Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 18 (1.5.1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Der Anirag wird von Dr. L e w k o w i tz (Breslau) begründet, der daraus hinweist, daß neben der sozusagen „politischen" „C. V.-Zeitung" ein Blatt geschaffen loerden müsse, das im Sinne.der auf der Hauptversammlung in den verschiedenen Referaten gestellten Forderungen zur „inneren Mission" eine Pflegestätte wahren jüdischen Geistes bildet. Dieser Antrag und seine Begründung leitet eine eingehende Aussprache über Inhalt und Form der „C. B.-Zeitung" ein. Frau Fürth (Frankfurt) nimmt den ursprünglichen zurückgezogenen Antrag der Ortsgruppe Breslau wieder auf, wonach ein s i e b e n k ö p f i g e r S a ch v e r st ä n d i g e n a u s s ch u ß m i t b e - s o n d e r e n B o l l m a ch t e n v o n d e r H a u P t v e r s a m m l u n g eingesetzt werden soll, der die Umgestaltung der „C. B. - Z e i t u n g", d i e 21 e n «d e r u n g i h r e s N a m e n s u n d F örmats und die Umgestaltung des P h i l o - B e r - Inges vorbereitet; der Ausschuß soll die Umgestaltung n a ch >k a u s m ä n n i s ch e n Gesichtspunkten unter besonderer Berückst ch t i g u n g der Bedeut u n g der Zeitung und des- Verlages für die Beweg u n g vorbereiten. Justizrat Brodnitz: Zu dem überaus dankenswerten Antrag des Herrn Dr. Lewkowitz gebe ich die tatsächliche Erklärung ach daß wir schon vor längerer Zeit, auf Grund wiederholter Sitzungen den Entschluß gefaßt haben, ein Projekt im Sinne dieses Antrages durchzusühren. Wenn dieser Entschluß bisher nickst zur Ausführung gelangte, so lag dies lediglich daran, daß unsere finanziellen Mittel außerordentlich angespannt waren. Wenn uns hier heute der Rücken gestärkt wird nicht bloß durch einen feierlichen Beschluß, daß wir eine solche Zeitschrift heransbringett sollen, sondern dadurch, daß dieser Beschluß auch die feste Zusage unserer Freunde zum Ausdruck bringt, eine solche Zeitschrift nicht nur geistig, sondern vor allem auch s i n a n z i e l l zu unterstützen, dann wird das Projekt in denkbar s ch n e l l st er Zeit verwirklicht werden. — Was die Kritik an der „C. V.-Zeitung" betrifft, so wissen die an der Herausgabe beteiligten Freunde selber nur zu gut, daß sich mancherlei Einwände erheben lassen; ich kann aber aus meiner persönlichen Kenntnis der Verhältnisse heraus nur meinen außerordentlichen Dank sagen für das, was in der „C. V.-Zeitung" geleistet wurde. Ich glaube mit Ihnen einig zu sein, daß seit dem 1. Mai 1922, seitdem unsere Zeitschrift wöchentlich erscheint, unsere Arbeit an der Zeitung auf ein ganz anderes Niveau gehoben worden ist. Wenn alle führenden Persönlichkeiten in unserer Bewegung, und wir haben, hervorragende Kopfe o c n u g, die „C. V.-Zeitung" als die Klaviatur betrachten, auf der sie die politischen und kulturellen Probleme, die uns bewegen, zum Ausdruck bringen, wenn sie sich als mitverantwortlich für unsere Zeitung betrachten, dann wird diese zweifellos all- -mahlich das leisten, was wir von ihr erwarten und-erwarten dürfen. — Was die Anregung von Dr. Lewkowitz betrifft, so bin ich mit vielen andern der Meinung, daß ein wesentlicher Erfolg unserer Arbeit nur tzu erwarten ist, wenn wir diese Monatsschrift im Sinne der Anträge ' auf das denkbar höchste kulturelle Niveau heben. Julius B ab (Berlin) begründet eingehend folgenden Antrag: „Der Vorstand wird ersucht, zum zweckmäßigen Ausbau der „C. V.-Zeitung" einen journalistischen- Fachmann ersten Ranges zu gewinnen nnd ihn mit weitgehenden Vollmachten zu betrauen." Eine Zeitschrift, wie der Central-Verein sie braucht, sei eine küust- ■ lerische Tat und bedarf daher einer zielbewußten, umfassend gebildeten, künstlerisch formenden Persönlichkeit. Insbesondere muß die Zeitschrift des Central-Vereins nicht nur zeigen, warum wir deutsche Juden uns als Deutsche f ü h l e n, sondern sie muß unseren jüdischen und nichtjüdischen Freunden immer wieder zeigen, was eigentlich der deutsche Mensch ist, damit sich die Vorstellung vom wahrhaft deutschen Menschen nicht an Persönlichkeiten wie Herrn Hitler und seinen Genossen bilde, sondern an ^tein, Humboldt, Hardenberg, Goethe, Kant und Genossen; damit in uns deutschen Juden eine wahrhafte Vorstellung vom deutschen Menschen entstehe und das Bewußtsein gestärkt werde, daß wir mit diesem wahren -Deutschtum durchaus in Harmonie leben können und sollen. Das -ist die eigentliche Aufgabe des Central-Vereins und ihr soll auch die -Zeitschrift dienen! Dr. Paul Nathan (Berlin) weist auf die Schwierigkeiten hin, die der Central-Vereins-Schriftleitung dadurch erwachsen, daß die an sie gestellten Wünsche so mannigfacher Art sind und sich nicht gelten widersprechen. Allen Wünschen könne man unmöglich gerecht werden. Die Herren, die bisher ihre Kräfte der Zeitung gewidmet haben, haben sich m hohem Grade um den Ceutral-Verein verdient gemacht. Allein die Tatsache, daß die „C. V.- Zeitung" nicht den Verein sprengend gewirkt habe, sei ihr zum hohen Verdienst anzurechnen. Es müssen die finanziellen Mittel aufgebracht werden, um einen besonders befähigten Mann zu gewinnen, der im Hauptamt die „C. V.-Zeitung" bearbeitet. Redner stellt schließlich folgenden Antrag: „Die Hauptversammlung wolle beschließen, eine elfgliedrige Kommission einznfetzen, die sämtliche zur „C. V- ZeiLnng" vorliegenden Anträge prüft nnd derart znfammonarbeitet resp. einen solchen Extrakt uns ihnen zieht, das; eine Verbesserung der Zeitschrift entsteht." Dieser Antrag wird mit übergroßer Mehrheit angenommen mit der Maßgabe,. daß die elf - Mitglieder der Kommission vom Hauptvorstand bestimmt und berufen werden-, daß die Mitglieder der Kommission aber nicht dem Hauptvorstand angehören müssen. Eine Reihe von Anträgen, die von Abgeordneten zu dieser Frage gestellt wurden, werden dieser Kommission als Material überwiesen. Zum Geschästsbericht ist inzwischen folgender Antrag Freund (Berlin) eiugegaugen:' „Die Hauptversammlung wolle beschließen die Schaffung eines wissenschaftlichen Archivs zur systematischen Aufklärung über Juden nnd Judentum als Grundlage für die Herausgabe von 1. Handbüchern, 2. Broschüren, ^.systematischen und alphabetischen Nachschlagewerken über die Judenfrage für Juden und Nicht- 1 reden, 4. Lehrbüchern für den jüdischen Religionsunterricht. Rabbiner Dr. B-eer m a n n (Heilbwun): Der Gedanke, ein Archiv zu schaffen, ist gewiß gilt und schön; das entscheidende aber ist, daß das Material, das hier zufamuieu getragen wird, zweckmäßig benutzt wird, namentlich von den Lehrern und Geistlichen, damit es seinen Einfluß ausübe im jüdischen Hause und int der Erziehung der Jugend. Jnmitteu einer Aüelt der Gewalt und der äußeren Macht muß mehr als je das Judentum sich demütig ergreifen lassen von der Gewalt des Geistes und der inneren Werbekraft der Idee. Der Antrag Dr. Freund betr. Schaffung eines Archivs wird ei n sti nt mig angeno m m e it. .Zwei Anträge betr. Ceutral-Vereiu und Gemeinde- bzw. Gemeiudeverbnudswahlcu werden auf Antrag von Dr. B r o d n i tz und Dr. Freund mit allen gegen zwei Stimmen dem H a u P t v o r st a n d ü verwiese n. Zu dem Referate über Jugendbewegung wird folgende R e s o l u t i o n Dr. L e h m a n n (B e r l r n) u n d G e n. eingebracht: „Aus dem Gedanken heraus, daß die Jugendbewegung für die Aufgaben des C. V. von allergrößter Bedeutung ist, hält die Hauptversammlung es für erforderlich, daß 1. innerhalb des Hauptvorstandes ein Jugenddezernat geschaffen wird, das in stetiger direkter Verbindung mit den uns nahestehenden Jugendgruppeu steht; 2. daß irr der „C. V.-Zeitung" eine ständige Rubrik für die Jugendbewegung geschaffen wird. Die Resolution wird von Prediger Dr. Lehmann (Berlin) eingehend begründet. Er weist auf die Bedeutung der Jugend für die Aufgaben des E. V. hin und auf die Dankbarkeit, die die Jugend für die Beschäftigung mit ihr und für ihre Heranziehung zur Mitarbeit an ideellen Zielen empfindet.. Es ist notwendig, auch Jugend--- Versammlungen zu veranstalten und die besten Redner dorthin zu entsenden. Die Annahme und Ausführung der beantragten Resolutionen ist das mindeste, was für die deutschjüdische Jugend getan werden muß. s lieber die I u g e n d f r a g e entspinut sich eine lebhafte Aussprache, an der die Herren Stein (Bremerhaven), Ruda (Wilhelmshaven), Nathan (Hamburg), Löwenstein (Aachen), Brodnitz jun. (Berlin), Frau Wolfheim (Königsberg), Foerder (Breslau), Holländer (Berlin), Borchardt jun. (Berlin), Berlak (Berlin), John Wertheim (Berlin) teilnehmen. Durch die Ausführungen aller Redner geht der Wunsch, die Jugend in ihrer Arbeit zu unterstützen und ihre Mitarbeit am C. B. zu fordern. Neutralität wird als mit dem Willen und Wesen der Jugend unvereinbar abgelehnt. Hierauf wir-d die Entschließung Le h m a n n n n d Ge n. e i n st i m m i g a n g e n o m m e n. S-chlu ß der H a u p tversainrnlun g. Iustizrat Dr. Brodnitz übernimmt den Vorsitz und dankt den Abgeordneten für ihr Aus harren und ihre Mitarbeit. Besondere Anerkennung verdiene das Personal der Hauptgeschäftsstelle für seine unermüdliche und treue Mitarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung der Hauptversammlung. So schwer die Zeiten auch sind, die vor uns liegen und durch die wir hindurch müssen — zur nächsten Hauptverfammlnng hoffe er die alten Freunde alle wieder beisannnen zu sehen. Tenn solange der alte C. V.-Geist, wie er sich in der Arbeit der letzten Monate und auch während der Hauptversammlung gezeigt hat/ in uns lebt, werden wir nicht verloren sein. Geheimrat Falkenheim (Königsberg) spricht Iustizrat Vrodnitz unter Händeklatschen der Versammlung den Dank der Hauptversammlung für seine vorbildliche Versammlungsführung aus. -