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Central-Verein-Zeitung · 1924-07-17 · 29 (17.7.1924) · p. Seite 429

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
29 (17.7.1924)
Date
1924-07-17
Page
Seite 429 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 10 Goldpfennig Serlin» 17. 7uli 1924 ILl. Jahrgang ♦ Nr. 29 und Judentum. Wnuui bts £httnd~Vi StruttsdüryerMMscken Vlauvens'Lv 2U1 gemeine Zeitung des Ouderuums Verlag u. Schriftleitung: Eentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v« Geriin SW63, Lindenste. l3 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralgkünben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monatsabvnn em ent (ein vieriellahr licheS gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennlg Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmefser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 90 nun breite Reklamezeile 4 Goldmark. BfflBBSBWSa Meinen - wissen - handeln. Eine Zerienbetrachtung i. Im Erholungsurlaub, zumal in politisch gespannten Zeiten, ist jeder, der sich aus Neigung oder Berus mit öffentlichen! Angelegenheiten beschäftigt, Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit auch der entferntesten Bekannten. Den Nerven des Erholungsbedürftigen ist das nicht gerade zuträglich, aber bisweilen interessiert es ihn, da er dabei nachdenklich stimmende Beobachtungen machen kann. Man sollte glauben, daß man von einem Manne, dessen Lebensaufgabe Erforschung und Meisterung politischer Tatbestände ist, Belehrung und Anregung erfahren wolle: meist weit gefehlt. Man wird vielmehr selbst belehrt, aufgeklärt. Ratschläge hageln -nur so herab. Mit der Sicherheit mathematischer Wahrheiten werden die unmöglichsten Anschauungen vorgetragen. Der Vernünftige lernt nie aus. Niemand ist zu gering, um ihn zu belehren. Dankbar nimmt er entgegen, was ihm zwar fach technisch ungeschulte, doch klarblickende Freunde zu sagen haben. Wenn abex jemand, mag er auch sonst noch so gebildet sein, bestimmt erklärt: „In Bayern ist der Judenhaß in drei Monaten erledigt" und auf die Frage:'„Ans welche Tatsache stützen Sie Ihr Urteil?" nur die Antwort zu geben hat: „Ich hielt mich neulich in München drei Tage auf und habe nichts bemerkt," so kann man sich nur in Geduld fassen und" erwidern: „Ich freue mich über Ihre so schnelle Erkenntnis, wenn sie mir auch nicht im entferntesten einleuchtend zu sein scheint. Ich vermag mir trotz genauester! Prüfung der Vorgänge ein solches Urteil nicht zu erlauben: denn zur Urteilsb ill d u n g gehört zunächst die Kenntnis der Entstehungsgeschichte der jetzigen judenfeindlichen Bewegung in Stadt und Land, das Wissen von Charakter und Fähigkeiten der führenden Personen, das Erkennen der großen Unterschiede in dem seelischen Aufbau der einzelnen Volksteile in den verschiedenen Regierungsbezirken, die Würdigung der Stammeseigenschaften — z. * 95. zwischen Altbayern nnd Franken —> die genaue Kenntnis der wirtschaftlichen Lage, der Einstellung maßgeblicher Teile des Volkes zum Reichsgedanken und nicht zuletzt die Gestaltung der auswärtigen Politik unseres Reiches. Aber erst wenn ich mir ein Bild von von Ludwig Holländer. allen diesen Dingen gemacht halle, darf ich es in aller Zurückhaltung wagen, mir ein Urteil zu bilden." Herrn 3E. Z. beliebt es anders, und er ist gekränkt, wenn man ihn in der vorsichtigsten Weise aus die Unzulänglichkeit seiner Eindrücke und di Fahrlässigkeit seiner Urteilsbildung hinweist. Hinter dieser zuerst recht harmlos erscheinenden Unterhaltung lauert eine ungeheure Gefahr: die vorschnelle, lediglich aus Oberflächlichkeiten eingestellte Empfindung verhindert das Tiefergreisen und damit die Schaffung wahrhaft aktiver politischer Persönlichkeiten. Solcher bedarf unsere so hart angegriffene kleine Gemeinschaft; aus der anderen Seite sind sie in Massen vorhanden. In dem großen Nationalverband deutscher Offiziere, im Jungdo, Wehrwolf und wie diese Vereinigungen alle heißen mögen wird nach erziehungstechnischen Grundsätzen in unermüdlicher Arbeit Tatsachenmaterial planmäßig in die Köpfe gehämmert. Schlimm genug ' für unser Vaterland und für uns, daß diese „Tatsachen" teils einseitig dargestellt, teils völlig falsch sind. Aber von der politisch-taktischen Seite aus betrachtet wird richtig vorgegangen: man verhütet vorschnelle Urteilsbildung, indem man Grundlagen — wenn auch trübster Art — s ch a f f t. II. Herr Pastor Maurenbrecher — Verfasser der „Hohenzollern-Legende" und ehemaliger Sozialdemokrat — jetzt einer der Führer der völkischen Judenfeinde und der nationalen Opposition, hat in einem kleinen Büchlein „Die Taktik der Parteien 1920—1924"I auch für uns meisterhaft die Grundsätze entwickelt, die er für die Völkischen angewandt wissen will. Die für den gläubigen Leser bestimmten angeblichen „Tatsachen", in Wirklichkeit sämtlich erlogen, um die Judenfeindschaft zu fördern, sind für uns nebensächlich. Die Hauptsache aber bleibt die Taktik, d. h. die Bezwingung weiter Volkskreise durch Einimpfung von Tatsachen und die Massenaufpeitschung. Herr Maurenbrecher verlangt „rastlos Losungen ins Volk werfen und durch hinreißende Agitation und wirtschaftliche Schöpfungen den Anhang vergrößern". Durch Schaffung einer nationalen *) Verlag „Deutsche Treue", Berlin SW 68, Knllenstraß« 108. Geoff-Vee/rner Witgliedee l Beamtet befandet# die nädj/te Beitel

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