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Central-Verein-Zeitung · 1924-06-12 · 24 (12.6.1924) · p. Seite 361

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
24 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
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361 Don prezioso. J (Brief unseres r ö m ischen K o r r e s P o n d e n t e n.) |: * Rom, den 3. Juni 1924. ''r Durch die deutsche Presse ist jüngst eine Mitteilung gegangen, daß der Führer der italienischen Antisemiten, Prezioso, nuZ dem Großrat der 'sascistischen Bewegung wegen seiner judenseindklichen Treibereien ausgeschlossen worden sei. Die Meldung scheint .in Deutschland mehr Aufmerksamkeit erregt zu haben als in Italien. Don Prezioso (er heißt eigentlich Preziosi) ist ein aus dem Priesterstande ausgetretener katholischer Priester und so ziemlich der e i n z i g e A n t i s e m i t i n I L a l i e n. Er ist Spezialist aus allen Gebieten des Radaus und der Sensation, weil er sich aus andere Weise nicht bemerkbar machen kann. Sein Blatt, „Mezzogiorno" in Neapel, erscheint säst unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Preziosos Hinauswurf aus der sascistischen Bewegung erfolgte nicht allein wegen seiner Hitlerei, sie wurde direkt veranlaßt durch Klagen seitens der Verwaltung der Gesellschaft für Urbarmachung der Pontinischen Sümpfe (Bonifica delle Paludi Pontine), sowie durch eine Verurteilung zu mehrmonatiger Gefängnisstrafe wegen „diffamazione". Die Nachricht der Schweizer „Jüdischen Preßzentrale", Doli Prezioso sei mit Gefängnis bestraft worden, weil er die Protokolle der „Weisen von Zion" in Italien verbreitet hat, trifft also nicht zu. Wohl hat Prezioso vor etwa vier bis fünf Jahren die „Weisen von Zion" ins Italienische übertragen und besonders in der Provinz verteilen lassen. Das Pamphlet hat aber nirgends in Italien einen Eindruck hinterlassen und ist in der' Presse nirgends ernst genommen worden. Die dankenswerte Arbeit des bedeutenden italienischen Kritikers P r e z z o l i n i, der das Pamphlet zerpflückte, daß kein guter Faden daran blieb, war gar nicht nötig, denn die „Weisen von Zion" waren ein totgeborenes 'Kind und sind nicht einmal im Buchhandel zu haben. Man muß -in Deutschland den Intellekt des italienischen Volkes nicht mit dem der dortigen Hakenkreuzjünglinge verwechseln. Natürlich fiel es auch niemandem ein, Prezioso wegen dieses dummen Elaborats zu verklagen und für ihn dadurch Reklame zu machen. von öer ältesten mölschen GeMemöe I ü d i s ch e G e s a n d t e i n Rom i m I a h r e 140 v. C h r. In Rom, in der Normals allbekannten deutschen Buchhandlung von Lösche?, setzt P. Maglione u. C. Strini, ist neuerdings ein Luch: ..S t o r i a d e £ 1 i Ebrei in Hom a“. von Dr. G. Bluwstein, herausgekommen, aus dem uns das -erste Kapitel von der Aebersetzerin zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden ist. Es ist nicht nlöglich, den Zeitpunkt, an dem sich die ersten Juden in Rom niederließen, mit Sicherheit zu bestimmen. Die Berührung zwischen Jerusalem und der Eroberin der alten Welt begann nach .verschiedenen Zeugen mit der Gesandtschaft der Hasrnenüer, die als Gründer einer neuen Dynastie, welche sich gegen die griechische Herrschaft empört hatte, nichts sehnlicher wünschen konnten, als eine s r e u n b s ch a f t l i ch e A n n ä h e r u n g an das Volk der Römer. Der Text des Buches der Makkabäer, welcher sich auf diese Episode bezieht, ist neuerdings einer kritischen Untersuchung unterzogen worden, das Resultat der fleißigen Analyse bekräftigt nur dessen Glaubwürdigkeit. „Der Bund zwischen Judas Makkabäus und den Römern wurde tatsächlich geschlossen, und die Erzählung, die sich daraus bezieht, ist authentisch", zu diesem Schluß 'kommt ein Gelehrter^) nach scharfer und erschöpfender Prüfung der verschiedenen Hypothesen. „In ihrem Bestreben, ein unabhängiges, einiges politisches Gemeinwesen zu bilden, hatten die Maklnbäer sich zunächst um ein Bündnis mit Sparta, dessen Name mit dem Nimbus heroischer Unternehmungen, vielleicht in Ruhmeswolten gehüllt, zu ihnen gelangt war, bemüht. Aber sie begriffen wohl, daß sich das politische Zentrum Europas gegen Westen verschoben hatte. So sandte S i me o n im Jahre 140 v. Ehr. zwei Gesandte an den Tiber, Xtm die Hilfe Roms gegen die ständig wiederholten Einfälle der syrischen Tyrannen cmznrusen. Die Gesandten boten dem Senat als Zeichen der Unterwürfigkeit einen goldenen Schild, dagegen notifizierte der Senat den Verbündeten und Vasallen, daß sie die souveränen Fürsten Judäa nicht angreifen und sich nicht mehr in dessen Angelegenheiten einmischen dürfen"^. Es ist anzunehmen, daß infolge dieses Bündnisses die Juden von Palästina von da ab begannen, sich in Syrien, Aegypten, aus den Inseln des griechischen Archipels, auszubreiten, auch ihre Schritte nach der Urbs, der Hauptstadt der damaligen Welt, der unendlichen Roma, welche bereits das Zentrum aller Einwandererströme geworden, gelenkt haben. ) „Rivista israelitica", Florenz 1908, Nr. 5/6. Seite 192- bis 204. El i a Samuel Artom: „lieber den Bund zwischen Judas Makkabäus und Rom". ‘ 2) „Raffaele Ottolenghi: „Voei -'Orientes 1905, Teil I, .Seite 139/40, . ------ Rom bot durch seine Ausdehnung durch den Kosmopolitrsmus seiner Einwohner, der Freiheit der Religion, deren sich diese erfreuten, der vielfachen materiellen Interessen, die hier zusammenliefen, die beste Garantie für diejenigen, denen vor allem daran lag, eifrigst am eigenen Glauben, sestzuhalten. Diese günstigen Vorbedingungen erklären die Geschwindigkeit, mit der sich'die Juden mitten in der römischen Gesellschaft organisierten; sie wußten dabei ihre ererbten Sitten den Gesetzen des herrschenden Volkes mit viel weiterem Horizont anzupasseu, als in irgendeinem anderen Lande der Zerstreuung geschehen. In ihrer neuen Hingebung vergaßen sie eine Pflicht, die ihnen seit den ältesten Zeiten ais hochheilig erschien, niemals: nämlich die Befreiung der gefangenen Brüder. Jedesmal, wenn die siegreichen Römer jüdische Gefangene nach Rom führten, so infolge oer Kriege des Pompejns im Jahre 63 v. Ehr., so infolge jener des Despasian und Titus im Jahre 70 n. Ehr., tonnten sich diese auf die volle Solidarität ihrer Stammesbrüder, die frei geblieben waren, und die zum Teil in günstigen ökonomischen Verhältnissen lebten, Hoffnung machen. Die also befreiten Gefangenen, deren Nachkommen den Flamen „Libertin" annahmen, erfreuten sich des römischen Bürgerrechts, das heißt, sie durften mit einer gewissen Beschränkung das Wahlrecht ausüben, ohne jedoch öffentliche Aemter, die lediglich den Senatoren und den Mitgliedern des Ritterstandes Vorbehalten waren, einnehmen zu können. Die Römer selbst wurden die jüdischen Sklaven, deren unbezw in gliche Anhänglichkeit an ihrem religiösen Ritus, vor allem deren hartnäckiger Widerstand gegen die Arbeit am Sabbat, sie ihren Herren zur Last machten, sehr gern los. Die erste. Niederlassung einer jüdischen Gemeinde in Nom wird sich wahrscheinlich im R i o n e von T r a st e v e r e, Transtibertinnm, dem Wohnsitz der armen Leute, befunden haben. Dort hausten die kleinen Händler und Schiffer, angezogen durch die Nähe des Hafens von Ostia, dort konnten sie verschiedene bescheidene Berufe, die in den Zentren^ des kaiserlichen Noms mit seinein blendenden Luxus verboten waren, ausüben. Das Stadtviertel von Trastevere war von jeher den Ueberschwemmnngen des Flusses ansgesetzt, welche die elenden Hütten der Bewohner ungesund und unsicher gestalteten. Erst mit den: steigenden Wohlstand Roms sielen auch einige Sonnenstrahlen ans diesen Rione, es entstanden die kaiserlichen Gärten, die inan auf dein Wege durch Transit b e r t i n u in erreichen konnte. Da sich die ersten jüdischen Gemeinden zum Teil aus freien Handeltreibenden, die ans Palästina und den griechischen Inseln herbeigeströmt waten, zum Teil aus befreiten Sklaven in niedrigen und elenden Verhältnissen zusammensetzten, so entstanden außerhalb des Rione von Trastevere, welcher die früheren Kriegsgefangenen aufsog, andere Gruppen in der Nähe der Via Appia, des Hains der Egeria und ans dem Esquilin. In diesen beiden letztgenannten Gegenden haben sich wahrscheinlich die Juden in besserer wirtschaftlicher Lage niedergelassen. Die ersten Bemerkungen über die jüdische Bevölkerung im öffentlichen Leben von Rom gehen ans eine Rede, die Cicero im Jahre 59 v. Ehr. gehalten, zurück. Ein römischer Beamter, L. Valerius Flacons, war von Laelius der Erpressung öffentlicher Gelder während der Ausübuing seiner Amtshandlungen als Proprätor der kleina-statischen Provinzen angeklagt worden. Unter anderem hatte man ihn beschuldigt, die Spenden, die für den Tempel zu Je-rnsalem von den verschiedenen jüdischen Gemeinden dargebracht worden waren, beschlagnahmt zu haben. Der große Redner, der die Berteidig'U'Ng der ungerechten Sache angenommen, hatte, suchte den Angeklagten mit folgenden - Worten rem zu waschen: „Nun kommt die Klage wegen des verhaßten jüdischen Goldes! Und dies ist der Grund, daß der Rechtsstreit an den Stufen der aurelianischen Säule zum AusLrag kommt! Du, o Laelius, hast diesen Ort und diese Bühne für die Anklage gewählt. Dabei ist dir wohl bekannt, wie zahlreich diese Rotte ist, wie bief'c Leute in allem Zusammenhalten, und welche Macht sie bei Vo-lksdersaiMiMlungen verkörpern. Ich will leise sprechen, damit nur die Richter mich verstehen, denn es fehlt hier nicht an Hetzern der Menge gegen mich wie gegen alle Mitglieder der Aristokraten- Partei, und ich mag ihnen keine so günstige Gelegenheit bieten .... Die Masse der Juden, die oft in den Volksversammlungen tobt, und dies, als wäre es zum Allgemeirnoohl des Staates, nicht zu achten, ist ein Beweis von standhaften Grundsätzen." (Cicero. Reden gegen Flaccns. Kapt. 67.) Daraus ergibt sich die schnelle und starke Organisation der römischen Juden schon zur Zeit Eiceros, u-nd wenn man auch mit den gewohnten rhetorischen Ilebertrcibungen rechnen muß, so vermag man sich doch das aurelianische Forum, das nächste zum Rione von Trastevere, rings um -ben Sitz des Gerichts von einer Menge, die den öffentlichen Reden der Parteien über die Konfiskation der frommen Spenden des Tempels von Jerusalem mit Eifer lauschte und sonnt durch h\:c Impulsivität, welche dem Stannn zu eigen, seine fieberhafte Aufmerksamkeit bewies, bevölkert vorstellen. Cicero bezeichnet es als einen Akt des Muts, sich ihrer üblen Laune a-usznsetzen, er scheint zu befürchten, daß seine beleidigten Zuhörer schließlich die Stimme des Redners übertönen, und so einen. Druck ans die Urteilskraft der Richter ansüben konnten. In derselben Rede erinnert er zum Schluß an die politische Schwäche des von Pompesn-s besiegten jüdischen Staates, ein ausreichendes Motiv, um Worte der Verachtung und der Ironie ans jenes Volk zu schlendern. ... - Es bleibt eine Tatsache,, daß die Indien schon ein halbes Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung einen nicht zu übersehenden Einfluß ans das öffentliche Leben in Rom ausübten. u. .(Aus dem Italienischen von Margarete M a r a s Is e, Berlin.!

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