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Central-Verein-Zeitung · 1924-06-19 · 25 (19.6.1924) · p. Seite 376

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
25 (19.6.1924)
Date
1924-06-19
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
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376 was -er Talmud nicht enthält. So, oft es den berufsttrtb gewerLsimäßigen Judenhetzern zu Agitationszwecken für nötig erscheint, kommen sie miit ihrem Antrag an die Reichsregierung, diese möge von Staats wegen eine gennue Uebersetzung der „jüdischen Geheimlehre" Herstellen lassen. Daöeii lassen diese Hetzapostel ihre Leser und vielleicht sich selbst im unklaren darüber, was unter der jüdischen „Geheimlehre" zu verstehen sei. Werden sie von Fachkennern in die Enge getrieben, so behaupten sie, eshandle sich hauptsächlich umt den Talmud, aus dem ja das ganze jüdische Recht beruht, soweit es auf die nichtjüdische Welt Anwendung findet, den -geheim zu halten die Juden stets bestrebt sei'en. Welche Bewandtnis es mit diesen Anwürsen hat, zeigt am besten eine der letzten Schriften von H. L. S t r a cf : „I ü d i s, ch e Gehe t mgesetze?" Wer sich ^nich-t geflissentlich der Wahrheit verschließen will, kann aus der genannten Schrift ersehen, daß an der antisemitischen Behauptung kein wahres Wort ist. Es gibt keine „Gehei-milehre", welche die Juden der christlichen Welt zu verbergen bestrebt sind, und ebensowenig enthält der Talmud Gehässigkeiten gegen Christen und Christentum!. Im allgemeinen soll vorausgeschickt werden, daß sich das talmudische Schrifttum verhältnismäßig wenig mit dem Christentum beschäftigt, was um so mehr her vor gehoben zu werden verdient, als dieses Schrifttum nicht bloß den babylonischen und den Palästinischen Talmud umfaßt, sondern auch zahlreiche, fast unübersehbare homiletische Sammelwerke. Strack hat überzeugend nachgewiesen, daß di ese Schriften, besonders die Mischna und der Talmud, weder g eh ei mge halten werd e rv, noch auch geheimgehalten werden könne n. Was den Orig i n a l t e x t betrifft, stehen die Talmudausgaben in den öffentlichen Bibliotheken jedem, der sie lesen kann, zur Verfügung, und für solche, die des Hebräischen unkundig sind, sorgt eine ganze Reihe von U e b e r setz u n g e n. In einem anderen Werk („Einleitung in Talmud und Midrasch") hat Strack die wichtigsten Ausgaben und Uebersetzuugen der talmudischen Literatur verzeichnet. Wenn somit der Vorwurf der „Geheimlehre" in dieser allgemeinen Fassung nicht mehr überall Glauben finden dürfte, so ist ihm von judengegnerischer Seite eine andere Form gegeben worden, in der er vielleicht glaubwürdiger erscheinen könnte. Dieser Vorwurf geht dahin, daß die gebräuchlichen Talmu.dausgaben u n v o l l st ä n d i g seien. In der Tat weisen manche Talmudausgaben Lücken auf, die zum Teil als solche durch leere Stellen oder durch Kreise gekennzeichnet sind; auch i>st der Text in manchen, so zum Beispiel in der Baseler Ausgabe von 1578 bis 1581 und den nach ihr angefertigten, oft arg verstümmelt. Dies ist aber keineswegs durch das Bestreben der Juden, irgend etwas Zu verbergen, veranlaßt worden. Vielmehr hat die ch r i st l i> ch e Z e n s u r, die überall im talmudischen Schrifttum Schluähungen gegen das Christentum witterte, die Streichungen und Verstümmelungen verursacht. Teils ist dies direkt durch Anordnungen der Zensoren geschehen, und teils wiederum habenjüdische Buchdrucker und Verleger aus Furcht vor nachträglicher Konfiskation schon selbst Zensur geübt. , Was enthalten nun diese von der Zensur ausg e m e r zte n> Stellen? Auch dies ist kein Geheimnis. Denn zunächst gibt es noch alte u n z e n s i e r t iei T a lmu d h a u d - s ch r i s i t n u n> d D r u ck e und auch neue Au>sgaben', in denen der Urtext gänzlich oder zum Teil wiederhergesteht wurde. Außerdem haben die Juden die betreffenden Partien, die der Zensur zum Opfer gefallen waren, zusammengestellt und teils auf einzelne Blätter, die zum Einkleben in Talmudexemplare bestimmt waren, teils in besonderen Heften gedruckt. (Auch hier hat Strack wiederum für die des Hebräischen gesorgt, indem er in seiner Schrift „Jesus, die Herätiler und die Christen" diese angefochtenen Aeußerungen nebst deutscher Ueberseßung zusammengestellt hat.) Sieht man sich nun eins dieser Schristchen an, von denen es verschiedene gibt, \p kann man aus ihnen ersehen, was es mit den angeblichen Schmähungen gegen Christen und Christentum irre Talmud ans sich hat. Die überwiegende Mehrzahl der Stellen bezieht' sich überhaupt nicht aus Jesus und die Christen. Sie sind erst nachträglich gewaltsam dahin interpretiert worden, und zwar geschah dies zumeist durch böswillige und unwissende Renegaten, die sich bei den Christen als Talmudkenner aufzuspielen verstanden. Bereits in dem bekannten Streit Reuchli n-Pfeffer ko r n ist diese Tatsache zur Geuüge beleuchtet worden. Die w e n i g e n Au s s p r üch e, die sich wirklich aus das Christentum und seinen Gründer beziehen, sind so harmlos, daß in der Tat kein Grund vorlag, sie zu verbergen. Sie enthalten keine Schmähungen gegen Christus und das Christentum, sondern befassen sich entweder sagenhaft mit der Person Christi oder betonen die Ablehnung christlicher Dog-men. Für die sittliche Qualifikation antisemitischer Klopffechter ist es recht bezeichnend, daß sie die in Rede stehenden talmudischen Aeußerungen als Schmähungen und Lästerungen der Christen und des Christentums bezeichnen, während sie ihre groben und unflätigen Beschimpfungen des Judentums, ja des Gottes.Israels für erlaubt halten. Uns Juden wäre es nur durchaus recht, wenn nicht bloß der Talmud, sondern unser gesamtes religiöses Schrifttum auf Staatskosten übersetzt würde — vorausgesetzt, daß dies durch wirklich sachkundige Männer geschehe und nicht durch unwissende oder böswillige Fälscher, welche sich an diesem Schrifttum Entstellungen und Fälschungen erlauben, indem sie den Sinn der Worte entstellt wiedergeben, oder sie aus dem Zusammenhang reißen. Was nach dieser! Richtung hin bisher geleistet wurde, braucht nicht erst gesagt zu werden. Dr. Immanuel Bernseld. „Vir in Oaöen waren mit unseren Großherzögen sehr zusrieöen." Von Professor Ludwig Basnizki (Heidelberg)'. Diese Worte, die Reichstags-ab-g-eordneter Dr. Ludwig Haas in einer am 28. Mär statt gehabten großen Versammlung, in Berlin geprägt hat, sind uns badischen Juden so recht aus dem Herzen gesprochen, nicht etwa weil wir dem „Glanz" vergangener Zeiten, nachweiuen, sondern weil uns der Sinn für Gerechtigkeit und Treue, trotz der uns umtosenden antisemitischen Sturmflut, noch innewohnt. Zum eisernen Bestand der antisemitischen Rüstkammer gehört ja die Verleumdung von -der v-aterlandsfeindlichen! Gesinnung der Juden. Auch dem Unabhängigen Orden B n e B r i ß (U. O. B. B.) ist dieser Vorwurf nicht erspart geblieben. Obwohl in dessen Statuten gerade das Gegenteil den Mitgliedern zur Pflicht gemacht wird, und obwohl der- Orden während des Krieges — allerdings nicht durch laute Reden, sondern durch stille, menschens r eundliche Taten, wie zum ,Beispiel die vollständige! Ausrüstung eines Lazarettzuges — seine vaterländische Gesinnung erprobt hat, will der verleumderische Vorwurf nicht verstummen. Da lohnt es sich denn, angeregt durch die Ausführungen von Dr. Haas, in unserem engeren Heimatlande Baden ein bißchen Umschau zu halten. Der Orden ist in Baden mit sechs Logen vertreten, die ihre Tätigkeit vollständig im Stillen entfalten, getreu den vom Orden gesteckten Zielen,; Israeliten Zu vereinigen Zur Förderung der höchsten und idealsten Interessen der Menschheit, den geistigen Charakter der Glaubensgenossen weiter zu entwickeln und zu heben, die reinsten Grundsätze der Menschen-! Aebe, der Ehre und des Patriotismus ihnen einzuprägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen, die Not der Armen und Dürftigen zu lindern, -die Kranken zu besuchen und zu pflegen, Witwen und Waisen zu unterstützen, den Opfern der Verfolgung zu Hilfe ZU eilen und ihnen mit allen Kräften beiZustehen. Wenn eine solche, nicht an die Oesfentlichkeit tretende Organisation sich einen Namen beilegt, so darf man mit Bestimmtheit annehmen, daß dieser Name nicht zu äußerem Glanz gewählt, sondern aus innerster Ueberzeugu ng, aus einem getreten Empfinden erwachsen! ist, Dabei machen wir eine ganz sonderbare Entdeckung: - 1. Die Loge in Mannheim trägt den Namen A u g u st - Lameh-Loge zu Ehren des -badischen Ministers des Innern, der in den Jahren 1860—66 die liberale Kirchengesetzgebung in Baden durchsührte. 2. Die Loge in Heidelberg heißt Friedrich-Loge. (Großherzog Friedrich regierte 1852—1067.) : 3. Die Loge i n K a r l s r u h e heißt Karl-Fr i e drich - Log (Karl-Friedrich regierte 1771—1811.1 4. Die L o g e in Pforzheim heißt Z ä h r i n g e r - L o g e. (Stammburg Zähringen i. Breisgau.) In den Namen dieser drei Logen drückt sich die Liebe znnpani-, gestammten Fürstenhaus mit aller Deutlichkeit aus. Allerdings! haben sich die badischen Landesfürsten in, der Behandlung der J'udenfrage allezeit durch liberale und tolerante Gesinnung ausgezeichnet. o. Die Loge in Freiburg führt den Namen Breisgau- Log e.! 6. Die jüngste badische Loge in Konstanz hat sich den Namen Bodens ee - Loge beigelegt. - * Die Liebe zur euigsten Heimat, zur Geburtsstätte sozusagen ist es, die diesen beiden Logen. den Namen gegeben hat. Heimatliebe und Menschenliebe! wohnen ja eng beisammen. - Es mag eine schmerzliche Entdeckung für einen rassereinen Antisemiten sein, wenn er solche von echt vaterländischer Gesinnung! Zeugende Namen, in diesem Zusammenhang vernehmen muß. Wjerm auch nicht zu hoffen ist, daß er sich durch dies«! Tatsachenbelehren läßt, so kommen obige Feststellungen vielleicht einigen noch nicht ganz Verblendeten: zu Gesicht; und wenn sie ihre Urteilskraft noch nicht ganz eingebüßt haben, so werden sie den haltlosen a n t i f se mi tischen Theo r ie n in- Zukunft nicht mehr mit der bis?. Hermen Leichtgläubigkeit anheimsallen. Wer es mit der Wieder> genesung unseres zertretenen Vaterlandes ernst meint, muß für. dÄ Haßges-änge gewisser Kreise allmählich taub werden und sich zu demi bekennen/was uns Viktor Scheffel von der Heidelberger Schloßt terrasse herunterrust: Stoßt an! Ein Hoch' dem Deutschen Reich!, An Kühnheit reich, _ > ,; Dem Adler gleich ft ' Möcf täglich neu fi'chs starkenl Doch Gott behüt's vor Klassenhäß, Und Massenhaß, und Rassenhaß, Und derlei Teufelswer keift

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