Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 19 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 Augenblick an in ihrem Programm zu schwanken, und zwar in dem entscheidendsten Punkte ihres Programms, da diese Partei nunmehr zu ihrer jetzigen Machtsülle angewachsen ist. Es ist unglaublich, und es ist doch so, diese Partei deutelt jetzt an der Entscheidung, wie sie sich zu den Borschlägen stellen soll, die die internationale Kommission über die Liquidierung der Zahlungen Deutschlands an die Entente-Mächte gemacht hat. Bis vorgestern stellte sich diese zweitstarkste Partei auf den Standpunkt, datz jene Vorschläge unter allen Umständen abgelehnt werden müßten, und daß jeder ein feiger, ein verkommener, ein kläglicher Deutscher sei, der diese Auffassung nicht teile. Und heute ist über diesen wichtigsten Programmpunkt der Deutschnationalen bereits ein leiser Schleier gebreitet. Die Deutschnationalen wollen in eine Regierungsbildung hinein, die unter allen Umständen unterstützt werden müßte von parlamentarischen Parteien, die für die Annahme des Dawes-Berichts eintreten wollen, die für die Annahme der jetzt vorliegenden internationalen Vorschläge zu stimmen bereit sind, mit anderen Worten,diese Partei, die zweit stärkste des Deutschen Reichstags, ist schon fast bereit, das anzubeten, was sie während des Wahlkampfes verfluchte und dessen Verwirklichung sie mit allen Kräften zu verhindern versucht hatte. Welch eine politische Konsequenz und welch eine politische Charakterfestigkeit — mit negativem Vorzeichen! Und weil dem so ist, darum erscheint der Ausgang des Wahlkampfes auch bei weitem nicht so bedenklich, wie er vielfach beurteilt wird. Der Ausgang ist gewiß unerfreulich; der Ausgang des Wahlkampfes ist gewiß kein Schritt auf der Bahn gesunder Regeneration für Deutschland. Aber als v e r hä n g n i s.v o l! kann man ihn nicht betrachten. Denn den Vertretern des bisher herrschenden politischen Systems, den Vertretern des inneren Friedens und des Friedens nach außen, den Republikanern und ihrem höchsten Vertreter, dem Reichspräsidenten Ebert, ist eine mächtige Waffe geblieben. Der Reichspräsident verfügt über die Waffe der Auflösung, wenn ein Parlament arbeitsunfähig ist, oder wenn ein Parlament den Staat augenscheinlich in das Verderben hinführen würde. Und so kann denn nicht früh genug darauf hingewiesen werden, daß diese Waffe im Notfall auch zur Anwendung kommen kann und zur Anwendung kommen sollte. Wenn das deutsche Volk unter Abweisung aller Fragen untergeordneter Natur vor die Entscheidung gestellt würde, ob es aus Grund des Berichts der internationalen Kommission mit den Mächten der Entente zu verhandeln bereit ist, oder ob diese Bereitwilligkeit jetzt n a ch den Wahlen zurückzunehmen sei, mit anderen Worten, ob Frankreich unter Passivität der anderen Entente-Mächte einen Freibrief zu weiterem Einmarsch, in das unbewaffnete Deutschland gewährt werden soll, ob das chauvinistische Frankreich die Möglichkeit schwerster Eingriffe in das Gefüge Deutschlands aus antisemitifchier Hand erhält, ob nicht; ob die Bahn weiter beschritten werden solledie bisher die Reichsregierung gegenüber den Entente-Mächten verfolgt hat, oder ob der K a m p f mit den Entente-Mächten in ein akutes Stadt u nr entsprechend dem bisherigen Programm der Antisemiten und Reaktionäre überzuführen sei —, tritt eine entschlossene und kühne Regierung mit dieser Alternative vor die Gesamtheit des deutschen Volkes, dann kann über den Ausgang eines zweiten Wahlkampfes ein Zweifel nicht bestehen. Auch die Antisemiten und Kriegshetzer werden sich über den Ausgang, der alsdann zu erwarten, ganz gewiß, einer Täuschung, bei der gesunden Veranlagung des deutschen Volkes, nicht hingeben. Eine solche Politik der Kühnheit und Entschlossenheit wäre ein herber, aber ein probater Gesündheitstrank. Es käme nur darauf an, die wahrhaft große und entscheidende Frage rücksichtslos und mit größten Deutlichkeit in den Vordergrund zu rücken, und 'der gesamte demagogische Spuk der letzten Wahkbewegung wäre damit verscheucht; und mit ihm die in diesem Augenblick winzige Judensrage, die in jedem Fälle ein wesenloses Phantom neben der Existenzfrage unseres Vaterlandes, des Deutschen Reiches ist. Etwas Festigkeit, etwas Kühnheit und der reaMon-äve Alpdruck, der heute vielfach die Gemüter belastet, ist verscheucht. Heiligkeit. Betrachtung zum Wochenabschnitt. Der Begriff des Heiligen als einesaus -der Masse der Gläubigen hervortretenden, sich durch besondere Frömmigkeit auszeichnenden Märschen, liegt dpr ursprünglichen jüdischen Denkungsart fern. Heiligkeit wird vielmehr dem ganzen Volke als Ideal ausgestellt: „Heilig sollt Ihr sein; denn heilig bin ich, der Ewige, Euer Gott!" Heilig sein, heißt also, wie Gott sein. Wie der jüdische Gottesbegriss Gott nicht in der Welt ruhen läßt, sondern ihm ein gesondertes Sein, getrennt von der Welt, über der Welt zuerkennt, so soll auch der jüdische Stamm seine Heiligkeit dadurch beweisen, daß er ein gesondertes Dasein, wenigstens in religiöser Hinsicht, getrennt von den übrigen Menschen führt. So erklären auch die Alten: Ihr sollt heilig sein, das heißt ihr sollt gesondert sein. So wird aus den Heiligkeitsgedanken Bezug genommen bei denjenigen Gesetzen, wie beim Sabbat, den Speise- und Ehegesetzen, die Israel nötigen, sich von den anderen Menschen zu sondern. Dieser Heiligkeitsgedanke ist aber nicht ein Ausfluß der Ueberhebung, als -ob seine Träger etwas Besseres sein wollten als die anderen, sondern nur der Ausdruck des Gefühls, daß es ihnen bestimmt ist, anders zu sein. Wie im Reiche der Natur nicht Gleichförmigkeit und Einerlei herrscht, sondern Mannigfaltigkeit und Wechsel, so soll a u ch de m N ei ch e des G e i st'e s jede Uniformte r u n g und Gleichmach e r e i serngehalten werden. Unter den Blättern desselben Baumes finden sich bei näherer Betrachtung nicht zwei, die einander völlig gleichen. Das tut seiner Schönheit, Frische und Kraft nicht im mindesten Eintrag. Wenn die Völker Blättern gleichen am Baum der Menschheit, so wird auch deren Blüte und Gedeihen nicht beeinträchtigt durch den verschiedenen Inhalt ihres geistigen und seelischen Lebens. Und wenn -das Streben unserer demokratischen Zeit daraus ausgeht, die Menschen jeder Eigenart Zu entkleiden, und ihnen auf geistigem Gebiete eine Uniform anzuziehen, gegen die sie doch auf politischem Gebiet so hart ankämpft, so erhebt die jüdische Weltanschauung Protest dagegen mit dem Ruse: Heilig sollt Ihr sein, jeder sein Sonderdasein führen, jeder sich seine Eigenart erhalten. Gleich fern einem alles nivellierenden Jnternationalisoans, wie von einem sich über alle anderen überhebenden Nationalismus, hat der jüdische Stamm unter Wahrung seiner religiösen Sonderart überall, wo er weilte, sich in die geistige und kulturelle Eigenart feiner Mitbürger eingesühlt und an der Entfaltung der nationalen Eigenart mitgearbeitet. Denn die w a h r e H a r m o n i e ergibt sich nicht aus der Gleich h e i t, sondern aus dem W e ch s e l und der M a n n i g f a l t i g k e i t. „Seid heilig", ruft er den Menschen zu, „und bringt die edle Saat, die unser aller Gott euch in die Seele gelegt. Zur Reife. Tragt köstliche Frucht, die aller Herzen erfreut, Gott und den Menschen zum Wohlgefallen!" I f ch T i k w o h. 21 völkische Zer'timgen in Hapern. Fritsch Zählt in feinem „Handbuch der Judensrage" 7 60 „jüdis ch e" Zeitungen und Zeitschriften auf. Er konunt zu dieser Anzahl dadurch, daß er jede nicht ausgesprochen völkische Zeitung als „jüdisch" bezeichnet. Bei der Neuauflage feines „Handbuchs" wird Herr Fritsch bei diesem Kapitel beträchtliche Veränderungen vornehmen müsien. Denn die völkische Presse extremster Richtung hat während der letzten Monate in einem Maße Zugenommen, das in starkem Mißverhältnis zur Bedeutung ihres Inhalts steht. Die Beobachtung der „G r o ß d e u t s ch e n Zeitung" (früher „Völkischer Beobachter") vom 13., 17. und 29. April läßt nun für Bayern überraschende Feststellungen hinsichtlich des Ilmfanges der völkischen Presse zu. Wir lassen die Zeitungen, die in diesen: Blatte erwähnt sind, alphabetisch nach Erscheinungsorten geordnet, folgen: A m b e x o : „Amberger Tagblatt": A n g s b u r g : „Augsburger Tageszeitung", täglich grohdeutsch; „Deutscher Mich", Freitag, parteilos, national; „Schwabenspiegel", Blatt des völkischen Blocks, jeden Samstag; Cham: „Der Grenzwaldbote"; Ebers borg: „Der Oberbayer",' täglich; Erlangen: „Fränkischer Beobachter", Dienstag und Freitag, großdeutsch; H o s: „Der Streiter", Mittwoch und Samstag; K e m p t e n : „Föhn", Samstag; K r o n a ch : „Der völkische Kämpfer", Freitag: Landshuk: „Niederbayerischer Kurier", großdeutsch; München: „Großdeutsche Zeitung", täglich zweimal; „Völkischer Kurier", täglich; „Deutsche Presse", täglich; „Fridericus", wöchentlich; Nürnberg: „Völkisches Echo" (Kellerbauer), Dienstag und Freitag; Regens barg: „Regensburger Anzeiger", großdeutsch; S t a f f e l stein : „St. Georg", Samstag; S u l zb a ch : „Sulzbacher Tagblatt"; Vohenstranß: „Vohenstranßer Warte"; Weiden: „Weidener Rundschau". Beobachtungenaus anderen Landesteilen werden ähnliche Ergebnisse zeitigen.