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Central-Verein-Zeitung · 1924-06-05 · 23 (5.6.1924) · p. Seite 342

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
23 (5.6.1924)
Date
1924-06-05
Page
Seite 342 (sequence 6)
Language
German
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„Der Neubau ües Deutschen Reiches." . O s w a l d S p e n g l e r ü b e r d i e V ö l k i s ch e n. In gewaltigem- .Wurfe hat Oswald S P e n g l e r der bewunddernden Mitwelt den „Untergang des Abendlandes" geschenkt. Er hat neue große Probleme gezeichnet. Er hat m einzigartiger Weise Antwort auf die letzten Fragen gesucht, und keiner, der besonnenen Schrittes durch die Gegenwart geht, wird an diesem Werke vorbei können. Es ist gleichgültig, ob man allem zustimmt, was Spengler mit durchdringendem Blicke und klingendem Stile niedergelegt hat. Ein Verdienst besonderer Art ist es schon, daß viele besinnliche Menschen durch das Spenglersche Werk zur Ueberlegung, Zum Weiterdenken angeregt werden, daß_ es den Einblick in neue, unbekannte Ländergebiete des Geistes eröffnet hat. Vor wenigen Wochen hat uns Spengler eine kleine Schrift „N e u b a u des Deut s ch e n Reiche s" (Verlag C. H. Beck, München) beschert, in dem er sich im wesentlichen mit brennenden Gegenwartsfragen in einer bestimmten überparteilichen Stellung beschäftigt. Das Buch ist mit um das Vaterland besorgter Feder geschrieben und nimmt Zn Problemen Stellung, die außerhalb der satzungsgemäß festgelegten Tätigkeit unseres Central-Vereins Liegen. Das eine sei nur bemerkt, daß auch in dieser Schrift, dw allerdings allzusehr unter dem Eindruck der politischen Kämpfe der Gegenwart geschrieben ist, manches Wundervolle an Gedanken und Vorschlägen, manches Treffende an Erkenntnis der Gegenwart und Wegbereitung für die Zukunft niedergelegt ist. Bittergallig sind Spenglers ausführliche Bemerkungen über den „Sumpf" der Gegenwart; und alle die Parteien, die diese Gegenwartsarbeit eingeleitet und sie bis auf diesen Tag unterstützt haben, müssen sich den leidenschaftlichen Zorn des ergrimmten Verfassers und eine vernichtende Kritik gefallen lassen. Man Lut Spengler unrecht, wenn man aus seiner Schrift das, was er über die Völkischen sagt, hier herausnimmt; denn sie muß im ganzen gelesen werden. Aber seine Worte werden den vielen christlichen Lesern dieser Zeitung zeigen, wie ein Mann von so hervorragenden Geistesgaben, der gewiß niemanden: zu Liebe und zu Leide seine Feder ansetzt, über die völkische Bewegung unserer Tage denkt. Dabei darf hinzugesetzt werden, daß Spengler in keiner Weise und in keiner Zeile seiner Bücher bisher irgendwie dem Judentum Freundlichkeiten gesagt hat, und daß er in dieser Hinsicht tatsächlich über den Parteien steht. Auf den Seiten 17 und 18 seiner Schrift führt Spengler das Folgende aus: „Anfang Juni 1795 rechnete man in Paris täglich mit der Ausrufung des Königtums, die nur dadurch aufgehalten wurde, daß der junge- Prinz in diesem Augenblick im Temple starb. Es erscheint die jeun6886 doree, entschlossene junge Leute, die von den Jacobinern genug hatten und mit Fäusten und Stöcken unbekümmert um die schweren Fragen der Politik. Verwaltung und Wirtschaft die neue Epoche einleiten wollten. Nun, die Völkischen sind zene zeune88e doree von heute, aus derselben Ursache hervorgegangen, von demselben Geist getragen. Sie haben die gleiche, leicht entzündliche Begeisterung, den gleichen Taterldrang, dieselbe Ehrlichkeit und dieselbe Beschränktheit. Weder die einen noch die anderen ahnten etwas von der Schwere staatsmünnischer Ausgaben in einem durch unb durch verwüsteten Lande; sie sahen auf kühle Erwägungen verächtlich herab, und sie hatten wenig Lust, sich ernsthaft um prosaische 'Einzelheiten der Währung, der Arbeitstage, der Verwaltung, der Finanzen und auswärtigen Beziehungen zu kümmern. Es war genug, wenn die Jacobiner ihre Stöcke ans den Rücken fühlten. Die kurze Geschichte dieser Bewegung ist noch nicht geschrieben, aber der Mangel an Verständnis war damals der gleiche wie heute, wo er Realpolitik auf Rassegefühle aufbauen möchte. Diese Gefühle mögen noch so allverbreitet, tief und natürlich sein, sie sind keine Unterlage für große Politik, mit der ein Land regiert oder gerettet werden soll. Jede Staatskunst und jeder gesunde Volksinstinkt nimmt Begabungen, wo er sie findet, die Franzosen in Napoleon einen Italiener, die englischen Konservativen in Disraeli einen Juden, der russische Adel und Klerus in Katharina II. eine Deutsche. Und in keinem politisch erzogenen Volk der Welt geht man davon ans, obwohl die Engländer und Amerikaner in Nassefragen sicher leidenschaftlicher fühlen als die meisten Deutschen. Dies und die kindlichen wirtschaftlichen Ansichten und Utopien sind so verzweifelt deutsch im übelsten Sinne, so michelhaft und provinzial, und schneiden die völkische Bewegung und damit die in ihr ruhende gewaltige Stoßkraft so vollkommen von allein ab, was durch Begabung, Erfahrung, Macht und Beziehungen politisch und wirtschaftlich ernst zu nehmen ist, daß diese Bewegung bestimmt zu sein scheint, den Boden auszuwühten, aber nur, um einer gefährlichen Gegenströmung Platz zu machen 1). Man wird sagen, daß ft Und, nebenbei gesagt, wie klein, flach, beschränkt und unwürdig steht neben dem englischen Satz „Right or wrong, my country!“ der deutsche: „Juden hinaus!", eine bloße Negation unter völliger Verkennung der Tatsache, daß die gefährlichsten antideutschen Züge, der Hang zu internationaler und pazifistischer Schwärmerei, der Haß gegen Autorität und Machterfolge, tief gerade im deutsch en Wesen begründet sind. Angehörige der eigenen Raffe sind immer gefährlicher als die einer fremden, die schon als Minderheit die Anpassung vorziehen muß, wenn man sie ernsthaft vor die Wahl stellt. Der englische Instinkt tut das, und mit großem Erfolge: jeder Fremde wird als Engländer anerkannt, wenn er und solange er für die Größe Englands mit seinen'Talenten, Mitteln und Beziehungen sich einsetzt. sie wenigstens als Pflugschar einer größeren Zukunft zählt, aber Die jeunesse doree hat nicht einmal das geleistet. Sre hat das Jacöbinertmn noch einmal lebensfähig gemacht und sonst nichts. Die Revolution ist erst durch Napoleon endgültig überwunden worden." Und weiter sagt er: „Die bessere Einsicht von Theoretikern spielt gar keine Rolle, und ebenso fommt es in der hohen Politik nicht aus Langschädel an, sondern aus das, was darin ist. Auf das Treiben ber jeunesse doree, das niemand ein Gefühl der Sicherheit geben konnte, und aus den unter völliger Verkennung der Lage versuchten Putsch der Königlichen ltnb Vendemiaire 1795, den der Konvent in, plötzlicher Angst durch Bonaparte zusammenschließen ließ, er-; hielten die Jacobiner unerwartete Aussichten." Jetzt folgen Ausführungen (ans Seite 31), bei denen es sich um Staatsdienst und Persönlichkeiten handelt, und bei dem Thema „Verwaltung" er sich also üuhert: „Männer wie Krupp. Siemens, Borsig, Ballin, Stinnes hat dieser Riesenbetrieb trotz seiner großen Möglichkeiten nicht erzeugt, oder richtiger gesagt, nicht zur Entdeckung kommen lassen." Man ersieht jedenfalls daraus, daß er Albert Ballin, nicht, wie die „Weisen von Zion",- als jemand betrachtet, _ der von der Verfrachtung von Deserteuren und von der Verfrachtung von Mädchen für amerikanische Freudenhäuser seine Verdienste zieht. Daß Oswald Spengler durch seine gewiß keineswegs leidenschaftliche und übelwollende Stellungnahme es mit den Völkischen verschüttet hat, ist jedem klar, der diese Heißsporne kennt. Durch die gesamte völkische Presse geht schon ein Rundaufsatz von F. Roderich- Stoltheim, - in dem unter dem Titel „Oswald Spengler und die Völkischen" Spenglers Schriften als ein „Gemisch von wichtigen Bemerkungen und unklugen Spitzfindigkeiten mit vollständig fremden und verfehlten Schlußfolgerungen" bezeichnet werden. 3tt üer Wüste. Betrachtungen zu nt Wochenabschnit t. Und der Ewige redete zu Mose in der Wüste Sinai. Aus dem Völkergewimmel Aegyptens, aus dem üppigen, genußübersättigten Leben seiner alten Kultur, fort von den ragenden Denkmälern des Menschenstolzes und der Selbstvergötterung, führte der Herr sein Volk in die öde, einsame, Wasser- und ertraglose Wüste, um es empfänglich zu machen für seine erhabene Offenbarung. Israels Menschen sollten sich in ihrer ganzen Schwäche und Hilflosigkeit erkennen und dann rufen: Wir erheben unsere Augen zu allem Stolzen, Hohen und Nagenden, was sonst dem Menschen Weisheft, Trost und Hoffnung schenket. Von wannen wird uns Hilfe kommen? Aber da ist keine Stimme, kein Laut, der ihm antwortet. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig als das Wort: „Meine Hilfe kommt vom Ewigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde."^ Wie findet der Sterbliche seinen Weg zu Gott? E i n s a u: m u ß er sein, allein und verlassen wie in der Wüste. Da ist kein Wanderer weit und breit. Kein Menschensuß in der Runde, alles versinkt im heißen, gelben Sande. Du schaust dich^um nach Rettung, keiner weist dir den Weg, zeigt dir den Pfad., sehnsüchtig schweift dein Blick in die Ferne. Du siehst fruchtbare Auen, weiße Burgen, stolze Schlösser, geschäftiger Menschen Getümmel. Eilends lenkst du deine Schritte zum Orte des Heils. Erschöpft hältst du inne in deinem Laufe. Vergebens, eine Täuschung, eitles Blendwerk der Sinne. Da sinkt der sengende Ball des Tagesgestirnes. Schwarze Nacht umhüllt dich. Verloren. Doch nein, flimmernd funkeln die Sterne. Sie zeigen den Weg, sie weisen die Richtung. Dankerfüllt lobt dein Herz den Schöpfer, der sie gesetzt. Ohnmächtig und hilflos muß der Mensch sein, wenn er zu Gott finden soll, h i l s l o s w i e i n d e r W ü st e. Tagelang schon irrtest du umher. Dein Brot ist vertrocknet, dein Wasser versiegt aus dem ausgedörrten Schlauche. Entkräftet und verschmachtet brichst du zusammen auf glühendem Saude. Wie lange wird es dauern, und du versinkst. Die Ruhestätte wird dir zum Grabe, bald bleichen deine Gebeine. Da horch, eine Engelsstimme in der Ferne, ein leises Rieseln und Rauschen. Noch einmal raffst du dich auf mit letzter Kraft. Ta ist sie, die rettende Stätte, der sprudelnde Quell des Heils, der kühlende Schatten nährender Bäume. Aufschluchzend preisest du den, der in der stunde der letzten Not dir geholfen. Demütig muß der Mensch sein, seines Nichts sich bewußt, seiner Wertlosigkeit, wie es ihn die Wüste lehret. Dann wird er den Weg finden zu seinem Gotte. Herrenlos ist die Wüste, keinem zu eigen, denn keiner schätzt sie, um sie in Besitz zu nehmen. Trage auch du, o Mensch, solch Bewußtsein in deiner Seele. Wenn keiner dich mag, niemand von dir wissen will, alles dich mit Füßen tritt wie den Sand der Wüste, so wisse es: Einer ist da, dein Erlöser lebt, er strecket erbarmend die helfende Rechte und hebt den Demütigen zu den Höhen seines Thrones. , Einsam, hilflos, demütig war Israel in der Wüste, und so fand es seinen Gott. Einsam, hilflos und demütig ist das echte Israel auch geblieben in der Wüste des Völkerlebens. Sollte es sich nicht wieder zurücksinden zu seinem Vater in: Himmel? Kommen wird wieder der Tag, wo der Herr redet zu feinem Volke in der Wüste. I s ch Tikwoh.

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