Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 18 (1.5.1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Jus unserer Irbeit. Die Erfolge unserer Aufklärungsarbeit in christlichen Kreisen in Mitteldeutschland haben auch die anderen Landesverbände veranlaßt, ihre Arbeit nach dieser Richtung hin auszudehnen. Wie unangenehm sie den völkischen Kreisen ist, zeigen die Zeitungsinserate, in denen die völkischen Parteien ihre Anhänger vor dem Besuch unserer Versammlungen warnen. Sie wissen, daß unsere Aufklärung ihnen die Arbeit erschwert, und sagen ihren Leuten: „Jeder Deuüschblü tige, der dieser Einladung folgt, trägt dazu bei, daß eine restlose Klärung der völkij ch ent F r äg e v e t schoben w i r d." Diese Dunkelmänner müssen eben die Wahrheit fürchten, deren Licht zu verbreiten, unsere vornehmste Ausgabe auch nach den Wahlen sein mutz. In Ostpreußen, dem alten deutschen Lande, wo der Kampf um die Erhaltung des Deutschtums naturgemäß im Vordergrund aller Interessen steht, haben die deutschvölkischen Kreise überaus eifrig gearbeitet. Durch eine Reihe von Vorträgen unseres Hauptvorstandsmitgliedes. Dr. Jsmar Freund (Berlin) über „Die deutsche I u d e n f r a g e" bot man den Gegnern ein Paroli. In Königsberg war der Andrang so stark, daß der große Börsensaal abgesperrt werden mußte und viele Hunderte keinen Eintritt mehr fanden. Ter Besuch dürste auf 2000 bis 3000 Personen zu schätzen sein, unter ihnen viele Völkische. Dev geschickten Leitung unter Geheimrat F a l k e n h e i m war es zu verdanken, daß trotz der großen Erregung bis auf einige gelegentliche Aufwallungen hie Riesenversammlung in vollster Ruhe und Ordnung verlief. In der' Aussprache geißelte unter anderem ein gebürtiger Pole den törichten Antisemitismus und mahnte zu deutscher Einigung. Als dann ein Gegner das berüchtigte Protokoll der „Weisen von Zion" für echt erklärte, setzte Dr. Freund im Schlußwort eine Belohnung von 1000 Rentenmark für denjenigen aus, den: der Nachweis der Echtheit der „Weisen von- Zion" gelänge. Dieser öffentlichen Veranstaltung folgte am nächsten Tage eine geschlossene Versammlung vor g e l a d e n e in Publik u m, bei der Dr. Freund über innere Fragen und über die Stellung des Judentums im Staate seit der Revolution berichtete. In Rastenburg setzte sich die Zuhörerschaft zum großen Teil aus masurischen Bauern und Bäuerinnen, kommunistischen Arbeitern und vielen Jugendlichen' zusammen. Sie alle folgten dem Vorträge Dr. Freunds mit größtem Interesse und waren bei der Diskussionsrede eines deutschvölkischen Parteisekretärs, der sich bis zu der Aenßerung hinreißen ließ, „wenn die große Auseinandersetzung kommt, möchte ich kein Jude sein," derartig empört, daß sie rhu nicht zu Ende reden ließen. In Marienwerder hatten die Deutschsozialen vor dem Besuch der Veranstaltung des Central-Vereins gewarnt. Die Versammlung, die nur aus geladenen Gästen bestand, war von 250 Personen, darunter etwa 30 Juden, besucht. Tr. Freunds Vortrag fand auch dort so großes Interesse, daß ein Zwischenruf eines Arbeiterführers, der die Diskussion ablehnte, „weil sich gegen den Vortrag des Dr. Freund nichts Vorbringen lasse, das sei alles richtig gewesen", großen Beifall fand. In Marienburg sprach der Syndikus des Landesverbandes Ostpreußen, Kurt S a b atzky (Königsberg), m -einer Ausklärungsversammlung vor geladenen christlichen Gästen und Frau Ilse D o r m i tz e r (Nürnberg) berichtete in einer stark besuchten Mitgliederversammlung über die Lage der Juden in Bayern. - - In Eschwege und in Kassel sprach Rabbiner Tr. E siche lb -a che r (Düsseldorf) in Ausklärungsiversammlungen über „Tie Rassentheorie und ihre wirtschaftliche Bedeutung". Er bestritt den Rassenunterschied und bemerkte, das Entscheide n d e s e i der Wert der Persönlichkeit. Mit schlagenden Beweisen widerlegte er die Vorwürfe gegen die jüdische Religion, den Talmud und all die . anderen üblichen ungerechtfertigten Angriffe. In der Aussprache in Kassel nahm unter anderem Oberbürgermeister S ch e i d e m a n n das Wort. Ten Kampf gegen den Antisemitismus in Hessen habe kein anderer mehr'geführt als er, aber dieser Kampf dürfe nicht nur passiv durch. Widerlegungen und Richtigstellungen,-sondern er müsse aktiv geführt werden, indem man .allen Versuchen-.scharf, entgegentrete, die G lei chb er e ch t i g u n g i rg e nd w e lch e r V olksk r ei se,zu beseitigen. Antisemitismus sei.nur der Vorspann für alle Rückwärtser. „U e b e r R a s sie und Ratio n" sprach Professor Dr. Julius Gold st e i n (Darmstadt), in Oldenburg, Hameln, HilDesheirrr und Wilhelmshaven. Die Versammlungerl vor . geladenem Publikum waren gut besucht und die Ausführungen Professor Goldsteins fanden lebhaften Widerhall. Der Redner fetzte sich mit den Begriffen von Nasse und Nation auseinander und tadelte, daß die Judengegner Russe gleich Nation setzen, obwohl sich die Begriffe nicht decken. Wenn Nation und Rasse gleich wären, dann hätte die Abstimmung vn Westpreußen ein anderes Bild ergeben; denn z.B. die Masuren und Kaschuben könnten doch nicht deutschblütig genannt werden. Das Argument unserer. Deutschvölkischen machen sich die Polen zunutze und die Separatisten arbeiten im Rheinlande mit dem Argument: „die Preußen sind verslawt, die RhemfranM'''geWren'^ü''den Kelten" ' und ähnlich machen es die Wenden in der Larrsitz. Unter dem Wofto „D e u ksich t.u m „ Sh r r st.e n t u m , u n h I u de üt u m " stand eine Versammlung, die der Landesverband. Provinz Sachsenin Magdeburg emberufen hatte. Pastor List.. M o,e xi n g (Breslau) wandte sich gegen die Unsinnigkelten des Antrsem'itismus und der völkischen Bewegung. Der Erfolg dleser übenfüllten Versammlung beruhte in.der Hauptsache darauf, daß ein, bedeutender Vertreter des Christentumsder den nationalen Kreisen angehört, mit aller Deutlichkeit für die jüdischen Volksgenossen ei nt rat und einen scharfen> Trenn ungs stri ch gegen die Deuts chvölkischen zog. Liz. Moering sMd scharfe Worte gegen die Gedankenlosigkeit des Antisemitismus. Der Antisemitismus sei d u r ch u n d d u r ch u n d e u t s ch u nb it n christli ch. Hakenkreuz und Kreuz Christi vertragen sich nicht. ’ „D e r it e u d e u t s ch e H e i d e i m K a m p f gegen Jude n - t u m und C h r i st e n t u in" war das Thema, über das Dr. Alfons ' Steige r (Berlin) in Hamburg in der Vortragsreihe „das deutschvölkische Schlagwort" sprach. Dr. Steiger schilderte die kul- - turmörderische und kirchenfeindliche Tendenz der völkischen Bewegung. Nach dem offenen Eingeständnis des Herrn Jürgen v, Ramm sollen Kirche und Synagoge fallen- und deutschvölkische Schriftsteller, wie Dinker, Stolzing u. a., predigen den Glauben an den germanischen Gott. Gegen die s e d r oh e nd e V e r n i cht u n g d e s M o n o t h e i sm it s i n D e u t s ch l a n d müsse sich eine Ei-nheitssiront der Anständigen in allen Bekenntnissen und außerhalb aller Bekenntnisse bilden. Dr. Urias sprach anschließend über die Protokolle „Der Wersen von Zion". In Delmenhorst behandelte in einer Abwehrversammlung Lehrer Woywod (Berlin) die Probleme der Judenfrage, widerlegte die Schlagwörter der Antisemiten und hob die Pfl ichte r f >ii l l u n g der deutschen- Juden im Kriege h e r v o r. Die Ortsgruppe Stuttgart des Central-Vereins veranstaltete eine Versammlung vor geladenen Gästen, zu der vorzugsweise Akademiker und Beamte eingeladen waren. Dr. Ri eg er sprach^iber die Vorwürfe, welche gegen das Judentum in Hinsicht auf seine Sittenlehren erhoben werden-; er befaßte sich nicht mit der Widerlegung jeder einzelnen Verleumdung, wie sie seit Jahrhunderten gegen das Judentum vorgebracht werden, sondern er gab in glänzender Rede eine packende Uebersicht über die hohen sittlichen Ideale, wie sie das Juden-tum zu allen Zeiten seinen Bekennern als unumgängliche Forderung ausgestellt hat. Der Vorsitzende des württembergischen Landesverbandes, Dr. Feld mann, sprach über das Verhalten der Juden im Kriege und nach dein Kriege, über ihre Beteiligung an der Regierung und ihre Leistungen für die gesamte Kultur Deutschlands und entkräftete an Haud unwiderleglicher Zahlen dis tausenderlei Vorwürfe, die man gegen sie erhebt. Auch in der Nähe von Berlin war die Aufklärungsarbeit eine starke Notwendigkeit. Deshalb sprach in EberswaLde in einer geladenen Versammlung der Direktor des Central-Vereins Dr.Ludwig Holländer (Berlin) und in Potsdam Professor Dr. Goldstein (Darmstadt). In Potsdam hatte der Führer der alldeutschen Gruppe Professor Hugo Grell, einen Bericht über die Protokolle der „Weisen von Zion" veröffentlicht, worauf Hofprediger Dr. Vogel am Schluffe eines Artikels in der „Potsdamer Tageszeitung", der sich mit dieser Veröffentlichung befaßte, die Anregung gab, doch einmal durch einen sachlich und wissenschaftlich prominenten Mann zu diesen Fragen Stellung nehmen zu lassen. Auf diese Anregung gingen unsere'Freunde bereitwillig ein. und eine stattliche Anzahl Potsdamer Bürger wurde zu einem Abend geladen, in dem Politik, Wissenschaft, Forschung, Wirtschaftsleben sowie Justiz und Behörden gleichermaßen vertreten waren. Professor Dr. Goldstein wies in exakter, kritischer Prüfung die Herkunft und die Unterlagen der Protokolle der „Weisen von Zion" nach und deckte durch eine Reihe von Details die Widersprüche in der Autorenschaft auf. Danach schien es den völkischen Diskussionsrednern nicht mehr möglich, an ihrem Dogma festzuhalten. Sie gaben zunächst Vorwort s und Anhang der Schrift preis und verteidigten mehr' die zahlreichen Ungereimtheiten und polemischen Dekorationen in diesen Ausführungen. Die - z w e i t e w i ch t i g a E i n schränk u n g machte die Gegnerschaft mit dem Zugeständnis, daß sie selbst nicht das Indent u m i n seiner Ge samt h e i t für den Inhalt der Protokolle der „Weisen von Zion" verantwortlich mache, sondern - lediglich einen Tel l der O st j u d e n als die Vertreter dieser Ideen betrachte. Ein Diskusstonsredner hals sich damit, daß er schließlich dem - „anerkannten Judentum", dem er sogar eine'Verbeu-gun^. nicht, versagen konnte, den Rat erteilte, zwischen sich und den. anderen einen Trennungsstrich zu ziehen. Die Stimmung-“in der Versammlung konnte durch diese Seitensprünge der völkischen Gegner vom objektiven Urteil, das schon deutlich ausgesprochen war, nicht mehr abgedrängt werden, als sich noch beredte Vertreter der exakt e n F o r s ch u n g z u W o r t e rn e l d e t e n. Der Umfang unserer Arbeit unter unseren christlichen Volksgenossen muß stärker werden, gleichgültig, ob der Wahlausfall für uns günstige oder ungünstig wird. Im ersteren Falle würde er für uns. bedeuten: Weiter vorwärtsauf dem rechten Wege! im anderen Fälle: Nun erst rach t!