Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 18 (1.5.1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
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253 Moral- und Ehrbegriffe der Hhettojuden. G l ü ck e l H a m e I ns D en k w ü r d i g feite n (1646—1719). Die Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln, die eine reichliche Fülle tatsächlichen Materials enthalten, und unsere Kenntnis dev äußeren Geschichte der deutschen Juden und ihres Kulturzustandes i!n der zweiten Halste des 17. Jahrhunderts außerordentlich erweitern, sind so verbreitet, daß wir hier der Mühe einer Inhaltsangabe überhoben sind, aber es erscheint uns gerade in uniserer Zeit'notwendig, an der Hand dieses Buches die Moral - und Ehrbegriffe der G h e t t o j u d e n einer Betrachtung zu unterziehen. Sprechen doch die Antisemiten den Juden der Gegenwart, mit denen sie in einer Volksgemeinschaft leben sollten, jeden reinen Ehr- und Moralbegrisf ab und suchen mit Schlagworten von der jüdisch schillernden Talmud-Moral leider mit Erfolg die Kreise ihrer Anhänger schlaft immer mehr nnd mehr zu erweitern. Und erst reicht die Ghettojuden sind für diese antisemitischen! Kreise der Urbegriff des Schachertums, bar jeden Menschengesühls, deren einziger' Lebenszweck darin bestand, Gold und Geld anzusammeln und die übrige Menschheit zu betrügen und zu beschwindeln. Dabei vergessen die ehrenwerten Agitatoren mit Absicht, daß der materielle Besitz bei den damaligen Juden eine große Rolle spielen mußte. Den Ghettojuden wurde das Recht zu leben und zu atmen und der Schutz für ihre Habe und ihren Erwerb vom Staate und dessen Machthabern nicht als etwas S e l b st v e r st ä n d l i ch e s gewährt, sondern mußte stets durch g r o ß e O p s e r erkauft werden. Alle die vielen Schikanen und Beschwerden, denen die deutschen Juden jener Zeit ausgesetzt waren, konnten nur durch einen vollen Geldbeutel einigermaßen erträglich gemacht werden'. Aber bildete sich durch den Handel bei den Inden im Lause der Jahrhunderte auch der Erwerbssinn ans, so ist noch keineswegs bewiesen, daß damit eine hohe Schätzung der materiellen Güter an sich verknüpft war. Dagegen spricht, daß die Juden höher als den Besitz nmterieller Güter die Weisheit und G e l e h r - s a m feit schätzten, bctfc sie ihre Kinder unter vielen Kosten ausbilden ließen und an ihrem alten Glauben festhielten, trotzdem sie dadurch die größte materielle Einbuße erlitten. Auch die Glückel von Hameln führt in ihren Denkwürdigkeiten ihren Kindern wiederholeuÄi'ch zu Gemüte, wie wenig der Besitz von Geld und Gut o h n e d i e richtige Er f ü l l u n g der Pflichten gegen Gott und die Nebenmenfchen zu bedeuten hat. In der Einleitung zu ihren Denkwürdigkeiten ruft sie aus: „Wehe und abermals wehe den Frevlern, die um des Reichstums ihrer Kinder willen die künftige Welt verlieren und — für das Zeitliche das Ewige verkaufen." Diese Einleitung zeigt die moralische Anschauungsweise der damaligen Jiudenschaft, und um sie in vollem Umfange auswirken zu lassen, sei sie auszugsweise wiedergegeben. Nachdem die Glückel auseinandergesetzt hat, welche Motive ihr die Feder in die Hand gedrückt haben, fährt sie fort: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst! Aber wir finden es in unserer Zeit sehr selten und gar wenig, daß ein Mensch den andern von Herzen liebt — umgekehrt, wenn einer den andern von Grund auf verderben kann, so geschieht es gern. — Es gibt nichts besseres für euch, liebe Kinder: dient Gott mit eurem ganzen Herzen, ohne alle Falschheit und Heuchelei, daß ihr euch nicht etwa vor Leuten so stellet — und Gott behüte — in eurem Herzen anders denket. Euer Gebet sollt ihr mit Andacht und Gottesfurcht verrichten und nicht zur Zeit des Gebetes stehen und über andere Dinge sprechen. — Aus der Thora muß man regelmäßig ein Stück lernen, so gut man es weiß und kann, und alsdann fleißig auf seine Nahrung bedacht sein, daß man Weib und Kinder ehrlich ernährt, was auch ein wichtiges Gottesgebot ist, und besonders, daß man sein Geschäft ehrlich betreibt, sowohl mit Juden wie mit Nicht - j u d e n, daß nicht — Gott behüte — eine Entweihung des göttlichen Namens vorkommt. Hat man GeldoderWaren vonandern Leuten in Händen, so muß man mehr Sorge dafür haben als für das eigene, damit man keinem — Gott behüte — ein Unrecht tut. Denn das ist die erste'Frage in der künftigen Welt, ob man auch treu im Handel und Wandel war. —" So verfehlt es demnach erscheinen muß, die Moral der damaligen Juden als minderwertig anzusehen, ebenso falsch ist es, von der Annahme auszugehen, daß ihnen infolge der jahrhundertlangen Bedrückung und Oualen der Ehrbegriff abhanden gekommen war. Gewiß, durch das Gesetz und das bestehende Recht waren sie vonr Waffenbandwerk ausgeschlossen und sie kaiMsten im Turnier oder ritterlichen Hebungen ihre Ehrenhändel nicht aus, aber im heiligen K amps um ihre a n gesta m m Le Religion stunden sie t apser ih reu M ann, und in ihrem Berufe war es ihr vornehmstes Streben, für Ehrenmänner gehalten zu. werden. Dafür können die Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln, die in ihrer einfachen, treuherzigen Schilderung das ehrliche Bestreben erkennen läßt, die Resultate eigener Wahrnehmungen oder zuverlässige Mitteilungen anderer genau wiederzugeben, zum Beweise herangezogen werden. Für den Handlungsbeflissenen gibt es keine höhere Ehre, als daß er ehrlich in seinen: Gewerbe gewesen ist, und wie ein roter Faden zieht sich durch die Denkwürdigkeiten der Glückel, daß sie allen den Männern, die sie rühmend hervorheben will, das Prädikat „der Ehrlichkeit" beizulegen nicht vergißt. Und ihrem eigenen Vater rühmt sie nach: „Er ist keinem etwas schuldig gebliebeni und hat sichs gar sauer werden lassen, sich und 'feine Familie e h r l i ch zu ernähren." Ihrem eigenen vielgeliebten Manne C h a j i m H a m ein rühmt sie seine F r ö m m i g k e i t nach, vergißt' aber nicht, hervorzuheben, daß er sich nirgends gescheut und sich große Mühe gegeben hat, seine Frau und Kinder ehrlich zu ernähren. Als sie das Unglück hat, ihren Mann durch den Tod zu verlieren, gedenkt sie seiner in ehrender Form: „Ich bin in so großen Würden bei ihm gewesen und bin nun mit acht verwaisten Kindern zurückgeblieben.... Er hat das Glück gehabt, im Reichtum und Ehre von dieser sündigen Welt zu scheiden und hat keinen Kummer und kein Unglück bei seinen Kindern gesehen." Dagegen weiß sie jede e h r l o s e H a n b I u n g z u b r a n d - maxfVn, denn jede Schönfärberei ist ihr fremd. Die Ehrlichkeit schieint ihr das k o st b a r st e Klei n o d i m Schatze eines H a n d e l s t r e i> b e n-d e n, und deshalb kann es uns nicht Wunder nehmen, wenn sie bemüht ist-, jeden Makel, der den Namen des „e h r b a r e n" Mannes trüben könnte, zu bannen. Ihr Mann hinterließ sie in einem gewissen Wohlstände, aber sie mußte doch ein Debet von mehreren Lausend Mark begleichen. Diese Schulden ließen ihr keine Ruhe, und durch Verkauf von Waren deckte sie das „Soll", so daß der Name ihres Mannes fleckenlos blieb. Die dunklen Ehrenmänner, die überall nur Schatten suchen, sind unbelehrbar, aber die nach Wahrheit streben, denen rufen wir das Wort zu, das Lessing als Motto seines „Nathan" angewendet hat: Tretet ein, denn auch hier sind Götter. D r. Rothho l z. (terhemdertuKragen Hauff man am besten bet\ Lcipzigenöfr. öl a. Dönhoffplatz Bekannt für gute Ware u. billige Preise! i IMM.KI1.I.UI; Talkum Pud Ta fc % B ri 11 an-ti ne / H a arvaffer / 1 e't't e Myßikum iß ein geheimnisvoller Duft, der gehaltvolle Schwere mit Blütenreinheit in vollendeter Form vereint. Es iß ein Genuß, Myßikum als Parfüm, als Puder, Seife oder Toileftewaßer tu gebrauchen, und cs bereitet Freude, Menfdien um fich zu haben, die von dem feinen, prickelnden Myßikum-Äroma umgeben find. Myßikum-Stiß für die Lippen in heller und dunkler Tönung iß die neueße Ergänzung der Myßikum-Serie. Pa um e r i e S: e r B er in - JM e w.