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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-01 · 18 (1.5.1924) · p. Seite 251

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
18 (1.5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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251 Völkischer Wahlkampf in Ostpreußen. Nächst Bayern ist heute Ostpreußen dasjenige Land, in dem die völlkische- Bewegung in Reinkultur gezüchtet wird. Innerhalb des letzten Vierteljahres! haben sich über die ganze Provinz null Einschluß der jetzt zu Ostpreußen - gehörenden Teile des früheren westpr.eüßischen Regierungsbezirkes -M et r i e n tt> erd e r die politischen Parteien, Organissationenl und nicht zuletzt die völkische Presse ausgedehnt. Stahl h e l m - u n d W e r w o l f b u n, d sind i-n jeden, kleinen Dorfe vertreten und treiben überall eine wüste antisemitisch e H e tz e. Im Wahlkampfe ringen die Deutschnationale Volkspartei, die Deutschsoziale Partei des Herrn Kunze und der Völtischsoziale Freiheitsblock der Richtung Hitler-Lndendorff um die Palme des Sieges. Jede dieser drei Parteien versucht, die andere in bezug aus übelsten Gossenantisemitismus 31t übertresftu. Allein in den letzten drei Wochensind in Ostpreußen dreineue völkische Blatter gegründet worden, darunter zwei Tageszeitungen: „Porch Völkisches Wegweiser des Ostens", der in Insterburg erscheint, ,.Deutschsoziale Warte" in Gumbinnen und die Zeitschrift „Tannenberg" in Königsberg. Das übelste dieser Hetzblätter ist zweifellos der ,Horck", der sich erd reistet, von „jüdisch-kommunistischen Mordorganisationen in Ostpreußen" 31t faseln. Das Blatt niimut den Fall eines jüdischen RechMandidaten in Br an nsborg, der das Unglück hatte, in der Notwehr einen ihn tätlich an greisen den ax 1 tiife 1 n111 ] cfi.e tu Bure au geh ilsen 311. erschießen, zu uv Anlaß, um von dem Vorhandensein einer „Jllder-zenträte zur Veranstaltung von Deutschenpogromen" gtt sprechen und um zu behaupten, daß man es von jüdischer Seite von vornherein auf die Ermordung des als Antisemiten bekannten Bureaugeh ilsen abgesehen habe. Das Blatt sagt dann weiter, der C e n t r a l - B e r e i n werde sich darüber ausschweigen, ob der jüdische Rechtslandidat einer illegalen jüd i s chst k 0 m ne u nisti s che n Al v r d 0 r g. a n isati 0 n augehöre. Nun, der Central-Berein schweigt sich nicht aus, und er erklärt jeden, der behauptet, daß es eine jüdische Mordorganisatiou gibt oder daß jüdische Vereinigungen mit konnnumstischon Mordorgani- 'ationen in Verbindung stehen, für einen schamlosen Verleumder. Der Landesverband Ostpreußen des Eentral-Vereins hat eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt für denjenigen, der den Nachweis führen kann, daß es innerhalb Ostpreußens wie innerhalb ganz Deutschlands irgendeine jüdische Geheim- oder gar Mordorganisation gibt oder daß jüdische Organisationen mit kommunistischen Mordorganisationen Verbindung haben. Weiterhin druckt die „Norck"-Zeitnng in ihrer Nummer vom 16. April den Wahlaufruf unseres ostpreußischen Landesverbandes ab und nimmt Satz für Satz unter die völkische Lupe. Unser „Heraus aus der Gleichgültigkeit! Auf zum Widerstand", heiße doch, wie sie schreibt, „mit andern Worten, daß die malkabäischen Wechselmänner und Wechselbälge mit Schi eßp rüg ein auf Deutsche gehetzt lverden sollten, wie dies jüngstin Brannsberg geschehen". Wie muß aber der Leserkreis beschaffensein, dem man glaubte solche Mätzchen vorsetzen. zu'können. Und in derselben Art und Weise geben auch die anderen völkischen Zeitungen -ihren mcki semitischen Gefühlen Ausdruck. Die Gefahr ist. nicht zu verkennen. Aber der Central-Berein steht auf der Wacht, und er wird den ihm aufgezwungenen Kampf mit allen ihm za Gebote stehenden Mitteln des Rechts und der Wahrheit führen, die doch letzten Endes den Sieg davontrageu mäßen über das demagogische Treiben, der völkischen Elemente. S—y. wer jmö öle Geldgeber? S ch w e r e Be s ch i m P f u n g e n d e r „D c u t s ch e n Tage Zzeikung". Die Berliner „Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht in ihrer Nummer 96 vom 26. April 1924 eine Ansstellung aus. dem Nachlasse Kurt Eisners über eine Anzahl von ihm in der Zeit vom 25. September bis 16. Oktober 1918 ansgezahlter Schecks. Die Gelder sollen Kurt Eisner nach der Meinung der „Deutschen Tageszeitung" aus unbekannten Quellen zu geflossen sein und zur Finanzierung der Revolution iu München gedient haben. Die „Süddeutschen Monatshefte", die zuerst diese Aufstellung gebracht haben, bitten jeden, der über diese Beträge Näheres angeben kann, um Auskunft. Dagegen ist selbstverständlich nicht das "mindeste einzuwenden. /Die „Deutsche Tageszeitung" aber hält es littt dem Politischen Anstande für vereinbar, folgendes hinzirznfügen: „Es ist aber auch möglich, daß die Geldgeber iu Kreiselt 511 suchen sind, die innerhalb Deutschlands ihren Wohnsitz haben, und die ihr politisches ftdeal von jeher in der Untergrabung der gegebenen Ordnung und in der Nevolutiomerung gesehen haben, entsprechend der in 'ihren Kregen verbreiteten Anftnssnna, daß die R e v 0 l u t i 0 n der Ster n I u d a s sei." Anscheinend ist sie zu „vornehm", auch nur den Versuch eines Beweges für diese unerhörten Behauptungen zu nnachen, und die Verdächtigungen sind ebenso aus den Fingern gesoaen, wie der angebliche Ausspruch von Gra-etz: „Die Revolution "seider Stern Judas", der bekanntlich weder in den Werken des Professor Graetz noch sonstwo aufzufin-den ist. Die Verdächtigung ist jedenfalls auch einer der jetzt im völkischen Kreise üblichen „Lorbeerkränze" der Dankbarkeit, der die Gräber der beiden beiden Kämpfen gegen die Münchener Rotgardisten gefallenen deutsch - jüdischen Studenten „zieren" soll. I kommunistisch oder völkisch! Aus dem Geheimrundschrerben der Sepur ati sten. Die Berliner „Welt am Montag" (Nr. 17 vorn 28. April) ist in der Lage, ein streng vertrauliches Rundschreiben der „rheinischrepublikanischen Volkspartei" zu veröffentlichen, das am 15. April in Bonn ansgegebeu wurde. Es wendet sich gegen die Versuche separatistischer Sonder gruppen, die sich teils für i 0 m m n - n i st i s ch e, teils f ü r d e u t s ch v ö l k i s ch e A b st i m m u n g am 4. Mai ausgesprochen haben, und konunt zu dem Schlüsse, daß 8 für die Separatisten nur die Stimmenthaltung in Frage komme. Ob die Separatisten wählen oder nicht, wird bei der bekannten Tatsache, daß ihre Zahl nur geringfügig sein kann, da die erdrückende Mehrzahl der Bewohner des besetzten Gebietes treu zum Baterlande hält, keine Rolle spielen, dagegen ist -außerordentlich lehrreich, daß sich eine Anzahl Gruppen entweder zur Stimmabgabe z u g u n st e n d cx K 0 in in u n i st e u 0 derVölki - s ch e n ausgesprochen haben. Sie erhoffen ersichtlich von dem Erfolge dieser beiden radikalen Flügel eine derartige E r s ch ü t t e - r un g des politischen u n d w i r t s ch e. s t l i ch e n L e b e n s in Deut s ch l a n d, daß sie dabei a m b e st e n i h re dunkle n <9 e sch ä f t e betreiben können. Wieder einmal ein beachtliches Beispiel, wie gleichwertig die beiden Extreme in ihrer' Wirkung eingeschätzt lverden. Der Mange! an wirklichkeitssinn. G euer a l L u ü e nd 0 r f f i m W a h l k a m p f. An der Spitze ihrer Nummer vom 23. April veröffentlicht die „Grvßdentsche Zeitung" einen Brief L n d e n d 0 r f f s, in dem dieser sein Bedauern über die B e r lv i l d e r u n g de s W a h l k a m p f e s ansspricht und die bestimmte Erwartung äußert, daß man Ateinungsverschiedenheiten s ach t ich austragen werde. Tags darauf sprach im. Nahmell! eines ,,D e u t s ch e n A b e n d §" in Bamberg' derselbe General Lndendorff, der auch an der Spitze der Liste des völkischsoziateu Blockes steht, ohne daß er die Absicht hätte, im Falle seiner Wahl sein Mandat tatsächlich anszuüben, wie die ,.S ü d d e u t s ch e Zeit u n g" und auf Grimd vertraut i ch e n- Materials die Magdeburger „Bolksstimme" zu berichten weiß. Ob er das erba r m u n g s l 0 s,e Li ch t der Pa r l n m c lt taris che u Oeffentlichkeit scheut oder ob innere Zerwürfnisse innerhalb des aus der nationalsoziallstifc^eit deutschen Arbeiterpartei und der Dontschvöltischen Freiheitspartei gebildeten Blockes hierfür der Grund sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Kandidatur Ludendorffs scheint sonach nichts anderes zu seilt als eine Wah lmache - - ist also keineslvegs eine Realität. Alan hat dem Politiker Ludendorff schon mehrfach Mangel a n W irklichkeit ss i nn zur Last legen können. So nach deur Kapp-Pntsch, an dessen-' Erfolg er geglaubt hat, und bei dem Hitler-Putsch im Bürgerbräu, als er sich gunr Führer der deutschen Natioualarmee ausrusen ließ. Bei seinem jüngsten Auftreten m Bamberg zeigte Lndendorss seinen Mangel an Wirklichkeitssinn von einer and e r e n Seite. In seiner Rede befaß der Herr R4i chs! a gskan di bat, d ergeben erst vor Verwilderung inr Wa-hltäimpse geloarnt und zur Sachlichkeit gernahlit hatte, die — GeschLnacklosigkeit gegenüber dem Vorwurf, er sei an dem übereilten Waffenstillstaudsaugebot schuld gewesen, zu sagen: „Der Sinn aller dieser Aellßernngen lvird aber durch das Wort des Groß j u d e n- R athe n a u erklärt: Es ist uns noch im letzten Augenblick gelungen, alle Schuld auf Ludend-orff abzmvälzen." ' Wir wollen von einer Kritik dieser Ausdrucksform ab sehen, die dem -Redakteur des Kunze-Blattes angemessen wäre, nicht aber dem großen Feldherrn, unter dessen Führung 12 00 0 Juden den Hel b e nt 0 d g e st 0 r b cn s i 11 d. Aber es scheint bedenklich, daß Herr Lndendorff jetzt sogar schon beginnt, Aenßernngen zu zitieren, die unwirklich sind. Das geht, allerdings, wie lvic meinen, über einen bloßen „Vt a n g e l an W i r k l i ch k e i t s - f i n n" etwas hinaus . . . „pslitische Dbc-Schützen" Eine S t i m in c a us dev S ch w e i z. Die „Reue Zürcher Zeitung" vom 28. April beschäftigt sich in ihrem Leitartikel mit den Aussichten der deutschen Parteien im Wahltampf. Sie kommt dabei zu einer Beurteilung der dentschvölkischeu Bewegung, die nur so beachtlicher ist, als sie eben aus einem uicht -in' Deut s ch l a n d erscheinenden, aber denn 0 eh d e u t s ch e n B l alte stammt: „Das 'merkwürdigste Parteigebilde dürsten die Tent-schvökkischon abgeben, die mit ihrer Rattensängernlelodie ar:s allen Parteien von den Sozialisten bis zu den Tentschnationalen die Mißvergnügten an sich ziehen. Die Schlagwörter: Nationalismus und Antisemitismus werden zweifellos eine Menge Wähler verlocken, aber was daraufhin der Wahlurne als Volksvertreter entsteigt, wird ein lvildes Atengelnnrs politischer Abc-Schützen sein, ans dem sich schwerlich eine aktionssähige Partei kristallisieren läßt, voenigstens vorläufig incht. Tenn noch sielst man nirgends politisch über das schmächtigste Mittelmaß hinansrag-en.de Führer, denen man das Zeug zutrauen möchte, aus dem wirren Haufen eine geordnete Truppe zu .nrachen." Wir haben dem nichts hinznzufügen.

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