Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 24 (12.6.1924)
- Date
- 1924-06-12
- Page
- Seite 363 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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363 hört hat, ein abgeschlossener Bezirk zu sein, versetzt schon ein flüchtiger Spaziergang über den „Boulevard" des Viertels, eben die Breestraat, den Fremden mitten in einen Wirbel malerischer Bilder. Charakterfiguren ohne Ende wandeln dahin, lausen qu'er über den Fahrdamm, stehen vor den Häusern, blicken aus den Türen, huschen um die Ecken. Den Höhepunkt erreicht das lärmende Getümmel an den Freitag-Nachmittagen, vor Sabbatbeginn. Max Liebermann hat in vielfachen Bildern, Skizzen und Zeichnungen das lebensprühende, fast orientalisch bunte Durcheinander dieser Stunden festgehalten. Der nächste Tag bringt dann den stärksten Kontrast dazu: Sabbatstille. Die Straßen ruhig, fast leer, fast sogar gesäubert. Die Kramläden geschlossen. Kein Karre mehr mit Lebensmitteln, Stiefeln oder Stoffen. Nun blicken sie auch zum Fenster heraus, doch in Feiertagskleidern, beschaulich, satt vom guten Essen. Wie mag das alles erst gewesen sein, als im 17. Jahrhundert die Bewohner dieser Straßen und Gassen noch ihre morgenländischen Trachten zur Schau trugen, gewirkte, langwallende Mäntel und Röcke, farbige Unterkleider mit bunten Gürteln, auf dem Kopf den Turban. So sah sie Nembrandt. Anregungen ohne Zahl müssen dabei zu ihm übergeströmt sein. Er bemerkte eine debattierende Gruppe von Leuten, die mit heftigen Gestikulationen der Arme und Hände aufeinander einsprachen — waren das nicht die Pharisäer, die Mitglieder des Synedrions? Der Alte dort mit dem Langen weißen Bart, der hochausgerichtet vor feinem Hause stand, während seine Frau durch die Türspalte nach ihm spähte — waren es nicht Abraham und Sara? Der junge Mensch drüben mit dem Lockenkopf — geht Tobias vorüber? Aber bald begnügte sich der Maler nicht mehr damit, Modelle und Motive auf der Straße aufzufangen. Er ging in die Häuser. Er ward bekannt mit seinen jüdischen Nachbarn, mit ihren Freunden und Verwandten, mit allen den wohlhabenden, gelehrten und angesehenen Mitgliedern der Gemeinde. Er ward befreundet mit dem Arzt Ephraim Bonus und mit dem bedeutenden Forscher Manasse Ben Israel, der zu den Amsterdamer Berühmtheiten jener Jahrzehnte gehörte. Schon bevor Nembrandt in die Judenstadt zog, hat er ein Porträt Manasses radiert (1636). Fast zwanzig Jahre später liegen die vier Kupfer, die er als Illustrationen zu dem Buch Manasses über die Statue Nebukadnezars und den „ruhmvollen Stein" („La piedra gloriosa", in spanischer Sprache geschrieben) lieferte. So lange währten die freundschaftlichen Beziehungen. Weiter schloß Nembrandt Bekanntschaft mit den Rabbinern — die Reihe der Bildnisse, die er von den jüdischen Theologen fertigte, ist außerordentlich groß; noch heute taucht hier und da ein unbekannt gebliebenes Stück der Gruppe auf. Und wenn nicht alle der als „Rabbiner" bezeschneten Porträts Geistliche darstellen, so sind es doch Judenbildnisse. So kam er in die Synagogen, und gierig sog sein Malerauge die neuartigen Bilder auf, die ihm nun wieder hier begegneten. Die Verwendung der fremden, bald vertrauten Welt war eine doppelte. Einmal wird sie mit einem realistischen Gefühl, das vor allem den Abglanz der unendlich -manni>gfaltigen Wirklichkeit sucht, festgehalten. Niemand vor Nembrandt und kaum einer nach ihm hat Ausschnitte aus den Synagogen so tief ersaßt. Man glaubt bas Gemurmel in den weiten Hallen zu hören, das Gebet der Frommen, die leisen Gespräche der alten Männer, die mit geradezu sportmäßig ausgebildetem Scharfsinn über geheimnisvolle Stellen der Psalmen oder des Talmud streiten. Die Stimmung der halbdunklen Räume ist wundervoll wiedergegeben. Das war etwas für den Meister des Kampfes von Licht und Schatten. Sein Malerblick, von Jugend auf an allem Glänzenden, Absonderlichen haftend, ergötzte sich an dem seidigen Schimmer vergilbter Gewänder, an den prunkenden Farben orientalischer Teppiche, an der kunstvollen Treibarbeit und den zitternden Reflexen ererbten lLilbergeräts, an der Patina ehrfürchtig behüteter heiliger Bücher und Schriftrollen. Wenn er die Hochzeit Simsons malte, so ist es, als blickten wir auf eine Festlichkeit in einen: jüdischen Hause, an der Rem'brandt selbst teilgenommen hall Die Wirte und Gäste, die gedeckte Tafel, die Leuchter und Schüsseln und Kannen, das alles hatte er gesehen. Wer hat jemals den mystischen Sinn des jüdischen Familientums tiefer begriffen als Nembrandt in seinem Segen Jakobs in der Kasseler Galerie? Begante Badeanzüge Häuft man am besten bei \ Mm BGtikl Leipzig erste öl a. Dönh offpiotz , .. f Bekannt für gute Waren billige Preise Alleinige Anz e i g en-An nahm e Eudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. 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