Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 21 (22.5.1924)
- Date
- 1924-05-22
- Page
- Seite 305 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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305 von amerikanischen Juden erhalten. Man. -fra>ge nur unsere deutschen Künstler und Gelehrten, die vor oder nach dem Kriege dem deutschen Geistesleben drüben Freunde ..gewannen: wo habt ähr die gastlichste Aufnahme, das feinste Berstündnis, die größte Hilfe gesundend Die Namen amerikanischer Juden werden genannt. Sie, deren Väter oder Großväter, vom deutschen Antisemitismus angeekelt, jenseits des Ozeans eine neue Heimat fanden, sie lieben- Amerika als das Land, in dem sie als freie Bürger ein von grobeil Beschimpfungen Unbehelligtes Leben führen können. Aber viele haben das köstliche 'Erbgut deutscher Sprache, die Erinnerung an deutsche Wälder und /Lieder dankbaren Herzens sich bewahrt —, auch in den schweren /Zeiten des Krieges. In jüdischen Familien deutscher Herkunft haben .sich erschütternde Tragödien abgespielt, als Amerika in den Krieg gegen Deutschland eintrat. Ich kenne Fälle, wo Brüder vorgerückten Alters in Todfeindschaft geraten sind. Ich kenne jüdische Aerzte Deutscher Herkunft, die wegen ihrer „völkischen" Treue zu ihrer alten Heimat quälende Verfolgungen haben aushalten müssen. Ich kenne /Fälle, wo amerikanische Juden, die in inniger Liebe an deutscher ^Kultur hingen, lieber ihre Lebensstellung aufgaben, als in den ^Brunnen, aus dem sie getrunken, einen Stein zn werfen. Und Ich kenne Beispiele, die drüben allgemein bekannt sind, wo jüdische Männer, die in öffentlicher Stellung mutig dem Ansturm des -Deutschenhasses trotzten, infolge seelischer Erschütterungen' frühzeitig ins Grab sanken. Ich nenne nur den Namen '1 ii n st c x b e r g. Daß es auch andere gab, die der Haßpsychose verfielen, wen möchte das verwundern? Es waren darunter nicht wenige, die in ihrer Jugend antisemitischen Quälereien an deutschen Schulen und Universitäten ausgesetzt waren. Ein Beispiel aber, wie das von H. St. .Chamberlain, der seine englische Heimat während des Krieges in seinen Kriegsaufsätzen schmählich begeiferte, dürste bei ^amerikanischen Juden deutscher Herkunft gleichen intellektuellen Ranges nicht vorgekommen sein. Alle innere Politik ist abhängig von der äußeren. Der deutsche Massenantisemitismus ist im Begriff, eine wirtschaftlich und kulturell wertvolle Schicht des amerikanischen Bürgertunis deutscher Kultur zu entfremden.. Wer sich für die deutsche Zukunft verantwortlich suhlt, muß mit tiefer Betrübnis diese Tatsache feftstellen. Unsere Staatsmänner sollten diese Folge der Judenhetze nicht unbeachtet lassen. Man hat in Amerika das Wort vernommen: „Nicht mehr an der Weichsel, am Rhein verläuft die Grenze der Pogrome." So .übertrieben ein solches Wort auch ist, es drückt jedenfalls die von traurigen Ereignissen genährte amerikanische Meinung aus, daß die Barbarei des Zaristischen Rußland sich weit nach Deutschland vorgeschoben hat. Darob mögen junge Hakenkreuzler erfreut sein: Für den verantwortlichen Politiker bedeutet es eine neue Erschwerung unserer außenpolitischen Ausgabe. Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn hunderttausende ^amerikanischer Juden ihre Kinder nicht mehr anhalten, die deutsche Sprache zu erlernen. Der .Krieg war an sich schon eine Katastrophe für die deutsche Sprache in Amerika. Hitler und Genossen tun ein weiteres, -um der jungen jüdischen Generation die Lust am Deutschen zu vergällen. Ich konnte feststellen, daß in vielen amerikanischen Schulen jüdische und christliche Kinder .nicht wie bisher dem Deutschen, sondern dem Spanischen sich zusteweudet haben. Solche Wandlungen müssen sich schließlich auch politisch und wirtschaftlich auswirken, zumal, wenn die Verpöbelung des völkischen Rassenantisemitismus die Zahl jener amerikanischen Juden vermehrt, die ihre ablehnende Haltung gegenüber Deutschland mit den Worten begründen: Meine Ehre als Jude verbietet es mir, einem Lande meine Sympathie zu erweisen, in dem die öffentliche Beschimpfung des Judentums über alle Grenzen des Anstandes hinausgeht, und in dem meine Verwandten und Freunde nur um ihrer Abstammung willen zeitweise ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Vis jetzt hört man diese Worte noch selten — bis jetzt! ° Und schließlich sei noch auf folgende Tatsache hingewiesen. Ich kenne eine Reihe von Fällen, in denen junge Techniker zu Lebensstellungen gelangt sind mit Hilfe amerikanischer Juden, die wegen ihrer Abstammung in Deutschland nicht vorwärts kommen konnten. Sollte es aber allgemein üblich werden, was ich selbst mehrfach beobachten konnte, daß junge Deutsche, mit dem Hakenkreuz geschmückt und mit einer völkischen Zeitung in der Hand, amerikanischen Boden betreten, daun darf man sich nicht wundern, wenn amerikanische Juden diesen Trägern antisemitischer Infektion ihr Wohlwollen versagen. Es wird von niemandem verlangt, seine Gesinnung zu verleugnen. Wenn aber junge Menschen von skrupellosen Parteiführern schon auf der Schule in dem Wahn erzogen werden, das Hakenkreuz bereite den Weg zum Aufstieg Deutschlands, und man könne auch in der außerdeutschen Welt mit dem Hakenkreuz Sympathien für das Deutschtum gewinnen, so werden sie bei Christen und Juden peinliche Enttäuschungen erleben. Groß-Berliner Mitglieder! Mittwoch, den 28. Mai, 6% Llhr abends. Hackescher Hof, Rosenthaler Sir. 40-41. Äeichstagsabg. Ludwig Kaaö „Reichstag, Völkische und wir deutsche» Men". Gäste, durch Mitglieder emgeführt, willkommen. Die gesße Zoröerung» B e t r a ch t u n g z it m Woch e n a b f ch rt i t t. Des Bauern Herz hängt an seinen! Boden,, an seinem ererbten Grunde. Im Schweiße seines Angesichts entringt er ihm die Nahrung für sich und sein Haus. Hier fühlt er sich wie ein König. Er ist frei und unabhängig. Er hat nach niemandem zu fragen, ist kaum auf die Arbeit anderer angewiesen. Fest und klar ist inseiner Seele der Begriff des Eigentums ausgebildet. Er ist der beste Kämpfer für das Vaterland, er verteidigt sein Land mit seinem Blute. Sein höchstes wirtschaftliches Ziel ist es, fein Land möglichst auszuuntzeu, es au seine Kinder zu vererben. Da tritt an ihn die große Forderung des göttl i ch e n Gesetzes heran: „Mein ist das Land; denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei ntir." I n jede m s l e b e n t e n I a h r e m u ß j e g l i ch e Feldarbeit ruhen. Was dennoch wild wächst, hört auf dein unbeschränktes Eigentum ^zu sein. Es nurb herrenloses Gut. Alle dürfen davon genießen, du, dein Knecht und deine Magd, aber auch der gemietete Arbeiter, der Beisasse, der Fremdling bei dir und das Vieh und das Gewild in deinem Laude. Es bedarf deiner Erlaubnis nicht, du kannst und darfst Wen nichts wehren. Dein Herreur e ch t i st z e i t w e 11 x g a u f g e h o b e n. Nach der ganzen seelischen Einstellnng und Gemütsverfassung des Bauern ist es ein Ungeheures, das hier von ihm gefordert wird. Wir biirfcn uns nicht wundern, daß er sich lange gegen die Erfüllung dieses Gesetzes sträubte. Siebenmal siebzig Jahre wurde das Gesetz nicht beobachtet. Siebzig Jahre mußte Israel in die Verbau n u n g g e h c n und u n f r e i rv i l l i g erfüllen, wozu es freiwillig nicht gewillt lvar. Ein gewaltiger Erfolg ist es aber, daß das Volk nach dem Exil, wie die Geschichte uns berichtet, sich zur Erfüllung dieser Fo r der u n g e n t sch (o ß. Wir erleben es heute, daß Arbeiter nicht bloß zur Erringung materieller Vorteile, sondern auch ztir T rt r ch s ech u n g idealer Forderungen tage- oder wochenlang die Arbeit ruhen lassen. Wir beklagen oder bewundern das je nach unserer Parteistellung. Was will das aber besagen gegenüber dieser gigantischen Arbeitsruhe eines vollen Jahres seitens des wichtigsten Berufsstandes zur Manifestation der Idee der Unterordnung unter die Herrschaft des Göttlichen auf der Erde? Wir wissen nicht, worüber wir mehr staunen sollen, über die Strenge und Größe der Forderung oder über die erhabene Opferwilligkeit und das grenzenlose Vertrauen, welches sich in der Erfüllung bekundet. Kann inan einem Volke, das solches Gebot durch Jahrhunderte gehalten hat, noch den Anspruch daraus versagen, daß es Träger und Vorkämpfer des höchsten Jdealisnrus gewesen ist? Möchten auch wir, die wir, obwohl dem Boden entrückt, doch in unserem sonstigen beruflichen Leben Gelegenheit genug haben, durch Erfüllung der großen Forderung, die das Gesetz an rtns stellt, die U n t e r o r d n u n g u n t e r das Idea l zu betätigen, von diesem Beispiele lernen! Gott ward auch uns seinen Segen entbieten, und wir werden sicher im Lande wohnen. I s ch T i k w o h. MerkWÜr-ige Ilucht irr öie Geffentlichkeit. Die „Schlesische V o l k s st i m m e" i st auße r s i ch. Die Breslauer „S ch l e s i s ch e V o l k s st i m m eine Zeitung, die in jeder Nummer voll von Angriffen gegen Juden und Judentum ist, bringt in ganzseitiger Aufmachung „Veweismaterial", das dazu dienen soll, „Treibereien von jüdischer Seite aus Verdrängung der ,Schtesischen Volksstimme' zu kennzeichnen". So hat z. B. unser >B r e s l a ucr Landesverband es „gewagt", ein Gasthaus, bas von Touristen viel ausgesucht wird, zu bitten, die „Schlesische Wolksstimme" nicht auszulegen, bqmit „die Verhetzung nicht auch -in die freie Gotiesnatnr getragen wird, die für alle Menschen ohne Unterschied der Konfession zur Freude und Erholung dienen soll". So soll ein jüdischer Mitbürger einem Kaufmann, der eine Nie de r - ll a g e der „Schlesischen Vol'tsstimme" errichten wollte, gesagt haben: „Wenn Sw diese Zeitung vertreiben, kaufe ich nichts mehr bei Ihnen." Es ist uns unverständlich, wie ein völkisches Organ in diesem berechtigten Worgehen irgendein Haar findenwill. Während die Völkischen tagtäglich das Geschrei: „Kauft nicht bei Juden!" erheben, völkische Adreßbücher he raus geben, in Pommern den Boykott über Juden, nur weil sie Juden sind, verhängen, sollen die deutschen Juden bei Kausleuten verkehren, die jndengegnerische Zeitungen offiziell verbreiten, oder sollen es sich gefallen lassen, baß ihnen in neutralen Erholungsorten täglich antisemitische Angriffe unter die Nase gerieben werden. Wer deutschvölkisch gesinnt ist, mag, wie jeder andere Staatsbürger -auch, im stillen Knut merlein tun und lassen, was er will. Wenn er aber seine -Gesinnung öffentlich bekundet, so ist es doch eine Unaufrichtigkeit sondergleichen, zu verlangen, daß der >deutsche Jude mit dem, der alles Unheil auf ihn herabwünscht und diesen Wünschen Erfüllung zn geben sucht, Geschäfte abwickelt. Wenn Herr Maurenbrecher in seiner „Deutschen Zeitung" -im Textteil aus die Inden schimpft und im Anzeigenteil jüdische Geschäfts-- anzeigen sich gefallen läßt, so ist das, milde gesagt, kein überragendes Beispiel besonderer Charakterstärke. K