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Central-Verein-Zeitung · 1924-07-10 · 28 (10.7.1924) · p. Seite 417

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
Seite 417 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 1- Hol-pfennkg Serlku, 7-. Juli 1424 III. Jahrgang ♦ Nr. r» _ Kälter süröeläscdllunWl lvryau des Centrol-Vmins öeulscder^ 6taatsdüryerjüEcl»rn filoobensTa Allgemeine Zeitung des Gudeniums ^Erlag u. DchrlftleUungr Eentr^DKWa deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens e.v. öerlin SWHS, Linöenftr.13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 35H^^s Telegrammadreffe: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Eopto: Dre^ier Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 . - ement (eiMri erteljähr licheS gibt eS vorläufig nicht) 40 Goldpfennlg : d - Anzeigenanu^Ae^DMsti«ntzEedlt«>Mudol, LI!ofse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0.75 Goldmark für di« 7 gespalten, yetle nach SiudoMkvfse^WM>alznlDWesj^U71. Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Eentral-Lereins O.4O Goldmark. die 30 mm breite Reklamezeile 4 Goldmark. vergrabene Schätze. von Professor Dr. Martin hobohm ^Universität Serlin). Die vorliegende Nummer erscheint als Sonderausgabe der ,,C. B.«Zeitung". Sie trägt einer Anregung Professor Martin H o« v o h rn s Rechnung, der diese „vergrabenen Schätze" dev KriegZbriefe mit großer Sorgfalt gehoben hat, um sie in den Dienst der Auf- < klärung und Verständigung zu stellen. Sind in jüdischen Kreisen diese Briefe auch zum Teil bekannt, so bedeutet ihre Wieder« beleoung durch den angesehenen Gelehrten der Berliner Universität in Der vorliegenden Form und d jetzigen Zeitpunkt eine nationale Tat. — Wir bitten unsere Leser, für ausgiebige Der« breitung auch dieser Sondernummer zu sorgen. Die Schristleitung. ' Wenn je ein großes Menschheitserlebnis in seinem ethischen Werte nicht genügend genutzt worden ist. so ist es der Weltkrieg. Was während der Kriegsjahre erlebt und gelitten worden ist. das hätte eine gewaltige Macht werden und die Menschheit höher heben sollen. Wir wissen alle, wie wenig das geschehen ist. Ein Mittel, um jene Erlebnisse bis zu einem gewissen Grade lvieder zu erneuern, ist das Studium der Kriegsbriefe. Darin steckt, verstreut in einem riesigen Wust gleichgültig gewordener Dinge, viel Schönes und Großes. Hier sind Schätze vergraben, und man täte gut, sich mehr darum zu bemühen. Ein besonderes Kapitel bilden in diesem Zusammenhänge die Soldatenbriefe der Juden. Freilich nicht das, was sie gegenüber anderen Soldatenbriefen Besonderes. Eigenes haben — obwohl auch dies Bedeutung hat —, ist der stärkste Anlaß, sie hervorzuziehen, sondern vielmehr umgekehrt: Gerade. daß sie schlagend beweisen, wie sehr jüdische Soldaten ebenso empfunden haben wie ihre nichtjüdischen Kameraden, das kann heute der Aufklärung, der Verständigung dienen, kann den politisch aufgebauschten Stammesunterschied zwischen Juden und Nichtjuden überbrücken Helsen. Daß die deutschen Juden an den Blutopfern des Krieges zahlenmäßig reichlich beteiligt sind, das ist nun sestgestellt, wenn auch noch längst nicht genügend verbreitet. Ergänzend sollte der öffentlichen Meinung in wirksamer Weise zum Bewußtsein gebracht iverden', mit welcher Hingabe jüdische Soldaten für Deutschland gekämpft und gelitten haben: und davon legen ihre Kriegsbriese reichlich Zeugnis ab ‘). Bereits ist einiges davon gedruckt, aber meist in entlegenen Veröffentlichungen spezifisch jüdischen Charakters, die das allgemeine Publikum nicht liest! außerdem pflegen die Bestandteile, denen Das gebotene Material qt aus folgenden Veröffentlichungen entnommen:" Kriegsbrieft deutscher uub österreichischer Juden, .vermisaegeben von Dr.' Eugen T n nnenv n um, Berlin 1915, Neuer Verlag. — Leutnant Sender. Blätter der Erinnerung für seine Freunde. Ans seinen Feldpostbriefen zusarmuengestellt von Dr. M'. Spanier. 3. vermehrte Auflage, Hamburg 1916, Verlag M. Elogau jr. — Kriegsgcdenkbuch der israelitischen Kultusgemeinde Sc ü v n t> e t g. Herausgegcbcn von Rabbiner Dr. Max Freudenthal. Nürnberg 1929. Kommissionsverlag von I. L. Schräg. allgemeines Interesse zukommt. aus dem übrigen Stoff noch nicht herausgeschält zu sein. Wenn im folgenden einige wertvolle Proben zusammengestellt werden, so möge das vor allen Dingen dazu anregen, die Briese allgemein zu sammeln und der Benutzung zugänglich zu machen; es würde das im nationalen und im wissenschaftlichen SirmtzHützlich sein. Zur vaterlanü und Judentum. Ein Wiener Jude schreibt bei Kriegsausbruch: „Lieber Vater! ... In einigen Tagen werden wir gegen den Feind marschieren. Ich weiß, Du bist ein Mann, und ich kann Dir das ruhig schreiben, damit Du Gewißheit hast. Mein Geschick liegt jetzt in Gottes Hand. Schau aus die liebe Mutter und tröste und beruhige sie. Ich persönlich habe keine Furcht, und unsere Leute brennen daraus, die Feuertaufe zu empfangen. Ich habe als jüdischer Offizier die d o p pel te P flich t, mich mutig und ausdauernd zu erweisen." Au den früh Gefallenen gehört ein 1889 in Aub geborener Kaufmann, Sohn eines Güterhändlers. Er war viel gereist, war bis nach Indien und Australien gekommen und in England ein Sportsmann geworden; daheim in Nürnberg half er einen Fußballklub gründen. In den Krieg zog er als Unteroffizier, um bald Vizefeldwedel zu werden. Tief berührt ein Trostbrief dieses vielersahrenen Mannes an seine Mutter aus dem fünften Kriegsmonat: „Mein innigst geliebtes Mütterlein! Heute erhielt ich mit großer Freude Deinen Brief vom 3. d. M„ und obwohl ich beruhigt bin, daß alles wohl zu Hause ist, muß ich mich mit Dir. lieb Mütterlein, einmal ganz offen aussprechen, den aus jedem Deiner Briese, aus jeder Zeilei die Du mir schreibst, spricht nicht nur die aufopferndste Mutterliebe, sondern noch viel mehr die bangen Sorgen und die quälenden Gedanken, die Du Dir um mich machst. Und das ist unrecht. Wohl befinde ich mich in steter Gefahr, wohl kann mich jeden Augenblick das Schicksal erreichen, doch es gibt noch einen Gott, es gibt eine Borsehung. die über uns waltet, und, Mutterl. ich weiß, daß ich Euch Wiedersehen soll, ich fühle es in jedem Nerv, und die Erfahrung hat mir mehr wie einmal schon gezeigt, daß eine ganz besondere göttliche Gewalt mich behütet. Auch wenn man zu Hause ist, steht man in Gottes Hand. Er ist doch überall. Und sieh doch, liebes Mutterl. für was ich mein Leben aufs Spiel setze! Nicht nur ich, noch viele, viele andere junge Leute! Nicht nur. daß wir unsere geliebte Heimat, den Frieden für unsere Lieben, des Vaterlandes Ehre schützen, nein, ich und alle Juden im Heere haben eine größere Ausgabe.

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