Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 29 (17.7.1924)
- Date
- 1924-07-17
- Page
- Seite 436 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277492--01316-2280551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
436 Eine Geschichte ües Zionismus. In zwei vortrefflichen Werken: „Die zionistische Bewegung" von Adolf Böhm und „Einführung in den Zionismus" von Dr. Abraham Schlesinger besitzen wir bereits historische Abhandlungen über das Werden des Zionismus. Wenn nun als ein neues Werk eine „Geschichte des Zionismus" von dem bekannten Führer der Bewegung Nahum Sokol o w*) erschienen ist, und wenn es trotz 'der bereits vorhandenen Literatur dankbar begrüßt werden muß, so zeugt das für den Umstand, daß es das Thema von einen: bisher weniger beachteten, aber nicht unwichtigen Standpunkt aus behandelt. Schlesinger und Böhm untersuchen beide das Problem im wesentlichen vom o st j ü d i s ch e n Standpunkte aus, wobei letzterer mehr auf die soziale und ökonomische Seite der Entwicklung weist, während ersterer die religiösen und g e i st i g e n Momente betont. Für Sokolow tritt aber die politische Bedeutung in den Vordergrund, und alle anderen Kräfte werden recht flüchtig behandelt. Ueber Achad H a a m, ohne den das geistige Werden des Zionismus nicht zu verstehen ist, finden sich ganze fechsunddreißig Zeilen im Stile eines Artikels im Konversationslexikon, und was Sokolow über die nationale Idee zu sagen weiß, entspricht etwa im Tone wie in der Vertiefung dem Niveau zionistischer Leitartikel aus den ersten Jahren des Jahrhunderts, als man geistige Differenzen durch Volksverfammlungsreden zu lösen trachtete. Gewiß sind manche Fragen von einem anderen und klügeren Standpunkt aus behandelt, als man es in jener Zeit in Deutschland vermochte. So tut er das Problem des Patriotismus mit den Worten ab, die manchem deutschen Theoretiker Atembeklemmungen verursachen werden: „Kein (!) Engländer kann England mehr lieben oder mehr (!) für seine Größe tun als der englische Jude". Wer das Eindringen in -das geistige Leben zumal der ostjüdischen Schichten liegt dem Politiker ebensowenig wie die Darstellung der wirtschaftlichen Ursachen der zionistischen Bewegung. Charakteristisch ist, daß Sokolow der Wertschätzung der hebräischen Sprache bei den englischen Christen ein ganzes Kapitel widmet, während die Nenaissance der hebräischen Sprache, die auch dem Nichtzionisten einigermaßen wichtig erscheint, bei den Juden wieder mit sechzehn Zeilen bedacht wird, die in klassischer Kürze seststellen, daß „diesem Teile der Geschichte des Zionismus noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt" wurde! Der wahre Wert des Werkes besteht in zwei' Vorzügen. Zunächst gibt Sokolow eine ebenso eindringliche wie gelehrte Darstellung des sogenannten „P r ä z i o n i s m u s", der die vor dem ersten Baseler Kongreß liegenden, nach Palästina tendierenden Bestrebungen umfaßt. Dann aber bietet er eine übersichtliche und erschöpfende Darstellung der politischen Vorgänge seit dem Beginn des Weltkrieges. Besonders bei den Verhältnissen Englands und Frankreichs verweilend, schildert das Buch ausführlich die praktischen Auswirkungen der jüdischen religiösen Sehnsucht nach Palästina im Lause der Jahrhunderte. Mit besondere Liebe werden aber die Beziehungen der christlichen Kreise zum Palästinagedanken behandelt. Daß hierbei auch der ganze jüdische Emanzipationskampf in England und Frankreich geschildert wird, ist hervorzuheben. Welchen Sinn diese Darstellung der Sympathie christlicher Kreise haben soll, ist im letzten Grunde nicht recht einzusehen, denn im allgemeinen werden wir ja belehrt, daß vom zionistischen Standpunkt aus die Sympathie oder Antipathie dev Nichtjuden ohne jeden Einfluß auf innerrüdische Probleme sein muß. Bahnt sich wirklich eine Rückkehr zu dem Grundsatz am daß eine fruchtbare Behandlung und Lösung der i) Nahum Sokolow: „Geschichte des Zionismus". Mt einer Einleitung non A. I. B <r l f o u r , Lritischew Minister des Aeußern. Jnterritorialer Verlag „Renaissance", Wien, Berlin, Leipzig, New Work. Der erste Band ist durch Professor Dr. Stefan Hofer, der zweite von Dr. Lothar Hof mann aus dem Englischen übertragen worden. Judensrage nur im Rahmen ihrer Beziehungen zur allgemeinen Kultur und Politik erfolgen kann? Wie dem aber auch sei, jedenfalls W ^ie Darstellung hochinteressant und wichtig, »denn aus alle Gebiete der jüdischen Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts fallen interessante Streiflichter. ’ - Im letzten Teile, der die politische Geschichte der letzten zehn Jahre behandelt, stört die absolute Begeisterung für England, und für deutsche Leser bedeutet die Verknüpfung der Palästinahossnung mit dem Siege der Ententeheere ebenso eine starke Zumutung wie die Lobeshymnen aus die englische Armee, deren Sieg die alte Weltordnung zertrümmert und eine „neue und bessere" (sie!) an deren Stelle gesetzt habe. Abgesehen von der offenbaren, in diesem letzteren Falle sogar grotesken Unrichtigkeit der Behauptungen, fragt man sich, ob diese unbedingte Verbindung der jüdischen Interessen mit denen eines einzelnen Staates nicht von unendlichem Schaden werden kann. Sokolow, der Freund Balfours, aus dessen Feder auch eine sympathische kurze Vorrede zum Buche stammt, mag doch das Schicksal einer Sache allzusehr mit persönlichen Beziehungen und Sympathien verknüpft haben. Das aber gehövt nicht mehr zur Kritik des Buches, sondern zu der des Systems! Ist so das Buch keine Geschichte des Zionismus, sondern nur eine Geschichte gewisser Seiten der Erscheinung, hat es doch seinen Wert, und als Materialsammlung gerade für die Vorgänge der neuesten Zeit wird es sicherlich stets nützlich sein, Dr. Felix G o l d m a n n (Leipzig). Moritz Spanier: Geschichte der Inden in Magdeburg. Die Geschichte der Juden in Magdeburg ist 1866 von Güdemann, dem ehemaligen Magdeburger Rabbiner, 1911 von einem christlichen Oberlehrer Forchhammer ziemlich ausführlich behandelt worden. Die vorliegende Arbeit des bekannten Magdeburger Schulmanns, der schon vorher eine tabellariische Darstellung -der Magdeburger Judengeschichte geliefert hat, dient vornehmlich dem Zweck, den bereits bekannten Stoff in möglichster Kürze für Laien zusammenzutragen. Magdeburg, wie überhaupt das ganze Gebiet «der Elbe und Saale, ist im Mittelalter für uns rdeshalb von bes-onderem Wert, weil hier die Grenze zwischen deutscher und slawischer Sprache liegt und von hier ldeut-sche Kultur nach dem Osten getragen wurde. An dieser -Arbeit der Grenzwächter und der Pioniere deutscher Kultur haben auch Juden ihren Anteil gehabt (s. meine „Thüringisch-Sächsischen Juden" l, 1917). Leider ist bei Spanier die mittelalterliche Geschichte viel zu kurz gekommen, während der Hauptanteil der neueren Geschichte und 'den Aufzeichnungen über das jüdische Leben der Gegenwart gewidmet ist. Zu allgemeinen Fragen der mittelalterlichen Geschichte, wie Wucherzins usw., wird in vielfach apologetischen Aussührungen Stellung genommen. Neu leid (Insterburg). Herreti-fdtlafaniüQe Kauft man am basten bei JfygäSL Leipz/genstr. öl o. Dönhoffplatz ' Bekannt für gute Ware u. billige Preise!' Alleinige Anzeigen- Annahme Rudolf Messe, Anzeigen-Annahme für sämtl. Seitlangen Deutschlands und des Ausland! Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Halle (Saale) / Hamburg / Hannover Köln a. Nh. I Leipzig / Magdeburg / Mannheini / München / Nürnberg / Stuttgart / Amsterdam / Prag | Wien / Budapest j Warschau / Basel / Zürich. Handschuhe