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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-22 · 21 (22.5.1924) · p. Seite 303

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
21 (22.5.1924)
Date
1924-05-22
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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303 Segen Judentum, Protestantismus und Katholizismus. Fr i t s ch w i rd d e u tl i ch. Im neuesten Hefte des „Hammer" (Nr. 526 vom 15. Mai) behandelt Theodor Fritsch im leitenden! Aussatz Ludendorffs Aeußerungen über den Katholizismus und wirst verschiedenen katholischen Blättern Entstellungen der Aeußerungen vor. Das ist aber nicht das wichtigste dieses Aufsatzes, sondern von entscheidender Bedeutung für Fritsch' Einstellung und damit weiter Kreise der Völkischen sind folgende Worte, mit denen der Aussatz schließt: „Wie ernstlich es diesen Kirchenstreitern (gemeint sind gewisse katholische Geistliche) um die Durchführung ihrer Plane zu tun ist, können wir täglich beobachten. Die Unschädlichmachung der Hohenzollern hat sich bereits erfüllt — im Bunde mit der jüdischen Internationale; und kürzlich konnten wir berichten, wie katholische Gesellschaften im Norden des Reiches fortgesetzt Güter kaufen, um dort katholische Niederlassungen zu errichten, ,tim mit einem Netz von katholischen Vereinen und durch eine Unzahl von Klöstern den protestantischen Herd zu umklammern und den Protestantismus zu erdrücken . . / Der aufrichtige Katholik aber, dem es um seinen Glauben ernst ist, wird sich fragen, ob ' diese weltliche Eroberungs- und Erdrückungspolitik eines herrschsüchtigen Pfaffentums sich wirklich mit der lauteren selbstlosen Lehre Christi verträgt, oder ob sie nicht im Grunde recht unchristlich ist. Letzten Endes aber wird das spekulative und unduldsame .Pfaffentum sich verrechnen: denn es regem fich Kräfte, die das Wesen der Religion von einer höheren Zirme ans betrachten) als die unduldsame und herrschsüchtige Kirche, und die am Werke find, die Menschenseelen zu einer erhabeneren Geisteswelt hinznfnhren, als fie bisher in Protestantismus nnd Katholizismus verkörpert war. Dann erst — in einem neuen geläuterten Glauben — wird wahrer seelischer Frieden in die Gemüter einziehen und das deutsche Volk sich in einer geistigen und politischen Einigkeit Zusammenfinden." Daraus geht also einwandfrei hervor, daß Fritsch nicht nur gegen das Judentum als Religion, gegen das er bekanntlich seit Jahrzehnten mit Wut und Haß anrennt, sondern auch gegen Protestantismus und Katholizismus zu Felde zieht. Mögen denjenigen protestantischen Deutschen, denen die überlieferten Formen ihrer Religion heilig und teuer sind, durch solche Aeußerungen die Augen aufgehen, was sie von der völkischen Beweg u n g für ihre religiösen Güter zu erwarten haben. Sie smö einander Wert. Fed er und Loringhoven. Einer der v Mischen neuen Reichstagsabgeordneten ist Gottfried Feder, Hitlers Wirtschastsminister. Er ordnete bekanntlich am 9. November in München die Verstaatlichung der Banken an, brachte aber selbst vorher sein Guthaben in Sicherheit. Unter den deutschnationalen neuen Reichstagsabgeordneten leuchtet der Breslauer völkische Professor v. Fr e y t ag - Loringhoven hervor, der, obwohl nach den „Serm Alliancen" jüdisches Blut in seinen Adern kreist, doch der grimmigste Judenfresser ist. Herr Professor v. Loriughoven, der sich bei jeder Gelegenheit in Wort und Schrift die „Prew tzische" ReickMersassung abzutun bemüht, hatte nun den anerkennenswerten Mut, Feders Schrift „D e r d e u t s> ch e Staat auf n a t i o n a l e r u nd sozialer G r u n b I a g e" anzugreifen. Und damit hat er Herrn Feders Achillesferse empfindlich getroffen!. Feder wütet: „Herr Professor Loringhoven sicht sich bemüßigt, das Buch „Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage" anzugreisen und zu begeifern, in der ganz charakteristischen Weise des schnoddrigen, hochmütigen Zünftlers. Dies hat nun aber noch seinen besonderen, Grund. Freytag-Loringhoven hat eine große Wut aus mich, als den Verfasser dieses Werkes (das Adolf Hitler den Katechismus der völkischen Bewegung genannt hat), weil ich! dem Herrn Professor in Schwerin in einer großen deutschuationalen Wähler- Versammlung eine gewaltige Niederlage bei gebracht habe . . . Der Herr Professor schien die Wahlversammlung mit einer Vorlesung verwechselt zu haben, denn in dozierendem, hochnäsigem Ton! — ohne jede innere Wärme und Leidenschaft — langweilte er seine j Wähler mit Skandalgeschichten «aus Reichstag und Regierung." Feder schließt seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Nein, Herr Professor, mit professoraler Hochnäsigkeit werden Sie weder mein Buch abtun, das demnächst in dritte? Auflage im 20. bis 25. Tausend erscheint, noch werden Sie mit Ihrem Herunterreißen den neuen Staat aufbauen. Viel wertvoller wäre es. Sie würden Ihren Witz anstrengen und selbst Ihre Vorschläge über Ihre Staatsvorstellung niederlegen. Vielleicht füllt Ihnen die Patentlösung ein — aber meistens langt esbei den Leuten aus der Zunft im besten Falle zu gehässiger Kritik — aber nicht zu schöpferischen Gedanken." Die völkische oberste Tugend soll Wahrheitsliebe bis zum letzten sein. Wenn das richtig ist, so hell der neue Reichstag nach dieser Schilderung ,ch e r v o r r a g e n b e Männe r", die über des Volkes Wohl und Wehe entscheiden sollen, unter sich. wer gehört zur Nation? Die Ahnenreihen der Habsburger und Hohenzollern. Die Münchener völkische Wochenschrift „Michel" veröffentlicht in der Folge 18 vom 4. Mai 1924 einen Artikel Don Prof. Dr. Otto Janker „Nassenfragen in den europäischen Herrschergeschlechtern". Er weist darin nach, daß die verschiedensten Glutströme in den Herrscherhäusern Europas zusainmengeslossen sind, und kommt zu folgen dem Ergebnis: „Wer fich die — allerdings nicht gerade geringe — Mühe nimmt, eine Ahnentafel z. V. Don Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm H. anzulegen, der wird zu seinem nicht geringen Staunen finden, daß sich unter den Ahnen beider Herrscher nicht nur alle deutschen Fürstengeschlechter, ferner nicht nur Arpaden und Przmysliden, Babenberger und Cillier Grafen befinden, sondern auch die bosnischen Kotromanitsch, die serbischen Nemanjiden und Brankowitsch, die bulgarischen Sismaniden, selbst die Walachen und Byzantiner. Was ergibt sich aus dieser Betrachtung? —- Daß wir ebensowenig wie bei den Völkern, so auch bei den Herrschergeschlechtern von einer reinen Rasse sprechen können. Dem Blut nach gibt es daher keine „nationalen Dynastien". Alles kommt darauf an, wie sich der einzelne Menlsch und die Völker in die von den Vorfahren übernommene Anschauungs- und Ge- .fühlsweise hi ne in leben und in ihrem Bewußtsein zu einer Nation z u s a m m e n w a chs e n. Diese Nationen wandeln sich allerdings nach und nach: der Germane von e i n ft m alsu n d der Deutsche von h e u t e is i n d g r u n dv e r s ch i e d e n, aber n i e m a l s geht eine Nation i >n eine andere über; immer unterscheidet sie sich scharf und bestimmt Don den anderen Nationen." Wir gehen diesmal mit dem völkischen Schriftsteller einig, denn auch wir sind der Meinung, daß nicht das Blut, sondern die von den Vorfahren übernommenen Anschauungen und Gefühlswege den Menschen' in feine Nation einreihen. Mit diem Stolze aus unsere jüdische Abstammung und unsere jüdische Religion vereint sich durchaus das uns Don unseren Vorfahren vererbte, in uns stark lebendige Gefühl deutscher V a t e r l a n d s z u g e h ö r i g k e i t. Der Tag öer Mutter. „F rauen und Mütter l e i d e n a m m e i st e n." Am Zweiten Sonntag im Mai wurde in verschiedenen deutschen Städten der Deutsche Muttertag gefeiert. Im Nürnberger Aufrufe dazu, den der „Fränkische Kurier" vom 10. Mai veröffentlicht, heißt es: „Der Gedanke, der deutschen Frau und Mutter einmal im Jahre besonders unsere Liebe, Verehrung und unseren Herzensdank zu bezeugen, hat etwas Erhebendes. . . . An diesem Tag soll der Dank des deutschen Volkes gegen seine Mütter, die starken Hoffnungen auf gesegneten Wiederaufbau im Hinblick auf die Mutter zum beredten Ausdruck kommen. Was die deutsche Mutter während des Krieges an Arbeit und Entbehrung, an stummem Weh und stiller Er g e b u n g getragen hat, welche schwere Last in diesen Zeiten wirtschaftlicher No t, in der Fürsorge für die Ihrigen ans ihren Schultern liegt, das rufe der deutsche Muttertag unserem deutschen Volk einmütig ins Gedächtnis! Unsere Frauen und Mütter leiden, still und unerkannt, unter der furchtbaren Schwere dieser Zeit am meisten. Vor dieser schweigenden Pflichterfüllung, vor der verantwortungsbewußten Würde, vor der vorbildlichen Hoheit der deutschen Frau beuge sich unser Herz und Haupt." Hut ab vor den lobenswerten Absichten, die so schöne Worte ausdrücken! Aber das Gefühl der Bitterkeit schleicht sich doch in des jüdischen Deutschen Herz! Schmäht man von gewisser Seite nicht täglich das Andenken unserer jüdischen Gefallenen? Wahl-! redner und Wahlslugblätter zerrten selbst diese Helden in die Niederung des Tageskampfes. Jedermann ehre seine Mutter, aber nicht minder — die der anderen. Einmütige Vere h r u n g den Müttern der G e f a l l e n e n , ob jüdischer oder anderer Herkunft! Solange unser deutsches Volk in allen seinen Teilen dies nicht begriffen hat, solange den jüdischen Soldaten und Gefallenen der Vorwurf der Drückebergerei frivol nach geschleudertwird und man sie, die für. ihr Vaterland ihr Herzblut hingegeben, trotzdem als „Schmarotzer¬ und Fremdvolk" in Deutschland zugehörig beschimpft und damit unseren Heldenmüttern bittere Stunden auch jetzt noch bereitet werden, so lange wird der deutsche Muttertag, der in seiner Anlage gewiß edel gemeint ist, bei uns jüdischen Deutschen recht bekümmertes N a ch d e n k e n über manche christliche Volksgenossen auslösen.

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