Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 24 (12.6.1924)
- Date
- 1924-06-12
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.359 Treuga dei. Um des gemeinsamen Vaterlandes willen...! Nach fünf Jahren menschenmörderischen Kampfes und ebensoviel Jahren verschleierten Kriegszustandes beginnen die Voller der Welt langsam aus ihrem Rausche Zu erwachen und zur Besinnung 31t kommen. Sie haben einsehen gelernt, daß mit den Mitteln der Gewalt das Glück doch nicht -zu erreichen ist. Die ganze Welt lechzt nach Frieden. Doch fühlt sie sich ohnmächtig, ihn aus eigener Kraft zu erringen. Uebermacht kann wohl für eine Weile äußere Waffenruhe erzwingen. Doch vermag sie es, den Seelen zu gebieten? Kann sie die dumpfe Wut, den rasenden Groll, den unheimlichen Haß in den Seelen der Geschlagenen ersticken? Muß sie nicht fürchten, daß ein Augenblick kommt, wo die Verzweiflung alle Bande sprengt und es zu einem neuen fürchterlichen Ausbruch der Feindschaft kommt? Die Menschen hatten sich aus sich selbst gestellt, glaubten, daß sie aus sich selbst im steten Kampfe aller gegen alle den Ausstieg zur Höhe vollbringen könnten. Und nun ist ein Schrecken in ihre Herzen gefahren. Znsammengebrochen ist alles, worauf sie gebaut, die mächtigen Berge und die ragenden Hügel, die hohen Türme und die befestigten Mauern, die stolzen Schiffe und die kunstvollen Erfindungen des Menschengeistes. Gebeugt ist der Hochmut des Menschen und erniedrigt der Stolz der Männer, und erhaben der Ewige allein an diesem Tage. In seiner Ohnmacht und Hilflosigkeit flüchtet sich der Mensch zu seinem Gotte Treuga dei, Gottesfrieden heißt die Losung. Der wahre und dauernde Frieden ist nicht zu gründen ans noch so starke Heeresmacht und Waffengewalt. Er kann seine feste Bürgschaft nur finden in dem Gewissen der Menschen, das sich dem Spruche und der Forderung des allmächtigen Gottes beugt. Gottessriede, erhabener Gedanke, Erfüllung tiefster Menschensehnfncht, Trost der Schwachen, Hoffnung der Bedrückten, Heilsquelle der kranken und zerrissenen Welt! Wer hat diesen göttlichen Gedanken zuerst gedacht, wer versuchte es, mit ihm die rohe Kraft zu bändigen, durch ihn die Welt zum echten Glück zu leiten? Tag für Tag versammelten sich im heiligen Tempel zu Jerusalem die Priester, breiteten segnend die Hände über ihr Volk und kündeten ihm als höchstes Glück den Gottesfrieden, Und später in gärender Zeit, da die Völker anfingen, gleich reißenden Wölfen über das schwache Lamm Israel herzusallen, verkündeten gottbegeisterte Männer der ganzen Welt den erhabenen Traum des Gottesfriedens. Gegen die brutale Faust des gewalttätigen Esau erhoben die Jakobssöhne den nimmer verhallenden Ruf des Friedens für den Nahen und den Fernen. Und wenn der Traum nun Wirklichkeit werden, die himmlische Stimme nun endlich gehört werden soll, so sind wir die Km der von Israels altem Stamm die ersten, die für sich auch Anspruch machen auf dieses Erbgut ihrer Väter. Ihr Völker der Welt, gebt uns endlich Ruhe, gebt uns Frieden. Wir wollen in Frieden mit euch arbeiten und unsere Bürger- und Menschenpslichten erfüllen. Schweres habt ihr an uns verschuldet, und jetzt ist diese Schuld über euch gekommen. Man hat uns gemartert, gefoltert, gemordet. Ihr tatet mit oder schwieget. Man hat unsere Seele gepeinigt, gelästert und geschändet. Ihr sähet ruhig zu. Man hetzte uns wie wilde Tiere über die Erde. Keine Hand rührte sich. Wir waren das Manöverterrain für die Mächte der Ro-lMit und Vergewaltigung. Wundert ihr euch, daß diesen Mächten der Uebungsplatz bald zu klein wurde, daß sie sich ein größeres Feld aussuchten. So konnte der Brand ausbrechen, der die ganze Welt ergriff. In diesem Sinne ist es richtig: Nicht die Juden tragen die Schuld an dem Kriege, sondern die Schuld an den Juden wurde zur tieferen Ursache des Krieges. Man sieht nicht ungestraft durch Jahrzehnte zu, wie Recht und Gesetz gebrochen werden. Ist es ein Zufall, daß die verheerende Pest dort ausbrach, wo der Seuchenherd am größten war? Du deutsches Volk, an dich wenden wir uns? Sollten wir bei dir kein Verständnis finden? Schwer tragen wir mit an deinem Leide, denn wir wissen, wie das Brot des Elends schmeckt. Wir lieben dein Land, in dem wir bald zwei Jahrtausende mit dir wohnen, seine lachenden Felder, seine grünenden Auen, den rauschenden deutschen Wald, deine schneebedeckten Grenzberge und das brausende Meer, das deine Küsten umtobt. Wir lieben den trauten Klang deiner'Sprache. Sie ist uns Muttersprache geworden und auch geiblieben, wenn du uns grausam in die Ferne triebst. Wie oft freuten sich deine Krieger, wenn ihnen die heimischen Laute in fernen Gauen entgegenschallten. Wir lieben deinen himmelstürmenden Geist, den tiefen Forscherdrang deiner Weisen und die herzbewegenden Weisen deiner Sänger.. Wir bewundern deine unermüdliche Arbeitskraft mnd deinen trotzigen Bekennermut. Und nun sitzest du so einsam; du großes Volt, du mächtige Nation, du stolzes Land bist hörig geworden! "Du, weinst in der Nacht, Tränen sind auf deinen Wangen. Kein 1 Tröster ist da. Alle deine Freunde haben dich treulos verlassen. Wir mber, dankbar für das, was du uns gegeben, wollen mittragen, Mitarbeiten, langsam und geduldig, wie vieltausendjährige Erfahrung es uns gelehrt, an einem neuen stolzen Ausstieg. Doch wie? Man stößt uns zurück. Propheten sind in deiner .Mitte ausgetreten, Männer eines neuen Geistes, sie wollen dich allein ' aus dir selbst zu neuem Leben erwecken. Doch mit welchen Mitteln? :Sie lehren die Kinder den Haß und die Lüge und den vergiftenden Neid. Sie geben Ihnen ein Beispiel, die Boten zu verhöhnen und die Gotteshäuser zu besudeln. Sie unterweisen ihre Jünglinge darin. den Gleichstrebenden zu verachten, ihn in seiner Menschenwürde zu kränken, unschuldige Frauen zu beschimpfen, redliche Arbeit zu verleumden. Wie lange noch soll diese Drachensaat in deutschen Landen gesät werden? Will man wieder warten bis zu den Tagen unheilvoller v Ernte? Ihr Priester des Herrn, wollt ihr weiter es schweigend mit ansehen, wie der Schoß gelästert wird, der euer Heiligstes geboren? Ihr Männer' des Geistes, glaubt ihr es verantworten zu können, wenn die euch anvertraute Jugend in steten Hassesorgien schwelgt? Ihr Männer des Besitzes, glaubt ihr, die zur lodernden Flamme angesachte Begehrlichkeit werde an euren Häusern vorübergehen? Ihr Männer der Arbeit, wollt ihr es dulden, wie ein Geist der Ueberhebung gezüchtet wird, der nur darauf lauert, euch in neue Bande zu schlagen. Ihr alle, wollt ihr der Welt das beschämende Schauspiel bieten, daß ihr, die ihr mit tönender Stimme über Rechts'bruch und Vergewaltigung klaget, in eurer eigenen Mitte die Vorbereitungen zu gleichem Unrecht und Gewalttat zulasset? Wir Litten euch, nicht um unseretwillen — denn wir vertrauen auf unseren alten Gott, der uns bisher geholfen hat und auch weiter Helsen wird —, nein, um euretwillen, um des genreinsamen Vaterlandes willen, für das wir mit euch geblutet, machet diesem Kampf ein Ende! An ihm wird das deutsche Volk nimmer genesen. Es ist wie eine zehrende Krankheit, die zum Tode führen muß. Treuga dei, Gottessriede sei die Losung. Wir haben jedes Quäntchen unserer Kraft so bitter nötig, wenn anders lvir wieder in Ehren unser Haupt erheben wollen. Vergeuden wir sie nicht mit unnützem Haß und törichter Feindschaft. Wie schön ltnb wie lieblich ist es doch, lvenn die Kinder eines Landes in Eintracht bei einander wohnen, gemeinsam alle Kraft anspannen zum Wahle der Gesamtheit. Hört unseren Nus! Wir werden nimmer aufhören, ihn mit eherner Stimme ertönen lassen: Treuga dei, Gottessrieden! IschTik w 0 h. Eine Schmähschrift gegen di e Jesuiten n a ch berühmte in M u st e r. Ein Titel voll Kinoromantik: „D i e e n t d e cf t c n s ch w a r z e n H e n k >e r des d e u t s ch e n Volkes nnb da s b l u t i g e K 0 m ödienspi e l u m B n y e r n u n d Reich, n m Hitler u n d L >u d e n d 0 r f f. Von K. v. W i d d u m h off." Aber der Titel enttäuscht nicht, denn es dürste kaum möglich sein, auf knapp 100 Seiten wahnwitzigere Phantasien zusammenzntragen, als es der anscheinend pseudonyme Verfasser dieser Schrift versucht hat. Wenn es wirklich ein Trost ist, Genossen im Unglück zu haben, können wir Juden uns getröstet fühlen. Denn alle schwarzen Schandtaten, die früher uns angedichtet wurden, werden hier den Jesuiten nachgesagt. Genau im Stil der „Geheimnisse der Weisen v 0 n Zion" wird hier der Jchuitenorden als ein für jüdische Zloecke arbeitender Geheimbnud hingestellt, der durch unsichtbare Hände die Geschicke der Welt lenkt. Natürlich keine Spur eines wirklichen Beweises, alles nur böswillige und sinnlose Kombinationen. Als Quelle wird unter anderem — A y l w a r d t zitiert! Wie in früheren antisemitischen Hetzschriften ein ungenannter Rabbiner auf einem, niemand weiß wann abgehaltenen Kongreß in Krakau, so entwickelt hier ein „I e s u i t e n g e n e r a l" aus einem sagenhaften Kongreß in Chiari seine schwarzen Pläne. Nur ein paar Stichproben aus der Anhäufung von Unsinn: „Die Ordens oberen bestehen in der Regel aus getauften g r 0 ß k ap i t al i st i sche n I n d e n." Die Jesuiten haben den Weltkrieg entflammt, haben Wilson geschoben, um den Schandvertrag von Versailles zustandeznbringen, haben Robert Blum erschießen lassen und haben den Kamps vor der Feldherrnhalle in München am 9. November 1923 veranlaßt, wobei nur irrtümlich statt Ludendorsss der ihm ähnlich sehende von der Pfordten erschossen wurde. (Wer beide Männer kennt, weiß, daß von Aehnlichkeit keine Spur ist; von der Pfordten war einen Kops größer als Ludendorff.) „Die w e n i g st e n G r 0 ß banken in Deutschland gehören noch den Juden. Sie sind in der H a u p t s a ch e in die H ü n d e der Jesuiten ü b e r g e g a n g e n." Auch die großen Brauereien gehören fast alle den Jesuiten, desgleichen das Warenhaus Wertheim. Stinnes wird als Jesuiten-Sachwalter bezeichnet usw. Zuletzt werden dem Jesuitenorden auch noch die vielen „M orde und Mordversuche an völkisch tätigen Männern, darunter an Hitler und L u d en d 0 r ff", zur Last gelegt. Aus der anderen Seite scheut der wirre Sinn des Verfassers nicht davc^c Zurück, den Jesuiten ebenso wie die Förderung des Separatismus auch zur Last zu legen, daß sie den ganzen A n t i s e m i t i m u s , insbesondere in Bayern, ins Leben gerufen und betrieben hätten. Daß auch dies ein Ziel der jüdisch-jesuitischen Weltherrschaft sein soll, übersteigt unseren schwachen Verstand. Die durch die Lektüre der „Weisen von Zion" vorbereiteten Leser werden wohl auch diese Anhäufung von Widersprüchen gläubig verschlingen. " W. L.