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Central-Verein-Zeitung · 1924-07-10 · 28 (10.7.1924) · p. Seite 420

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
Seite 420 (sequence 4)
Language
German
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Um WühLL Hleichösrechügung. Auf eine Liebesgaberrsendung wird der Berliner Jüdischen Turnerschaft geantwortet: . . Wenn wir uns auch persönlich nacht kennen, man denkt und fühlt heute als Deutscher und Jude miteimurber fo eins, daß man einen Unterschied Zwischen Bekannten unp Unbekannten nicht machen kann. . . Wollen wir hoffen, da;; dasjenige Moment, wofür man auf allen Seiten zu kämpfen glaubt, für voelches mir aber vor allen wahrhaft.Mann für Mann eintrc-ten (vom Obersten bis zum Niedrigstem: ,Wahrheit und Gerechtigkeit, den Sieg davontrage. In beiden ist die Freiheit, die dem Menschen bekömmlich ist, enthalten/' .03. Dezember 10H.) Ein jüdischer Kaufmann, itu väterlichen Geschäfts tätig, in Gens und'London gebildet, ein meisterhafter Klavierspieler. Ms ungedienter dreißigjähriger Landsturnunanu eingetreten, war er bereits zum Leutnant vorgeschlagen, als das Geschick ihn ereilte. Zwei Atonale vor seinem Tode (20. Juli lOJC) schrieb er den Seinen: . . Daß es <5nai nicht recht ist, daß ich den Posten hinter der Front nicht angenommen habe, habe ich nur schon gedacht. Mer ohne, wie Ihr glaubt, mich von militärischem Ehrgeiz leiten zu lassen, habe ich mich doch geniert, diese Stelle arrznuehmen, unp so mehr, als ich als Jude dann doppelt schief angesehen worden wäre. Meine Augen sind durch die beständige Anstrengung, Lesen und Schreiben bei Kerzen und elektrischem Licht, oft Tag und Nacht, nicht besser geworden. Immerhin Jann ich es noch aushalten, wenn ich auch bei Nacht große Mühe habe, mich Zurechtzufinden. Ich habe auch diestrhalb schon den Augenarzt befragt; derselbe konstatierte eine leichte Nachtblindheit, konnte nur aber keinen Rat geben, da cs kein Mittel dagegen gibt. Solange es daher geht und ich die 'Verantwortung dafür tragen kann, will ich nteinen Dienst an dc: Front tun. Werde ui) aus eine anständige Stelle vorgeschlagen, so wird sie auch anaenommem aber mich auf schmutzige Weise drücken, könnt Ihr mir nicht zumuten, sondern ich glaube, daß ich das aus Gründen der Selbstachtung, Eurer Achtung und mit Rücksicht auf das Jndontnm nicht tun darf/' Er blieb und fiel. * i Ein Landwehr u nicrossizier aus Sellvronn schreibt ans dem Lazarett: „Ich habe den Wunsch \\ni> die Ab sicht ^geäußert, nach meiner Genesung wieder zu meiner alten Truppe — zum Bataillon — zu 'kommen, und rnorn Leutnant :-nd Bataillonsadjutant hat mir kürzlich geschrieben und mir Mittel und Wege angegeben, um das zu erreichen. Sie freuen sich alle, wenn ich wiederkomme, und ich glaube, daß ich dies Deinem Vorschlag, mich in ein Laudsturmregunent versetzen zu lasten, z vorziehe. So trank bin ich ja nicht, und ich gehe sehr gern | wieder zur alten Truppe zurück — ich fühle mich dort wohl,; und es hat mich bis jetzt noch leine Kugel getroffen, und - wenn ich weiter unter dem Schul; unseres allgütigeu Gottes j stehe, wird er auch ferner über mir wachen und mich in! Stunden der Gefahr beschützen. Aber, lieber Theo, ich habe das Gefühl, daß jeder Jude gegenwärtig, in der Stunde, in; dev das Vaterland in Gefahr ist. über das Maß der Schuldigkeit und des Pflichtgefühls hinaus auf seinem Matz aus-! harren muß! Nachdem ich mir der hohen Obre bewußt bim für mein j teures Vaterland an der Front mllzukümpsen und mllzustegen, werde ich auch nachher an' der Front sein, mit'; zureden, wenn es heißt, für eine Gleichberechtigung unserer! Glaubensgenossen auf allen Gebieten einpaftehen. Diese : Motive veranlassen mich, den gegenwärtigen Kampf um; unser Dasein nicht etwa hinter der Front mllzumachen: ich i kämpfe, wie jeder Deutsche, um später als Deutscher für das > Riecht deutscher Juden einstehen zu können. Vielleicht unterhalten wir uns persönlich noch mal über dieses Thema." (27. Januar 3915.) ' j Hier wird klar formuliert, was aus so manchen der Briese j zu entnehmen ist: die Besten der Juden glaubten, durch Lei-! stungen im Kriege ihren StarNlnesgenosser: die rmeinr geschränkte Achtung, „die wirkliche Gleichberechligung" zu eri kämpfen; durch ihre Taten wollterr sie beit Judenhaß auf edle s Art besiegen. Es waren ihrer nicht wenig, die so dachten und; handelten, und was die Gesamtheit der Soldaten von ganz! oder vorwiegend jüdischem Coblüt angeht — nun, es genügt, darauf hmzüweism, daß ihrer mehr gefallen sind, als ihrem zahlenmäßigen Verhältnis zum Volksganzen entspricht. Aber reue Hoffnungen wurden enttäuscht. Zwar das Volk hätte für solche Beweisführung durch tapfere Kameradschaft Verständnis gehabt. Aber gewisse propagandakrästige Richtungen bedurften Politisch des jüdischen Prügelknaben — und darum war ihnen die Kriegskameradschaft'mit ihm nichts. Die jüdische Blutstreue zum deutschen Bol? wurde von germanischer Delle nicht edel gelohnt. Au das militärische Avancement eines Verwandten anknüpwnd, schreibt ein Sr\egsteiluehmer: „So wird uns Juden endlich Gerechtigkeit widerfahren, und wir sollten nichts scheuen, keine Strapaze und fein Opfer, um dieses Ziel in würdiger Weise zu erreichen. Ich bin unendlich stolz, mittampfen zu dürfen für das geliebte, bevoalndorrulgswürdige Vaterland und weiß zu jeder Stunde, daß eine besondere Verantwortung aus jedem Inden ruht, immer und immer wieder zu zeigen, daß man bereit ist, sein Leben für die deutsche Sache hinzugeben, um dadurch die Gleichwertigkeit des Inden in seiner Liebe für das Vaterlmw zu beweisen . . ." Dis Macht ösr NeWon. Ein jüdischer Gottesdienst in Frankreich: „Ter Rabbiner sprach, aber nach wenigen Worten stockte er und kam nicht weiter, er weinte. Jetzt, um dieselbe Stunde, war zu Hanse, in der ganzen Welt, wo Juden wohnen, die Toieuandacht. Wie steht es bei uns zu Hause in bau Synagogen aus? Stein, man darf nicht daran denken, man darf es nicht. Hart muß man bleiben. Kanonendonner dringt zu uns herein und mahnt uns, tapfer und mutig zu sein. Da beißen wir denn die Zahne zusammen, und cs scheint fast, als ob ein jeder einzelne lächle. Der Rabbiner spricht weiter. Er flüstert' fast. Leise, gedämpft dringt seine stimme von der Kanzel der katholischen Kirche, unserer Synagoge. .Jeder werfe einen Rückblick ans sein vergangenes Leben und lege sein Leben in Goitr..- ckaud' ... Der Gottesdienst ist zu Ende. Vor der Kirche empfängt uns lachender ^ounouscheiu. Wir sind wieder Soldaten. Lachen anch wie die Sonne, plaudern und erzählen uns. Vier Inden mit Eisernem Kreuz sind dabei. Sie erzählen von vieler? jüdischen Kameraden, die auch das Eiserne Kreuz haben, aber zum Gottesdienst nicht kommen konnten. 6m, wie die Granaten Pfeifen. Wir muffen rauf in die Schützengräben. Tie Franzmänner werden übermütig. Heilte wollen wir wieder Kerle ausioilen. Auf Wiedersehen, Kameraden... Auch für unsere Zionisten ist es eine große Zeit." (1. und T Lkw der WG.) * -~A Ein Frankfurter Arzt: „Meine Lieben! Gerade habe ich das Maariwgcbet verrichtet, und noch in einer Stimmung von Andacht lese ich Eure Briese. . . Auch Deine lieben,' guten Worte, lieber Vater, mit der stetigen Anlehnung an einen schönen fftbifaieu Satz, sind mir wohltuend, gerade, weil ich hier so allein siehe, alch Jehndi, weil meinen besonderen Pflichten soviel Schwierigkeiten gegenüborstehen, erkenne ich erst recht den' Sinn des Wortes Zedokoh iazil mimans, ja, die Pflichterfüllung, die Gott sucht und findet, muh wenn die Umstände denkbar im* günstig sind, die erleichtert anfatmet, wenn trotz allem es gelang, die täglichen Mizwaus zu erfüllen, die selbst vor dem geistigen., sittlichen Tod bewahrt, der tausendmal' schlimmer ist als der körperliche, vor dem Tierwerden, dem Verrohen und Versumpfen. Und so bin ich überglücklich und zufrieden jeder: Tag, wenn ich mir die Tcftllin anlege, wenn ich zur rechten Zeit mein Morgen-, Mittag- und Abendgebet verrichten konnte. Was meine Kameraden wohl dazu sagen würden, wenn sie eines Tages in meinem Brotbeutel meine TefiUm entdeckten und ich ihnen erzählte, die gehören ebenso zu meinem täglichen Bedarf wie das Brot. . .' Heute nacht wird ein französischer Angriff erwartet, alles ist mrf Posten. . . Ich bin augenblicklich der einzige Arzt im Bataillon. . Vrele südliche Soldaten lassen in ihren Briefen erkennen, welch große Macht ihre Meligion in ihnen war, und mit den: Glauben' hängt mrf. das engste der stark hervoriretende Familiensinn zusammen -- beides, schöne uub wertvolle Kraftguellen, von denen man vielfach mit Genugtuung bemerkt,

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