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Central-Verein-Zeitung · 1924-07-17 · 29 (17.7.1924) · p. Seite 430

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
29 (17.7.1924)
Date
1924-07-17
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
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430 Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher will er das Zentrum schwächen, ja möglichst auflösen; die „völkisch-religiösen" Bestrebungen, d. h. die christentumsfeindliche Einstellung zahlreicher völkischer Kreise, will er in unpolitische Verbände verlegen, um dadurch zu verhindern, daß die höheren Kirchensürsten sich von der völkischen Bewegung abgestoßen fühlen. Ja, er zieht sogar ein zeitweises Zusammengehen der nationalen Opposition mit den Kommunisten unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht. Dieser Taktik wird wirksam nur entgegentreten können, wer die Wege des Gegners kennt und sich danach «ine Meinung bilden kann. Die Taktik des Gegners wird im Volke zerschellen müssen, wenn wir alle hervorragend klaren Betrachtungen, wie sie sich z. B. in den Büchern von Heine mann und N ö l t i n g über den jüdischen Geist vorfinden, uns selbst zu eigen machen und sie dann durch Wort und Schrift in weiteste Kreise tragen. Wenn Freund F o e r d e r über den Antisemitismus in der Justiz geschrieben hat, so müssen alle unsere Freunde dafür sorgen, daß jeder deutsche Jurist diese Ausführungen kennenlernt. Es muß uns gelingen, auch die Männer und Frauen in den sogenannten „feinen" jüdischen Kreisen zu überzeugen, daß sie sich nicht zu vornehm halten, sich in unseren Versammlungen Belehrungen zu holen. Noch immer ist die sogenannte „Feinheit" in der Weltgeschichte das sichere Vorzeichen des Unterganges eines Volkes oder einer Volksschicht gewesen. Je mehr wir einsehen, daß die Masse der jüdischen Deutschen zu den wirtschaftlichen Kriegsverlierern in erster Linie gehört, daß weite Kreise des Handels und der Kleinindustrie völlig verarmt sind, um so mehr muß der kraftlos äfthetisierende Zug, namentlich unserer Frauenwelt, schwinden. Solange wir in unserem Vaterland Exponenten schwerer Kämpfe sind, sollten wir aushören zu meinen, und Herr 36. V. sollte sich und die Semen handeln — d. h. zunächst wissen lehren. Wenn beispielsweise im Juniheft der „Neuen Rundschau" der Tübinger Professor der Volkswirtschaftslehre Wilbrandt in einem gemeinverständlichen Aufsatz ,Kritik des Marxismus" den Gegenstand „W a s i st Marxismus?" ausführlich behandelt, so müssen wir solche Darlegungen kennenlernen, um sie gegnerischen Fälschungen entgegenhalten zu können. III. Und nun zur Jugend. Nichts lächerlicher, als die Jugend gängeln zu wollen. Noch stets hat die Jugend sich dem widersetzt. Noch stets war die Jugend unzufrieden mit der Politik, die die Menschen mittleren Alters treiben, ebenso wie das hohe Alter. Da dieses aber meist temperamentloser ist, kommt seine gegensätzliche Stimmung nicht so stark zum Ausdruck wie die der Jugend. Eins wußten wir immer genau: Leistungen allein, nicht Redensarten schaffen Anhänger. Nurwe n nwir arbeiten,folgtuns di «Jugend. Umschmeicheln nützt nichts. Und die Jugend ist besser geworden: sie ist im Begriff, die Gottesnähe wiederzusinden. Möge sie der mit Moleschott, Bücher und Haeckel Ausgewachsenen auch spotten, die Ewigkeit unseres Judentums bricht durch, die Gottesnähe stellt sich ein; die jüdische Tat für Glaube und Heimat wirbt Anhänger. Jeder lerne und schaffe sich Grundlagen, damit er im Dienste des Ganzen Mitarbeiten kann. Dann erst lebt unser Leitsatz: Für Deutschtum und Judentum. Das Hakenkreuz im Gerichtssaal. Unterredung mit Amtsrichter Friedländer. Der Zwischenfall, der sich vor einiger Zeit im Charlottenburger Amtsgericht gelegentlich einer Verhandlung zutrug, in der der völkische Abgeordnete Major a. D. Henning hakenkreuzgefchmückt iw Gerichtssaal erschien, ist durch die Presse hinreichend bekannt geworden. Inzwischen hat das Landgericht III in ausführlicher Begründung, ohne auf die prinzipielle Seite der Angelegenheit einzugehen, den Ablehnungsantrag des Majors Henning gutgeheißen. Da der Vorfall der antisemitischen Presse Anlaß zu schweren Angriffen gegen Herrn Amtsrichter Friedländer gab, die in der üblichen Weife gegen das deutsche Judentum in seiner Gesamtheit ausgedehnt wurden, haben wir zwecks Klarstellung des Sachverhalts Veranlassung genommen, Herrn Amtsrichter Friedländer über die Vorgänge im Gerichtssaal und über seine Stellung zu dem Beschluß des Landgerichts III zu befragen. Herr Amtsrichter Friedländer erklärte unserem KZ.-Mitarbeiter: „Der Privatkläger, der völkische Abgeordnete Major Henning, siel mir sofort bei seinem Erscheinen im Gerichtssaal dadurch auf, daß er am Revers seines Rockes das Abzeichen des Hakenkreuzes trug. Ich kann nicht behaupten, daß das Hakenkreuz ein besonders großes war — es war wohl die übliche Nadel der Nationalsozialistischen Freiheits- Partei. Mein Standpunkt ist nun der, daß schon allein das Tragen eines Hakenkreuzes im Gerichtssaal, ganz gleichgültig in welcher Größe und welcher Form, eine Ungebühr!:chkeit darstellt: denn die Kundgebung einer politischen Stellungnahme gehört nicht in den Gerichtssaal. Ich forderte aus diesem Grunde in Ausübung der mir obliegenden sitzungspolizeilichen Gewalt Major Henning aus, das Hakenkreuz, welches meiner Ansicht nach ein außerordentlich hetzerisches Abzeichen sei und ein großes Unglück für das Deutsche Reich bedeute, abzunehmen, was derselbe mehrmals verweigerte. Gegenüber den Einwänden des Anwalts des Privatklägers, daß Major Henning dieses Abzeichen auch im Reichstag trage, sah ich keine Veranlassung, meinen Standpunkt zu ändern. Im Anschluß daran kam es zu den durch die Presse bereits bekannten Anträgen und Strafverhängungen. Was den Beschluß des Landgerichts III angeht, ist zu unterscheiden zwischen der Beschwerde gegen die verhängte Ordnungsstrafe von 50 Mark, die beim Kammergericht noch schwebt, und dem Ablehnungsantrag, den das Landgericht bereits gebilligt hat. Auf die rechtlichen Unterlagen des Beschlusses des Landgerichts will ich nicht weiter eingehen. Dagegen erscheint es mir notwendig, gegen die mißverständliche Ausführung mich zu wenden, mit der der Beschluß von „leidenschaftlichen, politischen Ausführungen" spricht und behauptet, daß ich andauernd „meinen von den Parteien abweichenden Standpunkt" Lundgetan habe. Von leidenschaftlichen Ausführungen, die den Eindruck erwecken, als wenn ich im Gerichtssaal eine große politische Rede gehalten habe oder mich mit den Parteien in eine große politische Diskussion eingelassen hätte, kann nicht die Rede sein." Unser Mitarbeiter machte Herrn Amtsrichter Friedländer auf die Angriffe ausmerbsarn, die in der „Schlesischen Tagespost" und im „Göttinger Tageblatt" gegen ihn gerichtet worden sind. Amtsrichter Friedländer hat sich darauf entschlossen, durch unsg e ge ndiesebei den Blätter Strafantragwegen Beleidigung, Beamtennötigung und Aufreizung zum Klassenkampf stellen zu lasten. Herr Amtsrichter Friedländer hat eine große Anzahl von Zuschriften erhalten, die in der bekannten liebenswürdigen Weise, natürlich ohne Unterschrift, Bedrohungen und Beschimpfungen gegen ihn enthielten. Eine Anonymus schreibt: „Nicht Las Hakenkreuz hat dem Deutschen Reiche Schaden gebracht, sondern die Juden mit der Hakennase, von der Sorte Sie auch einer sind, aber Ihre Stunde hat geschlagen. Ihnen wird die Nase nicht nur, sondern auch der Kops etwas kürzer gemacht. Das deutsche Volk hat genug von den Betrügern aus Palästina." „Fauler Jude, erbärmlicher Judenlümmel" und ähnliche Perlen aus dem deutschvölkischen Sprachschätze zieren die anderen Zuschriften. Es ist dringend zu wünschen, daß die schweren Beleidigungen gegen Amtsrichter Friedländer, die den Ausgangspunkt der anonymen Drohbriefe bildeten, gesühnt werden, Groß - Berliner Mitglieder I Taufende von Euch find mit der Zahlung ihres Beitrages im Rückftande. Ein lnkaffo durch Boten ift nicht möglich, weil die Koften zu hoch find. Wir wiffen, daß unfere Freunde uns nicht im Stich laffen wollen und daß fie nur aus Vergeßlichkeit handeln. Aber Vergeßlichkeit im Uebermaß gereicht denen, die ftch ihrer fdmldig machen, zur Unehre, Sende jeder sofort feine riickftändigen Beiträge für das erfte und zweite Vierteljahr auf Poftfckeckkonto Berlin Nr, 304 72, und zwar mindefiens 3 Rentenmark für ein Vierteljahr. Wir erwarten aber, daß die Mitglieder, deren Wirtschaftslage es gefiattet, uns 10 Rentenmark für ein Vierteljahr überweisen werden. Wer fich eine Reife erlauben kann, muß auch einen kleinen Beitrag für den CentraUVerein übrig haben. Denn diefer fpricht für feine und feiner Familie Ehre und Recht.

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