Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 27 (3.7.1924)
- Date
- 1924-07-03
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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405 einen Gerichtsarzt zur Untersuchung seines Geisteszustandes zu bemühen. Es war unnötig. Der Arzt bestätigte, keineswegs überraschend., daß Bau degeneriert, hysterisch und geistig minderwertig sei. Allerdings sei Herr!Bau im allgemeinen intelligenten, als er hier in der Verhandlung erscheine. Erstaunlich bleibt immerhin, bsfs auch Münchener, führende Männer einer Intelligenz wie Herrn Bau vertraulicher Besprechungen und ernsthafter Beratungen würdigten. Man muß diesen Herrn Bau erlebt haben, um das völkische Niveau voll zu ermessen. Strahlend erzählte Bau dem ^taatsgerichtshof, das Münchener Stichwort zu nationalen Erhebung sei: „S t i s t u n g s f e st a m , . . gewesen.' „W e n n m a n i n M ü n dy e n d e m Plane, d i e Frankf u r t er Synagoge Zu s p r e n g cn, d a nxa l s z u g e st i m m t h ätte?", s r a ni S e n a :t s P r ü s i d e n t Nie d n e r. — „D a n n hätte i ch g e s P r e n g t, j a w o l l!" antwortet markig Herr Bau. „Jawoll!" ist sein Lieblingswort. „E s ist d o eh e i n u n sinniger Ge d a n k e, ei n B l ö d - s i n n", ruft der sachliche, ruhige, wenn auch energische Borsitzende empört aus und gibt damit der Verwunderung Ausdruck, ..daß, n a ch d e m eine y n agog e i n die Lust g e s P r e n g t :i st, eine n a t i o n a le E r h e b u n g e r s o l g e n soll?" B a uist um Antwort nicht verlegen: '„Die Situation im Februar 1923 lvar so, daß alle nationalen Verbände in einer gewissen Bereitschaft standen. Jeder wollte losschlagen, aber, wie Nnllmann schon, richtig angegeben hat, keiner wollte den Anfang machen!" Die Synagog e n's p r e n g u n g sollte also das Signal zmn S t u r z e de r R ePub l i f, zum Sturze der Verfassung sein. Back war besorgt, ob das für die Tat in Aussicht genommene Purimfest nicht zu spät Ware; denn damals kursierte in den vaterländischen Organisationen das Gerücht, es lüge ein Negierungsbeschluß des Kabinetts Enno vor, wonach bis zum ersten März 1923 sämtliche nationalen Organisationen aufgelöst werden sollten: das .Purimsest war aber erst am 5. und 6. März 1923. In der Tat sollte denn auch die Sprengung schon früher stattfinden. Dies muß Herr N u l l m a n n g a n z b e s o n d e r s b e d a u ert h abe n. Denn um zu beku nde ch „wie sehr Nullmann mit dem Gefühl gearbeitet hat", berichtet Bau dem Staatsgerichtshof freundlich, daß, als er das Purimsest für den Tag der Tat nannte, Nullmann sagte: JD ja, da h a den di e I u d e n w e i ße He m ° den an, wie wotenhe m den!"... Herrn Nullmanns Kenntnisse vom Judentum sind übrigens auch f o n st recht bemerkenswert. Er wünschte nämlich, daß die' Inden nach erfolgreicher nationaler Erhebung .„vollständig entrechtet würden, ge n a u wie vor de m K r ie ge!" — „S i e sch e i nen ja recht mangelhafte geschichtliche Kenntnisse zu haben!" antwortet unter znstimmender allgemeiner Heiterkeit der .Vorsitzende. -Nun, wenn auch die wissenschafttichen Kenntnisse des Herrn Rull mann recht bescheiden sind, so hat er doch, wie bereits bemerkt, Gemüt. „Ich habe immer noch Bedenken gehabt. Eine Synagoge in die Lust zu sprengen, -ist doch keine Kleinigkeit!" — Nicht minder interessant ist, wie Herr H rek le seine Einweihung in den Plan Ter „Verfassunggebenden" schilderte. . Er war mit einigen ehemaligen deutsch-österreichischen Offizieren zu einem gemütlichen Abend beisammen, .„und da waren' auch ein paar aus München dabei. Wir sind dann in einige Konzertgärten gegangen und auch in die Weinstube Malepartus. Wie es so 'kommt in nationalen Kreisen^haben wir politisiert und waren in einer animierten Stimmung. So gegen ein Ilhr nachts kam ich an der Wohnung Baus vorbei. Bauhatte Licht, ich pfiff und Ban kam runter. Daß eich angetrunken gewesen bin, der Ausdruck ist zu stark. Ich war animiert, wie das an solchen Abenden üblich ist und wie man 'wohl sagen kann". In dieser animierten Stimmung erfuhr er den Plan, legte sich aber „gar ke i ne N e ch e n s chaf t da r übe r ab , w as e i g e nch l i ch a l l e s s ü r U n g l ü ck e n 1 ft eht, w e n nm a n e i n^e 'Sy n-a go g e in die Lu fit fp ren g t"/ . Treffend erwidert erregt der Vorsitzende: „Man sollte meinen, d a ß m a n st i n k b e s o s s e n s e in m ü % t c , m e n n m a n den Plan faßt, eine Synagoge in die Luft zu f p r e n gen! W e n n S i e a b e r b l o ß ,a n i m i e r ll g e w e - f e n s i u >d u n d eine nx s o l ch^ v n P lane z u st i m m t e n , — dass ch e i n t mix den n d o ch e i n st a r k e s St ü ck zu sei n!" , Eine wesentliche Rolle in der Frankfurter' völkischen Bewegung spielten die dortigen Cases und Restaurants. Das 'Stammcafewar das Cafe Hansa, ferner wurden ständig besucht die Weinstube : M a lepart u s , Restaurant Pot h und Cafe ' L a mx b e r t. Aber eine noch loesentlichere Nolle spielte, wenigstens in der Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof, die Toilette. Wurde Herr Bau -gefragt, wo er wahrend einer wichtigen Besprechung, gewesen fei, so antwortete er: auf der Toilette. Auch Herr Nullmamx war verschiedentlich auf der Toilette. Nicht minder Herr Hielte. (Nur Metzger kroch, im Wartesaal des Frankfurter Hauptbaynhoss, unter den Tisch, um md),t von Rullmann gesehen zu werdend „I m e n t - f d) e r d e n b e tt Augenblick Vers d) w i n de t man immer aus der Toilette!", bemerkt unter allgemeiner Heiterkeit der Vorsitzende. Im Gefängnis gu Kassel, als Ilntersnchungsgefangener, litt Bau unter „Haft-Psyd)ose". Er spielte den „wilden Mann" und versudste nicht nur ein Attentat auf einen Mitgefangenen, sondern unternahm auch zwei S e l b st m o r d ve r s ud)e. . Einer davon schien tatsächlich ernster Art zu sein und erfolgte auf Grund eines allgemeinen völkischen Prinzips: man müsse, weinte Bau, wemr man sich in politische Dinge einlafse, immer damit rechnen, daß es schief geht, und dann die Konsequenzen zu ziehen wissen. Nach zweieinhalb tägiger Verhandlung fällte der Staatsgerichtshof das durch - die Tagespresse bereits' bekannte Urteils es weicht nur wenig von den Anträgen des Vertreters des NeichsaMvalts ab; nur die Polizeiaufsidst lourde nicht ausgesprochen, um den Angeklagten die spätere Rückkehr Urs bürgerliche Leben nicht völlig uumöglick) zu machen. Bau erhielt bekanntlich sieben Jahre Z u ch t h a u s , die drei .anderen je s e ch s I a h r e, verbundell nnt dem Verlust der Ehre für die gleichen Zeiträume. Jetzt verging selbst Herrn Bau das Lächeln, die'Pose und die Schwatzhaftigkeit . . . Demagogie. B e t r a ch t u n g z u m W o cf) c n a b s ch n i t t. Es sck)eint, als ob es auch gewisse Naturgesetze in den geschichtlichen Erscheinungen gibt. Ein-solches tritt bei alleil sogenannten Volksbewegungen hervor. In den Massen ist ein gewisser Untergrund, eine gewisse unzufriedene Stimmung, ein gewisser mehr oder weniger berechtigter Anlaß zu Aufruhr und Empörung vorhanden. All das wäre aber nie zum Ausbruch gekommen und hatte sich, wie oft das noch so stürmische Wogen des "Meeres, von selbst beruhigt, ohne die Demagogie. Der Demagoge, den wir mit -Recht nicht so sehr Bolksführer wie Volksverführer neiuxen sollten, stammt gewöhnlich nicht aus den Kreisen des niederen Volkes, sondern aus den höheren, zuirr mindesten den gebildeten Klassen. Sein Beweggrund ist meistens unbefriedigter Ehrgeiz. Er arbeitet mit einem Schlagwort, aneift einer Schein- oder Halbloahoheit, irgendeiner Verdrehung oder Verwässerung eines au sich Nur kl ich guten, ewügen und göttlichen Gedankens. Solche Demagogie kann natürlich niemals Dauerndes schassen. Bei-ur Rückschlag haben die Massen es imrner zu büßen. Der Deuxagoge kann sich zmoeileu red)tzeitig tu Sicherheit bringen, zulueilen allerdings geht es auch ihm an Kopf und Kragen. Ein Atusterbeispiel solch sauberer Demagogie » ist die Einpörung des Korach. Die lange Dauer, die Eiusörnligkeit der Wüstenlvanderung schassen im Volte die für einen Aufruhr erforderliche Stinlmung. Der schrankenlose Ehrgeiz Korachs ist nicht zufrieden mit der ihm zngewiesenen bevorzugten Stellung des Leviten, er strebt nach Höherem. Er will der erste Führer sein. Das Gotteswort ,,Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott", das als ewige Forderung und erhabenes Ziel dem ringenden ' Menschen gesetzt ist, läßt sich gut verwenden und in ein zugkräftiges Schlagwor't umwandeln. Das Volk weiß es nicht genau und hat es wohl in seiner ganzen Traglxreite kaum begriffen. Es erinnert sich wohl nur, ein' „Heilig" gehört zu haben. So fälscht es der Listige und verwandelt die Forderxmg in ein Lob, sd)meick)elt den Instinkten der Masse rnxd ruft: „Ist nicht die ganze Gemeinde heilig und in ihrer Mitte der Ewige?" Äkose hat das Gesetz erfunden, um uns dadllrck) zu lenken und zu beherrschen. So dichtet er dem Bescheidensten aller Menschen den Ehrgeiz an, der ihn selbst verzehrt. So heuchelt er den Glauben an die Heiligkeit der'Menge, die er, hätte er Erfolg gehabt, vom sanften Szepter des Gesetzes nur befreit hätte, um sie mit den Skorpionen seiner schnöden Selbstsucht zu geißeln. Schwer innßte es das aufgehetzte Volk büßen. Aber auch der Verführer entging seiner Strafe nicht. Ungleich seinem Stammvater Jakob hatte er mit dem Götklid)en gerinxgen und mußte unter liegen. Betrachten wir die religiösen und Politischen Nefoxnnationen aller Zeiten, so tonnen nxir feststellen, daß nicht diejenigen von Erfolg gewesen sind, lvelche den Menschen das Joch erleichterten, ihnen den Wahn eigener Vollkouxmenheib vorspiegelten, sie in einen Freiheitstaumel versetzten, sondern nur die, welche den Entarteten Buße predigten und ihnen neue ernste und schwere Forderungen .auferlegten. Nicht die meinen es gut mit dem Volke, die ihm stets von seinen Rechten reden, sondern nur die,!x>elche nicht müde werden, es zu seinen Pflichten zurückznrnfen. Erst die gewissenhaft erfüllte Pflicht kann zum Rechte führen. T-as. Ldben hat sich der Pflicht und nicht die Pflid)t dem Leben anzupassen. Die Ideale werden nickst aus der Zeit ^geboren, sondern die Zeiten haben nach den Idealen zu streben. Die Zeiten wechseln und sind vergänglich. Die Ideale sind ewig und unvergänglich. Das Gesetz ist in den Sternen geschrieben. Wir müssen nad) bem Gesetz leben. Solche Gedanken sind uns ein Trost in -schwerer Zeit. Wenn wir es erleben, wie man dem Volke schmeichelt, es mit dem Lockworte des Edelrassentilms zu fangen verstickst, dem eigentlich ohne weitere Blühe kraft seines besseren Bültes die Herrschaft über alle anderen Typen zukommt, so können wir es ja begreifen, 'wie Gevatter Schneider und Handschuhnlacher sick) außerordentlick) gehoben fühlt, fick) in seines Nichts durchbohrend ein Gefühle etwas Besseres dünkt als selbst der Klügste, Begabteste, Hocksttrebendste der inferioren Raste und diesem seinem Gefühle durch , Schmähungen, Beschimpfungen, gelegentlich mrck) einmal durch) Mord und Totschlag Ausdruck verleiht. 'Ja, hier haben wir die heilige Gemeinde des Korach, die ihren Gott, ihr Blut, in fick) trägt. Man braucht ja nur geboren zu werden, uux etwas zu sein, während andere erst etwas leisten .müssen, -um etwas zu werden. Die Erfahrllng über lehrt uns, daß solche Demagogie gar bald an ihrer inneren UxxwahrhastigkeiL zuschianden werden xnuß. Wer sein Volk liebt, tritt ihm mit der Zuchtrute des Zornes entgegen, zeigt ihm seine Schwächen als Ursack)en seines Versagens, stellt große Forderungen, verlangt schwere Opfer. Das Leid und der Jammer der Gegenwart sei uns eine Quelle der Reini'guug und Läuterung!. Die Edelrasse .muß erst Herangezogen werden, aber nicht aus einem Blute und einem Volke, sondern aus den Vesten aller Völ-ker und aller Rassen. I s ch T i k w o h.