Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 28 (10.7.1924)
- Date
- 1924-07-10
- Page
- Seite 421 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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421 tote gut sie sich mit dem Ausgehen im Deutschtum vertragen. Alle echten sittlichen Kräfte können Zusammenwirken, um xchte Persönlichkeiten zu schaffen. Die religiösen Gedanken leben in diesen Soldaten im Schützengraben wie daheim, oft vielleicht draußen starker. Es berührt eigentümlich, Feldbriefe nach dem jüdischen Kalender datiert zu finden, etwa „19. Kislew 5675". Ein Soldat von hohem geistigen Schwung bemerkt einmal: „Es mag vielleicht lächerlich sein, aber zuweilen -möchte ich eine Parallele ziehen zwischen dein Brot des Auszugs aus Aegypten und unserem Militärzwieback." Selbst der in Sachen des Kultus Kühlere fühlt im Felde das religiöse Band, das ihn mit der Heimat verbindet. Einem Rabbiner dankt ein Soldat für ein übersandtes Gebetbuch mit dem Bemerken: „Es ist merkwürdig. Sie kennen ja meine religiösen Anschaltungen und wissen, daß ich auf Formen nichts gebe. Und ju diesen Formen rechne ich auch die herkömmlichen .Gebete', die ja meist keine Gebete, sondern Betrachtungen sind. Und doch, je ferner man der Heimat weilt, desto enger schließt man sich natnrgernäß an das an, was einen mit der Heimat verbindet, und das ist eben wieder die — Form. Man fühlt sich der Heirnat näher, wenn man weiß, daß sie daheim zur selben Stunde genau dasselbe tun wie wir." Ruch er bekennt sich doch zu der Beobachtung, „wie zeitgemäß eigentlich unsere vor Jahrtausenden entstandenen Gebete und Psalmen sind". Unter den lebendigen Kräften, welche im Weltkrieg die deutsche Heimat verteidigt haben, nimmt auch der alte jüdische Glaube seine bcrnfcue Stolle ein. Nun ein Beispiel, daß attch unter dem letzten Nachwuchs der jüdischen Kriegsteilnehmer noch Tapferkeit und Frönnnigfeit vorhanden waren. Es betrisst einen Kaufmannssohn, erst am 13. September 1898 geboren. Seine Einberusnng zruu Heer erfolgte am 1. Dezember 1916. Ein Brios aus den Tagen der verhängnisvollen Schlnßweudung des Krieges, vom 17. Juli 1918, enthält die Sätze: „. . . Es sind jedenfalls dis schwersten Tage, die ich in meinem Leben mitgemacht habe, und ich glaube, ich bin trat Jahre gealtert. Doch der liebe Gott hat mich gnädig in seinen Schutz genommen. Wer in dieser Lage sein Vertrauen nicht aus Gottes Beistand setzt, für den.ist eine solche Zeit trostlos. Gott wird auch tveiter mit mir fein. . . Die körperlichen Strapazen sind überaus groß, doch überwinde ich sie in der Tat mit spielender Leichtigkeit. In all dem kann ich nur Gottes Hilfe erblicken. Ich bitte Euch daher, für irgendeinen guten Zweck eine Gabe zu spenden. Die Lebensanschauung bildet sich hier schnell. Wer denkt da noch an Geld und Gut, wo stündlich Tausende von Menschenleben vernichtet werden?" Ein leuchtsuüss vsröilö. Eiii jüdischer Rechtsanwalt wurde im Juni 1915, Zöiührig. als ungedienter Lan-dsturmtnann eingezogen. Er siel bei Bapaume, nachdem er sich zum Vizefeldwebel heratifgearbeitet hatte und bereits zrtm Offizier gewählt war. Eine Schilderung, wie seine Kompagnie einen äußerst erbitterten englischen Angriff abwies und die schon verlorene Stellttng in fünfmaligem Sturm znrttckeroberte, schließt cr folgendermaßen ad (22. Juli 1916): . „Denke nicht, daß ich waghalsig oder tollkühn gewesen wäre. Ich habe getan, was ich mußte. Wenn die Gruppenführer nicht Vorgehen, ist es ausgeschlossen, daß man. die Mannschaften zum Sturm vorbringt. Jeder sagt einem gleich: ,Geh doch du voraus!' Deshalb ist es Befehl, daß die Gruppenführer vor müssen. Gestern nacht, ehe wir abmarschierten, ließ mich' unser Kompagnieführer kommen, sagte mir, er hätte ziemlich viel Gutes von mir gehört, und cr'werde michznm Eisernen Kreuz Vorschlägen." Einen Monat vor seinem Tode schrieb er: „Gestern nacht hatte ich großes Glück. . . Ueüerhaupt mit dem Glück, mit der Vorsehung ist cs so eitle ganz eigenartige Empfindung. Ich glanbe und halte mich fest an ein höheres Waltett in der Nattrr. Matt kanu's guten Stern. Schicksalswalteu oder wie immer nennen, es läuft stets aus das gleiche Prinzip heraus. Dieses .Glück' — will ich einmal sagen — war mir im Feld recht treu in manchen kritischen Mvmettten. . . Ick glaube bestimmt an eine Vorsehung für den Menschen. Es 'muß ein atksgleichenLes Gerecht iKkeitspriuziP als höheres Wesen in dieser ungerechten Welt geben, ein göttliches Wesen. Ich vertraue felsenfest auf diese Vorsehung. Dieses Vertrauen gibt mir eine mir selbst hinterher' fast unbegreifliche Ruhe in den kritischsten Momenten. Airdere heißen's Mut. Ich weiß n-icht einmal, ob ich eigentlich mutig bin. Was heißt überhaupt Mut? Negativ ausgedrückt: Keine Angst haben. Aber positiv? Darüber bin ich mir durchaus nicht klar. Passiver Shit — ausitalten — ist'doch ganz was anderes wie aktiver Mtit." Kauft man am besten bei Lcipzigerstr. ö7 a. 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