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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-01 · 18 (1.5.1924) · p. Seite 246

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
18 (1.5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Es wird dann in die Besprechung der Satzrrngsändeprrnüerr eingetreten. Justizrat Sonnenfeld berichtet als Referent Mer die eingegangenen Anträge, die in besonderer Drucksache den Delegierten vorliegen. Eine Generaldebatte über sämtliche Anträge wird nicht gewünscht. werden ohne Debatte einstimmig folgende Aenderungen angenommen: Absatz 1 soll nunmehr lauten: „Nach Bedürfnis werden Ortsgruppen, Provinzial-- und Landesverbände gebildet, deren Errichtung nnd deren Satzungen der Genehmigung des Hauptvorstandes unterliegen." Absatz 3 (am Anfang) soll nunmehr lauten: „Ortsgruppen, Provinzial- und Landesverbände können jederzeit durch Beschlutz des Hauptvorstandes aufgelöst werden. Dieser Beschlutz bedarf einer Dreiviertelmehrheit des gesamten Hauptvorstandes. Gegen ihn steht binnen Monatsfrist Berufung an die nächste Hauptversammlung ohne aufschiebende Wirkung offen. Bon Tagungen der Provinzialnnd Landesverbände ist der Hanptvorstand rechtzeitig zu benachrichtigen." Zu 8 14 wird ohne Debatte e i n st i m nr i g folgende Aenderung angenommen. Absatz 1 Satz 1, am Anfang, soll nunmehr lauten: „Die Hauptversammlung setzt sich aus den Abgeord- * treten der Ortsgruppen, der Provinzial- und Landesverbände, den Syndreis sowie den Mitgliedern des Hauptvorstandes zusammen." wird ohne Debatte einstimmig folgende Aenderung augenomuen: . Absatz 1 Satz 1 soll nunmehr lauten: „Zeit, Ort nnd Tagesordnung der Hauptversammlung müssen vom Hauptvorstand wenigstens einen Monat vorher in dem Be re in sorg an bekanntgegeben werden." Eine ausführliche Debatte entspann sich über die «zu stand" m 5, 6. 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24 V) zu benutzen ist, und daß an die Stelle der Bezeichnung Vorstandsmitglied" für Mitglieder des Vorstandes des Gesamt- Vereins die Bezeichnung „Hauptvorstandsmitglied" tritt (88 8, 18, 19, 21, 23). Die Hauptversammlung nimmt hierauf eine von der Wahlkommission des Hauptvorstandes vorgelegte Vorschlagsliste für die Vorstandswahlen entgegen. Da diese mit der Zahl von 109 HauPtvorstandsmitgliedern um 8 über die nach den neuen Satzungen zu wählende hinausgeht-, beschließt der Ha-uptvorstan-d, die überzähligen acht Hauptvorstandsmitgil-ieder seinerseits zu kooptieren. Dr. Ludwig Wassermann (Nürnberg) übernimmt den Vorsitz und erteilt zum Finanzbericht Herrn Oscar Hermann (Berlin) als Vorsitzendem desVer. w a l t u n g s a u s s ch u s s e s das Wort. Dieser betrachtet kurz die Finanzgebarungi des C.-V. und weist eindringlich auf die Notwendigkeit regelmäßiger Beitragszahlung und ansehnlicher Sonderspenden hin, da es sonst unmöglich sei, die Geschäfte des Central-Vereins so zu führen, wie es im Interesse der großen Sache des C.-V. liege: der Wahrung der Rechte des deutschen Judentums im Dienste des Vaterlandes. Herr Zamory (Berlin) erstattet anschließend den Revisionsbericht und beantragt namens der Revisoren, dem Vorstand für die Kassenführung Entlastung zu erteilen. Die .beantragte Entlastung wird einstimmig und ohne Debatte erteilt. Die Versammlung erhebt sich ferner zum Zeichen des Dankes an die Geschästsleitung des C. V. von den Plätzen. Die bisherigen Kassenrevisoren, Geheimrat Hahn und- Zamory, werden ohne Debatte einstimmig wiedergewählt. Außerhalb der vorgesehenen Referate berichtete Professor Dr. Iulius Goldstein> (Darmstadt), von Beifall begrüßt, auf Grund sechsmonatlichen Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten über die dortige antisemitische Bewegung. Die geistvollen, durch persönliches Erleben besonders interessanten Darlegungen Professor Goldsteins fanden stürmischen Beifall. * 2. Sitzungstäg. Vormittagssitzung. Vorsitzender: Geheimrat Hugo Falkenheim. 8 18 vorliegenden Anträge des Hauptvorstandes, des Landesverbandes Nrederfchlesten, der Herren Brodnitz - Holländer - Sonnenfeld, bet texten Weil und Gen., des Herrn Rechtsanwalts John Wertheim. n der Begründung der Anträge bzw. an der Diskussion beteiligen sich Foerder (Breslau), Frau Fürth (Frankfurt a. M.), Wiesenthal Merlin), Petzon (Magdeburg), Wertheim, Landgerichtsrat Stern, Brodnitz, Weil (Berlin). Es werdenschließlich folgende Anträge angenommen: 1. Antrag Weil und Gen.: § 18 Msatz 1 ist folgendermaßen zu fasten: „3» den Hairptvorstarrd wählt die HaAptversmnmkttrrg 70 Mitglieder. Der Hauptvorstand ist befugt, sich bis zu zrhn weitere Mitglieder znzuwählen. Außerdem wählt jeder Landesverband ein Mitglied. Soweit ein Landesverband mehr als 3800 zahlende Mitglieder hat, wählt er ein weiteres und, falls die Zahl seiner zahlenden Mitglieder 6000 überschreitet, ein drittes Vorstandsmitglied." Absatz 2: Ä „Die Ehrenmitglieder sind dauernd Hauptvorftandsmitgli ed er." ' 2. Amendement Landgerichts rat Stern u. Gen. (Berlin): K „Der Verband Groß-Berlin ist im Sinne dieser Be- E strnrmnng als Landesverband anzusehen." 3. Antrag B r od nih: In Z 18 ist folgender Absatz 3 einzusehen: „Shndiei dürfen nicht Mitglieder des Hauptvor- A standes sein." £ Nachdem, wie vorstehend berichtet, über die einzelnen Anträge -auf Bendernng des K 18 abgeftimmt worden, wird der gesamte § 18 der STtzmMn in der vorstehend abgeänderten Form zur Abstimmung gestellt und, in Probe und Gegenprobe, nnt der erforderlichen Zweidrittelmehrheit, nämlich mit 114:10 Stimmen, angenommen. Die zu M --v §io Anliegenden Anträge werden in Probe und Gegenprobe abgelchnt, so daß dieser Paragraph unverändert bleibt. Angenommen wird ferner die vom Hauptvorstand vovgeschla-gene redaktionelle Aenderung der Satzungen,, daß überall, wo vom „Vorstand^ des Gesamtsvereins die Rede ist, die Bezeichnung „Hauptvor¬ Jnnerjüdische Fragen. Dr. Jsmar Freund (Berlin): Wenn ich über innere Fragen des deutschen Judentums sprechen soll, so möchte ich anknüpfen an die äußeren Geschehnisse, an den Kamps, den wir nach außen hin zu führen haben und der gestern Gegenstand unserer Beratungen gewesen ist. In dem Unterbewußtsein: eines jeden von uns lebt die Frage: Hat unsere Arbeit denn überhaupt einen Wert? Und zu einer solchen Fragestellung gelangt man nicht nur, wenn mau die verschwindende numerische Bedeutung des deutschen Judentums gegenüber den Gewallten sich vergegenwärtigt, gegen die wir zu kämpfen haben, sondern auch, wenn wir den Fatalismus sehen, mit dem das gesamte deutsche Volk, mit dem die Regierung, mit dem die politischen Parteien als etwas Unabänderliches diesen Wahnsinn hinnehmen, der über Deutschland hereinbricht und es zu verschlingen droht. Wenn wir diese Resignation sehen aus der ganzen Linie, «dann müssen wir uns fragen: Haben wir 600 000 deutschen Juden Aussicht, in diesem Kampfe zu bestehen? Wenn wir diese Frage nicht mit einem In beantworten können, dann müssen wir abtreten, dann haben auch diese Beratungen hier Leinen Zweck mehr. Daß -wir da sind, zeigt, daß wir an die Aussichten unseres Kampfes glauben. Diese Aussichten haben wir aber nur dann, wenn wir uns der Tatsache bewußt sind, daß wir durch Qualität ersetzen müssen, was uns an Quantität abgeht; daß wir niemals den Kampf in jener Schlachtwihe aulsnehmen können, in die unsere Gegner -uns zwingen wollen. Unser Kamps wird -immer nur ein Kampf des Geistes bleiben müssen, ein Kamps der ethischen Grundsätze, aus denen das Judentum beruht, mit denen es steht und fällt. 9tur mit -dem Appell an die unverlierbaren, positiven Werte im Menschen können wir unseren Kampf führen. Dies bedeutet nichts anderes, als daß wir dem Zerrbr-bd vom Judentum, das unsere Gegner hingestellt haben, gegenüberstellen müssen -das Bild des w a h r e n I u d e n t u m s. Was ist nun wirklich „Judentum"? Das müsten wir nicht nur dem Gegner Aar machen, sondern vorh er und vor allem uns selber. Das ist unsere größte Ausgabe: uns zu Judenzu machen, uns mit Judentum zu erfüllen. Wir müssen dazu das Judentum inventarisieren, und zwar unter dem Gesichts- Punkt, den unsere Gegner uns aufzwingen: nämlich unter dem der Apologetik. Wir müssen das Positive des Judentums zusammensasten in einem großen Sammelbecken. Wir müssen ein apologetisches Archiv schassen: daS heißt eine Zusmnmensttllung alles dessen, was das Judentum bedeutet, nach unserer Auffassung und im Bilde der Gegner, in der Gegenwart, in der Vergangenheit und

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