit das Erforderliche veranlaßt worden. I. V. gez. Schaesser." Dr. Speer war bereits im Jahre 1922 dadurch mißliebig ausgefallen, daß er im Dienst ein Hakenkreuz trug. Hoffentlich wird er nun durch das Einschreiten der Oberstaatsanwaltschast von seiner eigenartigen Dienstauffassung kuriert sein.

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