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Central-Verein-Zeitung · 1924-06-12 · 24 (12.6.1924) · p. Seite 364

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
24 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
Seite 364 (sequence 8)
Language
German
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364 Dies Bild aber belltet schon auf die zweite Art der Verwendung. Sie beruhte nicht nur in der Treue, sondern zugleich in der Steigerung. Aus der Alltäglichkeit des Familiengeschehens wächst der Segen Jakobs zu feierlicher epischer Größe auf. Noch einen Schritt weiter aber geht es dann. Wir sehen, lvie die Synagogenstudien benutzt werden bei den Darstellungen, die Christus Predigend und heilend unter den Armen und Kranken Zeigen, und die ihren Höhepunkt im Hundertguldenblatt finden. Aus dem Erlebten wurden Wunderwerke der schöpferischen Phantasie. Der. junge Jude im Alter von etwa dreißig Jahren mit dem noch dünnen schwarzen Bart um das Kinn, der uns wiederholt und am schönsten in der Studie begegnet, die aus der Pariser Sammlung Kann in das Berliner Kaiser-Friedrich-Museum kam, wurde benutzt und verändert zu dem Typus des Nembrandtschen Christus, der seine jüdische Abstammung niemals verleugnet, aber doch stets zugleich über sie emporwächst. Ter alte Kollos, der im 18. Jahrhundert, zu. einer Zeit, da der holländische Meister halb, vergessen und halb.mißachtet war, sein tapferes Buch über Reinbrandtschrieb und damit an die Spitze der gesamten modernen Nembrandt-Literatur trat, sprach geradezu von Nembrandts „Jüdelei". So stark empfand er den Einfluß der Ghettowelt aus das Werk des Malers — er glaubte ihn auch da zu ernennen, wo Rembrandt die jüdische Stoffwelt gar nicht benutzte. Das ist nicht unrichtig; aber die Wahl jenes Wortes beweist, daß Kollos doch den Blick für -den W-eltenunchan>g dieser Einwirkungen nicht verstand. Denn es war nichts äußerlich Angenommenes, was durch die Berührung mit Juden und Judentum in Rembrandts Werk floß. Wohl hatte sein Auge etwa auch die besondere jüdische Beweglichkeit erfaßt und.verwertet (wie in dem s.rüihen Gemälde, da der von der Potiphera verleumdete Joseph mit Blick und aufgehobenen Händen seine Unschuld beteuert). Aber dergleichen spielt nur eine Nebenrolle. Wichtiger und. bedeutungsvoller ist, wie Rembrandts ganzes Wesen durchrüttelt, durchzittert wurde von dem Erlebnis des Judentums. Man dars hier nicht am Stofflichen, Gegenständlichen stehen bleiben. Damit konunt man nicht auf den Kern "der Sache. Es gibt hier sogar Züge, denen er fremder gegenüberstand. Bei aller leidenschaftlichen Liebe zu der unerschöpflichen Fundgrube, die sich ihm darbot, und die er bis zum Grunde durchwühlte — er gehörte schließlich doch von Blut und Rasse nicht zu diesen jüdischen Menschen; die Melancholie und' Vereinsamung, die, aus Unglück, Lebensenge und Lebensnot von Jahrhunderten, in ihnen lebte, hatte er doch nicht selbst in dieser besonderen Form am eigenen Leibe, in der eigenen Seele gespürt. Manche jüdischen Künstler der späteren Epoche, deren Namen nur in weitem Abstande von ihm genannt werden können, wie etwa Jozeph Jsrails, von den Jüngeren unserer Tage zu schweigen, konnten von diesem Weh vielleicht unmittelbarer berichten. Aber Nembrandt sah mehr und sah tiefer. Sein Genie spürte die letzten Kammern des jüdischen Seelenlebens auf, die noch jenseits der durch das Grauen der Diaspora erwachsenen Unseligkeitsgefühle liegen, und er goß sie mit unheimlicher Sehergabe in malerische Gleichnisse. Es ist mehr als ein Zufall, daß am Ende seines zur bürgerlichen Tragödie gewordenen Erdenwallens das Bild entstand, das mir Slravanil ärzNich Ga bevorzugt Zahnschmerz, Rheuma.i—-J Keinerlei imfünsfiga Nebenwirkungen auf Herz-und fieiissneim flLfl Ä mm» ««ft a| körperlicher u. geistiger Bei PI “ B w S I U Ci S Abspannung - Blutarmut Dr. Maliers m. m. Udttin-PffllHffllte in Pillen- und Pulverform. Aus reinstem, dem Hühnerei entzogenem Nervstoff oder Lecithin bestehend, daher eine natürliche, vollwertige Ergänzung des im Körper verbrauchten Nervstoffes. — Ausführliche Literatur gratis. 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