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Central-Verein-Zeitung · 1924-07-17 · 29 (17.7.1924) · p. Seite 437

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
29 (17.7.1924)
Date
1924-07-17
Page
Seite 437 (sequence 9)
Language
German
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437 Presseschau. In der „Neuen Züricher Zeitung" vom 10. Juli veröffentlicht Axel de Bri es (Reval) einen Aussatz: „Die Nationalitätenolitik der Sowjets \ Im Schlußteil beschäftigt sich der erfassen mit der „ j ü d i s ch e n F r a g e": In der Beziehung auf den nahen Orient hat die Kommunistische Partei überall die alte Tradition der Zarenregierung ausgenommen, besonders wo es sich um den Kamps gegen die englische Herrschaft handelt. Nur daß die Tendenz nach Osten heute viel stärker unterstrichen ist als zur Zarenzeit. Die Asiatisierung Rußlands hat in den Zeiten des Bürgerkrieges, des kriegerischen Kommunismus und der nachfolgenden Jahre ungeheure Fortschritte gemacht. Die Jahre der Abschnürung der Sowjetunion von Westeuropa haben das Gesicht Rußlands vollständig verändert. Und es ist als Symbol für die veränderten Umstände anzusehen, daß man heute in Moskauer Theatern immer wieder auf schlau und verschmitzt lächelnde Asiaten stößt. Die Gründung einer Propaganda-Universität für den Osten ist nur ein Zeichen dafür, daß die entscheidende Bewegung nach Westeuropa hin, die Rußland durch Peter den Großen erhielt, heute in ihren Folgen schwer bedroht ist. So wie die Dinge heute in Rußland liegen, ist 'der astatische Einfluß auf dem Wege, die Oberhand über den westeuropäischen zu gewinnen. Im Zusammenhang damit sei kurz auf die Entwicklung hingewiesen, die eben die jüdische Frage in der Sowjetunion genommen hat. Nur zu oft wird man heute in Westeuropa die Ansicht hören, daß die Juden den Kommunismus entdeckt hätten, daß der Kommunismus ein jüdisches Werkzeug sei, um Rußland in die Hände zu bekommen. Wer etwgs näher die Verhältnisse in Sowjetrußland kennt, wird bald zum Schluß kommen müssen, daß nur ein Mensch, dem die jüdische Frage, besonders unter den heutigen Verhältnissen in Rußland, ganz unbekannt ist, überhaupt zu einer solchen Ansicht kommen konnte. Don allen Antisemiten wird niemals in Betracht gezogen, daß die Kämpfe innerhalb der jüdischen Nasse zum mindesten ebenso scharf sind, wie sie unter den anderen Nassen und Völkern Europas Vorkommen. Besonders klar tritt nun dieser Kampf in der Sowjetunion hervor. Nur ein Beispiel. Als im letzten Herbst viele Tausende von „Nepleuten" aus Moskau ausgewiesen wurden, konnte festgestellt werden, daß fast 90 Prozent dieser Männer jüdischer Rasse waren. Der kommunistische Orden hat den Kampf gegen den jüdischen Bourgeois mit derselben Konsequenz geführt wie gegen den christlichen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es also ganz verfehlt, von einem jüdischen Plan der Besitzergreifung Rußlands zu sprechen. Besonders den Kampf gegen die jüdische Religion führt heute der kommunistische Orden mit den unglaublichsten Mitteln und n;it einem Zynismus, der jeden Menschen, der für Ehrfurcht empfänglich ist, schaudern macht. Die Sow;eLregie. rung gibt heute ein besonderers Witzblatt zum Kampf gegen die Religion heraus, den sogenannten „Gottlosen" (Besboshnik). Dieser „Gottlose" kämpft nun vor allem gegen die jüdische Religion. Die Folge dieser Propaganda ist natürlich eine rasche Zersetzung der festen jüdischen Glaubensform. Wenn wir nun in Betracht ziehen, daß «der jüdischen Rasse jeh! in der Sowjetunion ein gewaltiger Impuls zum Zug in die Großstadt eingeimpft worden ist, und daß der Zersetzungsprozeß ihrer Rasieangehörigen in der Großstadt durch die bolschewistische Propaganda unheimliche Fortschritte macht, so kann man es verstehen, wenn in jüdischen Kreisen dieser Frage eine ernste Beachtung gesckienkt wird. Es ist ein Vernichtungsprozeß, der sich im Judentum in der heutigen Sowjetunion bemerkbar macht. Antworten. R. $D., Hannover. Die Nochricht, daß auf Norderney 400 völkische Stimmen abgegeben sein sollten, stellt sich als unrichtig heraus. Tatsächlich sind für den völkischen Block nur 40 Stimmen abgegeben, während die Deutschuationalen 330 Stimmen erhielten. Der mit Hilfe dieser Stimmen gewählte deutschnationale Abgeordnete ist der junge Fürst Otto v. Bismarck. Es ist also durchaus'unrichtig, diese deutschnationalen Stimmen den völkischen hinzuzurechnen. Interessieren dürfte aber, daß bei der gleichen Wahl die Deutsche Volkspartei 438, das Zentrum 95, die DemotraLen 203, die Sozialdemokraten 641 und die Kommunisten 133 Stimmen erhalten haben. Die übrigen Stimmen verteilen sich aus Kandidaten der verschiedensten politischen Richtungen, die aber nicht die nötige Anzahl Stimmen auch nur für ein Mandat auf sich zu vereinigen wußten. Wahlberechtigt waren aus Norderney 2600 Männer und Frauen, von denen ruud 2200 ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Wohnungswechsel. Die Groß-Berliner Mitglieder werden gebeten, einen etwaigen Wohnungswechsel rechtzeitig dem Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Lindensiraße 13, mitzuteilen, damit in der Zustellung der Zeitung sowie der Einladungen keine Verzögerung eintritt. Mehrere Anfragende. Die mit Gold und Silber tapezierte Villa des Vankdirektors Goldstein in W e st e n d ist aus Hundstagsphantasien der völkischen Hetzer entstanden. Wir haben feststellen können, das das Quadratmeter dieser Gold- und Silbertapeten 3,50 Rentenmark, in Worten: drei Mark fünfzig Pfennig, kostet. ... Nach Harzburg. In den letzten Tagen haben wir erneut Briefe erhalten, in denen darüber geklagt wird, daß von Einwohnern Harzburgs jüdischen Kurgästen gegenüber nicht das Maß von Zurückhaltung geübt wird, das nötig rst, um sich in einem Kurort wohlzufühlen. Die Kurverwaltung wird mehr als bisher judenfeindlichen Tendenzen, in welcher Gestalt sie sich auch zeigen mögen, entgegentreten müssen, damit nicht Harzburg in den Ruf eines judenfeindlichen Kurortes kommt. Nach Plauen. Uns wird geschrieben: Drei jüdische Fabrikarbeiterinnen sollen von der Plauener Krankenkasse zur Erholung in ein Heim geschickt werden, können aber keinen Gebrauch davon machen, da sie rituell leben. Gibt es ein jüdisches Heim, wo sie gegen Zuzahlung ausgenommen werden?" Elternbeiräte. Die in die Beiräte der Groß-Berliner Schulen gewählten jüdischen Eltern werden gebeten, ihre Adressen nebst Angabe der Schule dem Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Lindenstraße 13, mitzuteilen. M. B., Emden. Sie haben recht, Heinrich Fettkötter (Osnabrück) ist als Spitzenkandidat der Deutschvölkischen in das Bürgervorsteherkollegium gewählt. An unsere Ortsgruppen und Vertrauensmänner! Bei Antwortbriefen an die Zentrale ist die Angabe des Aktenzeichens und der Iournalnummer unbedingt erforderlich, um eme schnelle Erledigung der Schriftstücke KU gewährleisten. Prot Dp. BiederKj RAMOGEN IGufr Schriften überMilch für Kinder u. Kranke: |Deuhche Mftchwrite A.G.^wInqenberqtHesij 1 :P A R I U M E R I E 1 öjenLein Oienliolz «1 B E R L I N VW 15 I O. A >. li IM S TH A II k STR..9. | Darren 100 Stck.6M.50 iimchtabak i Psd. 2 „ 25 Soldshag i Psd. 2„ so St-aretten orientalische 100 Stck. 138.25 D. Rund, Berlin Große Samburaer Str.i. Für nervösen 10jährigen Knaben wird längerer Aufenthalt inKindersanatorium oder bei Arzt, wo mehrere Kinder find, gesucht. Offerten unter ü. 0.1401 an Rudolf »offe. Berlin, Kathenower Straße 3. Seligmann. w vw Cf aeseüschasll. Weiterbildung, «arpsengasse 10. Kleine Anzahl v. Schülerinnen. r h e r m Maria u. IWillM« WWeHmtj I Wiesbaden > £tl 654. »«vcllenstratzc 81. Sei. «54. ö Gründlich« wissenschaftliche, häusliche und ge- Z jellschaftliche Ausbildung. Hauswirtschaftskunde » und Nahrungs mittetlehre.? Näheres und Prospekte durch ■ Fräulein Hermiue Wolfs, Vorsteherin. /. Kaunas Das deutsche Nervenbad 8, hoiel „Victoria“ Bahn- und Dampserhaltestelle Eltville (Nheingau). Telegrammadresse: ..Victoria- Personen »Auw steht zur Hin- und H erfahrt zur Versügung. Telephon: Amt Schlangenbad Nr. 20 Pensionspreis von Warb 6,— an bei la Verpflegung.

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