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Central-Verein-Zeitung · 1924-07-24 · 30 (24.7.1924) · p. Seite 447

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
30 (24.7.1924)
Date
1924-07-24
Page
Seite 447 (sequence 3)
Language
German
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Ein br-auernsrverter Gsschluß. Aus dev Hauptversammlung des Alpenvereins. Seit einer Reihe von Jahren spielen politische Kämpfe auf den Sauptversammlungen des deutsch-österreichischen Vereins eine große olle. Der Streit ging davon aus, daß eine Reihe von v st e r - reichischen Sektionen in ihren Satzungen den sogenannten Arierparagraphen ausnahmen, wonach nur Personen arischer Abstammung als Mitglieder ausgenommen werden konnten. Die Anhänger dieser angeblich unpolitischen Bestrebung unternahmen dann einen Vorstoß in der großen Wiener Sektion Austria und erreichten durch eine geschäftige Agitation, daß in die Vorftandschaft eine Reibe völkisch gesinnter Mitglieder gewühlt wuroen, dre dafür sorgten, daß die Sektion im völkischen Geist geleitet und insbesvnders jüdische Mitglieder nicht mehr ausgenommen wurden. Dadurch trieb man die meisten jüdischen Mitglieder und auch eine erhebliche Anzahl nichtjüdischer, die im Hereintragen völkischer Treibereien in den A. V. eine Schädigung des Vereinslebens sahen, zum Austritt und zur Gründung einer neuen Sektion Donauland. Der Hauptausschusz des A. V. trug keine Bedenken, den neugegründeten Vereist als Sektion des A. V. zuzulassen. Die völkischen Heißsporne wollten diese Sektion aber im Verein nicht dulden, und nun verlangte man von dem Hauptausschusz, er solle die ausgesprochene Zulassung der Sektion Donauland widerrufen. Dieser lehnte ab und auch auf den letzten Hauptversammlungen in Augsburg und Bayreuth fanden die in verschiedenen Fassungen wiederkommenden Anträge auf Ausschluß der Sektion Donauland und auf Einführung des sogenannten Arierparagraphen in die Satzungen des Gesamtvereins nicht die für Satzungs-; Minderungen erforderliche Zweidrittelmehrheit. Mit dieser Abfuhr gaben sich aber die völkischen Antragsteller nicht zufrieden, mit Rundschreiben aller Art bearbeiteten sie diejenigen Sektionen, von denen sie eine Unterstützung ihrer völkischen Vorstöße erhofften. Eine Sondertagung in Bischosshofen wurde kurz vor der Hauptversammlung abgehalten und dre Folge war. daß der Hauptausschuß, so sehr er gewiß innerlich die Treibereien der Völkischen mißbilligte, aus Sorge um dre Einheit des A. V. einem faulen Kompromiß zustimmte. Es fand seinen Ausdruck in einem Antrag, den die Sektion Klagensurt in Verbindung mit 98 österreichischen und neun reichsdeutschen Sektionen stellte: „Die Hauptversammlung foroert die Sektion Donauland - auf, behufs Wiederherstellung des Friedens und der ruhigen Entwicklung des Gesamtvereins ihren Austritt Zu erklären. Die Hauptversammlung erwartet die Erklärung der Sektion Donauland bis zum 81. Oktober d. I. Für den Fall, daß die Sektion Donauland ihren Austritt nicht erklärt, hat der Hauptausschuß alsbald eine außerordentliche Hauptversammlung zur weiteren Beschlußfassung einZuberusen.* Der Hauptausschuß Legutachtete die Annahme dieses Antrages unter der Voraussetzung, daß die österreichischen Sektionen binnen acht Jahren keine Anträge aus Beschränkung der Mitgliederaufnahme durch Einsührung des sogenannten Ariersatzes für den Gesamtverein stellen und verpflichtet sich, auch keine darauf ge- - richtete Werbetätigkeit auszuüben, ferner binnen weiteren vier Jahren solche Anträge nur dann zu stellen, wenn diese von einem Drittel der reichsdeutschen Sektionen unterstützt werden, die zusammen über mindestens ein Drittel der - reichsdeutschen Stimmen verfügen. Dabei wird vorausgesetzt: daß : die vorstehende Erklärung der Einführung oder der Anwendung^ des Ariersatzes in den einzelnen Sektionen nicht entgegensteht, daß es! den Sektionen nach dem Ausscheiden der Sektion Donauland zwar srergestellt bleibt, deren frühere Mitglieder mrszmrehmen, wogegen; diesen der Zusammenschluß in Form einer geschlossenen Gruppe nicht > zugestanden werden darf. Diesen Punkten des Kompromisses wurde noch folgende Entschließung angesügt: „V e st r e b u n g 6 n z ur W ah run g u nd F ö rderu n g d eut- . scherStamnresartkönnenselbstverständlichnichtals politische angesprochen werden. Der Hauptausschuß hat von der EÜlLrung der österreichischen Sektionen Kenntnis genommen, daß das Wort Völkisch in Oesterreich keine politische Bedeutung hat." Die Sektion Donauland ließ durch ihren Sprecher erklären, daß sie den ihr angesonnenen Selbstmord trotz aller Hingabe an den Verein nicht begehen könne. Mit anerkennenswerter Entschiedenheit traben die Vertreter der Sektionen Neumarkt 1 O. und Neuburg a. D. gegen den Antrag auf und verlangten erst Nachweis dafür, durch ’ welche Handlungen denn die Sektion Donauland den Frieden gestört . habe. Vergeblich wies ein Vertreter aus dem besetzten Gebtet darauf hin, daß man dort für solche Streitigkeiten kein Verständnis habe. Nachdem einmal der . Hauptausschuß sich zu dem Kompromiß hatte bveitschlagen lassen, . war der Widerstand aussichtKlos und mit der überwältigenden Mehrheit von 1660 gegen 70 Stimmen wurden die völkischen Anträge . angenommen. Es wäre verfehlt, dem Hauptausschuß und denen, die für die . Anträge gestimmt hcLen, mm sofort vorzuwerfen, daß sie antisenMsch gesinnt seien. Wir wissen aus mancherlei Mitteilungen po-Wv, daß dies nicht der Fall ist, sondern daß man gerade geglaubt hat, durch ein teilweises Nachgeben weiteren an^MMschen Vorstößen der österreichischen Sektionen begegnen zu können, und daß man vor allem durch die vorgesehene Schonzeit von acht bis zwölf Jahren gsglcuM hat, die Einigkeit im A. V. bis aus bessere Zeiten hinüÄrvett-en zu können. Wir beklagen trotzdem die Abstinmrung außerovdentÄch. Sie zeigt, wie stark in Deutschland die Verseuchung weiter bürgerlicher Kreise mit dem unter dem Lockenden Namen „Völkisch" vertriebenen Gifte des Rassenhasses schon gediehen ist. Die überwältigende Mehrheit der Vertreter hat sich offenbar durch diese falsche Einkleidung des Vorstoßes so blenden lassen, daß sie gar nicht mehr bemerkt, haben, wie sehr sie mit ihrer MfLimmung gegen Recht und Menschlichkeit verstoßen. Man hat der Sektion Donauland trotz allen Bemühens keinen Verstoß gegen die Grundsätze und die guten Ueberlieserungen des A. V. Nachweisen können/man hat der alpinen Betätigung ihrer Leitung und ihrer Mitglieder widerwillig Anerkennung zollen müssen, aber man hat sie geopfert, weil ihr bloßes Vorhandensein den völkischen Heißspornen unerträglich schien. Wir beklagen den Beschluß nicht nur wegen der vielen tausend jüdischen Mitglieder^ des A. V., denen durch solche Vorgänge natürlich die Mitarbeit im VeveinÄeben und die alpine Betätigung verleidet werden müssen. Wir beklagen sie ebenso wegen des Vereins, der uns bisher als einer der wenigen noch verbliebenen Kreise galt, in denen Juden neben andersgläubigen Mitgliedern in voller Eintracht und Gleichberechtigung zu sammenarb eiten konnÄen. Wir leklagen sie für das ganze deutsche Volk, das damit vor aller Welkt wieder einmal zeigt, daß es auf keinem Gebiet einig zu sein und die Rechte von Minderheiten zu achten versteht. Man wird annehmen dürfen, daß die Sektion Donauland den ihr unbesonnenen Austritt verweigern wird. Dann wird erne außerordentliche Versammlung zu beschließen haben, ob man wirklich in einem Verein, der mit seinen Hauptaufgaben auch die Stählung des Charakters und die Heranbildung willensstarker Männer erstrebt hat, einige 100 jüdische Mitglieder deswegen ausschließt, weil sie aufrecht und entschlossen zu ihren Grundsätzen stehen und sich gegen die Anforderungen ihrer Widersacher zur Weh-r setzen. Jedenfalls geben die Mitglieder der Sektion Doncmland unseren Freunden ein Beispiel: Es ist verkehrst, gleich bei jeder Anfeindung die Flinte ins Korn zu werfen. W. Levinger^ SoMMsrarbert unfern Gegner. Arbeitet auch im Central-Derein unermüdlich! Für die große Gemeinschaft der Judengegner gibt es keine stille Zeit und keine Sommerpause. Um ihre Anhänger fest in der Hand behalten zu können, werden die Mitgliederversammlungen durch Garten- und Sommerseste ab gelöst. Aber auch in den Gartenlokalen wird die Judenhetze nicht gemildert. Augenblicklich reiten Abgeordnete und völkische Agrgatoren zweiten und dritten Grades dasselbe Steckenpferd: das verjudete internationale Kapital sei schuld an dem Daw es-Gutachten, Herr rot und MacDonald ständen im Judenjold, und Stresemann verkaufe Deutschland an das ausländische Judenkapital. Wie eifrig diese Sommerarbeit unserer Gegner ist und wie nachahmenswert für uns zugleich sie ist, möge aus'einer kleinen Zusammenstellung hervorgehen: In der „Nation alp oft", dem amtlichen Blakt der Landesverbände Berlin, Potsdam I und II der Deutschnationalen Volkspartei, wurden allein in der Nr. 29 vom 20. Juli'angekündigt: 23 Ortsgruppen- und Mitgliederversammlungen, auch der Frauengruppen, mit Vortragen, u. a. des Abgeordneten Graf Westarp. 1 große politische Versammlung. 8 Ansflüge. 4 Sommerfeste mit Ansprachen' (Abgeordneter Dr. Kaufmann, M. d. L.), eine mit Fahnenweihe und Fahnennagelung. — Ferner: 1 Deutschnationaler Verfassungstag. 1 Schulungswoche der deutschnationalen Studentenschaft. I Berliner Bismarck-Jugendtagung. : 1 Feldgottesdienst. In der Zeit vom 20. bis 26. Juli wurden im „Deutschen Tageblatt" des Herrn Wulle angezeigt: 23 Ortsgruppen- und Mtgliederversammlungen der Deutschvölki« - scheu Freiheitspartei. 2 große öffentliche Versammlungen. 3 Ausflüge. 1 großes Militärkonzert mit Ansprachen von drei Reichstagsabgeordneten. 1 Kommers mit Damen und Fahnenweihe der Iugendgruppe. 1 Landesvertretertag. In der „Neuen Zeitung" des Herrn Kunze wurden in der Zeit vom 20. bis 22. Juli tägliche Versammlungen in Berlin, drei große Sommerfeste mit Ansprachen, Garten- und Kinderfeste, Ausflug und ein Rednerkursus angezeigt. Wir sollten von unseren Gegner lernen, daß wir die Sommerzeit nicht als Ruhepause anfehen dürfen. Wir im Central-Verein würden Pflichtwidrig handeln, wollten wir auch nur einen Augenblick vergessen, daß rmgs um uns die Flammen des Judenhasses hell auflodern. Sorglosigkeit in diesen schweren Tagen, dre die Schickjalsürge der deutschen Heimat und des deutschen Judentums genannt werden können, wäre Verbrechen an uns und unseren Kindern und am Vatrrlande.

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