Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 21 (22.5.1924)
- Date
- 1924-05-22
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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307 war und vielleicht auch in der Natur der Sache bei solchen Vorgängen liegt, war das, daß behördliche H i l s e i m A u gl e nblick nicht zu erlangen war und somit B ed ro h u ng en mit tatsächlicher Gewalt bestanden, die durch einen behördlichen Schutz nicht mit der notwendigen Schnelligkeit, d. h. ohne Gefahr für Leib und Leben für die Betroffenen beseitigt werden konnten. Daraus folgt des weiteren, daß die Betroffenen einem, wie das Gesetz sich ausdrückt, gegenwärtigen Angriff ausgesetzt waren, den sie selbstverständlich von sich abweh reu durften. Danach konnte es auch nicht mehr zweifelhaft sein, da ein einzelner schließlich nicht Hunderten und Tausenden gegenübertreten kann, wenn er nicht mit Sicherheit totgeschlagen werden will, daß auch ein Zusammenschluß zur Abwehr dieser Angriffe gestattet war und es sich somit nicht mehr um einen Haufen handeln konnte, der, wie die Rechtsgrundlage der Anklage, § 127 StGB.., verlangt,, „unbefugt" gebildet .war. Das Vorhandensein der Notwehr schloß nach der zutreffenden Ansicht des Gerichts das „unbefugt" aus. Das allein wurde der Begründung des freisprcchenden Urteils zugrunde gelegt. Dabei ist bedeutungsvoll, daß das Gericht die Vorauss e tz u n g e n d e r Notwehr nicht nur subjektiv, d. h. als in der Annahme der Angeklagten vorliegend, angesehen hat, sondern als objektiv gegeben.' Nach' seinen eigenen Kenntnissen der Verhältnisse, die insbesondere aus mehreren vor der gleichen Kannner schwebenden Tumultsachen herrührten, hat das Gericht als festgestellt angenommen, daß tatsächlich eine Bedrohung für Leib und Leben nicht nur bestanden hat, sondern Angriffe schwerster Art ausgeübt worden sind. Das rechtfertigt im vorliegenden Falle den Zusammenschluß zur Abwehr. Dieses Ergebnis einer sachlich außerordentlich ruhig und vornehm geführten Verhandlung erscheint mir deswegen so überaus wichtig, weil es geeignet ist, uns die Grenzen der Abwehrmöglichkeit zu zeigen, und weil diejenigen, die an den Dingen unmittelbar beteiligt sind, leicht der Gefahr ausgesetzt sind, über das zur Abwehr erforderliche Maß hinauszugehen. Das würde Notwehrüberschreitung sein, und es bedarf keiner Hervorhebung, daß eine Verurteilung wegen einer solchen Sache bedauerlich und für unsere Feinde eine Freude wäre. Ms unserer Arbeit. Unsere Aufklärungsarbeit in öffentlichen und geschlossenen Versammlungen hatte kurz vor den Wahlen ihren Höhepunkt erreicht, so daß es kaum möglich ist, jede einzelne Veranstaltung hier zu würdigen. Namentlich in den Gegenden, in denen der Kampf gegen die Juden am lebhaftesten tobte, fanden allerorten Versammlungen statt, deren reger Besuch den guten Willen der besonnenen Kreise um Aufklärung und den wahrhaften Mut der Veranstalter bewies. Wiederum fanden in Ostpreußen große öffentliche Versammlungen statt, die von Tausenden besucht wurden. Der Vorsitzende des Central-Vereins, Justrzrat Dr. B r o d n i tz, und der Direktor des Central-Vereins, Dr. Ludwig! Holländer, sprachen in Königsberg und Tilsit über „Deutschtum und Judentum" und über die Anklagen, die immer wieder gegen die Juden erhoben werden. In der Aussprache versuchten Völkiifche durch Zwischenrufe Unruhe in die Versammlung zu bringen. Ein Vertreter oer Kunze-Partdi erhob die längst widerlegten Vorwürfe gegen die Juden, aber Gemeinderabbiner Dr. Lewiön aus Königsberg fertigte den Diskussionsredner ab. Dieser össentlichen Versammlung schloß sich in K ö xx i gsberg eine Veranstaltung für geladene christliche Gäste an, tn der gleichfalls Dr. B r o d n i tz und Dr. Holländer sprachen. In der Aussprache nahmen unter anderen Oberregierungsrat Dr. Hosfmann und Dr. Reichelt (Zentrum) das Wort gegen die Völkischen. Auch diese Versammlung, an der unter den Vertretern von Behörden, Vereinen u. dgl. auch der Polizeipräsident und die Präsidenten des Finanzgerichtshoses und des Landgerichts sowie der Oberstaatsanwalt teilnahmen, ist als Erfolg wahrhaftiger Aufklärung zu buchen. Auch in Gumbinnen fand Herr Dr. Holländer eine große, interessierte Hörerschar. In Magdeburg sprach Dr. Jsmar Freund vor einem ausgewählten Kreise Gebildeter aller Konfessionen über „Judentum und Vaterland". Das gleiche Thema behandelte Dr. Freund in Stolp. Hier gestaltete sich die Veranstaltung des Central-Vereins zu einer gewaltigen Kunogebung, um so mehr, als in Pommern die Agitation der Völkischen und besonders der Deutschnalivunlen. geradezu ungeheuer gewesen ist. Hier in diesem Mittelpunkt der Agitation der Rechtsparteien waren vier- bis fünftausend Menschen der Einladung des Genträl-Vereins gefolgt. Vor einem geladenen Kreis christlicher Gäste, in der Hauptsache Lehrer, sprachen in Brandenburg Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil über „Deutschtum und Judentum" und Professor Dr. Hildebrandt über „Christentum und Antisemitismus". In Minden sprach Dr. Weil hauptsächlich vor Vertretern der Negierung und alteingesessenen westfälischen Bürgern und in Hamburg vor geladenen Gästen über das Schlagwort vom „internationalen Judentum" im überfüllten Saale. In einigen Städten des Rheinlands. Westfalens und Hessen- Nassaus, wie Düsseldorf, Osnabrück, Krefelds Fulda u. a., behandelte Dr. Alfons Steiger die hochaktuelle Frage: „Das neudeutsche Heidentum im Kampfe gegen das Christentum". Der Redner betonte in seinen Ausführungen, daß maßgebende christliche Kreise in dem Kampfe völkischer Kreise gegen evangelische und katholische Kirche eine ernste Gefahr für unsere Kultur erblicken. In Bremerhaven, Kiel und Lübeck wurden die Ausführungen Professor Erik Nöltings über „Das zersetzende Judentum" mit größter Anteilnahme ausgenommen, und in den Ortsgruppen Norden, Emden nnd Leer fand Rabbiner Dr. de Haas aufmerksame Zuhörer für seine Aus sich r un ge n über den Talmud. „Sind die Juden Deutschlands Unglück?" lautete das Thema, über das Lehrer Woywod (Berlin) in Hausberge bei Minden vor etwa 500 Angehörigen der bürgerlichen Schlichten sprach Er widerlegte die judengegnerischen Schlagwälder sachlich und betonte die Schicksalsgerne in'schast der jüdischen und nichtjüdischen Deutschen. In Stralsund, Swinemünde, Gollnow, Naugard und WoÜin versuchte Lehrer Kosler (Dresden) „Licht und Wahrheit über die Judensrage" in öffentlichen Versammlungen zu verbreiten. Er rechnete scharf mlit den völkischen Gegnern ab. Vom „Geiste des deutschen Judentums" sprach Rabbirier Dr. V o g e l st e i n (Breslau) in Hirschberg, Rabbiner Dr. E s ch e l - bacher in Pforzheim über das „Wahre Judentum", nnd Lehrer Ros erlblatt kennzeichnete in einer Versammlung in Leer den engen Zusammenhang der deutschen Juden mit ihrem deutschen Vaterland. Dieser Ausschnitt aus der Arbeit unserer Landesverbände und Ortsgruppen möge auch die Ortsgruppen, die bisher keine solche Versanunlungen veranstaltet haben, anspornen, die Aufklärung unter ihren Mitbürgern energisch einzuleiten. Denn wenn wir jetzt auch kurz nach der Wahl sind, so muß ohne Verzug die Ausklärnngsar'beit für die nächste Wahl mit aller Kraft einseßen. farbige llntenwdie Kauft man am basten bei i /Amt . Leipz/genstn Ö7 a. DönhoffpJafz l Bekannt für gute Ware « billige Presse! \ "Ich ver- und nahm m 5/s Monaten suchte Ihre 48 Pfund (amerikanisches Gewicht) ab, ohne irgendwelche nachteilige Wirkung zu bemerken. Aus freiem Antriebe, um auch meinen Mitmenschen behilflich zu sein, lasse ich Ihnen diese Zeilen zugehen", schrieb über Proleptin-Tab letten am 6. Sept. 1922 Herr Vbarles Ganz in New Bork, 81 th Street. Zahlr. ähnt. Dankschreiben liegen bei uns zur Einsicht. Grebe Laboratorium, Berlin 715 8HV 61. Versand durch Vcrsandapotheke. Handschuhe MDG