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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-29 · 22 (29.5.1924) · p. Seite 325

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
22 (29.5.1924)
Date
1924-05-29
Page
Seite 325 (sequence 9)
Language
German
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325 Unterstützt öen Gppenhermer-Henostenjchastsfonösl Von Prozessor Dr. Erik N ö l t i n g. Vor kurzem wurde in diesen Blättern des 60jührigen Geburtstags gedacht, den Franz Oppenheimer, der bekannte Nationalökonom und Soziologe der Frankfurter Universität, am vorletzten Märztag d.. I. beging. Eine Fülle von Kundgebungen der Liebe und Anhänglichkeit ist bei dieser Gelegenheit aus den verdienten Forscher aus aller Welt eingeströmt, hat alte Zweiselssucht zerstreut, das Herz erwärmt und den- Willen zu neuer Zuversicht angespornt. Eine Gefühlswoge, die hochkämmig heranrollt, dann schnell wieder verebbt. Soll es damit sein Bewenden haben? Wir denken, nein!' Und darum wissen wir es Oppenheimer zu Dank, daß er die Gelegenheit ausgriff, aus rasch verströmendem Gefühl die bleibende T a t zu wecken. Seine Siedlung Bärenklau bei Berlin zu stützen, und auszubauen, ihr die wirtschaftliche Blüte und die beabsichtigte v o l k s e r z i e h e r i s ch e Wirkung zu ermöglichen, ruft Oppenheimer seine Freunde und Anhänger zur Sammlung eines Eenossenschaftsfonds auf (einzuzahlen auf Konto „Dr. Franz' Oppenheimer, Professor, Sonder- Konto". Postscheckkonto Frankfurt cu M. Nr. 144 826). Was will das Oppenheimersche Siedlungsexperiment, das durch diesen Ausruf vor eine breitere Oeffentlichkeit tritt? Ist es ein Glied in der großen Reihe jener utopischen GründuN gsunternehmungen, die zerstherbt und mißachtet in sattsam bekannter Zahl an der Straße unserer wirtschaftlichen Entwicklung liegen, die über solch fromme Träume erbarmungslos hinwegschritt? Ist es eine private Gelehrtenschrulle, eine exzentrische Laune, ein nutzloser Sprung in abseitiges Idyll? Wer sich je in die Oppenheimersche Gedankenwelt vertiefte weiß, daß die ländliche Siedlungsgenofsenschaft als gradlinige. Praktische Konseguenz aus den hier gezogenen Schlußfolgerungen heranswüchst. Der Kapitalismus mit all seinen volkszersetzenden, kulturverwüstenden Erscheinungen entstammt nach Oppenheimer einer ungerechten, dabei unzweckmäßigen und die ökonomische Wohlstandsentwicklung verhindernde Bodenbesttzvcrteilung. Das junkerliche Großgrundciaentmn, die „Bodensperre", ragt als ein Ueberbleibsel grauer GewaltzeiL in unsere aus friedlichen Arbeits- und Tauschbeziehungen zufammengeslochtene Wirtschaftsordnung, verhindert ihre natürliche Harmonie und erschwert ihre normalen Funktionen. Nicht der freie Markt und der ihn beherrschende Wettbewerbskampf sind soziale Hebel, vielmehr ist ihnen bei unbehindertem Rblans eine höchst heilsame Regulierungs- und Ausgleichstendenz zuzuerkennen. Ebensowenig ist das industriell entfaltete Gewerbeleben der zu bekämpfende Mißwuchs. Die Elemente der bürgerlichen Wirtschaftsordnung (privates Eigentum, Freiheit des Vertrages, Wettbewerb und Eigenverantwortung) find nach Oppenheimer in ihrem Kern durchaus gesund, so daß gemäß seiner Anschauungsweise der radikalere Umwandlungsplan der Sozialisten Zumindest einen unnötigen, dabei wahrscheinlich in die Irre abführenden Umweg bebeutet, um zu jenem Ziel einer Gesellschaft „der Freien und Gleichen" zu gelangen, das allen vorschwebt. Nur lastet das von bewaffneter Erobererfaust einst als Beute genommene und bis heute im wesentlichen behauptete Kroß grundeigen tum auf dieser an sich guten und auch Wohl bleibenden Ordnung Aeich einem unstetigen Vermächtnis. Dasin den Besitzsormen des GroßgrundeigenLums gebundene Land vermag seinen alljährlichen Bevölkerrmgsnachwuchs erfahrungsgemäß nicht seftznhaltm, der deshalb m dre stäotischen Industriezentren abströmt und hier die „industrielle Reservearmee" auffüllt, aus deren latenten und akuten Lohndruck, wie Erterfluß aus einer Wunde bricht, kapitalistische Rente und kapitalistischer Profit als arbeitslose Einkommenströme breit hervorguellen. Der ständig vom Großgrundbesitzerland in die Städte absließende, von Oppenheimer zahlenmäßig belegte Einwandererstrom ruft alle ökonomischen und sozialen Uebel notwendig hervor, an denen unsere Zeit krankt: das überhitzte Tempo der Jndustriealisierung, den imperialistischen Exportkapitalismns mit der ständigen Gefahr kriegerischer Verwicklungen, die Verproletarisierung der Arbeiterwafien, unhaltbare hygienische Zustände und eine allgemeine' Kulturarbeit, in der jedes höhere Geistesleben zu versinken droht. Unerbittlich und mit prophetischer Anklagewucht, in seinem grimmen Zürnen keinem Sozialisten nachstehend, hat Oppenheimer der Zeit ihr verzerrtes Bild entgegengehalten und mit äußerfier Eindringlichkeit immer wieder zur Besinnung und Abkehr aufgerufen. Denn er, der ehemalige Arzt, glaubt die heilende Medizin m den Händen zu halten, die ohne alle gewaltsamen Doktor-Eisen- Larth-Kuren die Gesundung der totkranken Gesellschaft ermöglicht. Brechung der Bodensperre heißt die große Löseformel. Nicht durch Austeilung des Landes in parzellierten Bauernbesitz. Zuviel Baulichkeit, Gerätschaften, großzügigere und rationellere Wirtschaftsführung würde bei solcher Zwergwirtschaft unverwendbar werden. Mit dem Bauernland, das bleibt und aus ehemaligem Großgrundbesitzerland neuen Zuwachs erhält, soll die landwirtschastliche ProdukLivgenosienschast in erfolgreichem und förderlichem Wettstreit konkurrieren, die wohl die Großbet r i e bs form, nicht aber die lahmende Groß eigentums form beibehält, die nicht mehr mit landlosen, uninteressierten, verwahrlosten, oft halb idiotischen Kulis wirtschaftet, sondern mit'geweckten, selbständigen, am eigenen Erfolg interessierten Genosienschaftlern. Wird so das Land genossenschaftlich ausgeschlossen, dann schließt sich die unheilvolle Wunde von selbst, die heute wie Ströme roten Blutes eigentumslose Menschenmassen in die Städte ergießt, die dort die wilde kapitalistische Orgie heraufführen. Es schwinden der schroffe Klassencharakter der Gesellschaft, die grellen Besitz- und EinkommenZunterschiede, da nun der Rrbeitsmarkt nicht mehr unter dem chronischen Druck der beschäftigungslosen Zuwanderer steht, so daß sich jener von Adam Smith beschriebene Zustand wieder herstellt, daß „zwei Meister einem Gesellen nachlausen und sich überbieten". Eine ungemein starke, sehr gleichmäßig.verteilte Wvhlstandsentwicklung ist die Folge, die materielle Grundlage einer gesunden Bürgerkultur, die weder verproletarifiert noch bourgeoisiehaft ausartet. Hat sich menschliche Hoffnung und Erlösungssehrrsucht hier nicht träumend Zu weit verflogen? Sind alle diese glänzenden Deduktionen von absolut zwingender Gewißheit? Auch wer durch bittere Enttäuschungen mehrfach verbrannt und darmn einer skeptischeren Beurteilung zuneigend hie und da gegenüber der stürmenden Glaubensgtut heimliche Fragezeichen zu setzen sich genötigt suhlt, wird keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß wichtigste Zusammenhänge und. Ur]achenverkettungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hier bloßgelegt worden sind und daß der vorgeschlagene Weg unter allen Umständen bis ans Ziel gegangen werden muß, selbst wenn dabei nichts als eine neue Erfahrung zu den alten hinzugewounen würde. Dafür aber fehlt es an materiellen Mitteln, so glanzend der schon bisher w Bärenklau erzielte Erfolg sich selber ausweist. Diese bis zur äußersten Grenze des Möglichen auch von den Lesern dieses Blattes zu erbitten, ist die dringliche Absicht des Schreibers dieser Zeilen. Soll noch eigens darauf verwiesen werden, wie eng gerade auch spezifisch jüdische Interessen mit Oppenheimers Werk verflochten find? Daß hier aus Gründen der allgemeinen Wohlfahrt der Kampf gegen eine Kaste ausgenommen wird, die stets bestrebt war, in geflissentlicher Falschrnünzerei von ihrem überlasteten Sündenkonto auf das jüdische Konto umzubuchen, damit der Jude schuldig erscheine für jene Zersetzung und mannigfache Volksschädigung, die in Wahrheit auf das noch immer ungebrochene Regiment' der alten Machthaberklasse Zurückzuführen ist. Aber es bedarf wohl nicht erst des besonderen Hinweises solch enger Jnteressenberührung. Wo wichtigste Entscheidungen allgemein menschlicher Art auf dem Spiele Pehen, wäre es beschämend, noch eigens pro domo sprechen zu müssen, damit auch das deutsche Judentum sich auf seine Pflicht gegenüber einem Werk besinnt, das einer seiner besten Söhne in reinster Absicht durchzusühren unternommen hat. Wer bezahlt „Lachen links"? Eine neue Verleumdung gegen den C. D. , Der „M i e s b a ch e r Anzeiger" vom 4. Mai und die „R i e d e r d e n L s ch e Z e i t u n g" vom 4. Mar veröffentlichten Notizen über das Witzblatt „Lachen links", in denen sie zunächst den Redakteur des Blattes in unerhörter Weise angrissen und verleumdeten und ferner festftellten, daß der Central -Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das Witzblatt finanziere. Es hieß darin, man habe den Redakteur Auttner gefragt, wer denn das Geld für -das neue Witzblatt bezahlen soll, und er habe darauf ' geantwortet: „Er würde die Sache schon machen. Er werde die Hakenkreuze reichlich in den ersten Nummern anwenden, mit diesen Nummern dann zum Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gehen und sagen: ^-eht, so mache ich das Blatt, nun zeigt Euch mal erkenntlich." Der Redakteur des „Lachen links", L a n d t a g s a b g e o r d n e - ter Erich Kuttner, verlangt jetzt von den beiden Zeitungen gemäß 8 ll des Preßgesetzes Berichtigung der verleumderischen Notizen. In dieser Berichtigung weist er zunächst die Angriffe gegen seine Person zurück und widerlegt dann die verleumderischen Behauptungen über die angebliche Finanzierung durch den Central-Verein wie folgt: „Es ist nrrwah?, daß ich bei einer Weihnachtsfeier einem führenden Genosien gegenüber die Aeußerung getan hätte, ich würde mir die Mittel für das neue Organ „Lachen links" beschaffen, indem ich die Hakenkreuze reichlich in den ersten Nummern anwenden, mit diesen Nummern dann zum Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gehen und diesen auffordern würde, sich erkenntlich zu zeigen. Wahr ist, datz ich diese Aentzermng weder getan, «och irr einer ihr entsprechende« Weife gehandelt habe, ferner, daß die von mir geleitete Zeitschrift „Lachen links" sich infolge ihrer großen Verbreitung und Auflage völlig aus eigenen Mitteln hält, ja erheblichen Ue Vorschuß abwirst und "auf Unterstützung von außenstehender Seite in keiner Weise angewiesen ist." . „ ^Wir erwarten auch in unserem Interesse, daß 'der „Miesbacher Anzeiger", die „Niederdeutsche Zeitung" sowie andere Provinzzeitungen, die möglicherweise diese Notiz noch gebracht haben, diese Berichtigung veröffentlichen werden.

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