Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 27 (3.7.1924)
- Date
- 1924-07-03
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Professor Stracks Erbe. Wiedereröffnung des Institutum Judaicum. (Eigener Bericht für die „C. V. - Z e i t u n g".) In der Berliner Universität fand die feierliche Wiedereröffnung des Institutum Judaicum im Auditorium 252/3 durch Professor D. Dr. Hugo Greßmann im Beisein des Staatssekretärs Becker, des Rektors der Universität, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Roethe, der Vertreter der theologischen Fakultät, der Hochschule und der Akademie für die Wissenschaften des Judentums sowie zahlreicher geladener Gäste aus den interessierten Kreisen statt. Schon die Tatsache der Feier, wenn sie sich auch angesichts des Mangels an Sitzplätzen im intimen Kreise vollzog, zeigte, daß es sich hier um etwas Besonderes handele. Und die Eingangsrede Professor Greßmanns bewies, daß man alle Ursache hat, gerade dies Ereignis besonders zu feiern. Das Institut ist von Professor Strack, dessen Einstellung dem Judentum gegenüber den Lesern dieser Blätter genugsam bekannt sein dürste, 1883 gegründet worden, und zwar im engsten Anschluß an die Judenmifsion. Der Gründer hinterließ dem Institut bei seinem Tode eine Bibliothek von etwa 4000 Bünden, die inzwischen geordnet, katalogisiert und zur Benutzung bereitgestellt ist. Jetzt hat nun Professor Greßmann den entscheidenden Schritt getan: er hat das Institut völlig von der Juden mi s s i o n getrennt, es lediglich wissenschaftlichen Zwecken gewidmet und dadurch, ermöglicht, daß auch die Vertreter des Judentums mit ihm zusammenarbeiten. Das Institut sammelt alle für sein Wissensgebiet— die Kenntnis des nachbiblischen Judentums bis in die Gegenwart hinein — wichtige in- und ausländische Literatur, hält Vorlesungen über dies Gebiet sowie Hebungen ab, und wird sich auch an wissenfchaftl-ichen Veröffentlichungen beteiligen. Sicherlich wird durch seine Tätigkeit ein größeres Verständnis für das Judentum Platz greifen — hoffentlich wird es auch zur Eindämmung der antisemitischen Strömungen dienen, zumal da Professor Greßmann ganz ausdrücklich betonte, daß die Forschungen lediglich der Wissenschaft zuliebe — ohne Liebe und ohne Haß — geschehen sollten. Das Institut ist das einzig überlebende von drei Gründungen, die in Berlin, Halle und Leipzig versucht wurden. Der Kommentar zum Neuen Testament von Strack, dem tiefen Kenner des Judentums, ist gewissermaßen schon eine Frucht des.Instituts, als dessen Direktor er das monumentale Werk schuf. - Infolge der beschränkten Mittel, die dem Institut heut noch zur Verfügung stehen — Greßmann appellierte dringend an die Hilfe der interessierten Kreise, da der 'Maa-t angesichts der traurigen Finanzlage notgedrungen versage —, wird zunächst die hellenistischrömische Zeit in Angriff genommen werden. Das Institut wird sich an einem neuen großen Unternehmen beteiligen, den J u d a i c a Monumenta et Studia, das sein Direktor Professor Dr, L i e tz m a n n und Professor Dr. Torczhner zusammen herausgeben werden. Aus die. indieser Weise über -die Ziele «des. Instituts orientierende Begrüßungsrede Professor Greßmanns antwortete zunächst der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung,' Professor Br. Becker, selbst, wie bekannt, Orientalist. Er wies darauf hin, daß er selber Schüler Stracks gewesen fei, bei dem er die Pirke aboth gehört habe. Gerade die zähe, -stille Arbeit des Meisters habe die heutige Entwicklung wirksam vorbereitet. Es fei mehr Zufall, daß das Institut der theologischen und nicht der philosophischen Fäkultüt angegliedert wäre; die Hauptsache sei, daß es vom Geiste der Alma mater, völligster Objektivität, angeweht werde. Das Judentum — so führte der Staatssekretär weiter aus — hat für die gesamte abendländische Welt eine ungeheure Bedeutung; in den Zeiten, als der Hellenismus seine Macht verlor und der Islam ihn — zunächst im Osten — ersetzte, hat es sich unsterbliche Verdienste dadurch errungen, daß es Mittler zwischen Orient und Okzident wurde, daß es die Strömungen vom Osten nach Europa hinüberverpflanzte; dadurch hat es den europäischen Geist entscheidend beeinflußt. Als Beispiel dafür führte der Staatssekretär die Stellung der Priesterschaft tut Islam an«, die Lmraus der des jüdischen Schriftgeleh-r.tentums entspreche. Das Wichtigste ist die eigentümliche Denkenergie, mit der das Judentum religiöse Ideen und Probleme angefaßt hat. Sie näher kennen zu lernen, und diese Kenntnis zu verbreiten, wird eine der wichtigsten Pflichten des neuen Instituts sein. Gerade dafür ist die Mitarbeit jüdischer Gelehrter unbedingt notwendig. Großem Interesse begegnete naturgemäß die Ansprache Professor N o e t h e s , des derzeitigen Rektors der Berliner Universität, bei dessen ausgesprochener politischer Stellung es besonders überraschte, wie völlig er von der Wichtigkeit des Instituts überzeugt ist. Er. erinnerte darart, daß schon 1848 Zunz eine Anregung gegeben habe, die philosophische Fakultät möge sich mit der Erforschung des Wesens und der Geschichte des Judentums beschäftigen. Damals waren die Koryphäen B ö ck h, N a nk e, T r e n d e l e n b ur g aufs entschiedenste dagegen. Wie Roethe sagte, „in einer für uns ganz unverständlichen Weife" traten sie dafür ein, daß nur evangelische Forschung getrieben werde. Sein eigener Lehrer Paul de Lagarde hingegen war von der Wichtigkeit des Problems innerlichst überzeugt. Trotz persönlicher, bisweilen verletzender Aeußerungen besaß er eben eine geradezu grenzenlose Leidenschaft für -die Erkenntnis. Er hatte die große Bedeutung -des Judentums für die europäische Kultur erfaßt. Ist auch nach Roethes Meinung — und hier polemisierte er gegen die Auffassung des Staatssekretärs — Objektivität im Einzelindividuum nicht möglich, sondern entwickelte sich letzten Endes wissenschaftliche- Unparteilichkeit erst durch das Mit- und Gegeneinanderarbeiten einzelner, oft gerade sehr subjektiv eingestellter Forscher, so liegt doch gerade hierin eine außerordentlich wichtige Aufgabe, die das Institut in Angriff nehmen muß. Roethe bedauert sehr, daß zunächst nur die hellenistisch-römische Zeit untersucht werden kann und soll; er hält z. B. die Probleme dev Kabbala für fast noch wichtiger und wünscht dringend, daß auch sie in Angriff genommen werden, wie überhaupt das ganze mittelalterliche Judentum, von dem wir noch viel Aufschlüsse zu erwarten haben. Die Forschung muß in dem Sinne erfolgen, daß immer das Ganze im Sinne der Universitas dominiert, daß überall die' Zusammenhänge zu der verwandten Gebieten hervorgehoben und fruchtbar gemacht werden. Dann wird sich auch das Institut als echtes Kind der Universitas literarurn erweisen. — Nach einigen Begrüßungsworten des Dekans der theologischen Fakultät, Professor. V. Deißmanns, führte Professor Dr. Guttrnann> namens der A k a d e m i e für die Wissenschaft des Judentums etwa folgendes aus: Die jüdische Wissenschaft hat bis jetzt das -Gebiet, dessen sich das. Institut annehmen will, allein bearbeitet. Für die christliche Wissen- DamenHemdhofen Kauft man am besten ber{ Leipzigenstr. <97 a. Dönhoffplatz'. __ [ Bekannt für gute Waren billige Preise! \ Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für samt!. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8>V19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau j Chemnitz / Dresden j Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Halle (Saale) / Hamburg J Hannover Köln a. Rh. I Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stuttgart / Amsterdam / Prag / Wien / Budapest / Warschau / Basel / Zürich. (REST) Handschuh i r