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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-01 · 18 (1.5.1924) · p. Seite 244

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
18 (1.5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 obgleich die Zahl der Juden in Ostpreußen verhältnismäßig klein ist. Wir haben bei uns, die wir ja jetzt vom übrigen deutschen Baterlande abgeschnitten sind, noch viel mehr als die Oberschl-ester das Gefühl, daß wir den Gefahren, denen Randstaaten im allgemeinen ausgesetzt zu fein Pflegen, unterworfen sind. Bei -den Bestrebungen Polens, die hinsichtlich Danzigs tagtäglich stärker zutage treten, müssen wir befürchten, daß der Appetit Polens auch auf Ostpreußen recht rege ist. Als Gegenerscheinung entwickelt sich ein erhöhtes RaLionalbewußisein der Ostpreußen; daraus» wiederum in manchen BevöÜerungsteilen, genährt durch nationalsozialistische Agitatoren, ganz anorganisch, Antisemitismus. Ostpreußen „brennt"! Außerordentlich nützlich sind die Aufklürungsversammlungen gewesen, bei denen wir von der Berliner Zentrale bereitwilligst unterstützt wurden; wir schulden den Berliner Herren, die zu uns herübergekommen sind, um uns in unserer Ausklärungsarbeit zu unterstützen, gantz besonderen Dank. Wir habeneine ganze Reihe von Rednerkursen äbgehalten, und wir haben damit den glänzendsten Erfolg erzielt. Die Verhältnisse in P o W m e r n schildert Rechtsanwalt Dr. Marcuse (Stettin): Die" Verschiedenheit, die das antisemitische Gesicht in der verschiedenen Landesteilen zeigt, ist, neben anderen Gründen, hervorgeW^en durch die verschiedenen religiösen Bekenntnisse, die in den einzelnen Landesteilen vorherrschen; durch die verschiedene außenpolitische Beeinflussung der Lage; zum Teil aber auch durch die verschiedene geistige Konstruktion der einzelnen Bezirke. Die antisemitische Bewegung in meinem Heimatlande Pommern möchte ich aus die Formel bringen: Langsam, Schritt für Schritt, wird die pommersche Bevölkerung mit Antisemitismus infiziert, und im gleichen Tempo wird die jüdische Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben au sge) chaltet, d. h. boykottiert. Der Redner schildert sodann ausführlich und an der Hand von dokumentarischen Unterlagen die Durchführung des wirtschaftlichen' Boykotts gegen die Juden Pommerns. ''Herr Geheimrat Falkenheim hat hier vonder außerordentlich günstigen Wir kl mg der AufklärungAversamm- Iungen berichtet. Diese Versammlungen werden aber in den größeren Provmzstüdten! abgehalten und das platte Land erfährt nichts davon. (Zuruf: Da wollem es ja die Mitglieder meist nicht haben!) Wir Müssen dann eben über die Köpfe der Mitglieder hinweggehen. (Lebhaftes Sehr richtig!) Wir müssen sie Zwingen, zu erkennen, was ihnen gut ist! Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, im Laufe eines Jahres in jeder kleinen Stadt, in jedem großen Dorf eine Ausklärungsversammlung abzuh alten. Aus dem Geschäftsbericht ist zu ersehen, daß vom Herbst 1921 bis jetzt 80 derartige Auf- Wrungsversammlungen vor christlichem Publikum stattgesunden haben. Alle Achtung. Aber wir müssen dazu kommen, daß in jedem Jahr 80 Vers-ammlungen statifinden. Sorgen wir dafür, daß die erforderlichen Abwehrmittel aufgebracht werden, damit wir nicht vernichtet werden. Denn was Sie jetzt an Opfern darbringen müssen, ist nur ein Bruchreil dessen, was Sie verlieren würden, wenn die ÄWischen auch nur vorübergehend ihr Ziel erreichen. Als erster Vertreter ' aus derr besetzten Gebieten nimmt für das . ' Ruhrgebiet . . . ... Rechtsanwalt Dr. K r o m b -a ch (Essen) das Wort: Rhein und Ruhr — diese beiden Namen, mit denen wir Deutschen all unser Hoffen, all unseren Stolz verknüpfen, bergen heute in sich tiefen Schmerz und schwere Sorgen. Hier liegt der Schlüssel für dle gegenwärtigen . Verhältnisse im deutschen Vlater-lan.de, nicht nur hinstchKich fer. auswärtigen Politik, mehr noch in innerpoliti-scher Hinsicht; und die inneren Wunden DeMchland-s werden N'icht eher heilen, als ni-cht die Leid-enszeit für Rhein und Ruhr vornüber sein wird. Fürckz-ehn Monate Fremdherrschaft lasten auf dem gottgesegneten Bezirk an Rhein und Ruhr. D ie t i e f st e N o t in diese r Zeit hat keinen Um t e rschied g e macht zwischen Jude n und Christen. Es ist deshalb unsere vornehmste Pflicht, in diesem Augenblick aller dererzu gedenken, die an ihrer Gesundheit, an Leib und Gut Schaden genommen haben, -werk sie eintraten für ihr Vaterland; und unser besonderer Gruß gilt denen, die heute noch in der. Knechtschaft schmachten und sich nach ihrer Befreiung sehnen. Wir müssen aber auch eine fettere Anklage erheben. Gegen diejenigen nämlich, -die sich nicht gescheut haben, in Liesen Tagen e in t n D o I ch st o ß gegen die innere Abwehr front'zu richten; die sich nicht gescheut haben, ihren persönlichen, parteipolitischen Nutzen aus dem Unglück des Vaterlandes, zum Schaden des Vaterlandes und insbesondere des besetzten Gebietes zu ziehen. Wir sind uns einig im besetzten Gebiet, und ich darf glauben,- in allen Lagern: daß das großsprecherische Treiben derer um Hitler zusehends unsere Lage verschlimmert, daß die Tat vom 9. November 1923 und, das, was der Prozeß darüber ans Licht brachte, Wasser aus die Mühlen der Fzeinde Deutschlands getrieben hat. Und wenn wir im besetzten Gebiet einen Wunsch haben an die Brüder im unbesetzten, so ist es der, daß sie in stil ler, ruhiger Arbeitdie Mittel und Wege s u ch e n , um uns aus unseren Sorgen befreien und uns unsere Freiheit wiederzugeben. Als die französischen Truppen ins Land rückten, da war es * uns Juden im besetzten Gebiet von vornherein klar, daß man die alten Rezepte, die man im Krieg und nach der Revolution benutzt hatte, uns gegenüber von neuem anwenden würde; daß die Verantwortung für den Nuhremsall sehr schnell den Inden-zu geschrieben werden würde. Und in der Tat! Es ist uns keine Verdächtigung erspart geblieben. Selbstverständlich ist es das „internationale Judentum" gewesen, daß die Franzosen ins Land gerufen hat. Die Juden waren es, die von vornherein den Franzosen freundlich entgegengetreten sind. Man behauptete sogar, dieser undjener angesehene Kaufmann hätte die. Trikolore gehißt. Juden sollen den passiven Widerstand nicht unterstützt und nur auf ihre Geschäfte bedacht gewesen sein. Und selbstverständ'lich seien die Bestrebungen zur Errichtung einer rheinischen Republik und der Separatismus letzten Endes das Werk deutscher und ausländischer. Juden. Man. .nannte .in der EvsindungsfreudigkeiL schon ganz genau das, Bureau der Leitung dieser Bestrebungen und sagte, dort sitzen die jüdischen- Leiter und die jüdischen Angestellten. — Wir sind zu stolz, um all diesen Dingen an dieser Stelle entgegenzutreten. Das Material, das uns zur Verfügung steht, zeigt deutlich genug, daß wir alle im besetzten Gebiet, ob Juden, ob Christen, ingleicherWei se unsere Opfer gebracht haben; und im besetzten Gebiet gibt es nur ein Wort des Abscheus gegen alle -diese Verdächtigungen. Leider nicht im unbesetzten Gebiet! Dort benutzt man diese unwahren Verdächtigungen für den Wahlkampf. Die Arbeitfür den Central- Verein im besetzten Gebiet hat während des letzten Jahres sehr gelitten, vor allem unter den Verkehrsschwierigkeiten, die die Ortsgruppen usw. im besetzten Gebiet nicht nur von der Zentrale in Berlin abschnitten, sondern auch jede einzelne Ortsgruppe zu selbständigen, vollkommen losgelösten Enklaven machten. Hinzu kamen die Vereins- und Versanimtungsbejchrünkuugen infolge der Besetzung, die selbstverständlich die jüdischen Organisationen genau so trafen, wie die anderen. Um so notwendiger war es, Aufklärungsarbeit zu treiben; und -das ist erleichtert worden durch das geradezu wunderbare Material, das die Zentrale gerade in der letzten Zeit den Ortsgruppen zur Verfügung gestellt hat. Diese Aufklärungsarbeit war besonders erforderlich in den Randzonen des besetzten Gebietes, weil dort diejenigen Organisationen sich ausleben konnten, die wegen ihrer politischen Tätigkeit im besetzten Gebiet verboten sind und zu deren Programm'auch der Antisemitismus gehört. Sie haben diesen. Antisemitismus insbesondere mach Westfalen getragen, das bisher antisemitisch nicht verhetzt war. Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob wir uns im besetzten Gebiet zueiner besonderen Organisation im Sinne des Central-Vereins Zusammenschließen sollten; wir habendiese Frage selbstverständlich verneint, weil wir der Ansicht sind, daß wir gerade in dieser Zeit altes unterstreichen müssen-, was uns' mit dem Cent ral-Ve rein und dem unbesetzt en deutsche n Vaterland vewbindet! Wie die Zukunft aussteht, wissen wir nicht. Aber wir bitten um Ihre Treue zu unserer Arbeit, und wir versichern Ihnen als etwas Selbstverständliches, -daß in unserem Bezirk die Treue zum Vaterlande und zum CentrabVerein nicht erlöschen wird. Treue umTreue! Nach Dr. Krombach erhielt für die Pfalz ein Vertreter dieses Bezirkes das Wort: Als ich aus dem Wege hierher über den Rhein ftchr, hatte ich den Gedanken, aus einem sehr gefährdeten und außerordentlich niedergebeugten Gebiete, nämlich aus der schönen. Pfalz am Rhein, in die Freiheit, in eine freie und gute Lust zu fahren. Und ich muß Ihnen offen sagen, jetzt habe ich das Gefühl, daß wir besser dran sind in der Pfalz, und daß hier das Unglück herrscht. Denn wir stehen dort d r ü b e n i n der Pfalz, wo eine wirklich nationale Tat zuvollbringen ist, Schulter an Schulter m i t u n s e r e n ch r istliche n M i t b ü r g e r n. Hier aber 'herrscht die 'nationale Phrase. Hier wird, wer in einem anderer^ politischen Lager steht, mit Schmutz beworfen, beschimpft. In der Pfalz erleben wir so recht ' die Tragik der deutschen I u d e n : dort, wo g e k ä m p f t wird, stehen wir Schulter au Schulter mit unseren christlichen. Mitbürgern, in deren ersten Front mit allen andern; und dort, wo nur gesprochen, wo nur gefaselt wird, werden wir mit Schmutz beworfen, dort sind wir die „Feinde des Vaterlandes"! Wir gehören ja zu Bayern; und wir haben oft gesagt: es würde, viele dieser um mich anständig auszudrücken — Münder stopfen, wenn nur einige von diesen Herrschasten ein Paar Tage dort Zubringern müßten., wo wirklich die Gefahr herrscht, wo eine geschlossene EinheitsabwehrfrOnt notwendig ist — die nur aufgebaut werden kann auf vernünftige Arbeit, fern jeder hochtrabenden Phrase. Wir haben in der Pfalz sehr schwere Tage hinter uns. Die Besetzung bei uns dauert lucht erst fünfzehn Monate wie im Ruhr gebiet. Wir haben die Auswirkungen des passiven Widerstandes, an dem ganz Deutschland ideell teilgenommen hat, an unserem eigenen Leibe verspürt. Tenn auf unserem Rücken allein ist er doch ausgetragen worden. Wir hatten vor allem den Separatismus, die „freie - Pfalz" - Bewegung, und zuletzt die sogenannte „Regierung" der „autonomen Pfalz". — Sie kennen das alles ja aus den Zeitungen und wissen, daß erst die ganze Welt hat in Bewegung gesetzt werden müssen, nur von diesem kleinen Lande Pfalz diese Last zu nehmen. Sie wissen nicht, was es bedeutet, wenn Deutsche sich dazu hergeben, als Landsknechte- und Agenten einer fremden Macht ihre -eigenen Volksgenossen im Interesse einer fremden Macht zu unterdrücken! Wir Pfälzer Juden haben in dieser ganzen Zeit, was selbstverständlich ist, unfern Mann für D e u t s ch l a n d ge st a u d e n. Es i ft eine gemeine u n d bö s w i lI i g e V e r l e u m d u n g, daß I u d e n - i no d e r h in t :e r die s e r „a u t ono nt e n" Reaie -

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