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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-22 · 21 (22.5.1924) · p. Seite 308

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
21 (22.5.1924)
Date
1924-05-22
Page
Seite 308 (sequence 8)
Language
German
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308 Leipzig, Srühl Ar. 5. Jüdische Witze alA völkische Wahlhilfe. Es gibt einen alten jüdischen Scherz: ein galizischer Jude Sch-mulche Pinkeles laßt sich in Deutschland. nieder uno vertauscht seinen nun „nicht mehr passenden" Namen mit dem nach seiner Meinung klangvolleren Samuel Wasserstrahl.' Schließlich, nachdem Herr Wasserstrahl-Pinkeles zu Ansehen und Vermögen gekommen ist, avaneiert er und nennt sich stolz: Monsieur de Lafontaine! — Der Jude war noch immer selber sein schärfster, aber auch witzigster Kritiker Man m i s ch e zum jüdischen Witz eine D o s i s L ü g e- und die völkische Infamie ist fertig! Während des jüngsten Wahlkampfes agitierte in Westdeutschland ein berüchtigter Antisemit, „Arbeiterführer" Doll e. Ich Hütte Gelegenheit, einer Versammlung des „Völkisch-sozialen Blocks" in Detmold beizuwohnen, in der Dolle sprach Der ganze Vortrag war eine zweistündige Schimpf- und Lügenkanonade gegen die Juden und die verjubele) Regierung. Dolle sagte u. a.: „In Leipzig, Brühl Nr. 5', im Hinterhause — meine Damen und Herren, ich stge chleinen Behauptungen ausdrücklich die genaue Adresse hinzu, damit ''-Lie jedes meiner Worte auf feine Wahrheit nachprüsen können (Dolle weiß genau, daß niemand das tut!) — also in Leipzig, Brühl Nr. 5, wohnte ein Jude mit dem schönen Namen Sch m u l ch e n Pinkeles. Er handelte mit Fellen. Etwa sechs Wochen später zog er ins Vorderhaus und brachte ein Firmenschild an: Samuel Wasserstrahl, Ankauf von Gold, Silber und Brillanten. Das Geschäftchen blühte, und ein halbes Jahr -darauf verzog Herr Wasserstrahl-Pinkeles nach Paris, Nne de la Foret, machte dort ein Bankgeschäft auf und daran prangte stolz die-Firma: „S. d e Lafontaine, B a n g u e". Das ist der Segen dieser ostjüdifchen Elemente!" Die Zuhörer Dolles, die zum größten Teile seine Anhänger waren, wieherten vor Freude und entrüsteten sich zugleich über die verfl . . . Juden, die sich durch Schiebereien und Betrug in kurzer Zeit vom Hippensell-Hausierer zum reichen Bankier empor—raffen. Und alles, was Dolle sagte, war pure, lautere deutsche Wahrheit, vorgetragen mit jenem gemütvollen Aufschlag (in diesem Falle leider etwas zu dunkel geratener) germanischer Augen und mit jenem echten sittlichen Pathos, das eben nur völkisches Wahrhastigkettsgefühl zu verleihen vermag. Die Zuhörer schworen aus diese treuen deutschen Augen und aus das garantiert echte 'Pathos völkischer Wahrheit . . . Nur ein Herr zu meiner Linken brummte vor sich hin: „Den W i tz kenne ich schon seit zehn Jahren." — , , Ich wandte 3 Mark Auskunftsgebühr an eine Anfrage beim Einwohner-Meldeamt Leipzig, wo ich erfahren wollte, ,. 1. ob in Leipzig, Brühl Nr. 5, Hinterhaus, während der letzten i . vier Jahre ein gewisser Schmul Pischeles (Pinkeles), Fell-!': Händler, 2. ob Brühl Nr. 5, Vorderhaus, der Inhaber einer Goldankauss^- stelle namens Samuel Wassersall (oder Wasserstrahl) gewohnt. Darauf ging unterm 8. Mai folgende Antwort vom Polizeip r äsrdi um L eip z i g ein: „Urschriftlich zurück mit dem Bemerken, daß weder Pischeles noch Wassersall im hiesigen Melderegister) zu ermitteln gewesen sind. Im Grundstück Brühl Nr. 5 sind beide nicht^bek a n n t." Diese Antwort hatte ich natürlich erwartet. Wer es ist nötig, auch Ke scheinbar überflüssige Arbeit wieder und wieder zu tun, um die unten antisemitischen Schmutzfinken' als ö s s e n t l i ch e S ch w i n dler brandmarken zu können. Denn Dolle hatte ja gesagt: jedes Wort seiner Rede sei Wahrheit; wie dies Stückchen mit Pinkeles- Mafserstrahl — so sei alles, was er in den zwei Stunden gesagt, reine, lautere, garantiert und patentiert deutschvölkische Wahrheit?, v« Was zu beweisen war^ Karl Rosenthal (Hörde). Antworten. Die Vorfälle im Fuldaer SMotzgarte«. 9Bfe berichteten iu Nr. 20 dev „C. V.-Zeituug" über die „Vorfälle im, Fuldaer Sch lo ßgarte n". Uw dev Legendenbildung, die erfahrungsgemäß nt deutschvsMschen Kreisen aus solchen Vor'kommnisseu zu entstehen pflegen, entgegentreten zu können. Littet der La n d e s v e r b a n d H e s s e n-- R a s s a u und H e s s e n Ortsgruppen und Gemeinden, Zeitungen, die von dem FuNaer Vorfall ent*, stellte Mitteilungen dringen, im Original dem Bureau Frauriurt a. SLeinweg 9, Zimmer 193, einzusenden. £>. Z., Bremerhaven, und andere. Dev angeblich non den Bremer Juden e r m o r d e L e d e u t s ch v ö l k i s ch e P a r t e r L e a m t e ist nach den Feststellungen der Bremer Polizei in dev Wahlnacht anschemend mit Geldern seiner Partei durchgebrannt. Es ist bezeichnend, daß die Bremer Völkischen diese vor allen sie beschämende Tatsache dazu benutzen, um erne Art Ritualmordhetze in Bremen einzuleiten. G. H., Berlin. Zn Nr. 13 der „L. V.-Zeituug," teilten wir mit, daß die Firma Günther H offmann, Berlin SW, Friedrichstraße 1ö, Briefbogen verwendet, aus denen sich das Hakenkreuz üb-evgeklebt befindet. Die Firma Günther Hoffmann teilt uns dazu mit, daß ihr jede antrsemrtische Tendenz fernliege. Sie habe dieses sogenannte ^„SwastEa- Zeichen^ im Jahre 1913 aus London mitgebracht, um es sich, als Warenzeichen schützen zu lassen. Damals war natürlich von einem Mißbrauch di-efes Zeichens als Kennzeichen des Antisemitismus noch keine Rede. Wie die Frrma versichert, hat sie diese Briefbogen aus dem Verkehr gezogen und benutzt ge nur noch aus Ersparnis als Durchschlagpapier oder für Notizen. Berichtigung. Zu unserer Liste den Hauptvorstandsmitglieder fügen wir als Ehrenmitglieder ergänzend hinzu: Justizrat Loevinson (Berlin!) und Geheimrat Kalisch (Berlin). Wem das Gold wieder rollt und du leidest an Verdauungsbeschwerden (Verstopfung, Fettleibigkeit, Galle, Sodbrennen, Hämorrhoiden), bist du doch ein unglücklicher Mensch. 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